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Thomas Glönkler

Auszeit

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004 (aufgenommen zwischen 2000 und 2004)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Klassischer Prog
Label: Eigenvertrieb
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Thomas Glönkler Gitarren, Bässe, Tasteninstrumente
Eve-Maria Baumann Flöte
Christoph Wieland Gitarren-Soli in 1; 11

Tracklist

Disc 1
1. Auszeit 6:32
2. Allzumenschlich 3:37
3. Bekiffte Schnecken 4:33
4. Stück von früher 3:59
5. Der Fosch 4:26
6. Mobil steril (oder die psychohygienische Funktion der Unerreichbarkeit) 4:14
7. Hic et nunc 2:59
8. Kjölur 5:48
9. Kindlein 1:50
10. Sanktuarium II 4:01
11. Bei mir   (Die Sonne I) 2:58
12. Mein Neu   (Die Sonne II) 4:34
13. Stetig   (Die Sonne III) 4:49
14. Dein Licht   (Die Sonne IV) 3:59
15. Elias im Zauberwald 1:36
Gesamtlaufzeit59:55
Disc 2
1. Melancholie 3:47
2. Fragment 1:13
3. Bekiffte Schnecken   (Alternativ-Version) 3:16
4. Kjölur   (Demo-Version, Sommer 1995) 2:44
5. 311295235957 0:31
6. Langer, kalter Winter 1:27
7. Sanktuarium I 2:05
Gesamtlaufzeit15:03


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Als ich neulich zum ersten Mal dieses Album hörte, las ich nebenbei gerade die Gästebucheintragungen einer Label-Website (deren Name hier nichts zur Sache tut) und stieß auf die Eintragung eines Mannes (dessen Name hier auch nichts zur Sache tut), der eine interessante Bemerkung äußerte: er fragte, woran es eigentlich liege, dass angesichts dieser so großen Menge an hervorragender Musik im Progbereich kaum noch etwas so toll sei wie der ganz alte Prog der 70er Jahre. Ich dachte spontan beim Lesen: vielleicht sollte ich diesem Mann mal empfehlen, Thomas Glönkler zu hören.

Prog ist eine Randerscheinung – immer gewesen und wohl auch für immer dazu verdammt – im Dunstkreis von Leuten, die anspruchsvolle Musik hören bzw. spielen wollen. Trotzdem muss dieser Anspruch sinken, wenn „Prog“ zum Markennamen einer Stilrichtung wird, die den falschen Eindruck erweckt, jeder Musiker könne sich an die Gesetze dieses Stils halten und ebenfalls „Prog“ produzieren. Tendenzen solcher Art kann ich bei Lokalbands meiner Umgebung ebenso beobachten wie in den Veröffentlichungen gerade der fleißigsten Labels. Was die Gesetze des Stils jedoch nicht vermitteln können, sind Regeln dafür, wie man musikalische Inspirationen bekommt.

Thomas Glönkler ist ohne jeden Zweifel ein bemerkenswert inspirierter Musiker, der sich darüber hinaus auch in bildender Kunst ausdrückt. Die Inspirationen, die seiner Musik zugrunde liegen, sind so überdeutlich zwischen den Akkorden und Melodien spürbar, dass sie die Klänge weit über den Durchschnitt dessen heben, was sich Prog nennt. Aber dieses Feeling, dieser innere Drang, sich künstlerisch zu äußern, diese unbedingte Glaubhaftigkeit der vermittelten Gefühle – das alles ist körperlos, in Worten nicht zu beschreiben und in Noten nicht zu erfassen. Deshalb kann diese Rezension auch nicht so ausführlich werden, wie es der Größe seiner Musik angemessen wäre.

Daher nun bloß an dieser Stelle eine „nüchterne“ Zusammenfassung dessen, was den Hörer der „Auszeit“ erwartet:

In einer anderen Rezension darüber las ich, diese Musik habe kein Schlagzeug, weil sie kein Rock sei, sie verzichte auf Gesang, weil sie kein Pop sei, und sie komme ohne Gefrickel aus, weil sie kein Prog sei. Den ersten Klassifizierungsversuchen stimme ich zu, dem letzten nicht: diese Musik ist eindeutig Prog, allerdings in der Tat ohne Gefrickel, aber das ist es ja auch nicht, wodurch sich Prog zu erkennen gibt. Glönklers Musik ist lyrischer und zugleich ungemein spannender, instrumentaler Prog in Glönklers ureigenem Stil, der – wenn man denn Vergleiche braucht – direkt aus den ganz frühen Tagen des Prog zu stammen scheint; deshalb habe ich als Stilrichtung oben auch „Klassischer Prog“ eingegeben, was bei anderen Veröffentlichungen dieser Tage kaum möglich ist, aber diese Musik ist weder „Neo“ noch „Retro“, denn solche Begriffe legen die Vermutung nahe, jemand hätte einen „Neo-“ bzw. „Retro“-Stil bewusst angestrebt, wie das ja bei zahllosen Bands auch der Fall ist. Glönkler hingegen schöpft seine Ausdrucksformen aus seinem Innern, und wenn er dabei einen bestimmten Stil trifft, dann sicherlich deshalb, weil dieser Stil notwendigerweise die einzige äußere Form darstellt, in die die Gefühle des Autors gegossen werden können.

Für Sekunden sind immer mal wieder Anklänge an Stile anderer Musiker zu entdecken: Manche Wendungen erinnern mich gar an Anthony Phillips ( so in „Allzumenschlich“, „Stück von früher“ oder „Sanktuarium II“), und wer mich kennt, weiß, auf welch hohem Sockel Phillips für mich steht, so dass ich diesen Namen nicht unbedacht fallen lasse; Spieltechniken auf der Gitarre lassen mich zuweilen an die Fripp-Schule denken, speziell an das „California Guitar Trio (so z.B. in „Mobil steril“), aber mir wird angesichts solcher Reminszenzen eher bewusst, wie viel Inspiration aus der Tiefe heraus diesem genannten Trio trotz aller Virtuosität fehlt. Und ich betone noch einmal: alle Vergleiche dieser Art bleiben rein oberflächlich, sind für Sekunden spürbar, weil gleich darauf wieder deutlich wird, dass Glönkler in seiner eigenen Welt lebt und solche Vorbilder nicht benötigt.

Glönklers Klangbilder sind zumeist sehr bassbetont aufgebaut, wobei Bässe und Keyboardelemente dermaßen gekonnt das Schlagzeug ersetzen, dass keinerlei Eindruck entsteht, hier könnte etwas fehlen. Auf zwei Stücken kommt die E-Gitarre von Christoph Wieland hinzu, die trotz ihrer Virtuosität nicht aufdringlich wirkt, sondern sich ganz selbstverständlich in die Struktur einfügt (In dem Stück „Hic et nunc“ denke ich bei der Gitarre, die dort Glönkler selbst spielt, zeitweise an Steve Hackett’s Soloalben). Besonders stark zum homogenen Ganzen des Klangs trägt die Flöte von Eva-Maria Baumann bei, und auch hier lohnt es sich nicht, an mögliche Flöten-Vorbilder zu erinnern: Eigenständigkeit ist nun einmal schwer in Worten darzustellen.

Und wie das bei echten Gefühlen und ihren Mischungen so ist: Die Stimmungen, die in dieser Musik ausgedrückt werden, sind so unberechenbar und vielfältig, dass die Homogenität in der Ausgewogenheit des Klangs direkt neben einer belebenden und belebten Sprunghaftigkeit steht, was aber keine zwiespältige Zerrissenheit nach sich zieht, sondern – wie alle wirkliche Kunst – ein glaubhaftes Abbild des Lebens zeichnet, wie es nun einmal ist: vollkommen in seiner Undurchschaubarkeit. Wer solche Musik kreieren kann, dem ist nichts Menschliches fremd.

Mein ernsthafter Appell lautet: Absolut jeder Progfan sollte dieses Album mal gehört haben! Und dem oben genannten Gästebuchbesucher werde ich den Tipp wohl auch mal zukommen lassen...

Ich frage mich gerade, ob ich denn hier nun gar nichts zu meckern finde. Doch (!) – mir fällt was ein: Auf der CD-Beilage steht zu lesen: „Laut hören bei Wein und Kerzenschein!“ – Ich finde, das passt nicht. Ich habe zwar nichts gegen Wein und Kerzenschein, aber diese Bemerkung könnte ihren Leser eine ganz andere, bequemer konsumierbare Art von Musik erwarten lassen und somit die falschen Leute ansprechen und die richtigen abschrecken.

Noch kurz zur Statistik: Die Aufnahmen zu dieser CD fanden zwischen 2000 und 2004 statt (Ach, wenn sich doch so mancher Musiker mal so lange Zeit lassen könnte...!); das älteste Stück wurde schon 1989 geschrieben, und auf der Bonus-CD gibt es alternative Versionen, kurze Fragmente und Demos von 1995 zu hören.

Anspieltipp(s): Am besten gleich "Auszeit"; das hat den unerwarteten Überraschungseffekt, wenn man an Kerzenlicht und Wein gedacht hat...
Vergleichbar mit: siehe oben, aber: Große Kunst ist unvergleichlich (sonst wäre sie nicht ganz so groß)
Veröffentlicht am: 14.11.2004
Letzte Änderung: 17.11.2004
Wertung: 13/15

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Von: Jürgen Meurer @ (Rezension 2 von 2)


Ich kann zwar den Euphoriegrad meines Vorredners beim Hören des Soloalbums des Ex-ICU-Gitarristen nicht ganz teilen, bestätige aber gern, dass Glönkler ein sehr feines, gefühlvolles Album gelungen ist.

Hier ist kein Bombast zu erwarten, vielmehr ist die Instrumentierung oft recht sparsam und doch recht effektiv. Die Gitarre gibt klar den Ton an, Tasteninstrumente werden eher unauffällig eingesetzt. Auch die gelegentliche Einbindung der Flöte passt gut ins Gesamtkonzept.

Highlights sind für mich der Opener Auszeit, der Frosch und hic et nunc. Gelegentlich schimmert eine Prise Anthony Phillips durch, aber auch Friedemann oder Adrian Marcator dürften als grobe Anhaltspunkte taugen. Schöne Musik!

Anspieltipp(s): Auszeit
Vergleichbar mit: Phillips, Friedemann
Veröffentlicht am: 21.2.2005
Letzte Änderung: 7.3.2012
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Thomas Glönkler

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2010 Goldstadt 9.83 6

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