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True Myth

True Myth

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label: WEA Music Of Canada
Durchschnittswertung: 10.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Tom Treumuth acoustiv and electric piano, synthesizer, clavinet, mellotron
Tony Cook acoustic and electric 6 string and 12 string guitars
Steve McKenna Bass and Slide Guitar
Brian Balliger Drums
Bruce Cummings vocals

Gastmusiker

Ian Thomas vocals
Marek Norman Vocals
Eric Cadesky Percussion
Matt McKenna Guitar
Armin String Quartet

Tracklist

Disc 1
1. Reach For The Heavens 6:05
2. Light Years Before 6:06
3. It's Got To Be 3:13
4. Time And Time Again 4:45
5. Space Promenade 4:28
6. In The Mist 4:56
7. Song Of The World 4:21
Gesamtlaufzeit33:54


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


True Myths gleichnamiges Debütalbum ist in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Platte.

Zum einen behauptet der Klappentext, dass es sich dabei um die erste digital aufgenommene Rock-LP handele. "True Myth" wurde im März 1979 im Soundstream-Verfahren aufgezeichnet. Ob es tatsächlich die erste digitale Rock-Aufnahme ist, weiss ich nicht: andere Quellen sprechen diesen Titel Ry Cooders "Bop Till You Drop", wieder andere Stevie Wonders "Journey Through the Secret Life of Plants" zu (im Klassik-und Soundtrack-Bereich wurde übrigens schon einige Zeit früher digital aufgenommen).

Zum anderen ist erstaunlich, dass - ebenfalls im "Booklet" nachzulesen - das Album an nur vier Tagen live im Studio, also komplett ohne Overdubs und sogar ohne Schnitte produziert worden sein soll. Falls dies stimmt: Chapeau. Die durchaus vertrackten und stellenweise einige Virtuosität erfordernden Strukturen und Parts der Stücke in dieser recht kurzen Zeit dermassen exakt ohne studiotechnische Nachhilfe umzusetzen, ist aller Ehren und einen Haufen Respekt vor der professionellen Leistung der Musiker wert, die ohrenscheinlich überaus gut vorbereitet und eingespielt sein mussten.

Drittens bietet dieses Album einen weiteren Hinweis darauf, dass die Urgründe des Neoprog schon ab Ende der Siebziger Jahre jenseits des grossen Teichs zu suchen sind, eine These, die schon durch Bands wie Babylon oder Netherworld Nahrung erhielt. Wie ihren US-amerikanischen Brüder hört man True Myth deutlich an, dass sie die grossen britischen Vorbilder von Anfang des Jahrzehnts gründlich absorbiert haben. Echos von Gentle Giant, Genesis und Yes hallen durch ihre Musik, werden aber weiterentwickelt durch einen wesentlich kompakteren Sound, straffere Strukturen und dementsprechend höhere Zugänglichkeit.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: reinrassige Neoprog-Songs bieten True Myth eigentlich nur mit "Song Of The World" und - teilweise - "In The Mist" (letzteres hat vielleicht neben den sirrenden Synthies und Klavier-Kaskaden einen ganz leichten New Wave-Einschlag in einer Passage, was allerdings auch ohne weiteres mit NeoProg zu vereinbaren ist, siehe Twelfth Night), mit Genesis-artigem Gezupfte-Gitarre-Intro, expressivem Gesang, einem Text rund um "Minstrels" und "Pawns", Dudelkeys und hymnischen Harmonien.

Ansonsten werden durchaus unterschiedliche Einflüsse verarbeitet. Die einzelnen Stücke sind zwar kurz und knackig gehalten sowie rhythmisch verhältnismässig konventionell, gehorchen aber in der Regel nicht den Gesetzen von Strophe-Refrain-Bridge, sondern durchlaufen auch in der Kürze der Zeit verschiedene Teile. Die ersten beiden Nummern weisen noch einen mehr oder weniger starken Jazzrock-Einschlag auf, der sich vor allem in solistischen Passagen von Gitarre und Klavier / Synthesizer äußert. Die kantigen, sprundhaften Gesangslinien hingegen lassen schon hier Gentle Giant als Einfluss durchscheinen. "It's got to be" ist der wohl mainstreamigste Song und könnte mühelos im Radio laufen. Der Harmonie-Gesang in den Strophen klingt beinahe, als ob Earth, Wind & Fire plötzlich Europäer geworden wären, der Refrain gibt sich aber wieder hymnisch und ganz klar klassisch prog-geprägt.

Der Anfang von "Time And Time Again" mit verschachtelter Begleitung und der recht seltsamen Gesangslinie könnte fast von "Gentle Giant" stammen, der erst pastorale, später ansatzweise bombastische folgende Teil mit akustischer Schrammelgitarre, Slide-Gitarre, fanfaren-artigen Synthesizern und sanftem Pathos klingt eher nach einer einfacheren Yes-Nummer (etwa "Wondrous Stories"), ein Eindruck, der durch den klaren, hellen Tenor von Sänger Cummings unterstützt wird. Das folgende "Space Promenade" schlägt etwas aus der Art und ist überhaupt nicht spacig: es handelt sich dabei um eine - anrührende, aber nicht kitschige - instrumentale "Unplugged"-Ballade mit Streich-Quartett, Klavier und akustischer Gitarre. Schön.

Insgesamt ist "True Myth" eine wirklich angenehme Scheibe, die dank ansprechender Instrumentalleistung, Songs mit viel Verve und Elan sowie durchaus vertrackten, aber dennoch eingängigen Kompositionen einem grösseren Teil der Prog-Hörerschaft gefallen könnte. Leider ist sie immer noch nicht offiziell, sondern nur in einer Bootleg-Ausgabe auf CD zu bekommen, wie etliche andere Obskuritäten auch, die annodazumals bei grossen Labels erschienen sind, die heute keinerlei wirtschaftliches Interesse an einer Wiederveröffentlichung haben.

Anspieltipp(s): Light Years Before, Song Of The World
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.11.2004
Letzte Änderung: 1.11.2004
Wertung: 10/15

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Von: Charly Heidenreich @ (Rezension 2 von 3)


Irgendwie war's schon was Besonderes damals, das Debüt der 4 Anglokanadier um den Keyboardkönig und Namensgeber Tom Treumuth (wie kann da nur True Myth rauskommen?), denn a) waren wir schon im Jahr 1979 und damit jenseits der "Golden days of Progressive Rock", b) wurde die Scheibe beim Major Warner Brothers veröffentlicht und c) wahrscheinlich deshalb im revolutionären Soundstream Digital Recording Verfahren aufgenommen, begleitet von einem computerlochstreifendesignten Faltinsert, das auf mehreren Seiten sowohl Bandhistorie als auch Ode an die neue Aufnahmetechnik beinhaltet. Und tatsächlich erweisen sich die studierten Instrumentalisten ihrer Vorbilder durchaus würdig, auch wenn Vokalist Bruce Cumming leider mit sich selbst im Chor singen muss, um den Eindruck Gentle Giant'scher Stimmbandakrobatik zu erwecken. Mit jazzigen Rhythmusstrukturen unterlegte perlende Pianosynkopen bilden das Gerüst für den Großteil der sieben leider etwas zu kurz geratenen Songs (Gesamtspielzeit etwa 34 Minuten), die unter der Ägide Treumuths meist in Gemeinschaftsarbeit entstanden sind. Herausragend sind die im Falsettbereich eines Jon Anderson angesiedelten ungewöhnlichen Gesangslinien, beeindruckend die impressionistisch verspielte Instrumentalballade "Space promenade", die schlussendlich dafür sorgt, dass sogar Gänsehaut auftritt. Wo mögen die Mastertapes wohl lagern?

PS: Bloß Finger weg von ihrem Zweitling "Telegram"!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.11.2005
Letzte Änderung: 3.11.2005
Wertung: 12/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 3 von 3)


True Myth kamen als 70er Jahre Progband reichlich spät und zeigten sich stilistisch schon eindeutig von der zweiten Hälfte des Jahrzehnts beeinflusst, was sich in einem Mix aus klassischem Progrock sowie leichtfüßigen Mainstreamansätzen herauskristallisiert. Die Band um Keyboarder Tom Treumuth widmete sich auf ihrem Debüt einer leichtfüßigen Variante der symphonischen Rockmusik, die sich in meist songorientierten Melodielinien weidet, die gerne auch mal im federnden Rockgroove in phasenweise schon ein wenig softrockige Gefilde tendieren. Vieles klingt stilistisch irgendwo zwischen quirligen Easy-Listening-Tugenden und gemächlichen West-Coast-Harmonien angesiedelt, wird aber gleichsam durch die Hintertür von allerlei progressiven Ingredienzen erweitert.

True Myth verstanden es, wie beispielsweise im Song "Time And Time Again" in eingängige Melodielinien eine wohl dosierte symphonische Note und somit in behutsamer Manier einen ansonsten kaum geglückten Brückenschlag zwischen vordergründigem AOR-Pomp und fein gesponnener Prog-Eleganz zu schaffen, ohne dass sich dabei diese beiden Gegenpole - wie leider zur gleichen Zeit meist anzutreffen - gegenseitig aushebeln. Um einen Vergleich zu wagen, so klingt das Album so, als ob die Little River Band ode REO Speedwagon ihren typischen Maintream Rock gezielt um progressive Element erweitert hätten. Phasenweise werden auch dezente Light-Jazz-Elemente eingeflochten.

Der mit melancholischen Streichereinsätzen ungewohnt klassisch anmutende Instrumentaltitel "Space Promenade" passt erst mal so gar nicht in das Konzept der Band, kann aber einmal mehr untermauern, dass True Myth selbst auf solch einem Ausflug ihre luftig-leichte Note bewahren können. Zum Abschluss klingt das Album ein wenig theatralischer und pompöser als zu Beginn aus, ist aber vor allem soundtechnisch darauf ausgerichtet, für die späten 70er Jahre zeitgemäß zu klingen, was von einschmeichelnd-warmen Gesangsharmonien geprägt ist. Um einen weiteren Vergleich zu nennen, so klingen True Myth gerade hier so, als ob sie völlig unbewusst den Grundstein für den Neoprog gelegt haben, indem sie versucht haben Genesis mit Styx zu kreuzen.

Anspieltipp(s): Time And Time Again
Vergleichbar mit: Styx, Genesis, Yes
Veröffentlicht am: 28.10.2011
Letzte Änderung: 28.10.2011
Wertung: 10/15

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