Soft Mountain
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
Hux Records |
| Durchschnittswertung: |
13/15 (1 Rezension) |
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Besetzung
| Elton Dean |
sax |
| Hugh Hopper |
bass |
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| Hoppy Kamiyama |
keyboards |
| Yoshida Tatsuya |
drums |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Soft Mountain Suite Pt. 1
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30:40
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| 2. |
Soft Mountain Suite Pt. 2
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27:55
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| Gesamtlaufzeit | 58:35 |
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Rezensionen

Gerüche wirken besonders gedächtnisstimulierend - bestimmte Gerüche rufen mal lebhafte, mal auch nur schemenhafte Erinnerungen an Situationen und Umstände wach. Für Musik gilt Ähnliches: Bestimmte Stücke, sogar nur bestimmte Instrumentenklänge können den Hörer in frühere Hörsituationen zurücktransportieren. Soweit nix neues für viele, wie ich aus etlichen Unterhaltungen weiß. Vor kurzem erlebte ich jedoch zum ersten Mal, wie alleine der Sound einer Aufnahme, eine Produktion, eine "Klanggestalt" eine ähnliche Wirkung entfaltete: Beim Hören des gleichnamigen Albums des japanisch-britischen Projektes "Soft Mountain".
Bereits die ersten Sekunden von "Soft Mountain Pt. 1" transportieren mich lebhaft in die Zeit zurück, als ich die Coltrane-"Classic Quartet"-Impulse!-Box hoch und runter hörte: Wegen des leicht angestaubten, aber sehr intimen, unpolierten, direkten, aber gleichermaßen klaren Live-im-Studio-Sounds der Aufnahme, dazu dem ähnlichen Ansatz vierer Meistermusiker, sich ungehemmt und frei im gemeinsamen Zusammenspiel zu versenken. Vielleicht wurde hier wirklich ein gewisser Geist von den Musikern heraufbeschworen und eingefangen, denn sie scheinen dies selbst bemerkt zu haben: Im Verlaufe der "Soft Mountain Suite Pt. 1" beginnt der leider 2006 verstorbene Elton Dean, in seinen Sax-Linien ein Motiv aus "A Love Supreme" zu zitieren. Wenn dann Keyboarder Hoppy Kamiyama (zumindest nehme ich an, dass er dafür verantwortlich ist) Choral-Samples einspielt, wird der schon bei Coltrane vorhandene Zusammenhang zwischen Improvisation und spiritueller Erfahrung endgültig expliziert.
Die beiden Teile der "Soft Mountain Suite" entstanden im Jahre 2003, als Dean und Bassist Hugh Hopper mit dem späten Soft-Machine-Ableger "Soft Works" in Japan auf Tour waren. Zwischen zwei Auftritten gingen die beiden mit Kamiyama und Schlagzeuger Tatsua Yoshida (diese beiden sind in gemeinsamer freie Improvisation bereits über ihr Projekt Daimonji geübt) ins Studio und spielten zwei dreiviertel Stunden lang frei drauf los. Aus diesen beiden Aufnahmen wurden die beiden Stücke auf "Soft Mountain" herausgeschnitten. Der Album-Titel ist übrigens eine Kombination aus "Soft Machine" (natürlich) und "God Mountain", der Übersetzung von "Kamiyama" und auch der Name von dessen Label.
Beide Teile des Albums bewegen sich vom Sound her im Niemandsland zwischen Jazz und Rock: Elton Deans Sax-Spiel und teilweise Kamiyamas Keyboard-Arbeit, die sich bis auf wenige synthieartige Sounds und eingespielte Samples auf Klavier- und E-Piano-Klänge beschränkt, sind deutlich im Jazz verwurzelt. Speziell in den Passagen, in denen Kamiyama E-Piano-Sound spielt, ist auch der Später-60er Miles Davis nicht weit weg. Hoppers E-Bass hingegen ergibt einen deutlichen Rock-Anteil und erinnert an seine besten Zeiten mit Soft Machine: Immer wieder verzerrt und teilweise mit anderen Effekten wie einem Flanger verfremdet. Yoshidas verwirbeltes, gleichmaßen komplexes wie kraftvolles Schlagzeugspiel bezieht seine Einflüsse gleichermaßen aus der verspielten Polyrhythmik der großen Bop- und Post-Bop-Schlagzeuger wie aus der Power des Rock.
"Soft Mountain Pt. 1" ist eine sich stetig wandelnde Improvisation, die aber ohne große Schnitte oder Brüche auskommt, sondern sich stets fließend wandelt. So sehr man sich sowohl in die Beiträge der Einzelmusiker als auch das Gesamtergebnis, das sich aus der gegenseitigen Kommunikation der Beteiligten ergibt, mit Genuss versenken kann, fällt es schwer, einzelne Momente herauszuheben (was aber auch dafür sorgt, dass man hier bei jedem erneuten Hören neues entdecken kann). Exemplarisch sei eine Passage erwähnt (ab ca. 11:40), in der Hopper ein 5/4-Ostinato beginnt, das für die nächsten Minuten den Puls der Musik bestimmt. Den Puls und nicht den Rhythmus, denn Yoshida nimmt zwar Hoppers Tempo auf, spielt aber nicht im gleichen Rhythmus, sondern mit diesem Rhythmus, in dem er um ihn herum und gegen ihn spielt. Wenn dann Kamiyama ebenfalls beginnt, darüber mit dem E-Piano verschlängelte Patterns zu legen und Elton Dean es schafft, zu alledem gleichzeitig ekstatisch und unterkühlt zu solieren, dann ergeben sich Momente von transzendenter Schönheit - bevor sich alles wieder in einer chaotischen Ensemble-Passage auflöst, die ihrerseits wieder in eine schnell gefundene, beihahe hymnische gemeinsame Grundlage wandelt, die von Yoshidas hyperkinetischem Schlagzeugspiel gebrochen wird, was wiederum zu einer erneuten Transformation der Musik führt.
Angesichts solcher stream-of-conciousness-artiger Improvisation hat der eigentlich überstrapazierte Spruch "Über Musik zu schreiben, ist wie Architektur zu tanzen" vielleicht mehr Berechtigung, als bei den meisten anderen Gelegenheiten. Als Rezensent bin ich deshalb dankbar, dass "Soft Mountain Pt. 2" großteils aus deutlich besser definierbaren Abschnitten besteht, ohne deshalb Flickwerk zu sein.
Der zweite Teil der "Suite" beginnt chaotisch wirbelnd, mit deliriösen Vokalsamples im Hintergrund. Darauf folgt ein eher rockiger Rhythmus mit verzerrtem Flanger-Bass von Hopper, der aber schnell wieder gebrochen wird, auch wenn mehr rhythmische Struktur als zu Beginn erhalten bleibt: ein ekstatischer FreeJazz-Rock-Hybrid. Danach beweisen die Musiker, dass es hier nicht um den Massenkampf musikalischer Egos geht: Hoppers massiver Behemoth-Bass und Yoshidas wirbelndes Derwisch-Schlagzeug treten ins Rampenlicht, während Dean pausiert und Kamiyama schließlich nur einige rauschartige Soundeffekte beisteuert, die das Frequenzspektrum etwas auffüllen. Nach einem chaotischen Gruppenteil folgt erst ein ruhiger Absatz und schleppenderer Rhythmus, bevor erst Kamiyama solo am Klavier in klassischer Manier phantasiert, bis Elton Dean dazu kommt und die beiden ein kurzes Duo spielen. Und zum Schluß, vielleicht um zu zeigen, dass sie nicht nur "wüst" und vollkommen frei spielen können, vereint ein geradezu straighter Jam-Teil über einer gleichbleibenden harmonischen und rhythmischen Basis wieder alle Musiker.
Wenn ich an dem ganzen etwas rummeckern wollte, dann nur daran, dass der Einstiegsschnitt in "Pt.1" relativ krass erfolgt und "Pt. 2" ausgeblendet wird. Aber ansonsten kann ich "Soft Mountain" auf jeden Fall jedem empfehlen, der vor den Reizworten "komplett improvisiert" nicht zurückschreckt. Allen anderen eigentlich auch, so. "Soft Mountain" führen das Erbe der klassischen Soft Machine meines Erachtens besser weiter, als die restlichen "Soft x"-Projekte der letzten Jahre. Mich haben "Soft Mountain" jedenfalls schon jetzt (Januar 2007) stärker begeistert, als so ziemlich jede Platte aus dem Jahre 2006. Auch deshalb zücke ich eine vergleichsweise hohe Punktzahl. Denn, verdammt nochmal, Meisterlichkeit muss gewürdigt werden.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
17.1.2007 |
| Letzte Änderung: |
17.1.2007 |
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