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Vanden Plas

Christ 0

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: InsideOut
Durchschnittswertung: 10/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Andy Kuntz Gesang
Andreas Lill Schlagzeug
Stephan Lill Gitarre
Torsten Reichert Bass
Günter Werno Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Christ 0 5:34
2. Postcard To God 6:16
3. Wish You Where Here 9:14
4. Silently 8:31
5. Shadow I Am 5:28
6. Fireroses Dance 6:03
7. Somewhere Alone In The Dark 5:30
8. January Sun 10:05
9. Lost In Silence 4:20
10. Gethsemane 6:17
Gesamtlaufzeit67:18


Rezensionen


Von: Georg Heep @ (Rezension 1 von 3)


Ich habe mit der deutschen Prog Metal Band Vanden Plas ehrlich gesagt nie besonders viel anfangen können. Far off grace war mir zu gekünstelt, Beyond Daylight zu behäbig, beide Alben nebst der Live-Scheibe von 2000 sind längst bei eBay über die Theke gewandert.

Nun ist es 2006 und "Christ 0" präsentiert zwar unverkennbar dieselbe Band, dennoch gelingt es den Pfälzern zum ersten Mal, mich mitzureißen und auf hohem Niveau zu unterhalten. Das – die Akustik-Scheibe AcCult mitgezählt – sechste Studioalbum der Band ist dabei nicht einfach nur "gut" geworden, es hat sogar das Potential, ein neues Konsensalbum im positiven Sinne zu werden. "Christ 0" ist nämlich unverkennbar Prog Metal und dennoch spielt man keine Sekunde mit dem Gedanken, das Album aus Mangel an stilfremden Einflüssen oder sonstigen Experimenten als belanglose Kopie von schon mal da gewesenem abzuhandeln. Im Gegenteil, gerade wer auf die üblichen Verdächtigen im Genre-Olymp (hier: Dream Theater, Threshold, aber auch Psychotic Waltz) steht und über eine diesbezüglich vollständige Sammlung verfügt, sollte sich auch mit diesem (ganz klassisch:) Konzeptalbum beschäftigen. Auf "Christ 0" treffen (bewusst an erster Stelle genannt) die zupackende Power der neueren Threshold auf die kunterbunten Melodiebögen und das mitreißende Gitarrenriffing der alten Dream Theater und am Ende von "Shadow I am" blitzt sogar kurz die düstere Schizophrenie von Psychotic Waltz auf. Das hierdurch abgesteckte Areal wird insbesondere in den ausladenden Kompositionen von Keyboarder Günter Werno durch Piano-, Chor- und Orchester-Einsätze erweitert. Ich würde sogar behaupten, dass alle Höhepunkte des Albums seine Unterschrift tragen. Behutsam öffnet sich hier die Musik von Vanden Plas einer Vielfarbigkeit, wie man sie von klassischen Rock Opern her kennt. Beim ersten Piano-Einsatz in Wernos "January Sun" schwingt unüberhörbar auch eine Spur von John Miles' "Music" mit (ist ja auch eine kleine Rock-Oper). Dieser dann doch neue Aspekt bei Vanden Plas hängt sicherlich mit der Vielzahl jüngst erfolgter Theater-Engagements aller Band Mitglieder zusammen, und er führt auch dazu, dass sich der Hörer von "Christ 0" an nicht wenigen Stellen des Albums durchaus vorstellen kann, dass man den Gesang auch wunderbar auf mehrere Interpreten hätte verteilen können. Neben den genannten Referenzen lässt damit auch Ayreon grüßen.

Besonders hervorgehoben seien der in sich ruhende, einfach nur perfekte Titeltrack (sehr geschickt als Opener eingesetzt) und zumindest zwei der drei gefühlvollen Halb-"Balladen" ("Silently" – Refrain – und "Fireroses Dance"), die alle Kitsch-Klippen sicher umschiffen und tief unter die Haut gehen.

Kritisieren möchte ich eigentlich nur drei Punkte. Zum einen fällt das Stück "Somewhere alone in the dark" doch deutlich ab. Zweitens ist mir persönlich der Gesangsstil von Andy Kuntz immer noch etwas eine Spur zu langatmig. Zu lange ruht er sich auf den Tönen aus, so dass die Melodiebögen mitunter zu dünn geraten und es unter ihnen auch schon mal etwas langweilig werden kann. Gut möglich, dass mich an den älteren Vanden Plas Veröffentlichungen gerade dieser Umstand gestört hat. Zum Glück passiert jedoch auf der aktuellen CD unterhalb der genannten Gesangsstrukturen instrumental so viel, dass sich meine Kritik nur noch auf einige wenige Momente bezieht. Schließlich hat mich der Bonus-Track von "Christ 0", die Andrew Lloyd Webber Cover-Version "Gethsemane" (aus "Jesus Christ (!!!) Superstar") enttäuscht. Wie ich erst vorgestern erfahren habe, bin ich nicht der einzige BBS-Rezensent, der diese Musik in früheren Tagen rauf und runter gehört hat und den Text der kompletten Oper im Grunde auswendig mitsingen kann. Da mich zusätzlich gerade der Text dieses Stückes immer wieder tief bewegt (Während der Stunden, die seiner Verhaftung vorausgehen, betet Jesus zu seinem Vater und hadert (ganz Mensch) von Angst und Zweifel getrieben mit seinem Schicksal: "I'm scared to finish … what YOU started – I didn't start it!"), singt Andy Kuntz für meinen Geschmack viel zu oberflächlich-schön und zu wenig zerrissen und verzweifelt; auch die entspannten Gitarrenklänge in der ersten Minute treffen die Stimmung, die ich mit diesem Stück verbinde, so überhaupt nicht. Übrigens stand der Vanden Plas Sänger in den letzten Jahren mit gerade dieser Rock Oper auf der Bühne, meines Wissens allerdings als Judas (der eigentlichen Hauptperson von "Jesus Christ Superstar"). Sofern jedoch der eine oder andere Hörer aufgrund dieser Coverversion auf das Original aufmerksam gemacht wird, soll es mir natürlich recht sein.

Alles in allem ist "Christ 0" ähnlich perfekt oder rund geworden wie Threshold's 2004er Subsurface, im Unterschied zu den Briten kann man Vanden Plas allerdings ernsthaft die Zugehörigkeit zum Prog Metal Inner Circle nicht streitig machen. Klingt gut, oder?

Vielleicht ein neuer Klassiker!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Threshold, Dream Theater
Veröffentlicht am: 9.4.2006
Letzte Änderung: 10.4.2006
Wertung: 12/15

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Von: Marcus Kästner @ (Rezension 2 von 3)


„Christ 0“ ist bereits im Vorfeld mit Lorbeeren überhäuft worden. Nach der Rockoper „Abydos“ war es der logische Schritt Kuntz', ein Konzeptalbum mit Musical-Charakter zu entwerfen. Die Fachpresse zeigt sich mehrheitlich einig, hier muss ein Meisterwerk vorliegen. Nun bestätigt dies auch die babyblaue Metal-Koryphäe [sic!] Georg Heep und ich frage mich: Können meine Ohren trügen?

Ich kenne Vanden Plas nun seit circa 8 Jahren, habe einige Alben gehört, war nie ein besonderer Freund, fand das ein oder andere aber Stück ganz gut. Wenn ich „Christ 0“ höre, dann höre ich die gleichen Vanden Plas, die ich auch vor 8 Jahren gehört habe, nur sind sie jetzt noch effektheischender, noch perfektionistischer, noch dramaturgischer und bombastischer.

Vanden Plas wollten das Genre nie neu erfinden. Hier, wie auch auf den anderen Alben, gibt es Prog Metal à la Dream Theaters „Images & Words“ mit gelegentlichen Ausflügen in den Power Metal und den Hard Rock. Größte Wiedererkennungskomponente und größte Schwäche zugleich ist der dünne, schwülstige und ausdrucksarme Gesang des Sängers Andy Kuntz. Weiterentwicklung hat im Verlauf der Bandgeschichte nicht stattgefunden, wohl aber der Ausbau von vorhandenen Stärken. Die Stücke von „Christ 0“ wirken „aus Erfahrung gut“, fast jedes Stück hat die gleiche Spannungskurve, ausladender Bombast und Kitsch haften dort an, wo es an Substanz mangelt, was häufiger vorkommt..

Und genau das macht mir das Album so unerträglich und langweilig. Von einem guten Konzeptalbum erwarte ich einen ordentlichen Spannungsverlauf, wiederkehrende Motive und unterschiedliche Stimmungen. Nichts davon ist auf „Christ 0“ zu finden. Zudem möchte es mich mit aller Gewalt in einen aufbrausenden emotionalen Zustand zwingen, was zwar gut gemacht und gemeint ist, mich aber kalt lässt und mit andauernder Spieldauer verärgert. Das wirklich gute eröffnende Titelstück weist immerhin noch bratzige Gitarren auf und wirkt nicht gar so weichgespült, auch bei den folgenden Metal-Arien erhasche ich immer wieder ein paar instrumentale Stellen, welche die Klasse der Musiker deutlich aufzeigen. Keyboarder Werno, den auch Georg hervorhebt, kann auch ich für einige Passagen loben. Aber was wird bloß aus diesem Potential gemacht?

„Christ 0“ ist überladen, kitschig und aufgeblasen; das war's dann auch.

Ich habe mich nicht um die Texte gekümmert, meine aber, dass hier eine Art prätentiöses Kuntz-Evangelium vorliegt, was ja auch gut in den Rahmen passt. Wie auch das Cover, welches mich irgendwie an „Roman Polanski's Dracula meets From Dusk 'Til Dawn“ erinnert. Das abschließende Coverstück 'Gethsemane' ist eine Anmaßung, zeigt aber deutlich, wie weit Andy Kuntz hinter Sangeskalibern wie Ian Gillian zurückliegt.

Am Ende würde ich am liebsten noch tiefer greifen, weil ich es einfach ärgerlich finde - wie auch die Tatsache, dass der Fankreis im Vorfeld zum Kauf aufgerufen wurde, um ja in die Charts zu kommen - wäre da nicht die Tatsache, dass produktionstechnisch in die Vollen gegriffen wurde und das Album eben gut gemacht ist, so kritisch ich dem auch gegenüber stehe.

Witziger Fakt zum Schluss: Ein Rechtschreibfehler hat sich offenbar bis in die höchsten Gremien gehalten. Das dritte Stück heißt auf allen Veröffentlichungen „Wish You Where Here“, was inhaltlich weder Sinn ergibt, noch im Stück selbst so wiedergegeben wird. Richtig muss es natürlich „Wish You Were Here“ heißen.

Anspieltipp(s): 'Shadow I Am', 'Somewhere Alone In The Dark' - wer das mag, den wird auch der Rest nicht enttäuschen
Vergleichbar mit: Vanden Plas [quasi als Selbstplagiat], Dream Theater
Veröffentlicht am: 14.4.2006
Letzte Änderung: 14.4.2006
Wertung: 7/15
Überambitionierte Metaloper

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Von: Markus Wierschem @ (Rezension 3 von 3)


Aléxandre Dumas’ Graf von Monte Christo zählt ohne Zweifel zu den Werken der Literaturgeschichte, die man einmal gelesen nie mehr vergisst. Die Geschichte des von vermeintlichen Freunden verratenen und unschuldig im Inselverlies des Château D’If eingekerkerten Seemannes Edmond Dantes und seiner Rache an jenen, die ihn seiner Liebe und seines Lebens beraubten, ist das, was man einen „Klassiker“ nennt. Die Geschichte eines modernen Hiob, der sein Leid nicht annimmt, der an Gott verzweifelt, zu Grunde geht und als Racheengel wiederaufersteht – ergreifend, mitreißend und tragisch. Oft verfilmt – mit Depardieu, mit Chamberlain – oft zitiert - etwa in „Sleepers“, zuletzt in „V for Vendetta“ – eines meiner Lieblingsbücher.

Kann man ein 750-Seiten-Epos in 60 Minuten Musik und 6 Seiten Booklet-Text umsetzen? Wissen wir die Antwort nicht schon vorher? Zwar ist das neue Werk der Progmetaller Vanden Plas nur durch Monte Christo inspiriert und keine Adaption, dennoch kann man nicht umhin, gewisse Vergleiche anzustellen. Die Ausgangssituation ist die Gleiche: Der Protagonist wird zu Unrecht von scheinbaren Freunden ins Gefängnis gebracht und muss seine Zeit in Dunkelheit und fernab aller Menschen verbringen. In den Jahren der Dunkelheit ist es der Durst nach Rache, der ihn am Leben erhält und zu seiner neuen Identität, Christ0 (kein Christus – ein Kurzkommentar zur Lage der Gesellschaft?), einem Gott-losen, dessen Leid der Fels seines Atheismus ist. Als ihm die Flucht gelingt, beginnt das Spiel.

Und hier enden die Parallelen. Anstelle eines versteckten Schatzes auf einer Insel findet Christ0 eine Art Filmbunker mit Horrorfilmen, deren Gestalten ihn zu sich in die Schattenwelt nehmen und ihm so die Möglichkeiten eröffnen, seine Rache zu vollziehen (Autsch!). „Erzählt“ wird die Geschichte von Inspektor X (Doppel-Autsch!), der in einem Schiffswrack die als blutige Litaneien an die Wände geschmierte Chronik von Christ0s Morden findet und gar grausige Parallelen zu seinem eigenen Geist entdeckt. Auch wegen eines Puzzles im Text frage ich mich, ob es sich am Ende um die gleiche Person handeln könnte. Am Ende entschwindet der (wieso auch immer?) sterbende Christ0 und wird vom „Fährmann“ in die Stille mitgenommen. Letzterer ist offenbar eine Referenz an den Schiffer Charon, der in der griechischen Mythologie die Seelen der Toten für einen Obolus (eine Münze) über den Fluss Acheron/Styx ins Reich des Totengottes Hades übersetzte. Deswegen legten die Griechen ihren Toten eine Münze unter die Zunge, auf dass sie zahlen konnten.

Auch sonst sind die perspektivisch gebrochenen (mal erzählt 0, mal X) Lyrics mit vielen offenen und weniger offenen kulturellen, literarischen und kinematischen Verweisen durchsetzt – etwa auf „Das Schweigen der Lämmer“, Christo-Darsteller Depardieu, die Abwesenheit des Deus ex machina ... Das alles macht das inhaltliche Konzept aber leider, leider, leider nicht besser – es ist und bleibt im Prinzip eine grausige, inkohärente, popliterarische Horror-Verhackstückelung von Monte Christo, die ich – ich gebe es zu – nicht wirklich verstehe. Darum decke ich nun lieber einen Mantel des Schweigens darüber, und wende mich dem besseren Teil von „Christ0“ zu ...

Zur Musik also: Das Intro beginnt mit krachigen Gitarren und dem großartig klingenden Chor des Pfaltztheaters Kaisterslautern – man hört Fortuna singen, „Carmina Burana“ lässt grüßen. Klingt nach einem „großen Opener“? Ist es auch – locker groovend, flott und treibend, mit klassischen Progmetal-Keyboards und Gitarren, traumtheatresken Unisono-Läufen, und tollen Gesangsmelodien. „Christ0“ hat Ohrwurmcharakter. Der folgende Atheismus-Song „Postcard to God“ ist ein klassischer Vanden-Plas-Rocker, der alle Stärken der Band zum Ausdruck bringt und die Dramatik des Openers aufrechterhält.

„Silently“ begeistert durch den stimmigen Wechsel aus rockigen Gitarrenwechseln, gefühlvollem Piano und dem Kontrast der Spannung aufbauenden Brücken, der sich in den nachdenklichen Phrasen des Vorrefrains noch ungemein steigert, um dann in dem Nackenbrecher des Refrains zu kulminieren. Das Stück bietet eigentlich alles – tolle Melodien, Abwechslung, zwischenzeitlich sogar leichtes Latin-Flair und gute Arbeit an den Instrumenten. Exquisit.

Emotionaler Höhepunkt ist „Fireroses Dance“ – alleine die Bildmetaphorik deutet schon Großes an. Man stelle sich das nur mal visuell vor ... Feuerrosen, tanzen unter klarem Himmel, über einem See oder Berg, das einsame Auge sehnt sich, mitzutanzen ... Für mich liegt hier vielleicht DIE Vanden-Plas-Ballade vor: Ein trauriges Piano leitet uns in den Song, zurückhaltendes Schlagzeug, recht echt klingende Streicher, ein wiegender Chorus ... Zur Mitte hin schwingt die Stimmung um und wird härter und dann setzt wieder dieser Carl-Orff-Chor ein, emotionaler Gesang von Kuntz, ein tolles Gitarrensolo von Lill ... der Song hat eigentlich alles und entfaltet in feinster Vanden-Plas-Ästhetik eine ungemeine Dramatik. Großes Kino, toll komponiert.

Der dramatische Höhepunkt ist allerdings das epische „January Sun“, das ähnlich strukturiert ist. Zu Beginn traurig-klagend wird das Stück dann härter, behält sich aber eine gewisse Nachdenklichkeit bei, schwingt sich dann immer höher, steigert die Spannung durch geschickten (Synthie-)Streicher-Bombast und Zurückhaltung an den wichtigen Momenten. Wiederum hören wir einen toller Solo-Wechsel von Keyboards und Gitarren, und dann der Chor, ja, der Chor ...Das traurige Anfangsthema beschließt das Mini-Epos. Musical-Flair, ohne Frage.

„Lost in Silence“ beendet das eigentliche Album stimmig in stiller Nachdenklichkeit.

Die übrigen Songs, „Shadow I am“, „Somewhere alone in the dark“ und „Wish you where here“ sind auch gutklassige Rocker im Vanden-Plas-Stil, stehen aber doch hinter den anderen etwas zurück.

Fazit: „Christ0“ wirkt musikalisch stimmig und wurde exzellent produziert, transparent, klar, druckvoll. Vanden Plas bringen all ihre Stärken voll zur Geltung, die Performance der Akteure ist tadellos und Kuntz hat sich sangestechnisch im Vergleich zum guten „Beyond Daylight“ noch mal gesteigert. Man höre sich mal die alten Alben an, wo er noch wesentlich schwächer ist, und sage dann, hier liege kein Quantensprung vor ... Dazu hat vor allem Günther Werno ein paar richtig gute Stücke komponiert, und auch der Keyboardeinsatz ist (bis auf ein paar kürzere Passagen) geschmackssicher. Das Album wirkt sehr rund, bietet aber weder etwas Neues, noch Geniales. Vanden Plas Stärke liegt eher in einer konsequenten und durchdachten (Fein-)Arbeit und ihrem guten „Handwerk“ als in Eruptionen wilder Genialität. Man könnte sie als die „Thomas Manns des Progmetal" bezeichnen, denn irgendwie haben sie auch etwas von diesem leicht bildungsbürgertümlich anmutenden Element, das vor allem im Konzept, aber auch musikalisch hie und da durchscheint. Wenn man aber mal vom „Konzept“ absieht, steht unterm Strich ein klassisches Progmetalalbum der gehobenen Güteklasse – dazu kann man gratulieren.*

-------------------------------

*Anmerkungen: Ich bin mir recht sicher, dass es sich bei „Wish you wHere here“ nicht um einen Rechtschreibfehler handelt. Erstmal kennt selbst jeder des Englischen kaum kundige Musikliebhaber Floyds „Wish you were here“ und weiß, wie es geschrieben wird, dann ist der vermeintliche Fehler derart konsequent durchgezogen (auf der Rückseite, im Booklet-Titel und auch durchgängig in den Lyrics), dass es sich – wenn man davon ausgeht, dass es so was wie ein Lektorat gibt – wohl kaum um einen solchen handeln wird. Ich glaube, selbst wenn Kuntz’ Texter-Qualitäten eher durchwachsen sind, können wir hier Absicht in Form eines (wenig originellen) Wortspiels unterstellen. Ich denke, es zeigt, „wohin“ 0 seine Peiniger wünscht – wer eine bessere Deutung hat, kriegt einen Keks. ;-) Dagegen spricht vielleicht, dass Kuntz es nicht wirklich so singt - andererseits könnte das jedem des Englischen Mächtigen nur Schauder über den Rücken jagen. Übrigens hatte Kollege Georg da vorher auch KEIN "h" stehen. Erst auf meine Beanstandung wurde es eingefügt. Falls die Erde also DOCH rund sein sollte, erhebe ich den Anspruch, dass es sich um meinen Fehler handelt.

Zu „Gethsemane“: Ich mag diese Version, aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich „Jesus Christ Superstar“ nicht so besonders schätze. Webber ist nicht „Gott“ und hat seiner Zeit ja auch einiges an Kritik eingefangen. Sieht man es mal losgelöst von JCS haben wir hier einen starken, bombastischen und gut komponierten Song - wofür Vanden Plas nichts können - der stark, bombastisch und gut komponiert in den Vanden-Plas-Sound übersetzt wurde. Kuntz bringt hier de facto seine abwechslungsreichste und zudem auch sichere Gesangsleistung, und auch wenn er, was den Ausdruck angeht, sicherlich kein Gabriel, Keenan oder Gildenlöw ist, schafft er es doch, den (tollen) Text für mich emotional gut rüberzubringen.

Anspieltipp(s): Christ0, Fireroses Dance
Vergleichbar mit: Vanden Plas, Dream Theater, Threshold
Veröffentlicht am: 15.4.2006
Letzte Änderung: 18.4.2006
Wertung: 11/15
Musikalisch 12, aber das "Konzept" gibt einen Punkt Abzug.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Vanden Plas

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Colour Temple 10.00 1
1996 AcCult 9.00 1
1997 The God Thing 11.50 2
1999 Far off grace 10.50 2
2000 Spirit of live 11.00 1
2002 Beyond Daylight 12.50 2
2010 The Seraphic Clockwork 11.00 1

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