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17437 Rezensionen zu 11867 Alben von 4429 Bands.
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Kramer

Life Cycle

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Neoprog; New Artrock; Rock / Pop / Mainstream
Label: Eigenverlag / Just For Kicks Music
Durchschnittswertung: 9/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Marc Besselink lead vocals, piano, keyboards, backing vocals
Rob de Jong guitar, synths, keyboards, soundscapes, backing vocals (6)
Harald Veenker drums, backing vocals (7)
Jeroen Vriend bass

Gastmusiker

John Gingrich narration

Tracklist

Disc 1
1. Homecoming 7:12
2. Remember Me 7:16
3. Identity 8:09
4. Escape Into A Dream 8:36
5. A Farewell 7:29
6. We Mortals 11:24
7. I Believe 4:58
8. The Final Chord 9:23
9. Life Cycle 6:38
Gesamtlaufzeit71:05


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 3)


Wenn die erste Vertriebsbotschaft lautet „Neo-Prog Newcomer aus den Niederlanden der ganz in Tradition zu Bands wie Marillion, Fish, Genesis, Pendragon & IQ steht“, dann kann es dem Rezensenten schon mal kalt über den Rücken laufen. Die Gefahr, dass hier Schlimmes aus den Boxen dröhnt, scheint immens groß.

Dermaßen vorbelastet können die Niederländer Kramer dann aber eher überraschen. „Life Cycle“ ist sicherlich ein Album, das vielleicht 15 bis 20 Jahre zu spät kommt (da sieht man mal wie lange das mit dem NeoProg schon wieder her ist), aber dann diesen Sound wenigstens sehr konsequent umsetzt. Wie versprochen lugen IQ, Marillion und Co. ständig um die Ecke. Manche Passagen kommen einem wie ko... - äh – ausgeliehen vor. Vor allem IQ kommen immer wieder in den Sinn, weil Sänger Besselink eine ähnlich nölige, wenn auch nicht ganz so schräge, Stimme wie Peter Nicholls ziert. Hier bekommt der Fan also, was die Werbung verspricht.

Kramer schaffen es allerdings durchaus nette, funktionierende Kompositionen, die gerne auch mal länger laufen dürfen, mit sanften Keyboardflächen, ebensolchen Tastensoli und präsenten, aber natürlich niemals aggressiven Gitarren zu präsentieren. Im typischen Neo-Weichspül-Sound entwickeln sich gelungene Melodien, die einfach nur schön sind, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer eine musikalische Herausforderung sucht ist hier fehl am Platz, man bekommt dafür aber schöne, symphonische Musik, die nicht allzusehr ins Schmalzige abgleitet, geboten. Elegische Gitarrensoli, Soundscapes und leicht düstere Atmosphären sorgen für einen Schuss floydigen New Artrock, der das Ganze dann sogar einigermassen zeitgemäß erscheinen lässt. Und wenn die Band mal ein bisschen Gas gibt, dann wird die Musik auch gleich richtig lebendig und sogar ein bisschen rockig. Schade, dass sie das eher selten ausleben.

Dazu passend ist „Life Cycle“ selbstredend ein Konzeptalbum, welches sich um zwei jugendliche Geschwister dreht, die ihren verschwundenen Vater suchen. Den finden sie allerdings nicht, wohl aber sein Tagebuch, anhand dessen sie einige Stationen seines Lebens nachvollziehen können.

Fazit: Wer auf solide gemachten Neoprog mit floydigem Charakter und schönen Melodien steht, kann hier eigentlich unbesehen zugreifen. Für andersgelagerte Musikbegeisterte findet sich hier vermutlich nur gepflegte Langeweile. Als Entspannung für zwischendurch lasse ich mir „Life Cycle“ durchaus gefallen.

Anspieltipp(s): Escape Into A Dream, A Farewell
Vergleichbar mit: IQ mit floydigen Soundscapes
Veröffentlicht am: 9.3.2008
Letzte Änderung: 9.3.2008
Wertung: 8/15
NeoProg-Fans addieren 2 Punkte...

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 2 von 3)


Ich kann darüber nachdenken, solange ich will: mir fällt einfach kein Grund ein, wieso sich eine Band ausgerechnet „Kramer“ nennt. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.

Die Geschichte dieses Konzeptalbums verstehe ich schon – sie ist ja auch nicht so kompliziert –, aber sie scheint mir nicht ganz logisch aufzugehen: Im Artwork sind Bilder zu sehen, auf denen die beiden suchenden Geschwister offensichtlich Jugendliche sind. Den Vater sieht man (zumindest von hinten) auf dem Aufdruck der CD – einen grauhaarigen Mann im Endstadium der mittleren Jahre im weißen Hemd und blauer Jeans. Der sieht aus wie ich, kleidet sich auch so, könnte in meinem Alter sein – ist also praktisch noch blutjung (;-). Er hat aber ein Tagebuch an einer Wand hinterlassen, in das er diverse Aufzeichnungen über sein Leben geschrieben hat – bis zum „old age“.

Der muss eigentlich schon in den mittleren Jahren gewesen sein, bevor seine Kinder geboren waren; anders kann ich es mir nicht erklären, dass er als alter Mann gestorben ist, während seine Kinder noch als Jugendliche nach Spuren von ihm suchen. Wenn auf der Band-Website nicht vom „old age“ die Rede wäre, würde ich ja annehmen, dass er aus Verzweiflung wegen seiner unerfüllten Wünsche viel eher gestorben ist, aber so? Entweder passen die Bilder nicht zur Story oder man ist in Holland schon mit 50 im hohen Alter. Dann hoffe ich nur, dass dieser Trend nicht zu uns rüberschwappt, sonst kann ich mir schon mal eine Gehhilfe besorgen…

Und warum er seine Statements ausgerechnet an einer Wand hinterlassen hat, erschließt sich mir auch nicht recht; als Witz verstünde ich es noch, aber da dieses Album ansonsten absolut humorfrei ist, soll wohl auch das ernst gemeint sein. Schade eigentlich: wenn ich dieser Daddy wäre, hätte ich meinen Sprösslingen lieber einen Riesenstapel Prog-Platten hinterlassen und in den Booklets alle Textstellen angestrichen, die meine Lebensansichten wiedergeben. Fremden Texten gegenüber scheint die Band nämlich gar nicht abgeneigt zu sein: da finden sich Wortgruppen wie „A sort of homecoming“, „One tree hill“ oder „Under a threatening sky“. Wenn man „threatening“ durch „blood red“ ersetzt, hat man schon drei bekannte Begriffe aus dem Werk von U2.

Musikalisch hat das Kramer-Album aber nichts mit U2 zu tun; in den Bios der Musiker, die man auf der Band-Website nachlesen kann, wird U2 auch nicht erwähnt. Mag sein, dass ich (als U2-Fan) mal wieder was überinterpretiere, aber stutzig gemacht hat mich das schon …

Es geht jedenfalls in den väterlichen Writings on the Wall um das bewusste Leben als Individuum und darum, sich nicht von der Gesellschaft vereinnahmen zu lassen. Also mal ein ganz neues Thema (;-) – Mist, diesen Satz hatte ich so ähnlich schon mal irgendwo geschrieben, und ich hasse Wiederholungen, die überlasse ich lieber den Klonproggern. Aber wo war das nur? – Gerade fällt mir’s ein: das war zu Flamborough Head und deren Album „Defining the Legacy“.

Ja, so sind sie, die freudschen Versprecher – sagen einem immer die Wahrheit. Kramers Musik ist nämlich – wie Thomas passend ausdrückt – ganz das, was man erwartet, wenn einem Neoprog versprochen wird. Im Unterschied zu Thomas jedoch höre ich weniger IQ als Inspirationsquelle heraus, sondern mehr Pendragon in einem besonders ausgewogenen Format – wie eben junge Bands dieser Stilrichtung diese Stilrichtung zu spielen pflegen, wenn sie nichts falsch machen wollen. Und das klingt dann oft nach Flamborough Head. Wobei Kramer besser produzieren als diese, und deshalb kann ich den Vergleich zu IQ auch ein wenig nachvollziehen: der üppige Sound hätte glatt von Rob Aubrey gemischt sein können – schon beeindruckend, was „junge Bands dieser Stilrichtung“ manchmal draufhaben. Auch die Kompositions-Raffinessen der Musik sind für ein erstes Album beachtlich; immer wieder finden sich unerwartete Variationen von kurzen Anfangsthemen in späteren Tracks, die ich auch erst nach mehrmaligem Hören aufgespürt habe.

Also ist mein Fazit ganz eindeutig: Fans von Flamborough Head müssen dieses Album haben, koste es, was es wolle. Fans von Pendragon sollten sich überlegen, ob sie noch mehr aus der Richtung benötigen. Und Fans anderer Prog-Richtungen sollten das Album so behandeln, als sei es nie erschienen – aber das tun sie sicherlich sowieso, wie ich sie kenne…

Anspieltipp(s): Eigentlich egal, was – aber irgendwas unbedingt, allein um den toll produzierten Sound zu hören!
Vergleichbar mit: Flamborough Head im Grundkonzept der Musik und etwas Knight Area, was den wohldosierten Bombast betrifft. Und das ist noch lange nicht alles: siehe Thomas’ Vergleiche…
Veröffentlicht am: 22.3.2008
Letzte Änderung: 22.3.2008
Wertung: 10/15
Tatsächlich klingt das Album in Teilen so, als hätte der „alte“ Neoprog noch nichts von seiner alten Frische eingebüßt – tolle Illusion!

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Von: Andreas Kiefer @ (Rezension 3 von 3)


Auf dieser Platte bringt die holländische Band Kramer die besten Elemente von Neoprog und atmosphärischem Symphonic (Prog-) Rock auf einen ruhigen, gefühlvollen Nenner.

"Life cycle" überzeugt zwar nicht mit einem ganz eigenen Stil, doch ist das Album handwerklich erstaunlich gekonnt und leibevoll bis ins Detail ausgearbeitet und arrangiert worden. Die atmosphärisch dichten Songs bieten musikalisch wie textlich einiges an Tiefgang und Melancholie - ohne in düstere Schwere zu verfallen. Nicht nur wegen dieser ähnlichen Grundstimmug und den immer wieder eingebauten sanften Piano-Passagen - die oftmals auch nur als musikalische Verbindungslinie zwischen den einzelnen Stücke dienen, erinnert die Musik sehr stark an Timothy Pure oder Marillion ("Misplaced childhood / "Brave").

Alle Instrumente werden bis auf wenige Kapriolen sehr dezent und überschaubar eingesetzt. Und denoch versteht es die Band, jede Note gezielt zu setzen und ihr die entsprechende Wirkung zu verpassen. Im Zentrum steht ein kultiviert gespieltes Keyboard, ergänzt durch feine, oftmals lang gezogene Gitarrentöne, aber auch das Schlagzeug ist mehr als nur ein Rhythmusgeber.

Somit verströmen die vier Musiker eine zeitgemäße Form des Neoprog, der Appetit auf mehr macht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.9.2010
Letzte Änderung: 8.9.2010
Wertung: 9/15

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