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Electric Orange

Platte

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Krautrock; Psychedelic
Label: Sulatron
Durchschnittswertung: 11.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Dirk Jan Müller Hammond, Synthesizer, Leslie, Rhodes, Tonband
Dirk Bittner Gitarre, Bass, altes Schlagzeug, percussion
Silvio Franolic Schlagzeug
Josef Ahns Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. kwark 19:55
2. holzbock 7:32
3. columb 11:54
4. dedicated to mk   (Bonustrack der CD-Ausgabe) 10:39
5. flurstück   (Bonustrack der CD-Ausgabe) 11:46
Gesamtlaufzeit61:46


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 3)


Das neue Werk der Band, die diesmal wieder zu viert aufspielt. Wie der Titel verrät, gibt es sie nur in einer 300er Vinyl-Ausgabe. Gemastert hat die Songs Eroc. Wer sie haben will, sollte schnell zugreifen.

Auf den drei Titeln gibt es lange Instrumentalimprovisationen zu hören. "Holzbock" ist der flotteste Titel und erinnert in Rhythmik an alte Can oder Faust. Zu diversen Schlagzeugklängen, die einen hypnotischen Beat fabrizieren, gibt es eine sehr rhythmisch gespielte Hammond. Dazu kommen aus den Tiefen des Raumes (das wird aber keine Beschreibung eines Fußballspieles) diverse Gitarrenjams zum Ertönen, die sehr hoch und trocken dargeboten werden. Wenn der Hörer dann so richtig in Trance ist, wird der Strom abgeklemmt und brutal aus seinen Träumen gerissen.

"Kwark" und "Columb" sind ruhiger, fließender angelegt. In beiden Stücken dominieren lange Hammondlinien. Die Stücke erinnern in ihrer Art an Floyds "Saucerful of Secret"-Phase, ohne sie zu kopieren. Mir kamen beim Hören unwillkürlich Bilder vom "Live in Pompeii"-Film in den Kopf. Auch die Drums sind auf zweiten Blick interessant, während einer der beiden für die Percussions und Becken zuständig zu sein scheint, spielt der andere (D. Bittner?) "oldDrums", die wie Bongos klingen und den Titeln einen leicht afrikanischen Einschlag geben. Bei "Kwark" gibt auch schöne Gitarrenspielereien zu hören, wie in "alten" Zeiten.

Wer wie ich einen Faible für Psychedelic aus den frühen 70ern hat, sollte auf der Homepage der Band mal die Soundschnipsel anhören und bei Gefallen zugreifen. Mir hat die Platte wirklich Spaß gemacht, auch wenn das Umdrehen der LP inzwischen etwas den Hörgenuss stört.

Anspieltipp(s): Kwark
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.7.2004
Letzte Änderung: 5.3.2007
Wertung: 11/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 3)


Bei Sulatron erschien im März 2007 eine um zwei Stücke erweiterte CD-Ausgabe der "Platte". Der erste Titel "dedicated to mk" (mk steht für Michael Karoli, dem verstorbenen CAN-Gitarristen) erschien ursprünglich zum Firmenjubiläum auf dem Manikin-Sampler. Der zweite wurde in der gleichen Zeit wie die anderen Stücke der LP quasi unplugged im Flur des Studios aufgenommen. Nur dort fanden die verwendeten Instrumente genügend Stellfläche.

Durch die Veröffentlichung stört das Umdrehen der Platte nun nicht mehr. Und was wichtiger ist: Für den geneigten Hörer ist eines der besten Werke der Gruppe wieder erhältlich.

Die Stimmung hat sich durch die beiden zusätzlichen Tracks verändert. Insgesamt wirkt die CD jetzt konzeptionell "runder". Waren die beiden LP-Seiten doch recht unterschiedlich, kehrt die CD besonders mit "dedicated to mk" wieder zum ersten Track zurück. Zwar kommen weniger Schlagzeug- und andere Rhythmusinstrumente zum Einsatz, und selbige imitieren fast elektronische Sequencerspuren, aber der flirrende Hammondsound der frühen Floyd durchzieht das Stück und bietet die Grundlage für dezente, aber schöne Gitarrensprengsel (die stellenweise an Peter Green erinnern).

Das abschließende "flurstück" fällt etwas aus dem Rahmen. Hier dominieren ein altes Harmonium und ein Konzertflügel, unterstützt nur durch ein Rhythmusgerät. Sanft und melancholisch vertieft es die Stimmung des vorangegangenen Stückes und lässt einen so beschaulich aus der Musik auftauchen. Die CD hat an Qualität durch die Hereinnahme gewonnen.

Anspieltipp(s): kwarf, dedicated to mk
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.3.2007
Letzte Änderung: 5.3.2007
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Sehr retro geben sich Electric Orange auf ihrer "Platte". Allerlei analoge Tastensounds, insbesondere der charakteristische Klang der Hammondorgel, psychedelisierte Gitarrenlinien, ein kerniger Bass und das wuchtige Schlagzeug bestimmen die Musik. Sehr krautig klingt das Ganze dabei. Nicht dass hier irgendetwas dilettantisch oder holprig aus den Boxen gestolpert käme. Aber der Musik hängt diese typische motorische Monotonie an, wie sie z.B. auch auf Aufnahmen von z.B. Can, Neu!, Harmonia oder Kraftwerk (zur Zeit der ersten beiden LPs) zu finden ist, oder dieses gemächliche Klangfließen, wie man es mitunter bei Cluster, wiederum Neu! und den Berliner Elektronikern findet. Zudem steckt auch ein gutes Stück Pink Floyd in dieser Musik.

Andreas hat in seinen beiden weiter oben zu findenden Rezensionen diese "Platte" schon recht treffend beschrieben. Ein paar Worte möchte ich trotzdem noch verlieren. Das lange "kwark" ist eines dieser Stücke, welches auch noch 2-3 Stunden so weiter gehen könnte. Im Stile von "Set the controls for the heart of the sun" (siehe " A Saucerful Of Secrets") mäandert die Nummer hypnotisch dahin und gräbt sich, sich sehr langsam steigernd in Hirn und Gehörgänge ein. Nach dem flotten "holzbock" wird mit dem mächtigen "columb" der Höhepunkt der Scheibe erreicht. Sehr voluminös und klangvoll pulsiert das Stück voran, getragen von der gewichtigen Schlagzeugarbeit und angereichert mit allerlei wabernden und knarzenden Tasten- und Gitarrenklängen. Wie das Schnaufen einer riesigen Industriemaschine pulsiert dieses Stück aus den Boxen. Klasse!

Die beiden Bonusstücke der CD-Ausgabe bieten ähnliche Kost. "dedicated to mk" atmet die Atmosphäre der späten 60er Jahre. Wie eine Zeitlupenversion eines imaginären "Zukunfts-Bossa-Nova" aus der Fernsehserie Raumschiff Orion wirkt die Nummer stellenweise, dominiert von monotonen Elektrorhythmen und der wabernden und tänzelnden Hammondorgel. "flurstück" bietet dann das weiter oben erwähnte Klangfliessen. Elektroperkussion, schräge Orgelflächen und Piano fließen fast 12 Minuten dahin. Viel tut sich nicht, doch strahlt das Stück wieder eine enorme hypnotische Kraft aus.

"Platte" bietet Retro-Krautrock in Reinform. Doch haben Electric Orange dabei durchaus ihre eigene Nische gefunden. Hier wird nicht kopiert, sondern stilecht und kreativ musiziert, ganz im Geiste eines vergangenen, gleichwohl aber immer noch aktuellen und modernen Musikideals. Dabei klingt das Ganze natürlich um einiges besser als damals.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.10.2007
Letzte Änderung: 6.11.2007
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Electric Orange

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 tonbandreste 10.00 1
1994 sessions nebenan 11.00 1
1994 rote sonne 10.00 1
1994 Cows don't dream at night 11.00 1
1996 Orange commutation 10.00 1
1996 Cyberdelic 12.00 1
1997 rechnung offen 8.00 1
1999 Electric Orange (double CD Version) 10.50 2
2000 Totales Brummen - 1
2001 Abgelaufen 10.00 1
2002 Unterwasser - Live 2002 12.00 1
2007 Morbus 12.33 3
2008 fleischwerk 12.00 2
2010 Krautrock from Hell 10.00 3

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