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Keith Emerson

Changing States

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1995 (aufgenommen 1989)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: AMP Records
Durchschnittswertung: 9/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson keyboards and piano

Gastmusiker

Mike Barsimanto drums on Tracks 2,5,6,8
Marc Bonilla guitars on Tracks 1,4,10
Gary Cirimelli vocals on Tracks 1,4,10
Kevin Gilbert bass,drums on Tracks 1,4,10,choir director on Track 1,Tuba solo on Track 9,nylon guitar on Track 3
Tim Pierce guitar on Tracks 2,6,8
Jerry Watts bass on Tracks 2,5,6,8
London Philharmonic Orchestra directed by John Mayer on Track 9

Tracklist

Disc 1
1. Shelter from the Rain 3:36
2. Another Frontier 6:48
3. Ballade 4:30
4. The Band Keeps Playing 5:20
5. Summertime 3:44
6. The Church 5:12
7. Interlude 1:35
8. Montagues and Capulets 2:04
9. Abaddon's Bolero (Orchestral Version) 8:08
10. The Band Keeps Playing (Aftershock Mix) 5:23
Gesamtlaufzeit46:20


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski (Rezension 1 von 3)


Das Spektrum der Platte reicht von stolzen ELP-ähnlichen Themen (z.B. Track 2) über Mainstream-Rocker (z.B. Track 1), lyrische Instrumentalballaden und klassisch inspirierte Pianostücke (z.B. Track 3), bis zu einer Prokofiev-Klassikadaptation (Track 8). Hervorzuheben ist das komplexe, druckvolle Thema von "The Church", teilweise mit Kirchenorgelklängen realisiert. Und wenn schon die zweihundert und vierte Version von Gershwins "Summertime", dann nur so locker-jazzig wie hier.

Unwillkürlich vergleicht man das Gehörte mit den von Emerson dominierten Trios seiner Vergangenheit (ELP, The Nice), dabei fällt einem neben viel Bombast auch die Vielseitigkeit und teilweise Entspanntheit von "Changing States" auf. Unverkennbarer Orgel- und Synthesizersound sowie virtuose Pianoparts zeigen den Meister in bester Spiellaune. Fast zum Ausklang gibt es dann eine Orchesteraufnahme von "Abaddon's Bolero", einem ELP-Klassiker. Das Stück war angeblich bereits zu der Zeit von "Works" entstanden und erscheint hier neu abgemischt und mit zusätzlichem Tuba-Part vom Produzenten Kevin Gilbert.Im Booklet heißt es, die Scheibe sei schnell und billig zustandegekommen.Glücklicherweise hört man das "Changing States" kaum an.

Einige Einfälle von "Changing States" verwendete Emerson auf dem ELP-Album "Black moon" wieder. So wurde aus "Another Frontier" die ELP-Nummer "Changing States", aus "Ballade" wurde "Close to home" und aus "Montagues & Capulets" "Romeo & Juliet".

Insgesamt bleibt dies eine der besten Soloscheiben von Keith Emerson, was jedoch nicht besonders schwer war.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.4.2002
Letzte Änderung: 20.4.2004
Wertung: 10/15

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Von: Kristian Selm (Rezension 2 von 3)


Auch die Altmeister des Progs, dieses mal in Person von Keith Emerson, sind manchmal noch für Überraschungen gut. Zwar auch schon aus dem Jahre 1989, weiß "Changing states" wesentlich mehr zu überzeugen, ist ausgewogener und interessanter, als die erste Solo Veröffentlichung "Honky" oder die unzähligen Filmmusiken, die sich wie der Name schon sagt, besser zu einem Film, als zum Anhören eignen.

Das Album zeigt alle Facetten des Magiers an Hammond und Synthesizers, ist aber dennoch anders als die Veröffentlichungen des Dreigestirns mit Greg Lake und Carl Palmer. Als Opener "Shelter from the rain", ein gutes Rockstück mit dem typischen Emerson Sounds, sowie das stilistisch ähnliche "The band keeps playing" mit Frauenchor, fetziger Gitarre und Gesang. Weiterhin, die schon fast obligatorischen klassischen Adaptionen, dieses mal Gershwins "Summertime" und Prokofievs "Montagues and Capulet", besser bekannt als "Romeo and Juliet" vom später erschienenen ELP Album "Black moon".

Und wenn wir schon beim Klauen sind. Ebenfalls wurde "Abaddon's Bolero" neu mit Orchester im Studio aufgenommen. Sogar die Grossen schrecken vorm Stehlen von nicht Ideen zurück, wenn auch dieses mal bei sich selbst. Ebenfalls vertreten: "Ballade", ein klassisches Klavierstück mit balladeskem Charakter und Akustikgitarre, genauso echte Instrumentalknaller, wie "Another frontier" im Stile des Emerson Lake & Powell Albums (entspricht "Changing states" von "Black moon"), sowie das von Gitarre und Orgel anfänglich getragene, doch im weiteren Verlauf sehr Hammond-lastige "The church".

Ein Album, das zwar stark von allerlei Tasteninstrumenten geprägt wird, aber durch Einsatz von Hammond, Kirchenorgel und Synthesizer klangliche Vielschichtigkeit bietet, somit für ELP und Hammond Fans auf jeden Fall zum Antesten empfohlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.7.2004
Letzte Änderung: 27.9.2004
Wertung: 8/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


1989 arbeitete Keith Emerson zusammen mit Kevin Gilbert in Kalifornien an einem Soloalbum. Im Juli wurden damals mindestens sechs Stücke aufgenommen, in der Besetzung Emerson, Mike Barsimanto, Jerry Watts und Tim Pierce. Darunter waren die zwei Pianostücke „Ballade“ und „Interlude“, sowie „The Church“, „Another Frontier“ und die Adaptionen „Montagues and Capulets“ und „Summertime“. Zur gleichen Zeit überarbeitete Gilbert die Orchester-Aufnahme von ELPs „Abaddon’s Bolero“, die 1975 im Umfeld der Orchestersessions für ELPs "Works Volume I" entstanden war – und fügte sogar selbst noch ein Tuba-Obbligato hinzu.

Im August war Emerson zurück in England, um Sänger zu casten, da die Plattenfirmen, die Interesse an dem Album bekundet hatten, radiotaugliches Material – und das heißt, gesungene Stücke - haben wollten. Als er nach Kalifornien zurückkehrte, wurden die Sessions in der Besetzung Emerson, Gilbert, Marc Bonilla und Gary Cirimelli im Studio Robert Berrys fortgesetzt. Berry war einige Zeit zuvor mit Emerson und Carl Palmer zusammen Mitglied des ELP-Ablegers „Three“ gewesen. Während dieser Sessions entstanden „Shelter from the Rain“ und „The Band Keeps Playing“. Während einer dritten Session im März 1990 entstand dann vermutlich noch eine Rockversion des dritten Satzes von Emersons Klavierkonzert (auf ELPs „Works Volume I“), diese Version erschien jedoch erst 2005 auf der Anthologie „Hammer it out“.

Als im Frühjahr 1990 dann die Idee aufkam, mit Joe Walsh, John Entwistle, Simon Phillips, Jeff Baxter und Rick Livingston unter dem Namen „The Best“ ein paar Konzerte in Japan und Hawaii zu spielen, musste Emerson die Veröffentlichung seines Soloalbums verschieben. Danach schoss die Wiedervereinigung ELPs quer – leider, wie man angehörs dieser Aufnahmen sagen muss. Womöglich hätte „Changing States“ andernfalls der Start einer soliden (und weit glaubwürdigeren) Solokarriere sein können.

Erst 1995 wurde das Album veröffentlicht – und stieß prompt auf das Desinteresse der breiten Öffentlichkeit. ELP waren dabei, nach Kräften ihren Ruf zu zerstören, und natürlich wollte sich niemand beim Kauf einer CD der Band oder eines ihrer Mitglieder erwischen lassen.

Schade! Denn „Changing States“ ist nicht nur ein Album, das ELP-Fans haben müssen, weil es einige Frühversionen späterer ELP-Stücke enthält, es ist auch für sich genommen ein durchaus spannendes und gelungenes Solowerk, das für jeden Progfan einigen Appeal haben dürfte.

Die Scheibe eröffnet mit “Shelter from the Rain”, das von Emerson, Bonilla und Gilbert geschrieben wurde. Bonillas solide Rockstimme trägt einen kraftvollen, riffbasierten Rocksong, der mit dem „Three“-Material vergleichbar ist, aber nicht so viel Wert auf eine eingängige Melodie legt. Emerson trägt seine Trademark-Sounds bei, Orgel und Keyboard-Fanfaren, hält sich mit breit aufgefächerten Soli aber zurück und spielt eher banddienlich, was letztlich dazu führt, dass “Shelter from the Rain” nie darüber hinauskommt, ein unterdurchschnittlicher, anonymer Rocksong zu sein.

Es folgt „Another Frontier“, die Frühversion von „Changing States“ von ELPs „Black Moon“-Album. Hier zeigen Emerson, Barsimanto, Watts und Pierce, dass man nicht unbedingt ELP sein muss, um ELP-Musik zu machen und dass es bei jener Band letztlich vor allem auf Emerson ankam. Die vier drehen richtig auf, und zwar auf allen Fronten. Das Tempo ist hoch, andauernd wechselt die Tonalität, die Rhythmik verwebt 4/4- und 5/4-Takte, das wird konterkariert von einem vorantreibenden Marschrhythmus - fast meint man, in die glorreichen Tage ELPs zurückversetzt zu werden. Wenn nicht ELP das Stück selbst noch einmal aufgenommen hätten: Dabei fielen dann einige Teil weg, leisere Zwischenspiele, von denen vor allem das erste interessant ist, weil es das Hauptthema von „Another Frontier“ in einen Barockkontext stellt und in Form einer winzigen Fuge bearbeitet. Ein zweites Zwischenspiel wirkt eher wie eine Unterbrechung, da es die Musik mit ihren flächigen Jazzakkorden ziemlich ausbremst und auch durch das Hinzufügen eines Gitarrensolos nicht an Dynamik gewinnt. Erst wenn das Hauptthema zurückkehrt, läuft „Another Frontier“ wieder zu Hochform auf. Das Ende ist dann noch einmal anders als bei ELP, der Song läuft hier in einem Fade-Out aus.

Trotz des kurzen Barockteils, der das Stück nun wirklich aufwertet, finde ich persönlich ELPs Version besser. Sie ist kürzer, dichter, stringenter und hat letztlich, bedingt durch die hörbar kostspieligere Produktion, einfach mehr Präsenz.

Ähnliches gilt für „Ballade“, die Frühversion von "Close to Home", das ebenfalls auf „Black Moon“ erschienen ist: Ein neoromantisches Klaviersolo Emersons, das Rondo- und Sonatenform vereint und für Emerson eigentlich viel zu schön, viel zu harmonisch klingt, weil ihm jegliche dissonant modernistische oder jazzige Elemente abgehen. Das Stück wird hier etwas langsamer gespielt, etwas, das ich bei Keyboardern grundsätzlich mag, allerdings wirken durch das höhere Tempo der „Black Moon“-Version die Tempowechsel dort doch deutlich dramatischer. Ein billiger Streichersound im Hintergrund schmälert die Wirkung von „Ballade“ ebenfalls, und ein paar Nylons, gezupft von Tim Pierce, können das nicht mehr ausgleichen.

„The Band Keeps Playing“ ist der nächste Bandsong, auch er wurde von Emerson, Bonilla und Gilbert geschrieben und ähnelt daher “Shelter from the Rain”. Allerdings hat er R&B und Funk sehr viel tiefer eingeatmet. Ein leicht angerauchter Popsong, nett, aber aber nicht essenziell.

“Summertime” ist die erste Adaption des Albums. Es handelt sich natürlich um Gershwins berühmten Jazzklassiker, den Emerson - typisch für ihn und damit wenig überraschend - in ein sehr unlässig-unsommerlich perkussiv gespieltes Arrangement übersetzt. Seine von Dave Brubeck inspirierten Soli zeigen Emerson als mehr als kompetenten Jazzpianisten, eine Seite, die bis dato so stilrein von ihm nicht zu hören war. Die Aufnahme leidet allerdings unter den weniger als kompetenten Beiträgen Watts’ und Barsimantos, die offenbar keine Ahnung davon haben, wie man Jazz spielt. Schade!

“The Church” ist eine Neuinterpretation von Emersons Filmmusik zu „La Chiesa“. Das Stück beginnt mit einigen düsteren Orgel- und Synthesizer-Klängen, von wo aus es direkt in einen polyrhythmischen Teil einsteigt. Ein seltsames Schlagzeugpattern und kreischende Keyboardsounds, die an die Filmmusik zu „Psycho“ erinnern, tun ihr Übriges, um diesen musikalischen Horrortrip mit allen notwenigen Stilelementen auszustatten. Alles in allem ist mir die Musik, so gut sie ist, doch ein wenig zu plakativ. Filmmusik, gute, aber Filmmusik.

“Interlude” ist ein weiteres stilles Pianostück, ganz im Stil von „Ballade“, aber nicht ganz so süßlich. Wieso gibt es eigentlich nicht eine ganze Reihe von Alben Emersons, die nur solche Klavierminiaturen enthalten?

Das Stück leitet über zu „Montagues and Capulets“, das auf „Black Moon“ unter dem Titel „Romeo and Juliet“ als platte Klassikadaption negativ auffiel. Die Version hier ist keinesfalls schlechter, sie profitiert eher an Power und Dynamik durch die Gitarrenbeiträge von Pierce. Außerdem ist sie kürzer als die ELP-Version…

Die Orchesterversion von “Abaddon's Bolero” ist problematisch. Es ist zwar interessant, sie nach all den Jahren endlich hören zu können – aber letztlich nur, damit wir nun sagen können, dass wir ohne sie auch gut leben konnten. Das Arrangement für Rockband mit unbegrenztem Keyboardarsenal war effizient und stilsicher, “Abaddon's Bolero” war frenetisch, aggressiv, roh - die Übersetzung in die Orchesterversion wirkt dagegen bieder und platt. Emerson und John Mayer haben 1975 mehr oder weniger die Originalpartitur genommen und sie auf die Instrumente verteilt, die Emerson auf „Trilogy“ mit seinen Keyboards imitierte… - oder eben auch nicht, denn genau das ist die Erkenntnis, die diese Version nun ermöglicht: Eine Moogflöte ist und bleibt eine Moogflöte, sie ist mit einer echten Flöte nicht gleichzusetzen. Ein Arrangement, das den Moogsynthesizer in den Vordergrund stellt, kann nicht eins zu eins auf ein Orchester übertragen werden, so sehr der Moog sich auch bemüht haben mag, wie ein Orchester zu klingen. Man hätte “Abaddon's Bolero” von Grund auf neu bearbeiten müssen. Dass das London Philharmonic Orchestra darüber hinaus auch noch schlampig und gelangweilt daherspielt, ist ebenso frech wie peinlich und versetzt dem Stück dann natürlich den Todesstoß.

„Changing States“ ist, wie gesagt, nicht nur ein Album für ELP-Fans, es ist auch für sich genommen ein durchaus spannendes und gelungenes Solowerk. Dass es zur Unzeit veröffentlicht wurde, schnell in Vergessenheit geriet und heute nur noch schwer zu bekommen ist, sollte niemanden davon abhalten, danach zu suchen. Es lohnt sich!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.7.2012
Letzte Änderung: 9.7.2012
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Keith Emerson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Inferno 13.00 2
1981 Honky 3.50 2
1981 Nighthawks 8.00 2
1983 Harmagedon 5.00 2
1984 Murderock 3.00 2
1985 Best Revenge 8.00 2
1988 The Christmas Album 6.00 2
1989 La Chiesa 9.00 1
2002 Emerson plays Emerson - 1
2002 Iron Man Vol.1 11.50 2
2004 Godzilla - Final wars (Soundtrack) 4.00 1
2005 At The Movies 9.50 2
2005 Hammer it out - The Anthology - 1
2006 Off the Shelf 4.00 1
2008 Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla 10.00 2
2009 Boys Club - Live From California 12.00 1
2010 Moscow 11.00 1
2012 Three Fates 6.00 1

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