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Pienza Ethnorkestra

Indiens d'Europe

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: instrumental; live; Folk; Jazzrock / Fusion; Zeuhl; sonstiges
Label: Soleil Zeuhl - 12productions
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Daniel Jeand'heur Batterie
Thierry Bruneau Vielle à roue
James MacGaw Basse

Tracklist

Disc 1
1. Ali Lennti 7:14
2. Smeceno Horo 7:33
3. Comme des Oiseaux 9:42
4. Gengis Khan 14:47
5. Eraglubeidolem 11:03
6. Geamparalele Lui Haidim 9:07
Gesamtlaufzeit59:26


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Drehleiern erfreuen sich offenbar einer verstärkten Beliebtheit in Musikerkreisen, die sich exotisch-progressiven Klängen widmen, insbesondere in Frankreich. Erschien Anfang diesen Jahres mit dem Debüt von Zaar schon ein Album, in dem die elektrisch verstärkten Klänge dieses mittelalterlichen Instruments eine gewisse, wenn auch nicht tragende Rolle gespielt haben, legen jetzt Pienza Ethnorkestra mit "Indies d'Europe" ein Album vor, in dem das Instrument im Mittelpunkt der Musik steht.

Pienza Ethnorkestra sind Thierry Bruneau an der Drehleier, Daniel Jeand'heur am Schlagzeug (von One Shot) und der derzeitige Magma-Gitarrist James MacGaw (der aber nebenher ebenfalls Mitglied von One Shot ist) am Bass. Aufgenommen wurde "Indies d'Europe" bei zwei Konzerten des Trios im August letzten Jahres. Der Sound ist exzellent, sehr druckvoll und dynamisch.

Zur Musik! "Explosive-Zeuhl-Folk" steht auf der Internetseite des Labels zu lesen, welches für die Veröffentlichung dieser Scheibe verantwortlich ist (Soleil Zeuhl Records). Das passt schon ganz gut. Was hier passiert ist folgendes: Ein knurrender und grollender Zeuhlbass und ein ausgeflipptes Schlagzeugtier (jazz)rocken kräftig ab, während sich darüber Bruneau an seinem "Vielle à Roue" austobt. Das ergibt eine recht eigenartige Mischung aus mitunter sehr heftigen, jazzig-zeuhligen Rockrhythmen, freiem, auch mal recht schrägem Gejamme und folkig-medievalen Klängen, die sich sägend und kratzig in die Gehörgänge graben. Die Drehleier sorgt näselnd, etwas schleifend und lamentierend für die folkloristisch-slavische Stimmung (zwei der Stücke sind offenbar adaptierte bulgarische Volklieder - die Tracks 2 und 6). Sehr oft klingt das Instrument aber auch wie eine Violine, ein Cello oder gar eine E-Gitarre und erhebt sich jaulend, schrubbend oder kreischend über dem kernig dahinrockenden Rhythmusfundament. Ruhigere Stellen gibt es natürlich auch, in denen die Gruppe getragen und etwas melancholisch dahinschreitet. Meist geht hier aber ziemlich die Post ab und es ist eine wirkliche Freude, dem ausgesprochen virtuosen Spiel der drei Protagonisten zu lauschen.

"Indies d'Europe" ist eine äußerst erfrischende Scheibe, die ich jedem abenteuerlustigen Proghörer empfehlen will, der einmal seine Gehörgänge entstauben möchte.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2006
Letzte Änderung: 8.10.2006
Wertung: 12/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Wer hätte gedacht, dass eine Drehleier derart abrocken kann? Mit geradezu beängstigender Dynamik bearbeitet Thierry Bruneau dieses Instrument, das dabei wohl Funken gesprüht haben muss, erzeugt wilde Klangschleifen, die häufig nach Balkanfolklore klingen, und die sich wie eine Bohrmaschine unerbittlich in die Gehörgänge fräsen. Gelegentlich wird die Drehleier noch mit Effektgeräten bearbeitet und klingt dann noch aggressiver, manchmal gar wie eine E-Gitarre.

Dazu tobt sich Daniel Jeand'heur, ansonsten Trommler des Magma-Ablegers One Shot, am Schlagzeug aus, wirbelt pausenlos wie im Exzess über die Felle, während Magma-Gitarrist James MacGaw den Bass zeuhlig-düster grummeln und poltern lässt. Wie ein Orkan kommt diese Musik aus den Boxen gestürmt, droht den Hörer geradezu wegzublasen. Kaum einmal gönnen die drei sich und dem Publikum eine kurze Atempause, fast durchweg prescht die Musik in galoppierendem Tempo voran. Dass das Trio hierbei stets äußerst virtuos agiert, erhöht das Hörvergnügen umso mehr.

Schade, dass von diesem Ensemble bis heute (2012) nichts mehr gehört ward. Oder haben die drei sich damals zu sehr verausgabt?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.7.2012
Letzte Änderung: 25.7.2012
Wertung: 12/15

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