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Days Between Stations

Days Between Stations

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Neoprog; New Artrock
Label: Bright Orange Records
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Sepano Samzadeh Gitarre, Keyboards
Oscar Fuentes Keyboards, Bass

Gastmusiker

Jon Mattox Schlagzeug
Hollie Gesang
Jeffrey Samzadeh Gesang
Vivi Rama Bass
Jason Hemmens Saxofon
Sean Erick Trompete
Kevin Williams Posaune
Jeremy Castillo Gitarre
Marjorie Fuentes Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Requiem For The Living 13:26
2. Either/Or 7:33
3. Intermission 1 2:13
4. How To Seduce A Ghost 4:55
5. Radio Song 4:24
6. Intermission 2 1:36
7. Laudanum

1. A Long Goodbye
2. Every One Is Here But You
3. Nowhere
4. The Wake

22:14
Gesamtlaufzeit56:21


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Days Between Stations ist ein Ende 2003 gegründetes Duo aus Los Angeles, bestehend aus dem Gitarristen Sepand Samzadeh und dem Keyboarder Oscar Fuentes. Ihre Musik beschreiben die beiden als Art-Rock oder Post-Prog. Für ihr titelloses Debüt haben sie sich gleich neun Gastmusiker (u.a. Schlagzeug und Bläser) geholt.

Das Duo bietet weitgehend instrumentale, von den Keyboards dominierte Musik, die sich am ehesten als eine Mischung aus Neo-Prog und New Artrock beschreiben lässt und eine gewisse Inspiration durch Pink Floyd nicht verleugnen kann. Wobei in Either/Or die Inspiration etwas sehr deutlich wird, will sagen: da wird dreist geklaut, zumindest was den Aufbau des Stücks betrifft: der erste Teil klingt wie Obscured By Clouds, der später einsetzende exaltierte Frauengesang erinnert arg an Clare Torrys Vokalakrobatik auf The Great Gig in the Sky.

Dies ist allerdings der einzige Fall, in dem die beiden als Klon agieren, ansonsten klingt man bei aller floydigen Inspiration doch recht eigenständig. Keyboarder Fuentes erzeugt auf seinem beeindruckenden Equipment (pro Titel wird jedes Gerät fein säuberlich aufgelistet) wunderbar schwebende Klangflächen, die häufig an elektronische Musik gemahnen, dazu soliert Gitarrist Samzadeh im Gilmour/Latimer-Stil. Recht getragen fließen die Klänge aus den Boxen, arg schöngeistig ist das Ganze, und da ist normalerweise dann schnell die Gefahr von Langeweile und Eintönigkeit im Verzug. Hier jedoch nicht! Nicht nur, weil zwischen all dem Wohlklang mit dem kurzen Radio Song plötzlich ein flottes Stück mit härteren Gitarrenriffs, jazzigen Bläsersätzen und leicht trippiger Rhythmik einen Kontrapunkt setzt, auch sonst steckt die Musik bei aller Getragenheit voller Abwechslung. Insbesondere das abschließende Laudanum zeigt dies meisterlich: da wechseln beständig Ambient-artige Passagen, jazzige Saxofon-Einlagen und floydige Gitarrensoli, trotzdem wirkt das Stück wie eine organische Einheit.

Es dürfte mittlerweile klar sein, dass die beiden weniger den Freund komplexer Rhythmen ansprechen, als vielmehr den, der "Atmosphäre" sucht. Das ist zwar mittlerweile ein etwas abgenudelter Begriff, aber hier hat er wirklich seine Berechtigung. Schwebende Musik, die den Hörer alsbald in höhere Sphären geleitet und dennoch nie in sanfte Berieselungsmusik abdriftet. Ein schönes Debüt, das Lust auf mehr macht!

Anspieltipp(s): Laudanum
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.3.2008
Letzte Änderung: 14.3.2008
Wertung: 10/15

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Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 2 von 2)


Eine langsame Kamerafahrt über eine großstädtische Straße nachts um 3:30 Uhr. Verhuschte Bilder von blinkenden Lichtern, ein paar einsame Autos. Schnitt. Blicke aus dem Zugfenster in den Novemberregen. Mast an Mast zur Stromerzeugung, doch für dich zählen sie die Zeit. Die Zeit zwischen den Stationen Abfahrt und Ankunft. Die Zeit zwischen Gestern und Heute. Zwischen Hoffnung und Trauer.

Days Between Stations haben zurecht einen sehr bildhaften Namen gewählt. Die Melancholie, die ich sofort beim Lesen des Namens empfunden habe, steckt in ihrem Projekt auch drin. Wunderbare, elegische, bildermalende Großstadt-Melancholie. Die Art Melancholie, die dich danach durchatmen lässt, weil diese innere Katharsis einfach ab und zu sein muß, um dem Leben in all seiner bunten Idiotie gegenübertreten zu können.

Schon die ersten sechseinhalb Minuten Intro ins erste Stück verführen mit einer mystischen Atmosphäre, die man in sich spüren muss, um vom Geheimnis der Band zu kosten. Die große Elegie, in Streicherklängen gefangen, trägt langsam und unwiderstehlich ins Album. Ein cineastisches Epos ohne jeden Bombast und doch mit der großen Geste. Requiem for the living passt als Titel wie die Faust aufs Auge, denn all die herumkriechenden ferngesteuerten Kreaturen unserer sinnentleerten Medienwelt kann man eigentlich nur noch mit einem schönen Requiem bedenken, um ihnen noch ein letztesmal etwas Gutes zu tun. Und mit diesen phantastisch schönen Klängen sich selber erst recht.

Danach kommt der einfach unvermeidliche Vergleich, um den man bei atmosphärischen Alben sowieso oft nicht herumkommt. Watersgilmourwrightmason standen Pate für Either/Or. Either die Animals or The Great Gig In The Sky – da seh ich die inspiratorischen Eckpunkte des in seiner Mischung trotz Anleihen ebenso faszinierendem Werk.

Doch nicht nur die großen Gemälde stehen auf dem Plan. Ungeschwindelt ehrlich - Radio Song heißt so und ist einer. Wäre einer gewesen, ca. 1982, als Wave-Sound eine kurze Weile lang en vogue war. Die wavige Handschrift von damals, den guten Klang von heute... ...sollen wir hoffen, dass das ein Radio-Hit 2008 wird? Ein sehr gelungener Stil- und Atmosphärenbruch hier auf dem Album, und das ist den beiden Herren gar nicht hoch genug anzurechnen in Zeiten, in denen alles schön marktkonform einheitlich serviert werden muß, um nur ja die armen Öhrchen der Hörer nicht aus ihren vorprogrammierten Erwartungshaltungen zu wecken. Apropos Ehrlichkeit: Intermission heißt Zwischenspiel und solches findet man bei den beiden Titeln auch, sprachsample-gespickt bei Nr.1, elektronisch düster bei Nr. 2.

Laudanum (in Alkohol gelöstes Opium) war eine im 19.Jahrhundert sehr beliebte Methode, in Rausch zu verfallen. So einige Schrifsteller ließen sich davon inspirieren, erreichten es aber dank exzessivem Dauergebrauchs, damit eher den Nullzustand ihrer Kreativität herzustellen. Laudanum hier ist das längste Stück. Nicht gar so rauschhaft, dafür auch nicht schädlich und noch ein letztesmal tief aus dem Kreativkessel schöpfend. Das letzte Epos, das sich erst jazzgewürzt durch Bläsereinlagen zeigt, um sich in leidenschaftlich steigernden Gitarrensoli zu verlieren, bevor es abbricht und postmodern erhaben mit Trompete und Akustikgitarre dem Sonnenlicht des nächsten Tages zustrebt.

Fuentes und Samzadeh legen ein Füllhorn an Stimmungen mit diesem instrumentalen Erstlingswerk vor. Diese Musik schreit nach Verwendung in guten Filmen. Kluge psychologische Thriller oder intelligente Science-Fiction-Filme könnten von diesen stark bildhaften Klängen profitieren. Bis der erste Regisseur das mitbekommen hat, sollten es sich vorher schon einmal alle Art-Rock-Genießer zulegen. Verzaubert die Abendstimmung, garantiert. So gut wird Hollywood nie werden.

Nach Pineapple Thief’s neuem Werk das nächste große Album 2008. Liebhaber von ersterem sollten hier übrigens erst recht nicht zögern.

P.S: Wie schon oft möchte ich im Nachklapp noch aufs Cover zu sprechen bekommen. Sepand Samzadeh hat da höchstselbst zum Pinsel gegriffen und damit einem wahrhaft ambitioniertem musikalischen Werk noch sein klischeefreies kongeniales Gesicht gegeben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.4.2008
Letzte Änderung: 9.4.2008
Wertung: 14/15
Atmosphärisches Meisterwerk

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Days Between Stations

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2013 In Extremis 9.00 2

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