SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
12.3.2010
Ahora Mazda - Ahora Mazda
Autechre - Confield
10.3.2010
Watzlawick - Prologue
Barbara Rubin - Under The Ice
The Barstool Philosophers - Sparrows
Jackie-O Motherfucker - Flags of the Sacred Harp
Kaipa - In the Wake of Evolution
Maxwell's Demon - Diablo
9.3.2010
Finnegans Wake - The Bird and the Sky Above
The Hirsch Effekt - Holon : Hiberno
8.3.2010
Peter Gabriel - Plays Live
Peter Gabriel - IV
Circle - TAANTUMUS
Sven Grünberg - OM
Peter Gabriel - III
7.3.2010
A Silver Mt. Zion - 'this is our punk-rock,' thee rusted satellites gather+sing
Jaga Jazzist - One-Armed Bandit
Rishloo - Terras Fames
ARCHIV
STATISTIK
16291 Rezensionen zu 10366 Alben von 3876 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

A.R. & Machines

Die grüne Reise

(Archiv-Tipp 12/2007)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971 (CD-Reissue mit Bonus-DVD 2007, Tangram)
Besonderheiten/Stil: Krautrock; Psychedelic
Label: Polydor
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Achim Reichel Gitarren, Echomaschine, Gesänge
Dicky Tarrach Schlagzeug, Mundperkussion
Hans Lampe Perkussion

Tracklist

Disc 1
1. Globus 2:57
2. In the boat 2:07
3. Schönes Babylon 5:01
4. I´ll be your singer - You´ll be my song 2:23
5. Body 1:57
6. A book´s blues 1:39
7. Als hätt ich das alles schon mal gesehen 5:31
8. Cosmic vibration 4:41
9. Come on people 2:53
10. Wahrheit und Wahrscheinlichkeit 11:40
Gesamtlaufzeit40:49
Disc 2
1. Grüne Reise - der Film 42:00
2. Making of 10:00
Gesamtlaufzeit52:00


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Hinter "A.R. & Machines" steckt der Musiker Achim Reichel, der für die Entwicklung der deutschen Rockmusik eine nicht unbedeutende Rolle spielte; immerhin gründete er 1961 mit den "Rattles" eine der ersten deutschen Beatbands, der er bis 1966 angehörte. Bereits bei seinem nächsten Projekt "Wonderland" (ab 1967) begann sich mehr und mehr eine psychedelische Komponente in die zunächst noch beat-orientierte Musik einzuschleichen, die dann schließlich fünf zwischen 1971 und 1975 als "A.R. & Machines" veröffentlichte Alben bestimmte, deren erstes Die grüne Reise war.

Eingespielt wurde das Album von Reichel im Alleingang, hauptsächlich mit Gitarre, dazu etwas Schlagzeug und wenig Gesang. Ergänzt wird das Instrumentarium um den massiven Einsatz von Echogeräten. Die größtenteils nahtlos ineinander übergehenden Stücke sind erwartungsgemäß von Gitarrenklängen bestimmt, meist in zahlreichen Spuren übereinander gelegt und mit vielen Echoeffekten versehen. Zusammen mit den eher einfach gehaltenen Rhythmen ergibt sich ein äußerst farbiges Klangkaleidoskop, ein echter musikalischer Trip. Manches erinnert dabei an die Düsseldorfer Krautrocker Neu! oder die frühen Kraftwerk, mal kommen einem auch die psychedelischen Experimente der frühen Pink Floyd in den Sinn. Zwischendurch findet sich aber auch ein traditioneller Bluesrocker, und Come on, people lässt ein bisschen Hippie-Seligkeit aufkommen.

Ganz krass wird es mit dem 12-minütigen Schlussstück, bei dem praktisch nur unterschiedliche Geräusche, vor allem Stimmen, durch ein Echogerät gejagt werden. Eine ganz eigenartige Klangcollage ergibt sich hieraus, die vielleicht aber doch ein wenig zu lang geraten ist.

Dieser faszinierende krautig-psychedelische Trip ist zwar kein so radikales Experiment wie manch andere im gleichen Jahr 1971 erschienene Produktion aus deutschen Landen (z.B. Tago Mago von Can), aber dass ein doch recht populärer Musiker so komplett mit seiner Vergangenheit bricht, um sich solchen wenig massentauglichen Klängen zu widmen, verdient schon Respekt. Das sah die Musikpresse damals allerdings anders und überzog dieses und die folgenden "A.R. & Machines"-Werke überwiegend mit Verrissen. Erst in den 90ern avancierten die LPs zu Kultplatten.

Leider ist die CD-Ausgabe der Grünen Reise seit längerem vergriffen. 2006 erschien eine Neuausgabe bei einem irischen Label, aber ich bin nicht sicher, ob es sich dabei um eine legale Veröffentlichung handelt.

Nachtrag 12/2007: mittlerweile gibt es eine offizielle CD-Ausgabe, s.u.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.12.2006
Letzte Änderung: 21.12.2007
Wertung: 11/15

Zum Seitenanfang

Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Hallo Krautrockfreaks! Weihnachten und Ostern fallen dieses Jahr zusammen! Es gibt "Die grüne Reise" endlich wieder auf CD! Und das auch noch in sehr edler Aufmachung, direkt von Achim Reichels Tangram-Label, digital aufgearbeitet von Eroc und mit Bonus-DVD. Es besteht somit kein Grund mehr zu irischen oder anderen Bootlegs zu greifen, wenn man diesen Krautklassiker kennen lernen möchte.

Anfang der 70er Jahre wollte der Ex-Rattle Achim Reichel etwas Neues und Anderes machen, "Klänge hinter dem 4/4-Takt" (Zitat). Dabei kam ihm ein zufälliges, elektronisches Phänomen zu Hilfe. Noch ein Zitat: "Eigentlich wollte ich nur etwas mit der Gitarre aufnehmen, als aus einem mir nicht ersichtlichen Grund die Maschine (eine Akai X-3300) plötzlich endlose Echokaskaden erzeugte. Deine Gitarre klang dank der Überlagerungen auf einmal wie zehn. Diese Echos inspirierten mich zu ungeahnten musikalischen Ausdrucksformen, und die dabei entstandene psychedelische Anmutung gefiel mir ebenfalls. Da hab' ich mir gedacht: Das isses!"

Wie sich nun auch immer diese mysteriöse "Fehlfunktion" des Tonbandgeräts erklären lässt, damit war Reichels Echo-Gitarrenstil geboren, der seine Krautalben in den nächsten 5 Jahren prägen sollte (bis zum Album "Erholung"). Auch das 1971 erschienen Solodebüt, veröffentlicht unter dem Bandnamen A.R. & Machines, wird von diesem geprägt, wenn auch noch nicht ganz so stark wie das ein Jahr später erschienen "Echo". Auf "Die grüne Reise" gibt es auch noch Bluesig-Rockiges und ein paar psychedelisch-westcoastrockige Songfragmente zu hören. Reichel macht hier fast alles selbst, nur Schlagwerk und Perkussion werden von Dicky Tarach (auch ein ehemaliger Rattle) und Hans Lampe (später bei Neu! tätig) beigesteuert.

Dieser "Soundtrack zu einem imaginären Film", so der Untertitel, bietet einen gut 40-minütigen, psychedelisch-spacigen Trip, dominiert von Reichels diversen, repetitiv durcheinander wuselnden Gitarren- und Basslinien. Dazu gibt es noch diverse Gesangs- bzw. Sprecheinlagen. Das abschließende "Wahrheit und Wahrscheinlichkeit" wird über weite Strecken sogar nur von echokopierten Stimmexzessen bestimmt. Sehr dicht und intensiv rockt die Musik voran, vermeidet dabei jegliche Monotonie, sondern sprudelt meist hypnotisch und treibend, und vor allem im langen "Wahrheit und Wahrscheinlichkeit" ziemlich wirr und durchgeknallt aus den Boxen.

So sehr Reichel mit "Die grüne Reise" damals die deutsche Rockpresse verwirrt hat, so innovativ und originell steht das Album heute da, welches nicht nur in Deutschland (man höre die Mitsiebziger-Produktionen von Günter Schickert und Manuel Göttsching), sondern auch im Rest der Welt Spuren hinterlassen hat. Brian Eno ließ sich z.B. von der grünen Reise angeblich zu seinem Album "Another Green World" inspirieren. Für Krautrockliebhaber ist das Album auf alle Fälle Pflicht!

Als Bonus kommt mit dem Tangram-Reissue - wie oben schon erwähnt - eine DVD. Auf derselben ist der Film zu finden, der nun nicht mehr imaginär ist, sondern von den Studenten der Medien-Fachhochschule Lippe und Höxter verwirklicht wurde. Wie man sich denken wird, ist die optische Version dieses Albums nicht weniger durchgeknallt als die Musik: Wirre Farben, wirre Effekte, eine wirre Geschichte und ein guter Schuss krautig-experimentierfreudiger Dilettantismus. Reichel: "Nach 35 Jahren ist die grüne Reise endlich verfilmt worden!"

Ach ja, vorne auf dem Cover des Digipacks steht etwas von "Achim Reichel Edition". Das lässt mich hoffen und vermuten, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch die anderen Alben von A.R. & Machines eine Auferstehung auf CD erleben werden.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.12.2007
Letzte Änderung: 8.8.2008
Wertung: 11/15

Zum Seitenanfang

Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 3 von 3)


Achim Reichel ist eine deutsche Musiker-Legende. Er gründete die RATTLES, die deutschen "BEATLES" der 60er Jahre und landete mit ihnen Hit auf Hit (auch heute noch geil - The Witch). Nach dem Ende der Band gründet er 1968 WONDERLAND und landet mit Moscow einen Psychedelic Pop-Rock Ohrwurm in den Charts. Nebenbei übernimmt er als Pächter den legendären Hamburger Star-Club (in welchem die BEATLES damals bekannt wurden). Nach einem WONDERLAND Album und einem weiteren, progressiveren unter dem Namen WONDERLAND BAND hat er allerdings erst einmal das Bandleben satt und möchte seine Ideen alleine verwirklichen. Seit dieser Zeit ist er als Solokünstler auf vielen Alben unterwegs und hat mit Alben wie "Regenballade" oder "Volxmusik" viel für die deutsche Sprache, gar die deutsche Lyrik, in Sachen Rockmusik getan.

1970 aber, da packte ihn die hemmungslose Experimentierlust. Da hatte der Ex-Beat-Musiker genug vom 4/4-Takt und begab sich auf "Die grüne Reise". Inspiriert durch seine AKAI X-3300 Tonbandmaschine, die, ihm unerklärlich, aus seiner Gitarrenaufnahme einen Sound echoartigen Klanges wie 10 Gitarren machte, war das neue Projekt geboren: A.R. & MACHINES. Achim Reichel und seine Maschinen.

Grün also begann diese Reise. Aber das ist nur eine Farbe des Spektrums. Am Ende der CD hat man sie alle miterlebt, denn hier rockt es, es spaced, es bluest, es wechselt die Tempi, die Stimmungen, es geht kunterbunt durcheinander. Mal geht's flott nach vorne, dann plötzlich schleppend. Mal erscheinen ein paar Vokalfetzen die abrupt im Nichts enden, dann sind wieder weite Teile ganz ohne Stimmen. Akustische Songwriter-Teile münden in nen kurzen Blues, um in seltsamen Getrommel mit noch seltsameren Echostimmen zu verschwinden. Psychedelic. Überall auf dem Album atmet es die bunten Schlieren der musikalischen Psychenerforschung aus, die man mit Flokatiteppichen, Lavalampen, großgemusterten Tapeten und ebensolchen Klamotten in düsteren Kellerclubs verbindet. Der musikalische deutsche Aufbruch begann, der Krautrock machte seine ersten Schritte und Achim Reichel war mit dieser Scheibe mittendrin.

Wie er selber im Booklet sagt, war das jedoch zuviel und zu früh für die damalige Hörerschaft und so verschwand die Platte bald aus den Presswerken. Im Untergrund als Tipp, in der Psychedelic- und Krautrockszene aber blieb sie jahrelang ein geliebtes Geheimnis. Wie sehr sich die Zeiten in musikalischer Hinsicht nun aber zum besseren gewandt haben, zeigt vorliegende CD-Edition. Studenten des Fachbereichs Medienproduktion der Fachhochschule Lippe und Höxter setzten dieses Psycho-Meisterwerk als Seminarbeit in zweijähriger Arbeit als Film um. Dieser 42minütige Psycho-Trip erster Güte ist nicht weniger ein Meisterwerk geworden als die ihm zugrunde liegenden Tonaufnahmen. Ein wirbelnder Mahlstrom aus Farben, Überblendungen, Verfremdungen, ein Trip durch die Möglichkeiten der Filmmanipulationen und der überbordenden Phantasie. Ein Tauchgang in die Psyche, den man sich am besten im entspannten Zustand anschauen sollte. Eine Droge, die keinerlei verbotene Mittelchen benötigt. Diese herausfordernde, absolut sehenswerte DVD auf der sich auch noch ein 10-minütiges Making Of des Films befindet liegt im CD-Digipak bei.

Eines der allerbesten Krautrock-Alben gibt es hiermit nun endlich als offizielle CD-Veröffentlichung in klarem, kräftigem Sound (Mastering von EROC). Ich will mal ganz stark hoffen, dass die restlichen fünf A.R. & MACHINES Alben als ebenso vorbildlich aufgemachte CD das Laserlicht der Player bald erblicken werden. Hoffnung besteht, denn zumindest auf dem Cover der grünen Reise prangt ein kleines "Achim Reichel Edition" Logo.

Bonus-DVD Daten: Bildformat 1.78:12 in 16:9, 4 x Multiangle, Dolby Digital Stereo und Surround, DVD 9, PAL, Regionalcode 0

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.1.2008
Letzte Änderung: 27.1.2008
Wertung: 14/15
Krautrock-Klassiker erster Güte

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von A.R. & Machines

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1972 Echo 10.00 1
1973 AR3 9.00 1
1973 A.R.IV 11.00 1
1974 Autovision 8.00 1
1975 Erholung 10.00 1
1998 Echos aus Zeiten der grünen Reise 11.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2009; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
Design: Ralf Damaschke - Webmaster: Udo Gerhards
RSS 2.0 - Klip - Sidebar
Impressum