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Taylor's Free Universe

On-Plugged In Elsinore

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003 (veröffentlicht unter "Peter Friis Nielson / Taylor's Free Universe)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Jazz; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant
Label: Marvel Of Beauty Records
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Karsten Vogel Alto Saxophone
Pierre Tassone Processed Violin
Robin Taylor Atmospheric Guitar & Electronics
Peter Friis Nielsen Electric Bass
Kalle Mathiesen Percussives, sampler, etc.

Tracklist

Disc 1
1. Amalie 9:02
2. Picnic At Noon 10:40
3. Tight Little Waves 7;16
4. The Fifth Element 16:05
5. Exit Elsinore 13:05
6. Train 9:46
Gesamtlaufzeit65:54


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 2)


Das zweite Taylor's Free Universe-Album ist eine Live-Aufnahme eines Club-Gigs vom März 2003, bei dem der dänische Bassist Peter Friis Nielsen zur Band stieß, der auch auf dem Cover explizit neben dem Bandnamen genannt ist.

Mit dem Titel "On-plugged in Elsinore" stellen Taylor's Free Universe gleich klar, wie sie sich vom Jazz-Mainstream abheben und eher in Richtung eines zeitgenössischen Sounds gehen, der verschiedene Einflüsse der modernen populären Musik absorbiert: rein akustisch geht es hier nicht zu. Zwar ist der Sound nicht so stark Electronica-angehaucht wie bei "File Under Extreme", aber Elektronik, Effekte, bearbeitete Instrumente, Loops und Samples gehören auch zur Live-Philosophie der Band und werden in die Improvisationen stark einbezogen. Vor-strukturierte Kompositionen scheint es hier kaum zu geben (auch wenn gelegentliche, von der Band angedeutete oder aufgenommene rhythmische Muster zumindest ein geringes Mass an vorheriger Absprache nahelegen): hauptsächliche freie Improvisation ist Trumpf. Oft übernimmt es Bassist Nielsen mit prägnanten Läufen und Riffs, eine Grundlage zu geben, aus der heraus sich die Improvisationen entwickeln. Die melodische Führungsarbeit übernimmt dabei meist Saxophonist Karsten Vogel mit verspielten, verfrickelten, aber selten atonal-geräuschhaften (wie sie im Freejazz sonst bei Bläsern oft vorkommen) Linien. Bandgründer und Namensgeber Taylor bleibt wie auf dem Studioalbum die meiste Zeit eher im Hintergrund, sorgt mit seinem effekt-bearbeiteten Gitarrensound und elektronischen Flächen für Atmosphäre und wird dabei in der Regel von Violinist Pierre Tassone unterstützt, der sich aber auch gelegentlich solistisch in den Vordergrund spielen kann. Lediglich Schlagzeuger Kalle Mathiesen klingt hier und da etwas verloren, als ob er nicht immer wisse, wie er Nielsens Bass-Mahlstrom etwas entgegensetzen könne. Vielleicht geht aber auch einfach nur sein Beitrag an gesampelten Grundlagen und Flächen etwas unter bzw. ihm kann nicht eindeutig zugeordnet werden.

Jedenfalls ist das Endprodukt sehr stimmungsvoll und von spät-nachtiger, melancholisch-surrealer Atmosphäre. Die system-immanente "Unsicherheit", das Fehlen von Netz und doppeltem Boden, freier Improvisation sorgt für viel Spannung und Unvorhersehbarkeit. Ebenfalls unvermeidlich ist, dass nicht alle Passagen ohne Längen funktionieren, aber wenn die Band eine gute Stimmung oder ordentlich rhythmische Fahrt gefunden und aufgenommen hat, ist das Ergebnis umso eindrucksvoller. Mir gefällt "File Under Extreme" insgesamt wegen der noch verstärkten elektronischen Komponente und des etwas fetteren Studio-Sounds einen Tick besser, aber mit beiden Platten machen Liebhaber improvisierter, moderner Klänge sicher nichts falsch.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.2.2004
Letzte Änderung: 24.2.2004
Wertung: 10/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Man versteht unter dem Ausdruck Improvisation das Erfinden von melodischen Linien, Akkordfortschreitungen und formaler Gestaltung während des Vortrags selbst, also eine spontane Musizierweise, die den Spieler nicht auf die strikte Ausführung einer einstudierten Aufgabe beschränkt, sondern ihm ein gewisses Mass an freier Phantasietätigkeit gestattet.

So definiert Tibor Kneif in seinem "Sachlexikon Rockmusik" von 1978 den Begriff Improvisation. Allzu hoch schätzt er die Improvisationsfähigkeiten von Rockmusikern dabei offenbar nicht ein, stellt er doch fest, dass die auf Konzerten zu sehenden und von Journalisten und Fans herausgestellten Freispielexkurse diverser Rockstars (es fallen die Namen Clapton, Hendrix und McLaughlin) von Konzert zu Konzert mehr oder weniger unverändert abgespulte, "lose Aneinaderreihung spieltechnisch eingeübter Floskeln" seien, und keine wirkliche, ungebundene Improvisationen. Da ist sicher etwas dran, schleicht sich bei Musikern und Bands die häufig auftreten doch eine gewisse Routine ein.

Natürlich könnte man jedes formlose Drauflosjammen, wie es bei vielen Konzerten vorkommt, als Improvisation bezeichnen, oder auch die drogengeschwängerten, freiformatigen Klangfantasien verschiedener Krautrocker (und sich in ählichen Gefilden bewegender, nichtdeutscher Kollegen), die vornehmlich in den fühen 70ern entstanden. Auch wenn solche Tonschöpfungen oft ein wenig monoton und wenig fantasievoll ausfallen, hätte ich an der Klassifizierung als Improvisation nichts einzuwenden. Vielleicht kommen sie der strengsten Definition des Wortes, im Sinne einer ohne Vorbereitung, aus dem Stehgreif dargebotenen Musik am nächsten.

Nur wenige Bands im weiteren Rockumkreis haben sich ganz der freien Improvisation verschrieben. Taylor's Free Universe ist eine davon. Allerdings musizieren die Musiker um Robin Taylor auch nicht völlig unvorbereitet drauf los. Wie im Jazz - mit Ausnahme der extremeren Vertreter des Free Jazz - üblich, gibt Taylor jedem Konzert eine grobe Form, mit einem aus kurzen Phrasen und Kompositions-Ideen definierten Setlist, in dessen Erstellung alle Musiker einbezogen werden. Wie diese Phrasen sich dann verselbständigen, wie lange die einzelnen Nummern und Soli dauern, dass "ergibt" sich dann.

Zur Musik selbst hat Udo weiter oben sich schon ausfürlich und treffend ausgelassen. Frisch und ungezwungen pendelt die Band zwischen Jazz, freien Klangkollagen, Rockphantasien und Ambientklängen hin und her, klanglich dominiert von Sax und Violine und dem Bass von Gast Peter Friis Nielsen. Sein knatterndes, röhrendes und wummerndes Spiel bestimmt oft die Musik und macht mir persönlich sehr viel Spass. Dazu kommt Tassones Violine und die jazzigen Soli von Burnin-Red-Ivanhoe-Veteran Karsten Vogel am Sax. Zusammengehalten wird alles schliesslich von Taylors ausfüllenden, elektronischen Klängen, Samples und Gitarrensoundscapes. Dazu gibt Kalle Mathiessen dem Ganzen eine gewisse rhythmische Form.

"On-Plugged in Elsinore" (letzteres ist offenbar ein dänisches Städtchen) ist eine interessante und spannende Scheibe mit freier Musik, die aber nie allzu wüst oder wirr gerät. Wer Improvisiertes schätzt, der sollte zumindest eine der TFU-Scheiben mal antesten, durchaus auch diese hier.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.7.2006
Letzte Änderung: 2.12.2012
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Taylor's Free Universe

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2002 File Under Extreme 11.00 1
2004 9 Eleven 11.00 2
2005 Family Shot 12.00 1
2006 Manipulated by Taylor 11.00 1

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