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Autumn

Oceanworld

(Archiv-Tipp 11/2009)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999 (Aufnahmen aus den Jahren 1977 und 1978)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Klassischer Prog
Label:
Durchschnittswertung: 11.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Nick Magnus Keyboards
Robbie Dobson Schlagzeug, Percussion
Steve Hoff Bass
Mark Easton Gitarren

Tracklist

Disc 1
1. Oceanworld 13:08
2. Some Like It Crunchy 8:34
3. Little Finger Exercise 8:34
4. The Celebrated Court Jester 4:28
5. Oceanworld (reprise) 1:30
Gesamtlaufzeit36:14


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 3)


Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie groß doch das Reservoire an bisher unentdeckten Perlen des Progressive Rocks aus den 70er Jahren ist. So werden immer wieder Alben von unbekannten Bands aus dieser Zeit wiederveröffentlicht. Meist wurden solche Werke seinerzeit ja lediglich in Kleinstauflagen veröffentlicht, ohne dass die Allgemeinheit davon Kenntnis erlangte. Desweiteren gab es auch Bands, welche kurzzeitig aktiv waren, aber nicht einmal einen Tonträger veröffentlichten. Zu diesen Bands gehörte auch eine britische Gruppe namens Autumn.

Man gründete sich 1974 im englischen Portsmouth. 1977 bzw. 1978 nahmen Autumn einige Songs auf. Schließlich kam es zur Auflösung der Band, ohne dass jemals in irgendeiner Form ein Tonträger veröffentlicht wurde. So schlummerten die Aufnahmen aus den Jahren 1977 und 1978 über 20 Jahre vor sich hin.

1999 wurde dieses einzige Vermächtnis von Autumn endlich veröffentlicht, und es kann vorweg schon einmal erwähnt werden, dass der Fan des klassischen Progressive Rocks der 70er diese weise Entscheidung wirklich nur begrüßen kann.

Jetzt komme ich endlich zu einer Beschreibung der Musik von Autumn. Es handelte sich um eine vierköpfige Band, die rein instrumentalen Progressive Rock spielte. Die Musik ist relativ melodisch und für ein Instrumentalalbum ist das Ganze auch sehr abwechslungsreich. Stilistisch besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu den ersten Solowerken von Steve Hackett.

An dieser Stelle sei erwähnt, das Autumns Keyboarder Nick Magnus nach der Auflösung von Autumn auch für einige Zeit in der Band von Steve Hackett spielte. Als weiterer Vergleich kommt mir auch die holländische Band Finch in den Sinn, die ja auch auf Gesang verzichtet hat. Natürlich könnte man jetzt wieder damit anfangen, irgendwelche Ähnlichkeiten mit Genesis oder Yes zu suchen. Autumn können aber mit diesen Bands nicht direkt verglichen werden, obwohl natürlich gewisse Elemente dieser großen Vorbilder auf "Oceanworld" auftauchen.

Prägnant für den Stil von Autumn ist das Gitarrenspiel von Mark Easton, das sehr melodisch, aber stellenweise auch leicht "angejazzt" ist. Die Keyboards von Nick Magnus ergänzen diese Gitarrenarbeit auf eindrucksvolle Weise. Neben dem Fender Rhodes Piano fällt in den dynamischen Phasen der metallische Klang des Hohner Clavinets angenehm auf.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch das druckvolle Baßspiel und die ebenfalls gute Schlagzeugarbeit. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Schlagzeuger Robbie Dobson und der Keyboarder Nick Magnus vorher auch kurzzeitig bei den für ihren "zuckersüßen" Klassik-Rock bekannten bzw. berüchtigten The Enid spielten.

Der absolute Höhepunkt des Albums ist der Titelsong "Oceanworld" mit seiner hauptsächlich träumerischen Atmosphäre. Wohl dosiert wird das Tempo an einigen Stellen gesteigert, um dann immer jeweils zum wunderschönen von sphärischer Gitarre und symphonischen Keyboards dominierten Grundthema zurückzuführen. Dies ist perfekt ausgeklügelter instrumentaler Progressive Rock in höchster Vollendung.

Das folgende Stück mit dem merkwürdigen Titel "Some Like It Crunchy" beginnt mit dynamischem Gitarrenspiel und markanten Tönen des Clavinets. Danach wird erst einmal das Tempo zurückgenommen und es schließt sich ein ruhiger Teil an. Im Verlauf des Titels kommen auch kurzzeitig Erinnerungen an des Keyboardspiel von Tony Banks auf.

Das folgende "Little Finger Exercise" ist ebenfalls sehr abwechslungsreich und in der Grundstruktur mit den ersten beiden Titeln vergleichbar. Gleiches trifft auch auf "The Celebrated Court Jester" zu. Mit einer kurzen Reprise des ersten Titels "Oceanworld" findet das Album nach leider zu kurzen 36 Minuten ein eindrucksvolles Ende.

In einem Interview des Progressive Newsletter war zu lesen, dass die auf "Oceanworld" wiederveröffentlichten Titel nur einen kleinen Teil des damaligen Repertoires von Autumn repräsentieren. Die stärksten Titel wurden lediglich live gespielt und es bestehen keinerlei Aufnahmen davon. Daher wird es zu keiner weiteren Wiederveröffentlichung von Autumn kommen. Welch ein Jammer!

Anspieltipp(s): wirklich alles
Vergleichbar mit: Finch, Steve Hackett
Veröffentlicht am: 13.5.2002
Letzte Änderung: 13.5.2002
Wertung: 12/15

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Von: Kristian Selm @ (Rezension 2 von 3)


Ahhhhh! Genau für diese Art von Alben lohnt es sich, in den Archiven zu graben. Autumn wurden 1974 gegründet und existierten bis 1978, als der Punk und mangelnder Erfolg und Anerkennung sie von der Bildfläche fegte. Die Band bestand damals aus Nick Magnus (Keyboards, ex-The Enid, später Steve Hackett Band), Robbie Dobson (Schlagzeug, ex-The Enid, später Hawkwind), Steve Hoff (Bass) und Mark Easton (Gitarre). Über zwanzig Jahre später wurden nun die Aufnahmen der Band ans Tageslicht gezerrt und auch wenn es sich leider auch nur um knapp eine halbe Stunde Material handelt, so lohnt sich jede Minute. Autumn lassen den typischen Progressive Rock der 70er in allen seine Facetten wieder aufleben.

Obwohl die Band rein instrumental agiert, kommt nie Langeweile auf, da sie mit großem Abwechslungsreichtum und völliger Hingabe musizieren. Taktwechsel, komplexe und ruhige Parts perfekt vermischt, fließende Melodien, die einmal sinfonisch verspielt, dann wieder aggressiv sich den Weg bahnen. Den vier Briten gelingt es in brillanter Perfektion die Themen diszipliniert und vielschichtig auszugestalten. Zitaten zu allen großen Bands der Zeit sind ebenfalls vorhanden. Mal folgt ein ruhiger Zwischenteil mit juchzender Gitarre im Stil von Genesis, dann gibt es einen vertrackten Part à la Gentle Giant, der Bass rumpelt, die Gitarre jubiliert in feinster Yes Manier, der Vergleiche können viele gefunden werden, Autumn verschmelzen dies alles aber dennoch zu einer positiv und fröhlich klingender Einheit. Gitarre und Keyboards stehen gleichberechtigt im Vordergrund, aber auch die Rhythmussektion steuert ihren Teil zum perfekten Ganzen bei. Solistisches Können wird geschickt in den kompakten Gesamteindruck verpackt, eröffnet beim genauen Hinhören aber genug mitreißende Passagen.

Wer instrumentalen Prog Rock der End 70er bevorzugt, für den sind Autumn absolut erste Wahl. Endlich mal wieder ein antikes Album, bei dem einem vor Freude auch noch die letzten verbliebenen Haare ausfallen.

Anspieltipp(s): Oceanworld
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.11.2004
Letzte Änderung: 21.8.2008
Wertung: 11/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 3)


Ein tolles Album! Schade, dass dies bereits alles sein soll, was die Nachwelt von Autumn zu Ohren kriegen wird.

Horst und Kristian haben Bandgeschichte, Musik und stilistische Ähnlichkeiten zu anderen Bands bereits ausführlich beschrieben. Ich möchte lediglich noch ergänzen, dass mir als weiterer Vergleich immer wieder Druid einfallen. Letztere sind zwar melodieseliger und songorientierter, die Harmonien und der Grundsound ist aber oftmals ähnlich.

Freunde klassischen Progs sollten hier zugreifen. Oder mit den Worten eines BBS-Kollegen ausgedrückt: fette Beute für Progjäger.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Steve Hackett, Druid
Veröffentlicht am: 14.1.2010
Letzte Änderung: 14.1.2010
Wertung: 11/15

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