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Ahvak

Ahvak

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: RIO / Avant
Label: Cuneiform Records
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Yehuda Kollon Guitars
Ishay Sommer Bass
Udi Susser Keyboards, Woodwinds, Vocals, Baglama, Darbooka
Roy Yarkoni Keyboards, Piano
Dave Kerman Drums, Percussion
Udi Koomran Computer

Tracklist

Disc 1
1. Vivisektia 8:30
2. Bherta 8:25
3. Regaim 2:41
4. Ahvak 16:21
5. Melet 2:53
6. Hamef Ahakim 13:32
7. Pirzool 0:58
Gesamtlaufzeit53:20


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 3)


Der Name Udi Koomran wird dem einen oder anderen Proghörer schon einmal untergekommen sein, zumindest dann, wenn er sich für die belgische Band Present interessiert. Koomran war nämlich als Toningenieur und Klangmischer maßgeblich an der Entstehung der (bis dato) letzten beiden Present CDs ("No.6" und "High Infidelity") beteiligt. Stilistisch liegt die Musik von Ahvak (was "Staub" bedeutet) nicht allzu weit weg. Wie Present bietet die Band aus Tel Aviv eher düsteren, neoklassischen Prog mit Zeuhl-Einschlag. Ein weiterer stilverwandschaftlicher Fingerzeig ist die Beteiligung von Schlagzeuger Dave Kerman (5 UU's, Thinking Plague) an diesem Projekt, der auch auf den eben erwähnten Present-Scheiben die Felle bearbeitet hat. 5 UU's und Thinking Plague sind dann neben Present und Univers Zero wohl auch die besten Vergleichsbands zu Ahvak.

Mit verfremdeten, hallenden Gitarrenklängen fängt die Scheibe an, die dann von fast arabischer Perkussion, begleitet von Entengschnatter abgelöst wird, ehe Gitarre(n), Keyboards, Bass und Flöten einsetzen und das Stück richtig los geht.

Eine komplexe Klangwelt lassen Ahvak in den vier langen Nummern auf dieser CD - "Vivisektzia", Bertha", "Ahvak" und "Hamef Ahakim" - entstehen, dominiert von der treibenden Rhythmusgruppe, einer Myriade von Keyboardklängen und der ähnlich vielseitigen Gitarre. Frickelig, schräg, zeuhlig-repetitiv und wüst ist die Musik hier meist, vorangepeitscht von Kermans Schlagzeug und dem kraftvollen Bass. Die beiden Keyboarder toben sich aus, die Gitarre jault und harte Pianoklänge sorgen für das neoklassische Element. Düstere, ekstatisch-rhythmische Klangorgien sind das, ein verstörend-experimentelles Durcheinander von Klängen von Keyboard, Gitarre und Computer. Dazu erklingen noch diverse Blasinstrumente, insbesondere Flöten, obwohl es bisweilen unklar bleibt, ob diese nun "echt" sind oder elektronisch erzeugt wurden. Es gibt aber auch immer wieder ruhigere Stellen, an denen die Töne eigenartig flirrend aus den Boxen strömen, quäken, dröhnen, brummen, zischen, rauschen, blubbern? Dazu kommt eine faszinierende, hebräisch-nahöstliche Stimmung, die dem Ganzen anhängt: Einflüsse von Klezmer und Polka auf der einen, und Spuren von arabischen Blasinstrumenten, Perkussion und Rhythmik auf der anderen Seite. Nur auf "Vivisektzia" und "Ahvak" gibt es kurzen verzerrten "Gesang".

Dann gibt es auf "Ahvak" noch drei Miniaturen, die wohl zur "Erholung" zwischen die längeren Tracks eingefügt wurden bzw. die Scheibe ausleiten. "Regaim" ist eine recht dissonante Improvisation für Flöte und Piano. "Melet" bietet ein kompliziertes Gitarren-Keyboard-Duett, wobei erstere von akustisch bis elektrisch-verzerrt und letztere von glockenspiel-, orgel- bis pianoartig, diverse Register ihres instrumententypischen Klangs ziehen. "Pirzool" schließlich beendet die Scheibe mit metallisch-elektronischem Krach, zu dem eine Art rauhes, verzerrtes Schreien erklingt.

"Ahvak" ist eine erfrischende Scheibe mit grandios produziertem, schräg-komplexen Avant-Prog, die all denjenigen, die Univers Zero, Present oder die amerikanischen Bands aus dem Betätigungsfeld von Dave Kerman schätzen, begeistern sollte!

Anspieltipp(s): Ahvak
Vergleichbar mit: Univers Zero, Present, 5UU's
Veröffentlicht am: 22.2.2004
Letzte Änderung: 17.1.2007
Wertung: 13/15

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Von: Fix Sadler @ (Rezension 2 von 3)


Achim hat die Platte nach meinem Empfinden treffend beschrieben. Es geht wüst zu auf Ahvak! Hochkomplexe, schräg-frickelige, teilweise düster-repetitive Klangschaften werden erarbeit und fordern dem Hörer vieles ab.

"Erarbeiten" ist aber auch das Stichwort für meine Kritik. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Israelis jedes Stück noch ein Stück weiter treiben, als es dem Stück gut tut (Stück-Gut?). "Los, wir setzen noch einen drauf, noch einen und noch einen", ein Schelm wer glaubt, dass die Jungens sich durch Dave Kerman veranlasst fühlten die "Einfluss-Bands" zu übertrumpfen... Jedes der "langen" Teile ist für mein Empfinden zu lang und insgesamt ist die Dynamik des Albums so geartet, dass man es immer weiter auf die Spitze treibt. Finde ich krampfig. Darüber hinaus ist die Platte zwar "hervorragend produziert", aber insgesamt wesentlich zu höhenlastig. Ein Nervfaktor, der durch den überzogenen Einsatz von Tasten-Instrumenten auch noch über Gebühr betont wird. Auf der nach oben offenen "Qietsch-Skala" bekomme ich den Eindruck, dass Udi Susser, Roy Yarkoni und Udi Koomran zu viel NeoProg gehört haben... Ansprechend wird es immer dann, wenn die Gitarre ansatzweise "rotzen" darf (auch Yehuda Kollon spielt eher eine "gekünstelte", viel zu "cleane" Klampfe), der Bass die Führung übernimmt, oder die Band sich insgesamt schon in "Psycho-Kirmes-Regionen" a la French TV bewegt. Dann funktioniert das überzogene "Quietschen" nämlich.

Nun klingt das alles ziemlich unwohlmeinend, das ist aber verkehrt. Ich finde es nur überaus schade, dass die guten Ideen der Band an "quietschiger, heftiger, schräger" scheitern. Mir würde die Platte nämlich wirklich Spass machen können, wenn sich die Combo einfach ein bisschen weniger dem "absoluten" Sound verpflichtet fühlte. Vielleicht ist aber auch gerade das, was der begeisterte Hörer (siehe Achim) begeisternd findet. Mit Hoffnung auf ein zweites, "weniger-ist-mehr-Album" sage ich aber: "nette Ansätze, versucht es noch mal."

Anspieltipp(s): Bherta
Vergleichbar mit: Univers Zero, French TV
Veröffentlicht am: 29.10.2005
Letzte Änderung: 29.10.2005
Wertung: 7/15

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Von: Kristian Selm @ (Rezension 3 von 3)


Machen wir es kurz: wer auf schöne Harmonien oder Wohlklang setzt, braucht gar nicht weiterlesen. Wer es gerne außergewöhnlich und fordernd mag, eine Faible für überraschende, dissonante Wendungen und Brüche hat und sich außerdem für fast reine Instrumentalmusik begeistern kann, findet hier das richtige Futter!

Ahvak ist das hebräische Wort für Staub. Mit ihrem Debüt wirbelt die gleichnamige Band jede Menge von demselben auf, lässt kein Sandkorn auf dem anderen liegen, baut lustige Sandburgen, um diese genauso unbarmherzig wieder einzureißen. Wenn dazu noch ein gewisser Dave Kerman (u.a. 5uu’s, Thinking Plague, Present) irgendwo mittrommelt, dann weiß man unter Garantie, dass dabei etwas Außergewöhnliches entsteht. So ist der Beitrag, denn der mittlerweile in Israel lebende Amerikaner beim Debüt von Ahvak beisteuert, nicht minder aufregend, als dass, was seine israelische Kollegen im experimentellen Spannungsfeld von R.I.O. und Avantgarde abliefern.

Ahvak agieren im Bereich der langsam aufgebauten Spannungsebenen. Diese münden in vielschichtigen, höchstkomplexen Klangkaskaden, die aus unzähligen Tönen und gleichzeitig laufenden Melodielinien bestehen. Der Reiz dieser Musik beruht vor allem auf dem Unerwarteten, den ständigen Brüchen, dem Spiel mit treibenden Rhythmen und klassischer Verspieltheit. Mit Tempoverschärfung und ständigen Dynamiksprüngen entsteht eine unheilvolle Dramatik, die bisweilen cineastisches Format erreicht.

Die Band agiert dabei meist als Ganzes, beeindruckt durch ausgefeilte Arrangements, in der sich dennoch keiner der Instrumentalisten (Gitarre, Bass, Keyboards, diverse Blasinstrumente, Schlagzeug) zurücknehmen muss. Verfremdete Klänge, von denen man nie weiß, ob sie nur gesampelt oder von irgendwelchen eigenartigen Klangkörpern erzeugt wurden, sorgen für den avantgardistischen Feinschliff. Just in denen Momenten, wo es den Anschein hat, dass sich Ahvak lediglich frickelig oder von allen Strukturen losgelöst austoben, die Grenzen der Erträglichen aufs Neue ausloten und alles scheinbar endgültig in sich zusammenfällt, prasseln auf einmal spannende, energiegeladene Akkorde auf den Hörer nieder. Ganz überraschend gelingt so etwas, wie ein fast schon versöhnliches Gleichgewicht.

Ahvak sind mitnichten leichte Kost. Wer sich aber für Bands vom Kaliber Univers Zero, Present (die letzten beiden Alben produzierte der ebenfalls bei Ahvak hinterm Mischpult sitzende Udi Koomran) oder Thinking Plague begeistern kann, für denn bieten die Israelis einen weiteren Meilenstein an kammermusikalischen, neo-klassischen Rock der ganz anderen Art. Harter Stoff, strukturierter Krach, der begeistert.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.4.2006
Letzte Änderung: 14.4.2006
Wertung: 11/15

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