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Porcupine Tree

Fear of a Blank Planet

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007 (14.04.2007)
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock; Progmetal
Label: Roadrunner Records
Durchschnittswertung: 9.71/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Steven Wilson Vocals, Guitars, Piano, Keyboards
Richard Barbieri Keyboards, Synthesizer
Colin Edwin Bass Guitar
Gavin Harrison Drums, Percussion

Gastmusiker

Robert Fripp Soundscapes (track 5)
Alex Lifeson Solo Guitar (track 3)
John Wesley Backing Vocals

Tracklist

Disc 1
1. Fear Of A Blank Planet 7:28
2. My Ashes 5:07
3. Anesthetize 17:42
4. Sentimental 5:26
5. Way Out Of Here 7:37
6. Sleep Together 7:28
Gesamtlaufzeit50:48


Rezensionen


Von: Michael Büttgen @ (Rezension 1 von 7)


Porcupine Tree sind eine Band, deren Veröffentlichungen von ihren Fans sowohl herbeigesehnt, wie auch in den meisten Fällen abgefeiert werden. Sehr zum Ärger derer, die gern objektiv an die Musik von Porcupine Tree heran gehen. Sicher ist, dass Porcupine Tree mit jedem neuen Album für ordentlichen Diskussionsstoff sorgen, was ja eigentlich eine gute Sache ist. Nun gibt es 2 Jahre nach "Deadwing" und einem zwischenzeitlichen Labelwechsel das neue Album "Fear of a Blank Planet", welches sicher auch dieses Mal wieder für viel Diskussionsstoff sorgen wird.

Hinsichtlich der Kombination aus Laufzeit und Anzahl der Stücke auf dem neuen Album müsste rein theoretisch schon das Proggerherz höher schlagen. Ganze 6 Songs teilen sich die knapp 50 Minuten, wobei "Anesthetize" mit über 17 Minuten wohl zu den längsten PT-Tracks aller Zeiten gehört. Um diesen gewaltigen Longtrack formen sich die restlichen 5 Songs zu einem sehr intensiven, konzeptartigen Album, welches sich nach Herrn Wilsons eigener Aussage mit MTV, Sex, verordneten Drogen, Videospielen, dem Internet, grenzenloser Langeweile und nachträglicher Flucht beschäftig. Ähm, ja...

"Fear of a Blank Planet" rockt direkt im typischen Neu-PT-Stil mit einer gepfefferten Gitarre und einem sicheren Refrain drauf los, ohne die Fans des alten PT-Sounds direkt zu vergraulen. Das dürfte auch nicht der Fall bei dem ruhigen "My Ashes" sein. Mit seinem verträumten Streicheraragement und seiner Melodie hätte das Stück auch hervorragend auf einem Album wie "Stupid Dream" gepasst. Bisher noch nichts wirklich Außergewöhnliches, was den PT-Fans hier vorgetragen wird.

Das ändert sich jedoch mit "Anesthetize". 17 Minuten, die wie im Flug vergehen, weil sie so ungemein spannend sind. Ein treibender, fast hypnotischer Rhythmus, bei dem sich Gavin Harrison endlich mal nicht zurückhalten muss, wie man dies von den Vorgängeralben bisher gewohnt war. Typisch unverwechselbare Barbieri'sche Klangteppiche, wie sie auf Alben wie "Signify" zu finden sind und enorme, fast schon an Bands wie Meshuggah oder Opeth erinnernde Metal-Explosionen machen diesen Song zu einer kleinen Besonderheit im Schaffen der Band. Härtetechnisch hat man eindeutig noch einige Briketts zugelegt. Lobend zu erwähnen ist natürlich das kurze Gastspiel von Alex Lifeson, der hier Gott sei dank nicht allein als Kaufargument für Rush-Fans, die eventuell potentielle Porcupine Tree-Fans werden könnten, sein Gitarrensolo beisteuert.

Apropos Gastspiel: Auch Robert Fripp ist auf dem neuen Album zu hören. Vielleicht nicht so offensichtlich wie Alex Lifeson, aber ebenso effektiv, wenn man sich das grandiose Intro zu "Way Out Of Here" anhört, welches der Meister mit seinen Soundscapes veredelt hat.

Das nicht überragende, aber immer noch gute Stück "Sentimental" hätte nicht nur wegen der verblüffenden Ähnlichkeit zu "Trains" gut auf "In Absentia" gepasst; auch härtetechnisch hätte es dort gut seinen Platz gefunden. Nicht jedoch "Sleep Together", welches den krönenden Abschluss bildet. Der Song überzeugt mit einem schleppenden, stampfenden Rhythmus, getragen von markanten Loops und fernöstlichen Streichern. Hätte man das Stück etwas langweiliger zusammengebastelt, hätte es durchaus seinen Weg auf "Deadwing" finden können.

Auch mit "Fear of a Blank Planet" werden Porcupine Tree wohl die alten Fans zufrieden stellen oder - vielleicht wegen der noch härteren Ausrichtung - einige vergraulen und neue Fans hinzugewinnen. Diesmal vielleicht sogar diejenigen, die sich bisher gelangweilt abgewendet haben, oder der Band vorgeworfen haben, sich ständig zu wiederholen. Gut, auch auf diesem Album erfinden Porcupine Tree ihren Sound nicht komplett neu. Will das überhaupt jemand? Porcupine Tree, quasi die Pioniere des "New Artrock" (erfunden hat den Begriff das "Eclipsed-Magazin" und PT waren die erste Band, die in dieser Schublade gelandet sind) rocken wie man es von ihnen erwartet, behalten dabei ihre Wurzeln im Auge, ohne sich jedoch großartig selbst zu kopieren. Hier gibt es durchweg feine Ideen und vor allen Dingen keine Füller, wie es z.B. auf "Deadwing" der Fall war. Das Album unterhält von Anfang bis Ende.

Das Album erscheint in zwei Versionen. Zum einen die "normale" CD mit den 6 Stücken und zum anderen eine "Special Edition" mit zwei CDs, wobei die erste Scheibe die 6 Stücke enthält und die zweite einen 5.1 Mix.

Anspieltipp(s): Anesthetize, Way Out Of Here
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.4.2007
Letzte Änderung: 7.4.2007
Wertung: 12/15

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Von: Jan Hamm (Rezension 2 von 7)


Angst vor einem leeren Planeten mag die fehlgeleitete Jugend haben, deren Portrait mit dem neuen Porcupine Tree-Werk vorliegt. Zumindest wenn es nach Steven Wilson geht, ist 'Fear Of A Blank Planet' eine Reflektion über die generation lost und dementsprechend pessimistisch. Ich für meinen Teil habe eher Angst vor einem leeren Album.

Die Kinder im Booklet schauen alle ausgesprochen traurig aus. Vielleicht fürchten sie sich ebenso wie ich vor sich ständig wiederholenden Texten und großer Harmlosigkeit. Wilson hat wohl wirklich zuviel mit Aviv Geffen herumgehangen, anders kann ich mir nicht erklären, dass 'My Ashes' oder 'Sentimental' die Qualitäten von 'Trains' oder 'Heartattack In A Layby' aussparen, und einfach vor sich hindümpeln. Diese beiden Stücke hätten Blackfield II gut gestanden, hier sind sie fehl am Platz und füllen die Spielzeit auf, ohne einen nennenswerten Beitrag zu leisten.

Überhaupt frage ich mich, warum 'Fear Of A Blank Planet' nach dem so stiefmütterlich behandelten 'Deadwing' als Schritt in die richtige Richtung gewertet wird. Der Titeltrack dieses Albums ist die leicht uninspirierte Fortsetzung des Titeltracks davor. 'Anesthetize' mag ein paar Minuten länger als 'Arriving Somewhere' sein, es ist aber viel unzusammenhängender aufgebaut. Die schönen Momente, die Gavin Harrison dem Song beschert, können ihn nicht davor retten, gestreckt zu wirken. Immerhin nimmt das Album zum Schluss nochmal Fahrt auf und beschließt das bisherige Mittelmaß dank 'Way Out Of Here' und 'Sleep Together' mit einer hypnotischen Viertelstunde.

Die Gastauftritte sind ebenfalls wenig spektakulär. Gerade auf Robert Fripp habe ich mich sehr gefreut. Statt ein paar virtuosen Arpeggios darf (?) der legendäre Gast allerdings nur Soundscapes einstreuen. Die sind zwar atmosphärisch, ich bin mir aber sicher, dass Barbieri das mit seinen Synths keinen Deut schlechter gemacht hätte. Das Solo von Lifeson dagegen ist schlichtweg überflüssig.

'Fear Of A Blank Planet' in einem Wort? Ausgebremst. Harrison kommt prinzipiell auch nicht viel mehr als auf 'Deadwing' zur Geltung, was nach dem Genuss der aktuellen Live-DVD eine Schande ist. Die Gäste sind nur aufgrund ihrer illustren Namen dabei - und vielleicht ja, um Roine Stolt eins auszuwischen ; ). Und die ruhigen Momente sind oftmals so harmlos, dass man sie auch gut für eine B-Seiten-Veröffentlichung hätte sparen können. Die Idee, hier und da ein paar harte Simpelriffs einzustreuen, wird seit 'Blackest Eyes' auch nicht viel frischer. Einen gewissen Bezug zur besungenen Apathie der heutigen Jugend hat die Platte immerhin durch ihre eigene zwischenzeitliche Apathie. Glaubwürdigkeit war dem pädagogischen Steven offenbar wichtiger, als spannende Songs.

Die Platte ist trotzdem genießbar und ich werde sicher noch genug Zeit mit ihr verbringen. Eine Enttäuschung auf hohem Niveau bleibt leider aber trotzdem eine Enttäuschung.

Anspieltipp(s): Way Out Of Here, Sleep Together
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.4.2007
Letzte Änderung: 15.4.2007
Wertung: 8/15

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 3 von 7)


Sieh an, da gibt es ein neues Album von Porcupine Tree. Nach deren aus meiner Sicht verheerend langweiligem Konzert im Hannoverschen Capitol im Herbst 2006 wollte ich den Mannen um Steve Wilson eigentlich so gern nochmal eine Chance geben, sich in mein Herz zu spielen. Vor einigen Wochen habe ich Stupid Dream nochmal aufgelegt und des Nachts genossen, Lightbulb Sun mit auf meine beruflichen Reisen genommen und genossen und jetzt auch den neuesten Tonträger in der Hoffnung auf Genuss erworben.

Mann, ist das billig gemacht. Wenn man einen Track auf über 17 Minuten hievt, sollte man wenigstens am Rande darauf achten, dass die Zusammenstellung verschiedenster Schnipsel musikalisch auch irgendeinen Sinn ergebe. Wenn man einmal einen - zugegebenermaßen - guten Braaaatz-Gitarrensound gefunden hat, nutzt der sich auf dem dritten Album in Folge mit ewig gleichen Unisoni spätestens rapide ab. Wenn man solch berühmte Gäste einlädt, ergibt sich die Gefahr - besonders beim launischen Fripp -, dass man mit Ergebnissen leben muss, die zwar verkaufs- und interesseförderlich, aber nicht unbedingt eidottergelb sind: Fripps Soundscapes sind überflüssig in einer Band mit einem Richard Barbieri und einem begnadeten Soundarchitekten wie Wilson selbst, Lifesons Solo wirkt deplatziert wie ein guter Freund, mit dem man gerne reden würde, der aber anruft, während man mitten in der Auflösung eines Agatha-Christie-Krimis vor sich hin liest.

Andererseits wirkt die Band selbst ebenfalls seltsam gefangen in ihrem Nu-Metal-Gewand. Es wäre dringend anzuraten, weniger der coolen Jugendkultur hinterher zu hecheln - ein Eindruck, den Wilson auch mit Fear of a Blank Planet nicht verwischen kann -, und mehr auf wirkliche Stärken der Bandmitglieder zu setzen. In Gavin Harrison haben sie einen Drummer, der mehr Raum verdient hätte, Barbieri fängt sicherlich auch bald an, Presets zu benutzen und Colin Edwin geht beinahe unter im Unisono-Gewirr.

So möchte ich mich unterm Strich Jan anschließen: Für mich ist das keineswegs ein Schritt vorwärts, schon gar nicht in die richtige Richtung. Stagnation im Gefühl der eigenen Coolness ist eher der sich aufdrängende Eindruck.

Anspieltipp(s): Sleep Together
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.4.2007
Letzte Änderung: 16.4.2007
Wertung: 7/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 4 von 7)


Sollte ich dieses Album mit einem Wort beschreiben, so wäre meine Antwort: Atmosphäre. Bereits die Vorgängeralben In Absentia und Deadwing gingen in diese Richtung, aber mit Fear of a Blank Planet ist Steven Wilson mit seiner Band ein darüber noch hinausgehendes, außergewöhnlich geschlossenes Konzeptwerk gelungen.

Fear of a Blank Planet, das ist die Furcht vor der Leere in den Köpfen der Menschen, wobei bei Wilson die Kinder und Jugendlichen im Zentrum seiner Sorge stehen. Junge Menschen, deren Leben sich zwischen dem Fernseher, der Spielekonsole und den Einkaufsmärkten abspielt. Die die Leere und Perspektivlosigkeit in sich mit Drogen und Sex bekämpfen, damit sie sich noch irgendwie lebendig fühlen. Und die latente Gewalt in sich tragen, die sich irgendwann in einem Massaker entladen kann. Um sich irgendwie lebendig zu fühlen. Die Texte Wilsons umkreisen diesen Themenkomplex und kulminieren in der finalen Textzeile: "Let's sleep together right now. Relieve the pressure somehow. Switch off the future right now. Let's leave forever?"

Die Musik spiegelt die beschriebene Verlorenheit und immer wieder aufblitzende Aggressivität eindringlich wider. Dabei würde ich Fear of a Blank Planet keineswegs als härtestes oder metal-lastigstes Album der Band bezeichnen, da die Härte eben immer nur stellenweise aufblitzt. Wenn die Gewalt zum Ausbruch kommt, dann ist sie aber in der Tat phasenweise brutaler als jemals zuvor. Allerdings werden die Gewaltausbrüche schnell wieder mit melodiösen und sphärischen Passagen konterkariert, sodass insgesamt ein stimmiges Bild entsteht.

Durch den starken Konzeptcharakter ist das Album durchaus als Einheit begreifbar. Dennoch lassen sich - auch anhand der Titelunterteilung - einzelne Phasen der Scheibe sehr wohl unterscheiden. Wobei der ruhige dritte Teil des Longtracks Anesthetize durchaus als eigenes Stück/Intermezzo durchgehen könnte. Anesthetize stellt für mich mit seinem organischen Aufbau und seinem mitreißenden Refrain auch einen Höhepunkt der Scheibe und im Schaffen von Porcupine Tree insgesamt dar. Ein weiterer Höhepunkt des Albums wird mit dem atmosphärisch dichtesten Stück dieses sowieso unglaublich atmosphärischen Albums gesetzt. Anders als Anesthetize ist Sleep together stärker elektronisch bestimmt. Mich erinnert es an Zeppelin. Die absolut wuchtige Rhythmusarbeit wird von mystisch wirkenden Streichern ergänzt, die dem Song auch noch dieses Kashmir-Feeling verleihen.

Die Melodien sind häufig verhaltener, erreichen nicht immer die Griffigkeit der vorangegangenen Alben. Damit wir uns aber nicht falsch verstehen: Dies ist eine Klage auf sehr hohem Niveau, denn die Melodien sind immer noch absolut mitsummbar. Aber im Vergleich zu den früheren Alben liegt häufig so was wie ein matter Schleier auf ihnen, was allerdings mit der Gesamtwirkung des Albums korrespondiert.

Das Album ist wie ein Sog. Ich "musste" Fear of a Blank Planet immer und immer wieder hören. Vermutlich ist es die PT-Scheibe, die ich am häufigsten gehört habe. Fear of a Blank Planet erzeugt einfach unglaublich viel in sich stimmige Atmosphäre und bleibt so in tiefer Erinnerung.

Anspieltipp(s): Sleep together, Anesthetize
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2007
Letzte Änderung: 8.3.2012
Wertung: 14/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 5 von 7)


Nach dem nicht so recht zufrieden stellenden Deadwing hatte ich die Ankündigung eines neuen PT-Albums zunächst unter "uninteressant" abgehakt. Die überwiegend positiven Rezensionen bewogen mich dann doch zum Kauf, und ich muss sagen: der Tiefpunkt scheint überwunden, von alten Höhepunkten sind Porcupine Tree aber noch weit entfernt.

Positiv ist vor allem zu vermerken, dass die unsäglich stupiden Metal-Riffs nicht mehr so exzessiv eingesetzt werden. Es gibt sie aber immer noch, und sie wirken noch genau so deplatziert und machen manch schöne Atmosphäre kaputt. Denn das ist es ja, wovon die Musik von Porcupine Tree lebt, nicht von übermäßiger Komplexität. Gerade beim langen Anesthetize wird das deutlich. In den ersten Minuten baut sich der Song noch langsam auf und erreicht eine geradezu hypnotische Intensität, dann geht unvermittelt das Gebratze los. Nichts gegen stilistische Kontraste innerhalb eines Songs, aber so wirkt das irgendwie nur zusammen geklatscht.

Immerhin, anders als beim Vorgänger überwiegen diesmal die stimmigen Elemente, und in einigen Songs kann man diese sogar ungestört genießen. Richtig begeistern kann mich das Album aber nicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.4.2007
Letzte Änderung: 20.4.2007
Wertung: 9/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 6 von 7)


"Schön hören" ist ja ein Phänomen, mit dem wahrscheinlich die meisten schon mal Bekanntschaft gemacht haben. Ist das nun auch mir passiert? Obwohl "Schön hören" war es eigentlich nicht... letzte Woche hat "Fear Of A Blank Planet" bei vielleicht sechs oder sieben Hörversuchen keinen besonders durchschlagenden Eindruck hinterlassen und dann gebe ich ihm gestern nochmals eine Chance und es macht plötzlich *klick*. Dazwischen lag lediglich ein Wochenende mit kuriosen, tollen und unglaublichen musikalischen Erlebnissen, nämlich die Freakshow 2007 zu Würzburg und von Charly Heidenreichs Gnaden.

Na, wie auch immer: Zunächst fand ich "Fear Of A Blank Planet" eher enttäuschend. Aber wenn einem im Vorfeld ständig Zitate wie "...Fakt ist auf jeden Fall, dass das Album seinen Vorgänger Deadwing in puncto Songwriting locker aussticht..." oder "...Besseren Progrock spielt zurzeit niemand!..." oder "...Und nach kurzer Zeit beginnt eine der Sternstunden des Prog: Was zwischen Minute sieben und zwölf passiert, ist nicht von dieser Welt..." oder "...Es gibt keine perfekten Alben, aber "Fear of a blank planet" ist verdammt nah dran..." um die Ohren gehauen werden, dann muß sich die Erwartungshaltung ja ins unendliche steigern. Diverse Nominierungen zum Album des Monats oder der Woche taten ihr übriges. Nachdem ersten Durchlauf standen eigentlich nur der Opener und das herausragende "Way Out Of Here" auf der Haben-Seite.

Nun, "Fear Of A Blank Planet" ist zwar nicht zum Überwerk mutiert, aber der titelgebende Opener ist ein veritabler Rocker mit netten Bratzel-Gitarren und straightem Vorwärts-Drumming, wie er inzwischen als typisch für die 'neuen' Porcupine Tree gelten kann. Die beiden ruhigen Songs, die den Longtrack einrahmen, stören nicht weiter, verpuffen aber ziemlich mit ihrer süßlichen "Atmosphärigkeit". Gerade "My Ashes" würde ich eher bei den von mir nicht gerade geliebten Blackfield aufgehoben sehen. "Anesthetize" ist das Spiegelbild eines Albums, welches große Momente mit seltsam uninspirierten Passagen verbindet. Gavin Harrison darf endlich mal seine Drum-Künste auf einem Studioalbum demonstrieren und sich Schlag für Schlag vom Schatten eines Chris Maitland befreien. Zu Beginn von "Anesthetize" darf man noch auf einen neuen "Hatesong" hoffen, dann soliert Gast Alex Lifeson eher ein bisschen unmotiviert herum, es wird plötzlich gebratzelt und dem Song wird eine komische lyrische Coda angeklebt, die mehr als künstlich wirkt. Mag ja sein, dass Steven Wilson uns die Zerrissenheit der Welt präsentieren wollte, aber leider macht er dabei auch die Wirkung von "Anesthetize" ein Stück weit kaputt.

Allerdings entschädigt die Schluss-Viertelstunde, nachdem man "Sentimental" überstanden hat, mit großem Ohrenkino. Erst Robert Fripp persönlich und dann Richard Barbieri zaubern und malen mit Klängen, dass es eine Pracht ist. Während sich "Way Out Of Here" förmlich in die Gehörwindungen frisst und dann mit einer heftigen Gitarrenexplosion für eine kalte Dusche sorgt, lässt einen das hymnisch-bombastische (für Porcupine Tree-Verhältnisse) "Sleep Together" glücklich in die Weiten des Outer Space schweben. Dieser Abschluss entschädigt dann doch für manche Unausgegorenheit zuvor.

Letztlich also ein durchaus hörenswertes, solides Porcupine Tree-Album, welches sogar geschickt "die alten PT-Klänge" mit der "neuen Härte" verbindet. Für mich letztlich ein Übergangsalbum, das mich in mancherlei Hinsicht an "Signify" erinnert. Leider sind die beiden Gastbeiträge ziemlich verschenkt, wobei Fripp im Rahmen des Möglichen (ich hätte ihn lieber mit ein paar flotten Arpeggios gehört) noch das Beste daraus macht. Großtaten wie "In Absentia", "Deadwing" oder "The Sky Moves Sideways" grüßen aus der Ferne.

Als alter Junkie habe ich mir natürlich die "Special Edition" von "Fear Of A Blank Planet" besorgt. Diese kommt einem hübschen Digipak mit einem dicken Booklet mit schönem Artwork. Neben der 'normalen' Stereo-CD gibt es das komplette Album als 5.1-Mix auf DVD-Audio im DTS-Format und als hochauflösenden 24-Bit-Stereo-Mix (der auf jedem DVD-Player laufen sollte). Sonst gibt es keine Extras (womit sich jeder überlegen kann, ob dies den ziemlich hohen Preis dieser Ausgabe wert ist). Eigentlich sollte die Musik auf "Fear Of A Blank Planet" wie geschaffen für einen Surround-Mix sein, aber auch hier wird nicht alles herausgeholt. Keine spektakulären Effekte, wie z.B. um den Hörer kreisende Gitarren oder ähnliches (die man schon auf PT-Surround-Mixen gehört hat), auch wenn die Musik, wenn sie sozusagen "von überall herkommt" (und mit großer Lautstärke gespielt wird) schon ein bisschen an Atmosphäre gewinnt. Am besten gelingt das auch hier bei "Way Out Of Here", dessen Soundscapes und Synthie-Teppiche den Hörer wirklich zu umarmen scheinen. Aber ehrlichgesagt, in diesem Fall lohnt sich die "Special Edition" wirklich nur für beinharte Fans und Komplettisten.

Anspieltipp(s): Way Out Of Here
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.4.2007
Letzte Änderung: 24.4.2007
Wertung: 10/15
knapp :-)

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Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 7 von 7)


Nach dem Kreativ-Desaster "Deadwing" war ich bei diesem Album nun sehr vorsichtig und habs mir erstmal nur ausgeliehen. Das Eclipsed-Magazin lieferte ja vorab mit einem Ausschnitt des Titelstücks dazu gleich einen weiteren Grund.

Vielleicht sollte ich es öfter so machen, denn diesesmal bin ich positiv überrascht. Keine Großtat wie "The Sky Moves Sideways", "Stupid Dream" oder "Lightbulb Sun", aber eben auch keine Flachheit a la "Deadwing". Nun gut, zumindest keine totale.

Das Titelstück ist auch über seine kompletten 7 Minuten so banal, straight und eigentlich überflüssig, wie ich es nach der Hörprobe schon eingestuft hatte. Aber – und das ist für mich das hauptsächlich positive Aber dieses Albums: Fear of a blank planet ist tatsächlich wie von Wilson behauptet, ein musikalisches Konzeptwerk und erschließt sich auch nur als solches wirklich. Und eben in diesem Kontext hat der eigentlich für sich genommene durchschnittliche bis darunter liegende Eröffnungssong seinen Zweck.

So ist es mir beim Ersthören tatsächlich passiert, dass ich den einen oder anderen Übergang von einem Song zum anderen nicht mitbekommen habe, da die Grundstimmung des Albums aus schön melancholisch schwebenden Teilen mit hart-heavy bratzenden Einwürfen mehr oder minder überall zu finden ist. Und das ist ein Kompliment, denn es spricht für die Geschlossenheit von FOABP und ist eine große Stärke gegenüber dem Sammelsurium aus nervenden Belanglosigkeiten wie sie auf "Deadwing" zu finden war.

Die auf diesem Album wesentlich homogener eingefügten Hard & Heavy Teile strotzen allerdings weiterhin geradezu vor phantasieloser Brutalität. Bedeutet "hart" für Herrn Wilson also gleich "knüppeln" und "stupide brutal"? Das ist genau die Art inhalts- und geistloser Hartmusik welche die heutige Jugend so oft zu hören bekommt und gerade um diese Jugend und ihre Inhaltslosigkeit macht er sich textlich doch so seine Gedanken und Sorgen hier.

Aber genug des Meckerns, "Fear of a blank planet" ist das beste Album seit der sehr guten Restesammlung "Recordings" im PT Katalog. Besser, weil soundtechnisch spannender sowie großflächiger und weiträumiger als "In absentia" angelegt und besser als das eh (hoffentlich) nicht zu toppende Flachwerk "Deadwing".

Wenn er nun Gavin Harrison noch richtig von der Leine lässt und sich mal ausführlicher umhört wo wirklich kreative Heavy-Sounds zu finden sind, könnte es so langsam wieder bergauf gehen. Erfreulich auf dem ganzen Album, dass Richard Barbieri wieder wirklich deutlich hörbar dabei ist.

Dieses Konzept aus Melancholie und Hartmetall das er nun seit drei Alben pflegt, ist in seiner eigenen PT-Machart noch nicht an einem natürlichen Endpunkt angekommen, braucht aber dringend noch weiteren Schliff.

Anspieltipp(s): Konzeptwerk darum von vorne bis hinten durchhören
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.4.2007
Letzte Änderung: 31.7.2013
Wertung: 8/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Porcupine Tree

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1992 On the Sunday of Life... 7.67 3
1993 Up The Downstair 11.00 3
1994 Moonloop EP 10.00 1
1995 The Sky Moves Sideways 11.00 4
1996 Signify 10.67 3
1996 Waiting (Single) - 1
1997 Coma Divine 12.00 3
1998 Voyage 34 9.00 4
1999 Stranger by the minute (Single) - 1
1999 Piano lessons (Single) - 1
1999 Stupid Dream 11.25 4
1999 Pure narcotic (Single) - 1
2000 Shesmovedon (Single) - 1
2000 4 chords that made a million (Single) - 1
2000 Lightbulb Sun 13.00 5
2001 Metanoia 8.67 3
2002 Recordings 12.00 2
2002 Stars die 11.00 2
2003 XM 12.00 1
2003 In Absentia 13.60 5
2004 Warszawa 10.50 2
2005 XMII 11.00 1
2005 Deadwing 9.89 10
2005 Lazarus (Single) 10.00 2
2006 Rockpalast 11.00 1
2006 Arriving Somewhere... (DVD) 12.67 3
2007 Nil Recurring EP 11.50 4
2008 We lost the skyline 8.00 1
2009 The Incident 10.25 4
2010 Anesthetize (DVD) 11.50 2
2012 Octane Twisted 12.00 1

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