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The New Grove Project

Brill

(Tipp des Monats 6/2005)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Fredy Schnyder electric & acoustic guitars, classical guitar, grand piano, bouzouki, mandolin, hammered dulcimer, synthesizers, recorders, bass on 3
Mikael Syväjärvi lyrics
Hasse Bruniusson drums, percussion
Pär Lindh hammond organ, mellotron, grand piano
Jode Leigh piano, drums, synthesizers, voice on 3
Andre Schornoz bass, double bass
Ingemar Hjertqvist lead and all backing vocals, whistling, Brill

Gastmusiker

John BoBo Bollenberg lead vocals on 5; lyrics on 5
Miriam Locher flute

Tracklist

Disc 1
1. Neon Light Submission 5:45
2. Thoughts Sui Generis 7:42
3. The Sounding Flood 9:42
4. The Light Within 4:37
5. Laughternoon Dream 5:08
6. Cool Fool Floating 4:05
7. Brill 24:34
Gesamtlaufzeit61:33


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


Wenn es etwas Musikalisches gibt, an das ich gleich mit einem positiven Vorurteil herangehe, dann sind es „Neue Gehölz-Projekte“. Dieser Bandname allein klingt so schrullig, retro, altbacken und trotzdem originell, dass mir die Musik dahinter ja einfach gefallen muss.

In der Tat: Für meinen Geschmack gehört dieses Album jetzt schon zu den Kandidaten für die Alben-Jahreshitparade von 2005. Das heißt aber nicht, dass sich die Musik leicht beschreiben ließe! Ich versuch’s mal:

Leitbegriff in den Texten dieses Albums ist „Brill“. Ich weiß auch nicht, was für eine Kraft/Charaktereigenschaft/Quintessenz/Seele/Impuls/Licht/Gott das nun sein soll (in meinem kleinen Englisch-Wörterbuch heißt „Brill“ nämlich „Glattbutt“ – klingt, als ob man das essen könnte), aber geschrieben steht schon im Songtext von „The light within“: „In our hearts it’s still Brill“. Es muss also etwas mit der Wahrheit an sich zu tun haben, denn im langen Titeltrack heißt es weiter: „sense a subtle deity, insipid out of Brill, inside us tune in to cut real to reel“, das ist also wohl nicht so ganz das Wahre; der Gegensatz dazu folgt am Ende des Songs mit den Worten „sense a subtle deity, a delicious being Brill inside us tune in to cut reel to real“.

„Reel to Real“ ist also besser als „Real to Reel“ – meinetwegen, obwohl ich dieses Livealbum von Marillion gar nicht schlecht finde…:-). Aber es ist schwierig mit dem „Brill“, obwohl der Kobold im Titeltrack die ganze Zeit davon berichtet, welchen Einfluss „Brill“ auf die Religion der Menschen haben könnte bzw. sollte („A clear religion unite all the borders…“).

Wenn man sich solche Ideen, die das ganze Album über zwischen Querdenker-Philosophie und Wortspiel-Narreteien hin und her pendeln, musikalisch perfekt interpretiert vorstellt, bekommt man vielleicht einen aussagefähigeren Eindruck von der Musik, als Worte ihn erzeugen könnten. Die Musik ist im besten Sinne retro: melodisch, aber nicht melodienselig; skurril, aber nicht intellektuell-wichtigtuerisch; filigran, aber nicht softig; hart angeschlagen, aber nicht rockig; phantasievoll, aber nicht kitschig; nachdenklich, aber nicht gewollt tiefsinnig; verspielt, aber nicht belanglos.

Das Klangbild ist so vielschichtig, dass man es seitenlang analysieren könnte – daher nur mal ein paar Ausschnitte: neben groovig-grungigen E-Gitarren, kantig (manchmal jazzig) angeschlagenen Drums und sogar Ausflügen in den Beat überwiegen in den leiseren Bereichen akustische Gitarren, Mandolinen, völlig ungewohnte Pianoklänge, für die gelegentlich auch schon mal die Pianosaiten direkt angehämmert werden, so dass ständig scheinbare Harfenklänge entstehen. Man kann es auch so ausdrücken, dass die lyrischen Klangbilder von Genesis („Moonlit knight“-Outro, „Cinema Show“-Intro, „Trick of the tail“) mit heftigeren Retro-Mustern gepaart werden, wie sie z.B. von Anglagard bekannt sind, natürlich mit Mellotron und Double-Bass, und überhaupt hört man es ständig irgendwo klicken, knacken, klopfen, klimpern, knistern – Klänge aus dem „Grove“ (=Gehölz) eben!

Und wo ist nun der Haken? Ich sage es nur ungern, aber der Haken ist der Herr Bollenberg, der nach seinem unsäglichen Debüt („Bollenberg Experience – If only stones could speak“, siehe meine Rezension dazu) für dieses Album einen Beitrag in Form eines Songs geliefert hat, zu dem er auch den Text schrieb („Laughternoon dream“). Zwar ist besagter Text durchaus witzig (im Sinne von ‚Dunkel war’s, der Mond schien helle’), seine paradoxen Wortspielereien passen auch richtig gut in das Albumkonzept – ich habe den Eindruck, der Song will sich wohl ein wenig in die Richtung von „I know what I like“ orientieren, – aber leider singt Bollenberg den Song auch, dessen simples Strophenschema sich für meinen Geschmack denn doch zu weit unterhalb der kunstvollen Strukturen aller anderen Songs ansiedelt. Das fällt auf, obwohl die Band sich merklich Mühe gibt, seine Mängel instrumental passend auszugleichen.

Trotzdem ist dies ein Album, das meiner Erwartung zufolge seinen Reiz nicht verlieren wird, weil es eben ganz einfach zeitlos-kunstvoll ist und dem Progfan das bietet, was zumindest ich immer wieder gern höre: koboldhafte Skurrilitäten Seite an Seite mit anspruchsvoller Komposition, und das alles virtuos dargeboten.

Anspieltipp(s): Thoughts sui generis
Vergleichbar mit: Anglagard, Genesis (es klingt ganz so, wie die Gestalten auf dem Cover von „A trick of the tail“ aussehen) und hier und da etwas Gentle Giant
Veröffentlicht am: 18.4.2005
Letzte Änderung: 18.4.2005
Wertung: 12/15
Ich hätte fast einen Punkt mehr gegeben, aber dann fiel mir Bollenberg wieder ein…

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 3)


Ergänzen möchte ich nur: Brill ist eine Scheibe bei der sich die teilnehmenden Musiker des New Grove Projektes ziemlich deutlich der psychedelischen Wurzeln der progressiven Rockmusik bewusst sind. Der Geist der späten 60-er weht immer mit. So auch bei dem als zu simpel apostrophierten Laughternoon Dream, das dieser Bollenberg übrigens ganz hübsch angemessen singt. Wenn man diese Nummer beklagenswert findet, sollte man eigentlich auch vom lockeren Beat-Pop auf Cool for Floating nicht schweigen.

Aber ich beklage mich nicht - ganz im Gegenteil: Brill ist ein witziges, gut ins Ohr gehendes Album, das aber auch die nötige Portion Komplexität mitbringt. Herausragend gut.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.5.2005
Letzte Änderung: 7.5.2005
Wertung: 12/15

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Von: Kristian Selm @ (Rezension 3 von 3)


Ingemar Hjertqvist musizierte bereits seit den späten 70ern in den unterschiedlichsten Kapellen. Mit dem Keyboarder Per Sundbom fand er Mitte der 80er endlich den richtigen Partner, um sich seiner wahren Leidenschaft, dem Progressive Rock, in der für ihn entsprechenden Form zu widmen. Man nahm damals ein Demo auf, mit dem niederschmetternden Resultat, dass niemand die Musik veröffentlichten wollte. Und so musste sich das Duo bis 1994 gedulden, bis man letztendlich zusammen mit einigen namhaften Gastmusikern (u.a. Roine Stolt, Pär Lindh und ex-England Schlagzeuger Jode Leigh) das Album „Fool’s journey“ aufnahm. Wie bereits beim Debüt, wartet nun auch der Nachfolger „Brill“ wieder mit einigen bekannten Szenegrößen auf. So gibt es ein Wiederhören mit Pär Lindh und Jode Leigh, während z.B. Hasse Bruniusson (u.a. Flower Kings, Sammla Mammas Mana) Schlagzeug und Percussion beisteuert.

Stilistisch bleibt das Album im sinfonischen Progressive Rock verhaftet, der deutlich in den 70ern seine Ursprünge hat. Vor allem in den Instrumentalteilen wird hier einiges an eleganten, richtig schönen Melodien, sowie stimmiger Atmosphäre reproduziert, welches gekonnt Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit des Genres weckt. Natürlich zündet nicht jede Idee, aber dennoch ist für den Freund der melodischen, progressiven Klänge einiges an hörenswertem Material vertreten. Mal verspielt, mal klassisch inspiriert, dann wieder hochmelodisch und in fließender Leichtigkeit, wird hier manch feine Idee ersponnen.

Doch hat dieses Album auch leider einen großen Pferdefuss bezüglich meines persönlichen Empfindens: nämlich den sehr eigenwilligen Gesangsstil von Ingemar Hjertqvist. Selbst nach mehrmaligem Anhören komme ich mit seiner auf mich recht schräg wirkenden Intonation, dem stimmlichen Holpern einfach nicht klar. Dies mag nur eine persönliche Einschätzung sein, aber sorry, hier wurden doch einige Töne einfach nicht getroffen, was das Hörvergnügen nicht unerheblich trübt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.5.2007
Letzte Änderung: 27.5.2007
Wertung: 7/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The New Grove Project

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1984 The Demos 9.00 1
1996 Fool's Journey 8.00 1

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