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Gargamel

Watch For The Umbles

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Transubstans
Durchschnittswertung: 10.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Tom Uglebakken Gitarre, Gesang, Flöte, Saxophon
Bjørn Viggo Andresen Keyboards
Morten Tornes Schlagzeug, Gesang, Glockenspiel
Jon Edmund Hansen Gitarre
Geir Tornes Bass
Leif Erlend Hjelmen Cello

Tracklist

Disc 1
1. Ties 8:47
2. Strayed Again 12:54
3. Below The Water 6:44
4. Into The Cold 11:54
5. Agitated Mind 17:42
Gesamtlaufzeit58:01


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 4)


In bester Retroprogmanier schmettern die Norweger Gargamel dem Hörer bereites im Opener "Ties" die volle Wucht des symphonisch-komplexen Nostalgiesounds entgegen. Beißende Gitarrenriffs und voluminöse Orgeleinsätze wetteifern voller Dynamik um die Vorherrschaft in diesem typisch skandinavisch geprägten Retrogebräu. Ein grummelnder Bass und wehleidige Celloeinsätze untermauern diesen eindeutigen Beginn einer fossilen Klangreise. Voller Kompromisslosigkeit ist bereits schnell offensichtlich, dass hier wiederum eine Band im Fahrwasser der in den 90er Jahren aufkommenden nordländischen Retroprog-Herrlichkeit vorliegt, welche sich in aller Schroffheit und Melancholie den seligen 70er Jahren zugewandt fühlt. Das symphonische Element tritt so gut wie nur in den folkig-ruhigen Passagen zum Vorschein. Süßlicher Pomp hat in dieser düsteren Klangwelt keinerlei Daseinsberechtigung.

Wo sich im Neoprog weit ausladende Keyboardteppiche ausbreiten, umschlingen sich in den getragenen Parts geheimnisvoll anmutendes Flötenspiel und grummelnde Celloklänge zu einem bedrohlich-mystisch klingenden Klangmuster.

Nach diesem fulminanten Einstieg folgt mit "Strayed Again" der erste Gesangseinsatz, welcher in den dynamischen Abschnitten verhältnismäßig shoutend daherkommt. Zwischenzeitlich sorgen auch unvermeidliche Mellotronchöre für eine wohl dosierte Portion Pathos und Pomp. Weitere Tempiwechsel liegen dann ganz auf der Linie der nordländisch schwermütigen Umsetzung der progressiven Rockmusik. Leider wirkt hier der Gesang doch recht unsauber vorgetragen und allzu schreiend. Wenn das Saxophon noch dazu einsetzt, grüßen VdGG aus weiter Ferne. Der gesangliche Vortrag mutet aber viel mehr so an, als ob man den aktuellen Alternative-Rotz mit Hammillscher Extrovertiertheit paaren wollte, was kaum geglückt ist.

Perlendes E-Pianospiel rückt den Sound von Gargamel auch zur Abwechslung mal in ein jazziges Licht. Kurz darauf dürfen Gitarre, Bass und Cello schon wieder um die Ecke grollen. Im Titel "Into The Cold" wird dem Ganzen in Form von flehenden Mellotronklängen und berauschenden Flöteneinsätzen eine episch breite Note verliehen.

Der Longtrack "Agitated Mind" lässt dann ein insgesamt hörenswertes Album ausklingen, das trotz der bewährten Ingredienzien eigenständig klingt, ohne dabei auf die typische skandinavische Melancholie und Schrulligkeit zu verzichten. Ein wenig Feinschliff wird aus diesem schon prächtig gedeihenden Pflänzchen mitunter eine große Nummer werden lassen.

Anspieltipp(s): Into The Cold
Vergleichbar mit: schroffe VdGG und Anekdoten mit zeitweiliger nordischer Melancholie
Veröffentlicht am: 6.1.2006
Letzte Änderung: 6.1.2006
Wertung: 10/15

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 2 von 4)


Immer wieder auf diesen Seiten taucht der Begriff „Klonprog“ auf. Witzig daran ist, dass die dazugehörigen Klon-Bands fast immer im Kielwasser der Genesis/Marillion-Tradition schippern; ein Freund von mir regte kürzlich schon mal die Idee an, ob wir nicht eine Extra-Seite für diese Richtung als BBS-Filiale einrichten sollten, damit die Fans davon schneller zu ihren Lieblingen gelangen können und die Klon-Hasser was zum Lachen haben. Ich finde diese Idee gar nicht schlecht (nebenbei bemerkt).

Gargamel ist auch so etwas wie eine Klon-Band, aber in ganz anderem Fahrwasser: diese Leute klonen nämlich den Stil von Van Der Graaf Generator und mischen das Ergebnis zugleich mit nordisch-folkiger Einsilbigkeit in der Instrumentierung – mit der Sorte von Einsilbigkeit allerdings, die sehr viel zu melden hat; irgendwie erinnert mich die Aussage der Musik an jemanden, der einen von der Seite anknurrt, weil er nicht viel reden will, dem man aber trotzdem unmissverständlich anhört, wie viel Inhalt in diesem Knurren liegt.

Das Ergebnis ist – kurz gesagt – sehr gelungen. Im Opener stellt die Band noch klar, dass ihre Orientierung nicht völlig auf den Gesangsstil a la Peter Hammill abzielt – erst einmal wird dem Hörer instrumental gezeigt, wo die Harke hängt, um die Knochen zur Obduktion zusammenzufegen. Ich drücke mich nicht zufällig so seltsam aus (das tue ich nie ;-)): hart wie Horn, spitz wie Harkenzacken, aber subtil wie die Lupe der Spurensicherung kommen die gezupfte E-Gitarre, der Bass und das Glockenspiel daher: so viel Feinarbeit im Groben habe ich selten gehört, das schreit sofort nach mehr davon.

Im zweiten Track kommt die Stimme ins Spiel: zugegeben, sie ist nicht so kräftig wie die von Hammill, aber sie schafft es genauso, den Song in ihre Richtung zu reißen und spiegelt den Stil der Instrumentalarbeit wider: hart, aber forschend, schreiend, aber einfühlsam in die Absicht des Songs. Dieser baut dann nach einer Weile seinen instrumentalen Mittelteil auf und überrascht erneut: diesmal dehnt er den Bandstil auf Flöten und ein Cello aus, die ebenso kompromisslos hart und subtil zugleich klingen – das klingt, wie Kammermusik von Apocalyptica klingen könnte, nur natürlich viel proggiger. Zeitweilig bahnt sich dieser Sound fast minimalistische Pfade, aber das schläfert den Hörer nicht etwa ein: überall lauert eine gewisse unruhige Bedrohlichkeit, die einen Alptraum nur andeutet, den sich der Hörer selbst ausmalen kann.

Der dritte Song scheint sich zwar ein wenig dahin zu schleppen, aber das täuscht nur: zum Titel „Below the water“ passt das nur zu gut. Hier wird zwar ein kurzes Ruhe-Lager aufgeschlagen, aber es ist zu ahnen, was darunter lauert…

Track 4 bringt danach (kaum zu glauben, dass es das gibt) zunächst kompromisslosen Folk mit Flöten, bis dann mit Saxophon rasant die Post abgeht. Das ist übrigens kein Stil wie bei Jackson, es kommt irgendwie flotter, aber dennoch bodenständig (wie alles auf diesem Album). Der Longtrack zum Schluss fasst das Bisherige weit ausholend und in langsamerem Rhythmus zusammen, was nach einem solchen Album auch grundsätzlich eine gute Idee ist, aber dies ist nicht der stärkste Track der CD – das ist eher gleich der zweite.

Trotzdem: von solcher Musik hätte es schon immer mehr geben sollen und heutzutage erst recht! Wer schon alles von Van Der Graaf hat und seit langem auf der Suche nach Nachschlag ist, der kann hier bedenkenlos zugreifen, bekommt nicht das Gleiche noch einmal auf den Plattenteller, sondern lernt eine lohnende Alternative dazu kennen.

Anspieltipp(s): Strayed again
Vergleichbar mit: Wie gesagt: Van Der Graaf mit leichten, aber nie melodienseligen Folkelementen
Veröffentlicht am: 13.1.2006
Letzte Änderung: 13.1.2006
Wertung: 9/15
Für den oberen Bereich ist das Album insgesamt vielleicht noch nicht ausgereift genug, einzelne Tracks daraus aber schon!

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


Wonach klingt das? Van der Graaf Generator? Auch. Und auch öfters. Ein Van der Graaf-„Klon“ sind Gargamel aber trotzdem nicht. Wenn beim instrumentalen Opener „Ties“ nach dem kurzen Orgelintro die Rhythmussektion einsetzt, dann fallen mir auf Anhieb eher Gentle Giant ein. Im weiteren Verlauf kommen mir schon beim Opener auch King Crimson in den Sinn. Und bei den folgenden Stücken geht es querbeet: hier ein Anflug Jethro Tull (oder nordische Folklore?), da eine Sequenz, die an die Soft Machine der 70-er Jahre erinnert. Nur Genesis oder Yes scheinen nicht in das Repertoire von Gargamel zu gehören. Das schadet aber auch nicht, sondern ergibt eben durch diese Auswahl gerade den besonderen Sound der Band.

Die Musik klingt meist ganz schön druckvoll und weist zugleich einen nicht unbedeutenden jazzrockigen bis kammermusikalischen Einschlag auf. Beeindruckend etwa das dynamische Zusammenspiel von riffigem Cello und crimsonid-nervöser Flöte bei Strayed Again und der anschließende canterbury-inspirierte, E-Piano-dominierte Instrumentalteil. Diese furiosen instrumentalen Einschübe werden von harten Gitarrenriffs und dem hier besonders präsenten, überspitzten Hammill-Gesang umrahmt, der es auch ist, der häufig an Van der Graaf denken lässt. Das Finale des Stücks hat dann tatsächlich was von der Wucht, wie man sich Apocalyptica on Prog vorstellen könnte. Der abschließende Longplayer wirkt demgegenüber fast schon zu gleichförmig... Below the Water zeigt übrigens, dass der Gesang keinesfalls immer nach Van der Graaf klingen muss, sondern dass es auch einfach nur düster-schneidend geht. Ein Tänzchen aus jazzigem Gesang, E-Gitarre und Cello bringt zudem noch eine besonders originelle Note in das sonst ebenso stark an Crimson wie Van der Graaf orientierte schwermütige Stück.

Das Album selbst macht bei allen empfundenen Anleihen auf mich aber doch einen erstaunlich eigenständigen, frischen und geschlossenen Eindruck. Man hat nicht das Gefühl, dass hier irgendwas willkürlich zusammengestückelt worden wäre. Ein echtes Highlight für alle Retroprogfans, die es gerne etwas weniger symphonisch, dafür aber jazzrockig-kammermusikalisch-verspielt bis skandinavisch-mystisch-düster mögen.

Anspieltipp(s): Strayed again, Into the Cold
Vergleichbar mit: Van der Graaf Generator, King Crimson, Gentle Giant
Veröffentlicht am: 24.1.2006
Letzte Änderung: 24.1.2006
Wertung: 12/15
siehe Hennings Anmerkung ;O)

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 4 von 4)


Ich möchte die Gunst der Stunde, das mit Areknamés ein Album "Tipp des Monats" (September 2006) ist, welches insbesondere Freunde des RetroProgs in Ekstase versetzen sollte, nutzen und einen weiteren Höhepunkt dieser Kategorie ins Blickfeld rücken:

Über das Debütalbum "Watch For The Umbles" der Norweger Gargamel (heißt so nicht der Bösewicht bei den Schlümpfen?) ist auf diesen Seiten schon einiges geschrieben worden... aber vielleicht ist das ja manchem genauso verborgen geblieben, wie mir lange Zeit?

Fettes, düsteres Gitarrenriffing trifft auf breitwandige, ebenso düstere, durch und durch analoge Tastenläufe. Das ist ganz schön heftig und kratzt sozusagen am Doom. Dazu scharrt der Bass grummelnd in den Eingeweiden und das Schlagzeug trommelt wuselig im Untergrund dahin. Die Norweger verstehen es die düsteren Prog-Klänge der 70er in genialer Weise wiederzubeleben und zu neuem Glanz zu führen. Ja, darum geht es hier: Wiederbelebung von musikalischen Motiven, die uns bereits früher zu großer Begeisterung hingerissen haben...

Als besondere Ingredenzien fügen Gargamel ein kratziges Cello und eine psychedelische Flöte hinzu, die sich noch dazu immer wieder mitreißende Duelle liefern. Und wenn dann das Piano zu jazzigen Ausflügen abhebt, dann macht das den besonderen Sound der Norweger perfekt und verbindet auf eigenwillige, fast magische Weise Stilistiken, die bei den "großen Alten" noch säuberlich getrennt auftraten.

Sänger Uglebakken kann gefühlvoll Intonieren, aber auch gewaltvoll Shouten. Dann klingt er nicht selten wie der kleine Bruder von Peter Hammill und voilà, ist damit verantwortlich für die gefühlte Nähe von Gargamel zu Van der Graaf Generator. Uglebakken kann aber auch ganz anders, so dass man schon vermuten muss, die Hammill-ähnlichen Gesangsteile sind mit voller Absicht so geworden. Gargamel sind zwar sicherlich kein Klon, aber eine gewisse Begeisterung für van der graafige Songstrukturen haben die Norweger allemal. Dann kreuzen sie das Ganze aber mit einer Mischung aus Anekdoten und King Crimson, fügen diese unnachahmliche skandinavische Melancholie hinzu und schmecken es mit einer Prise Canterbury ab. Klasse! Und jetzt sag' noch mal einer "hatten wir doch alles schon mal, war doch alles schon mal da"... vielleicht in seinen Einzelteilen, aber in dieser Mischung...?

Auch wenn Gargamel manchmal in den Instrumentalpassagen noch nicht ganz die richtige Linie finden und sich mal eine Länge einschleicht, RetroHeads: Antesten (und kaufen, aber das passiert dann eh')!

Bliebe eigentlich nur noch die Frage, warum es fast vier Jahre gedauert hat, bis diese Aufnahmen endlich auf CD erschienen sind. Hoffentlich klappt das beim Zweitling etwas besser ;-)

Anspieltipp(s): Ties, Into The Cold (eigentlich alles)
Vergleichbar mit: Van der Crimson spielen uns neckische Anekdoten
Veröffentlicht am: 9.9.2006
Letzte Änderung: 9.9.2006
Wertung: 12/15
okay, mit einem Euphorie-Punkt ;-)

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2009 Descending 9.67 3

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