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Far Corner

Endangered

(Tipp des Monats 3/2007)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant
Label: Cuneiform Records
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

William Kopecky Basses, Spring Drum
Dan Maske Keyboards, Trumpet, Melodica, Percusison
Angela Schmidt Cellos, Violin, Bamboo Flute
Craig Walker Drums

Gastmusiker

Jerry Loughney Violin (Track 5)

Tracklist

Disc 1
1. Inhuman 3:47
2. Do You Think I'm Spooky 6:41
3. Creature Council 10:17
4. Claws 5:14
5. Not From Around Here 8:57
6. Endangered 19:50
Gesamtlaufzeit54:46


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 3)


Von Blau zu Rot! Von der etwas unterkühlt rockenden Kammermusik ihres Erstlings zu "Endangered". Far Corner sind wieder da! Mehr als zwei Jahre hat sich das Quartett aus Wisconsin Zeit gelassen, um den Nachfolger zu "Far Corner" einzuspielen. Das Warten hat sich gelohnt! "Endangered" gefällt mir noch besser als das schon sehr ansehnliche Debüt.

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert bei Far Corner. Immer noch sind William Kopecky, Dan Maske, Angela Schmidt und Craig Walker an Bass, Tasten, Cello und Schlagzeug tätig. Immer noch spielen die Vier einen schwungvollen Kammerprog, der Elemente von Rock, Jazz und Klassik in sich vereint und z.B. an die Musik der Belgier von Univers Zero erinnert. Trotzdem ist "Endangered" etwas anders ausgefallen als das Debüt, wie es sich - ich habe es Eingangs schon angedeutet - auch im Wechsel der Farbgebung der beiden Albumcover widerspiegelt. Das rote "Endangered" klingt wirklich wärmer und feuriger als das blaue "Far Corner". Vermutlich liegt das vor allem daran, dass die Tasten eine bedeutendere Rolle innehaben, insbesondere die wohligen, fast retro-orientierten Orgelklänge. Wirkte "Far Corner" über weite Strecken wie eine Ansammlung von Klassik- bzw. Jazznummern mit Rockeinschlag, ist auf "Endangered" die Fusion der Stile perfektioniert worden, und zwar durch die Verstärkung der Rockkomponente. Das Album ist eine Spur heftiger, rhythmischer und druckvoller ausgefallen als der Vorgänger. In "Creature Council" gerät die Musik sogar in metallische Gefilde, wobei wie schon auf dem zweiten Album der Finnen von Höyry-Kone das wüste Riffen vom elektrisch verstärkten Cello besorgt wird.

Ein zweites Element haben Far Corner auf "Endangered" verstärkt oder neu eingeführt. Es plingt, scheppert und wabert jetzt gelegentlich sehr frei und experimentell dahin. "Claws" ist z.B. weitestgehend ein improvisiertes Tongemälde. Im knappen Beihefttext schreibt die Gruppe, dass das Thema der Nummer "Kratzen" sei. Alle Beteiligten kratzen hier daher auf allerlei Tonerzeugern herum. Es knirschen, sägen, röhren und hallen daher allerlei seltsame und heftige Klänge durcheinander, nur einmal, wenn die Musik sich etwas beruhigt hat, erklingen darüber die einsame Linien einer Melodika. Im einleitenden "Inhuman" und dem langen Titeltrack gibt es ähnlich freie Abschnitte. Erwähnenswert sind in dieser Nummer auch die effektvollen Trompeteneinlagen von Dan Maske.

Etwas aus der Reihe tanzt das fünfte Stück, das jazzige "Not From Around Here". Die Nummer beginnt als recht harmloses, lockerflockiges Jazzquartett (Piano, Bass, Schlagzeug und Cello), behält diese Ausrichtung auch im weiteren Verlauf der Nummer weitestgehend bei (etwas kantiger wird das Ganze allerdings schon), wobei es einige schöne Soli von Cello, Bass und Gastviolonist Jerry Loughney gibt. Trotzdem macht sich dieses Stück im Kontext des Albums sehr gut, wirkt wie ein entspannter Ruhepol, der die Ohren des Hörers einigermaßen erholsam umschmeichelt.

Mit "Endangered" ist Far Corner ein würdiger und sogar verbesserter Nachfolger zu ihrem Debüt gelungen. In seiner Gesamtheit ist das Album deutlich abwechslungsreicher und kompakter ausgefallen, wozu sicher auch die um rund 15 Minuten kürzere Spielzeit beiträgt. Kammerprogliebhaber, RIO-Freaks und Freunde schräger Rockklänge können hier ohne zu zögern zugreifen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.2.2007
Letzte Änderung: 6.2.2007
Wertung: 12/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 2 von 3)


Ja, Far Corner, die vor knapp drei Jahren mit ihrem Debütalbum für Furore sorgten, sind wieder da. Und die Symbolik von Kollege Achim - "Von Blau zu Rot" - ist tatsächlich sehr treffend. Far Corner legen eine Schippe drauf, was Heftigkeit, Geschlossenheit und Wildheit anbelangt.

"Endangered" (nebenbei: Wer ist hier eigentlich bedroht? Die Band? Doch eher nicht, eher agieren die Vier gelegentlich bedrohlich...) ist eine Sammlung heftigen Schräg-Rocks mit allerlei Einflüssen aus Avantgarde, Zeuhl und moderner Klassik, ähnlich wie beim Erstling, aber diesmal viel besser verwoben, geworden. Far Corner fußen dabei vor allem auf rhythmisch ausgefallenen Konstrukten, was wunder, wenn dreiviertel der Band aus eher rhythmus-orientierten Instrumenten / Musikern besteht. So treiben sich Bass und Cello immer wieder in beeindruckende Crescendi, unterlegt mit aktiver, wuseliger Percussion. Der Bass agiert ungewohnt oft als melodieführendes Instrument. Fast als Gegenpol agiert dann Dan Maske an den Tasten, der jazzig-entspannte Läufe oder fast "klassische" Orgelklänge dem Tiefton-Gewitter entgegen setzt. Beeindruckend, wie die Musiker immer wieder Spannung aufbauen, die sich dann entsprechend eruptiv entlädt. Dabei agieren Far Corner noch ein Stück dynamischer und rockiger als beim Erstling und kennen vor allem bei den Tracks "Do You Think I'm Spooky?" und "Creature Council" kaum ein Halten... und das obwohl Dan Maske in der Regel die Stücke schon immer noch komponiert (er kommt ja aus der Klassischen Musik) und seinen Kollegen zumindest genaue Vorgaben gibt, was zu tun ist.

Wie sich Far Corner weiterentwickeln können, zeigen die ersten Experimente auf "Endangered", die vom bisherigen Kompositionsstil abweichen. Mit "Inhuman" und "Claws" sind zwei relativ freiformatige Improvisationen vertreten, wobei "Inhuman" mehr oder weniger 'nur' eine Einleitung zu "Do You Think I'm Spooky?" darstellt. Gut für mich, denn solche Klangwolken werden mir wohl immer fremd und der Sinn verschlossen bleiben. So ist das auch hier, glücklicherweise sind beide Stücke eher kurz. Spannend hingegen die Geschichte des Titeltracks: Hier hat Maske mal nicht im voraus komponiert (so ein knapp 20-Minuten-Epos schüttelt man halt auch nicht aus den Hemdsärmeln), sondern hat lediglich ein paar Basistracks mit Keyboards und Trompete aufgenommen, das Ganze auf CD gebrannt und an Drummer Walkner weitergegeben. Dieser hat dann seine Percussion etc. dazu gefügt, und die Aufnahme ging wieder zurück an Maske, der weitere Percussion-Parts hinzufügte. Schliesslich bekam Kopecky das Ergebnis und spielte seine Parts mit unterschiedlichen Bässen und einer "Spring-Drum" ein. Zum Abschluß ergänzte dann Angela Schmidt Cello, Violine und Flöte... also keine Komposition im eigentlichen Sinn, auch keine Improvisation, sondern eine Evolution des letztlichen Stückes schrittweise aus den Ideen und Inspirationen der jeweils anderen Bandmitglieder. Das Ergebnis ist sowohl erstaunlich konsistent, wie spannend. Und in diesem Track machen gelegentliche freiformatige Stellen, die wie Ruhepole wirken, durchaus Sinn. Ein gelungenes Experiment.

Abschliessend vielleicht noch eine Bemerkung zu "Not From Around Here"... übrigens meine Erstkontakt mit diesem Album und da eine leichte Enttäuschung. In der Tat nimmt man zunächst eine eher sanfte, ruhig dahingleitende jazzige Nummer wahr, aber kaum ein Track, den ich kenne, ist ein dermaßener "Grower" wie dieser. Zum einen wird es subtil, aber unerbittlich, immer kantiger.Die Violine setzt einen ganz neuen farbigen Tupfer in den Klangkosmos von Far Corner und der Track offenbart von Durchlauf zu Durchlauf immer mehr kleine Details, die man beim ersten Vorbeihören so gar nicht wahrnimmt. Ein kleiner Einschlag von Frogg Café in der Welt von Far Corner ;-) So langsam entwickelt sich gerade dieser Track zu meinem heimlichen Liebling auf diesem außergewöhnlichen Album.

Anspieltipp(s): "Do You Think I'm Spooky?" ...aber ich glaube das Album wirkt viel, viel besser, wenn man es in einem durchhört
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.2.2007
Letzte Änderung: 17.2.2007
Wertung: 12/15
...irgendwas blockiert noch den Griff zur "13", der aber durchaus drin wäre...

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 3)


Da kann ich den Kollegen nur Recht geben. Das Zweitwerk des Quartetts stellt das schon sehr gelungene Debüt noch in den Schatten. Aggressiver, feuriger, mit gelegentlichem Zeuhl-Einschlag, werden dem Hörer die avantgardistischen Klänge um die Ohren gehauen. Der Bass grollt, das Cello scheint bisweilen mit einer Säge bearbeitet zu werden, die Orgel röhrt bisweilen ganz ordentlich in bester Retro-Manier. An manchen Stellen geht das schon in Richtung des Brachial-Zeuhls von Guapo.

Gerade die völlig freien Experimente finde ich dabei faszinierend, speziell Claws, dessen quälend langsam hervorgebrachte Geräuschlinien einen eigenartigen Kontrast zu der auf der Melodika geblasenen elegischen Melodie bilden (nebenbei bemerkt finde ich es erstaunlich, wie oft mir dieses doch eher schlichte Instrument in letzter Zeit auf diversen Prog-CDs begegnet ist).

Insgesamt ein viel versprechender Auftakt des Progjahrs 2007, und auch wenn das Jahr noch jung ist, wage ich die Behauptung, dass dieses Album in meiner Jahresbestliste ziemlich weit oben landen wird!

Anspieltipp(s): Do You Think I'm Spooky, Creature Council
Vergleichbar mit: Univers Zero, Guapo
Veröffentlicht am: 20.2.2007
Letzte Änderung: 20.2.2007
Wertung: 12/15

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2004 Far Corner 11.33 3

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