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Vinegar

Vinegar

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971 (CD-Reissue 2003, Garden Of Delights)
Besonderheiten/Stil: Krautrock
Label: Phono Verlag
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Bernhard Liesegang Bass, Gesang
Rolf Zwirner Gitarre, Violine
Wolfgang Grahn Schlagzeug
Ralf Modrow Orgel, Gesang
Ambrosius Gulbatsche Gulbratsche
Dagmar Dormagen Gesang, Flöte
Jochen Biemann Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. Missi Solis 12:32
2. Sawmill Teil 1 5:24
3. Sawmill Teil 2 5:20
4. Der Kaiser auf der Erbse 6:56
5. Fleisch 7:07
Gesamtlaufzeit37:19


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Sowohl bei Dag Erik Asbjørnsen (siehe "Cosmic Dreams at play: A guide to german progressive and electronic rock") als auch bei den Freeman-Brüdern (siehe "The Crack In The Cosmic Egg"), kommt "Vinegar", das einzige Album der gleichnamigen Gruppe aus Köln, ausgesprochen gut weg. Asbjørnsen spricht von einem fasziniernden Album, die Gebrüder Freeman bezeichnen es gar als ein unbekanntes Kleinod einer obskuren und innovativen Gruppe ("An unknown gem from an obscure and innovative band"). Da Garden Of Delights das in der LP-Version so gut wie unauffindbare Album 2003 auf CD wiederaufgelegt haben, kann nun jeder Krautrockinteressierte sich ein eigenes Bild von der Scheibe machen.

Asbjørnsen ordnet "Vinegar" ins Genre "garage-underground-progressive" ein, was recht treffend ist. Der Klang der Scheibe geht durchaus in Richtung "Garage" (in Anspielung an die an ebensolchen Orten probenden Sixties-Punker aus den USA), progressiv ist das Ganze auch und sicher gehörte die Gruppe damals dem "Underground" an. Einen sehr holprigen und krachigen, aber auch komplexen, kantigen und stellenweise experimentellen Hardrock spielt das Sextett aus Köln (das siebte Gruppenmitglied, Ambrosius Gulbatscher, ist das Maskottchen der Band, ein Gartenzwerg, der auch auf dem Cover zu sehen ist). Angeblich hat die Gruppe den Namen "Vinegar" (Essig) gewählt, weil sie (Zitat von der Bandwebseite) "schwer verdauliche Musik spielen wollte, kein süßliches Zeug". Dabei unterstützt Essig eher die Verdauung ... egal.

Einigermassen schwer verdaulich ist diese Musik aber durchaus. Gitarren klampfen und krachen, die Orgel wabert und röhrt und mitunter knarzt eine Violine etwas wackelig dazwischen oder setzt zu längeren Soli an. Die Musik hat dabei oft etwas Psychedelisches, erinnert entfernt an Pink Floyd (in einer "Garagen-Version"), in den ruhigeren Passagen auch an diverse Produktionen der 60er von der amerikanischen Westküste, an klassischen, britischen Orgelprog (im abschliessenden "Fleisch") oder in den kantigeren Momenten an raue Blues/Hardrocker wie z.B. die Edgar Broughton Band. Die Vokalbeiträge (meist in Englisch) schwanken zwischen eher unauffälligem, lockerflockigem Singen ("Missi Solis"), durchgeknalltem Gejohle ("Der Kaiser auf der Erbse") und dem nun wirklich schwer verdaulichen Einlagen von Dagmar Dormagen. Sie singt recht unsauber und deklamativ, erinnert ein wenig an Dagmar Krause (Art Bears), und geht mir damit ziemlich auf den Wecker. Der Grossteil des Albums ist allerdings instrumental gehalten. Mitunter wird das Ganze ein wenig schräg, freiformatig und heftig ("Sawmill"). Bisweilen greift Dormagen auch zur Blockflöte, was dann eine leicht folkige Atmosphäre erzeugt.

"Vinegar" ist eine ziemlich abwechslungsreiche Scheibe mit sehr rauem, fast rohem aber durchaus spannendem Krautrock, dem allerdings einen gewisser dilettantischer, unreifer und unausgegorener Geruch anhängt. Recht erfrischend ist die Musik trotzdem. Bei einer besseren Produktion wäre das Ganze allerdings noch anhörlicher. Kleinod? Nein! Fazinierend? Na ja! Innovativ? Jo, ein wenig. Obskur? Durchaus! Ganz interessant ist die Scheibe jedenfalls. Krautrockfans können hier zugreifen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.5.2006
Letzte Änderung: 3.7.2006
Wertung: 8/15

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