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Isis

Oceanic

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2002
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Postrock
Label: Ipecac recordings
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jeff Caxide
Michael Gallagher
Aaron Harris
Aaron Turner
Bryant C. Meyer

Tracklist

Disc 1
1. the beginning and the end 8:05
2. the other 7:15
3. false light 7:42
4. carry 6:46
5. --(untitled) 2:06
6. maritime 3:03
7. weight 10:46
8. from sinking 8:24
9. hymn 9:12
Gesamtlaufzeit63:19


Rezensionen


Von: Holger Grützner @ (Rezension 1 von 2)


Georg hat eine vollkommen zutreffende Rezi zu ISIS "Panopticon geschrieben", in der der Sound der Band anschaulich benannt wird. Über "Oceanic" ließe sich dasselbe schreiben. Es geht aber auch anders:

...und so geht MEIN Hörfilm:

Der Sturm hatte sich ausgetobt. Er hatte dem Klipper übel mitgespielt.

Die Halteseile hatten nichts genützt. Ein Großteil der Reeling hatte den Brechern nicht widerstanden, so war die Mannschaft Mann für Mann über Bord in die See gespült worden. Einige andere hingen tot in den Seilen. Ich sah mich um. Eine Erinnerung an Spliff und ihren ?Roten Hugo? blitzte auf. Aber nur kurz. Das hier war kein Pop Gimmick. Das hier war real! Mein Puls stolperte durch die Adern, pochte in meinen Schläfen, eigenartig unrhythmisch, ständig überlegend, ob er nicht doch alle Funktionen einstellen sollte.

Die Sonne schien - als wäre nichts gewesen.

Ich kam nur langsam zu mir. Dröhnende Kopfschmerzen machten mir unmissverständlich klar, dass ich noch am Leben war. Die Intervalle verstärkten sich mit jeder Bewegung. Lag ich ruhig, war es erträglich, aber meine Versuche aufzustehen, lösten Schmerzeruptionen in meinem Schädel aus, die, nach dem ich mich darauf eingestellt hatte, schon fast wie Musik klangen. Ja, es gelang mir, mich durch Selbsthypnose in eine Art Trance zu träumen, in der ich den Schmerz sogar halbwegs melodisch wahrnahm. Er schien sich in eine Art Doom Metal verwandelt zu haben. Oder war das eher Post-Rock? Komisch, welch abstruses Zeug einem durch den Schädel fährt, wenn man in völlig ausweglosen Situationen steckt! Ich war kein Seemann. Das Schiff war ein Wrack. Ich lag auf einem fliegenden Holländer. Irgendwo im Atlantik. Wie lange würde ich durchhalten?

Nach einiger Zeit stand ich schwankend auf meinen eigenen Füssen. Es gelang mir, das Steuer zu fixieren und die Kadaver von Deck ins Meer zu hieven. Ihr Aufschlagen auf die Wasseroberfläche gab einen Misston in die Dröhnlandsinfonie unter meiner Schädeldecke.

Vor mir entstand eine Wolkenwand, die nichts Gutes ahnen ließ. Die Geräuschkulisse nahm zu. Die See rollte wieder stärker. Der nächste Sturm zog auf.

Ich wollte nicht unter Deck, denn dort stank es bereits.

Ich hatte es nicht vermocht, auch diese Leichen dem Meer zu übergeben.

Die Wellen wuchsen wieder. Der Sound in meinem malträtierten Hirn gewann ebenfalls an Intensität. Was eben noch klare Gitarre zu sein schien, grummelte nun als brachialer Bass von Ohr zu Ohr.

Ich hatte seit 48 Stunden nichts mehr gegessen, vorher unter starker Seekrankheit gelitten, war also völlig entleert, geschwächt und bekam keinen Knoten mehr fest, um mich wieder anbinden zu können. Warum wollte ich das überhaupt? War mir langsames Verdursten lieber als schnelles Ertrinken?

Es kam, wie es kommen musste. Schon der erste Brecher, der über Deck dröhnte, spottete über meinen Knotenversuch. Während ich sah, wie das Tau mich hergab, berauschte ich mich am Dröhnen der Welle, oder war's in meinem Kopf?

Wasser um mich her. Salzwasser. Drööööhn.

Nirgends mehr Schiff oder wenigstens Holz! Dröööööhn!

Die See wütete. Raaaauuuusch!

Es war Musik. Mal war ich oben, mal unten. Dunkelgrau wohin man sah, oder war ich schon blind?

Die See schien sich wieder beruhigen zu wollen. Ich trieb an der Oberfläche. Wieder Sonne. Ich konnte also sehen. Ich sah dreieckige Rückenflossen. Ich wusste, dass es nun vorbei war. Mehrere tausend Kilometer von zu Hause würde ich Fischfutter werden. Es bestand keine Chance zur Gegenwehr. Ich zog Arme und Beine an und ließ mich sinken. Es ging tiefer und tiefer. Noch spürte ich keinen Biss. Es wurde dunkel. Der Druck im Kopf nahm mit jedem Meter Tiefe zu; verklärte sich. Erinnerungen an Plattencover und Liedfetzen zuckten auf: Achim Reichels "Trutz Blanke Hans", Transits "Sturmflut", Kate Bushs "the ninth Wave", Eloy, Camel, the 3rd and the mortal ---. Ich war dem Meer verfallen. Jetzt erfüllte sich mein Schicksal. Irgendetwas riss an meinem Bein. Das Dröhnen im Kopf erreichte geradezu hymnische Ausmaße. Es lenkte mich ab: Ich war der Klöppel einer gigantischen Glocke. 20 000 Meilen unter dem Meer. In Atlantis-City, in Vineta. Hin und her geschleudert von Wand zu Wand. Ich war das Dröhnen. Ich war der Klang.

Ich war eine Gitarre, deren gerissene Saiten sich wie die Tentakel eines Kraken um den Hai wanden, der an mir fraß. Nun-

- kannte ich Isis ; deren "Oceanic" CD soeben in meinem Player verklang. Ende des Hörfilms.

Wow. Schon beim zweiten Hördurchlauf derart inspiriert! Was für eine Platte! Musik ist keine Droge? Aber Hallo!

PS: An alle Möchtegern-Cobains dieser Welt: Leben macht Spass! Ich möchte mit diesem Text nicht zum Suizid inspirieren! Diese CD ist eine empfehlenswerte Art Methadon.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: the 3rd and the mortal ohne Fee
Veröffentlicht am: 6.10.2006
Letzte Änderung: 19.1.2013
Wertung: 15/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 2 von 2)


Isis war eine Post-Metal Band aus Boston, Massachusetts, die in den Jahren von 1997 bis 2010 aktiv war. In dieser Zeit veröffentlichte die Band insgesamt fünf Alben, „Oceanic“ das zweite Album dieser Reihe und erschien am 17. September 2002. Auf „Oceanic“ gibt es eine ganz interessante musikalische Mischung von musikalischen Stilen zu hören, die einen immer wieder aufhorchen lässt. Post Rock oder noch besser Post Metal, der ab und an durch etwas sphärischere oder sanftere Passagen unterbrochen wird.

Das Album startet mit kompromisslosen und harten Riffs, die einem schnell in die Füße fahren und auch Kolleginnen und Kollegen, die dem Headbanging frönen, jede Menge Betätigungsmöglichkeiten eröffnen. Ganz schlechte Zeiten für Föhnfrisuren. Die Musik ist konsequent und hart und gerade in den Passagen, in denen nicht gesungen wird, sogar melodiös und ins Ohr gehend. Apropos Ohren. Diese werden in den Gesangspassagen nicht umschmeichelt, sondern eher ordentlich malträtiert. Man kann dabei manchmal fast schwerlich von „Gesang“ sprechen, ein bisschen mehr klingt das Ganze mitunter nach Geschrei, wobei man den Inhalt der Texte kaum verstehen kann.

Doch Isis können es auch anders, wie man zunächst bei der Nummer „Carry“ vernehmen darf. Dieses Lied beginnt sphärisch mit verzerrten Gitarrenklängen und einem breiten Synthesizer-Hintergrund. Das Schlagzeug steigt ein, es entwickelt sich eine Melodie, der Klang wird voller, das Tempo gesteigert und… richtig, auch diese Nummer schlägt noch brachial zu. Das kurze, sich anschließende und unbetitelte Lied Nummer 5, stellt dann eher eine Art Klangkollage dar. Man hört ein irgendwie geartetes Meeresrauschen und seltsame Töne, die wohl etwas an die Gesänge der Buckelwale erinnern sollen. Als Zugabe gibt es diverse andere, nicht immer ganz zu identifizierende Geräusche. Die Musiker gönnen ihren Hörerinnen und Hörern eine Verschnaufpause. Gelungen klingt das allerdings ebenfalls.

Es folgt die lockere und leicht beschwingte Instrumentalnummer „Maritime“, welche von der Stimmung her zunächst gar nicht zum Rest des Albums passen will, dann jedoch ebenfalls in sphärische Weiten abdriftet und einen Übergang zum folgenden Titel „Weight“ darstellt. „Weight“ ist nicht nur das längste Lied der Platte, sondern auch der beeindruckendste Titel auf „Oceanic“. Wie diese Nummer langsam, ganz langsam, immer weiter gesteigert wird, das hat was. Das Lied startet mit einem undurchsichtigen Klangnebel, in dem bald Aaron Harris seine Drums eindrücklich positioniert und Maria Christopher ihr „All in... all in... all in a day“ Mantra-artig einsingt. Die Nummer steigert sich immer mehr, bis sie sich zu einem mitreißenden und intensiven Rockstück entwickelt, wahrlich gelungen und begeisternd. Freilich passiert in dem Stück nicht allzu viel, fast schon hypnotisierend wird bei „The Weight“ ein Motiv immer weiter gesteigert und trotzdem wird und wirkt das Ganze niemals monoton, eher mitreißend und ergreifend. Sehr gelungen. Gegen Ende des Stücks kommt es schließlich auch noch zu einem sehr überzeugenden gesanglichen „Duell“. Maria Christopher verbreitet wieder ihre oben erwähnte Botschaft, die schließlich zu „A day... it changes everything“ mutiert und bei der Sänger Aaron Turner, der ansonsten gerne schreit und growlt, die letzten beiden Worte mit viel Hall versehen in die Welt entlässt. Den Ringschluss zum Beginn des Albums vollziehen die Musiker von Isis schließlich, indem sie mit den letzten beiden Titeln wieder den überwiegend sehr harten Tönen frönen.

Fazit: Sehr überzeugend und abwechslungsreich klingt „Oceanic“ von Isis. Um an der Scheibe Gefallen zu finden, ist ein wenig Spaß an knallhartem Metal sicherlich kein Hindernis. Aber auch für Freunde der gemäßigteren und sphärischeren Töne hält „Oceanic“ einiges parat. Die Lieder gehen unabhängig ob Härte oder Sphäre ins Ohr und das Album enthält mit „Weight“ zudem einen wahrlich lohnenden Titel. Doch, macht Laune.

Anspieltipp(s): Weight
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.1.2018
Letzte Änderung: 21.1.2018
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Isis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Celestial 13.00 1
2004 Panopticon 13.00 1
2006 In the absence of truth 15.00 1
2009 Wavering Radiant 11.00 1

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