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The Nazgûl

The Nazgûl

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1997
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock; RIO / Avant
Label: Psi-fi
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

frodo drums, percussion, gongs
gandalf percussion, mini-moog, hammond, e-piano, bass
pippin percussion, treated tubular bells, guitar, trumpet

Tracklist

Disc 1
1. the tower of barad-dur 12:31
2. the dead marches 12:35
3. shelob´s lair 12:13
4. mount doom 9:08
Gesamtlaufzeit46:27


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Wer Krautrock fälscht oder nachmacht, oder gefälschten oder nachgemachten Krautrock verbreitet, wird mit Eloy nicht unter 10 Stunden bestraft!

Mitte der 90er Jahren kamen eine Reihe von CDs in den Umlauf, erschienen beim obskuren britischen Label Psi-fi, die angeblich ultrarare, so um die 20 Jahre alte Einspielungen aus deutschen Landen enthielten, so selten, dass bis dato niemand - auch nicht in Deutschland - von diesen Bands je gehört hätte. Diese hießen u.a. Cozmic Corridors, Galactic Explorers, Golem, Temple, Pyramid und The Nazgûl. Erschienen seien diese Alben damals angeblich in winziger Auflage auf einem Label namens Pyramid. Ja und? Kann doch sein! Wieso der Konjunktiv?

Auch wenn man im weltweiten Netz mehrheitlich keinen Zweifel an der Authentizität dieser Alben und Bands hegt, ist das Ganze offenbar ein Schwindel. Irgendjemand in Deutschland müsste sich doch an diese Gruppen und das Label Pyramid erinnern, die Musiker müssten sich finden lassen und irgend ein Raritätensammler müsste doch eine Original-LP vorzeigen können. Alles Fehlanzeige! Es handelt sich hier vermutlich um Musik, die in den 90er Jahren entstanden ist und als Krautrock ausgegeben wird. Das ist an sich schon erstaunlich, zeigt es doch, dass es sich offenbar lohnt Krautrock zu "fälschen", dass es genügend Sammler von germanischen Obskuritäten gibt, die bereitwillig investieren. Und in der Tat, die Psi-fi-CDs sind schon seit langem ausverkauft.

"Recorded 1975/76 Cologne, Germany - licensed from Moat/Pyramid" steht hinten auf der CD von "The Nazgûl". Ansonsten sind Einlegeblatt und Beiheft keine weiteren Informationen zu entnehmen. Das Booklet erweckt zumindest den Eindruck, als sei hier ein LP-Cover reproduziert worden. PYR 008 ist die Seriennummer der LP, "Atmosphere created by Frodo - Gandalf - Pippin" steht da, dann ein paar Danksagungen (in Englisch) und der Satz "Cover created by Elizabeth Duprey". Ja, ja ....

Bei dem in den Credits genannten Gandalf soll es sich, wenn man dem Eintrag in "The Crack In The Cosmic Egg" der Freeman-Brüder glauben will (übrigens die einzige Krautenzyklopädie, die die Band überhaupt erwähnt), um einen gewissen Toby Robinson handeln, der heute als Toningeneur in den Moat-Studios in London arbeitet. Dass dieser etwas mit diesen Aufnahmen zu tun hatte kann durchaus sein (der Name "Moat" taucht ja im Text hinten auf der CD-Hülle auch auf). Allerdings hat sein Engagement für dieses Album kaum vor dem Jahr 1990 stattgefunden.

Ach ja, Musik gibt es auch noch. Die ist erstaunlicherweise ziemlich gut. Die Besetzungsangaben stimmen vermutlich. Es sind hier also wirklich drei Musiker an den oben angegebenen Instrumenten zu Gange. Der Klang ist exzellent, eine weitere Tatsache, die gegen eine Entstehung in den 70ern spricht. Eine unbekannte Band hätte sich einen solchen Sound "damals" nicht leisten können.

Vier lange Tongemälde sind auf "The Nazgûl" zu finden, die gar nicht so furchtbar krautig klingen. Eher freiformatig und avantgardistisch fließen hier die Klänge aus den Boxen. Schleifende und hallende Perkussion, stark verfremdete Sounds von Bass, E-Gitarre, E-Piano und Trompete, sanft wabernde Orgelflächen, an- und abschwellende Glockentöne (wohl wirklich "treated tubular bells") und viel Elektronisches vereinen sich zu seltsamen, eher düsteren, fast beängstigenden Tonlandschaften, die sogar zu der etwas überstrapazierten Herr-Der-Ringe-Thematik passen.

"The Nazgûl" bietet somit ausgesprochen interessante Experimentalelektronik, die vermutlich Liebhabern der entsprechenden Kraut-Hervorbringungen sehr zusagen sollte (wer z.B. die Musik von Conrad Schnitzler, Sand oder Code III schätzt). So organisch verwoben und druckvoll wurde Entsprechendes in den 70ern allerdings nie produziert. Egal, die Musik ist klasse. Nun frage ich mich noch, warum die drei Musiker das Ganze in den 90ern nicht einfach unter ihrem Namen veröffentlicht haben. Vermutlich haben sich die Krautfälscher einfach selbst übertroffen! Oder sie fanden es einfach nur cool sich als Krautband auszugeben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.9.2008
Letzte Änderung: 16.6.2018
Wertung: 10/15

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