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Rewiring Genesis

A Tribute To The Lamb Lies Down On Broadway

(Tipp des Monats 12/2008)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008 (17.10.2008)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; sonstiges
Label: Progrock Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Nick D'Virgilio Lead & Backing Vocals, Drums & Percussion
Mark Hornsby Production, Engineering, Mixing

Gastmusiker

Kat Bowser Backing Vocals
Carolyn Martin Backing Vocals
Mike Lusk Backing Vocals
Dave Martin Bass
Don Carr Guitars, Banjo, Sitar
Jeff Taylor Piano, Wurlitzer, Accordion, Whistle, Rhodes
John Hinchey Horn & String Arrangements, Trombones
Steve Patrick Trumpets
Jeff Bailey Trumpets
Prentiss Hobbs Trombones
Sam Levine Saxophones
Doug Moffet Saxophones
Leigh Levine Clarinets
Sam Levine Clarinets, Flute
David Angell Violins
Pam Sixfin Violins
David Davidson Violins
Kristin Wilkinson Viola
Anthony Lamarchina Cello
Jimmy Blankenship Experiments with foreign Sounds on Waiting Room

Tracklist

Disc 1
1. The Lamb Lies Down On Broadway 5.25
2. Fly On A Windshield 2.50
3. Broadway Melody Of 1974 2.21
4. Cockoo Cocoon 2.19
5. In The Cage 8.35
6. The Grand Parade Of Lifeless Packaging 2.42
7. Back In N.Y.C. 5.51
8. Harless Heart 2.11
9. Counting Out Time 3.50
10. The Carpet Crawlers 6.11
11. The Chamber Of 32 Doors 5.46
Gesamtlaufzeit48:01
Disc 2
1. Lillywhite Lillith 2.36
2. The Waiting Room 5.38
3. Anyway 3.08
4. Here Comes The Supernatural Anaesthetist 2.32
5. The Lamia 7.14
6. Silent Sorrow In Empty Boats 2.55
7. The Colony Of Slippermen

1. Arrival
2. A Visit to The Doctor
3. Raven

8.41
8. Ravine 1.56
9. The Light Dies Down On Broadway 4.11
10. Riding The Scree 3.58
11. In The Rapids 2.34
12. It 4.30
Gesamtlaufzeit49:53


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 4)


Genesis werden mit diesem Album noch ein Stück weiter in den verdienten Klassiker-Status erhoben. Ähnlich wie bei Werken klassischer Musik wird hier nicht einfach nur gecovert, sondern eine Einspielung eines kompletten doppel-langen Werkes mit ganz eigener, persönlicher Note geboten. Möglicherweise wird die Zukunft des Prog (zumindest partiell) so aussehen.

The Lamb war für mich schon immer eins der großen, klassischen Progalben. Und was NDV und Kollegen hieraus gemacht haben, ist eine einfühlsame Variation mit den genannten vielfältigen Elementen, grob gesagt im Spannungsfeld von Rock, Klassik und Jazz. Nach meinem Empfinden stehen die Streicher- und Bläsereinsätze teilweise auch in der Tradition der Beatles und der Moody Blues, sodass eine psychedelische Note mit ins Spiel kommt, die ja auch durchaus zu den abgefahrenen Lyrics des Albums zwischen Mythologie und Gesellschaftskritik passt.

The Lamb... an sich ist prall mit den wundervollsten Melodien gefüllt und damit eine dankbare Vorlage. Die neuen synthiefreien Arrangements schaffen es auch, dass das Album gut hörbar bis zum Ende bleibt. Was mir im Original etwas langatmig erschien, klingt hier einfach frischer und ich staune, wie auch die letzten Songs, die mich sonst eher ein wenig langweilen, mich plötzlich fesseln.

Nick d'Virgilio ist gesanglich auf der Höhe und es gibt an seinem Vortrag nichts auszusetzen - außer, dass er eben nicht Peter Gabriel ist... Gabriels Gesang ist gerade auf The Lamb... einfach der Hammer und nicht erreichbar. Hübsch - und das leicht Musicalhafte unterstützend - ist auch die Idee, einige passende Passagen weiblich zu besetzen.

So macht die Neuinterpretation eines Klassikers des Prog Spaß! Und das sagt ein großer Fan des Original-Albums.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.11.2008
Letzte Änderung: 28.9.2013
Wertung: 12/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 4)


Vielleicht ein paar Anmerkungen von jemandem, der das Original-Album nicht so sehr mag.

Rewiring Genesis hat es tatsächlich geschafft, dass ich genauer hingehört habe; bei einem Album, das lange nicht mehr bei mir lief. Der Interpretation wird hier freien Lauf gelassen, der Einsatz von Bläsern, Chören, anderen Stimmen und nicht zuletzt die satte und wunderbar transparente Produktion machen schon Spaß. Überraschenderweise passt D'Virgilios Stimme sehr gut zu den neuen Arrangements - ich vermisse Gabriel ehrlich gesagt gar nicht.

Das i-Tüpfelchen - die Kürzung des Songmaterials auf das Wesentliche - durfte man bei diesem Werk wohl nicht erwarten. Und leider muss man sagen, dass trotz gelungener Interpretationen das Songmaterial doch gleich bleibt und die Spielräume begrenzt. Damit bleiben auch die Längen auf Disk 2 enthalten.

Dennoch ein gelungenes Coveralbum, welches zurecht seine Daseinsberechtigung hat und auch für mich wesentlich stärker - weil moderner, fetter und abwechslungsreicher - daherkommt als das Original.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.11.2008
Letzte Änderung: 1.8.2011
Wertung: 11/15
12+10:2=11

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 3 von 4)


Im Großen und Ganzen kann ich mich meinen Vorrednern anschließen - dies ist eine hervorragende, zu empfehlende, Interpretation des Genesis-Meilenstein-Albums "The Lamb lies down on Brodway".


Das Original ist eine Rock-Oper und kein Musical. Nick d'Virgilio und seine Mitstreiter erarbeiten jedoch in ihrer Interpretation eine manchmal fast musicalhafte Atmospähre, was an der Hinzunahme von Orchester-Arrangements und der teilweise jazzigen bzw. swingenden Interpretation des Originals liegt. Man vergleiche z.B. "Counting out time". Im Original ein feiner Pop-Rock-Song kommt hier sehr swingend daher. Die fröhliche Leichtigkeit des Originals wird übernommen, mit der jazzigen-swingenden Note wird dem Song aber eine eigene Note verliehen. Trotzdem hält man sich sehr nah am Original. So verhält es sich im Grunde mit den meisten Songs auf der Scheibe. Man bleibt dem Original treu ohne einfach nachzuspielen. An manchen Stellen vermisse ich Gabriels Gesang, der für mich mehr Prägnanz und Tiefe hat, an anderen Stellen glänzt d'Virgilio wirklich - also insgesamt macht er seine Sache gut!


Das geniale, progressivere und rockigere Original, damals mit vielen Keybords- und Synthie-Spielereien garniert, kommt in einem neuen "Big-Band-Gewand" daher, das ihm ebenso gut zu Gesicht steht. Gelungen sind auch die Orchester-Arrangements.


Das Album ist eine aussergewöhnliche Leistung. Deshalb vergebe ich 13 Punkte, obwohl natürlich die kompositorische Leistung 1975 geleistet wurde, das Arrangement und Spiel ist aber wirklich so überzeugend und eigenständig, dass dies für mich gerechtfertigt ist.

Anspieltipp(s): The Lamb Lies Down On Broadway, Counting out time, The Colony Of Slippermen
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.11.2008
Letzte Änderung: 7.11.2008
Wertung: 13/15

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 4 von 4)


Ein eher düsterer Genesis-Klassiker mit fidelem Gefiedel und hohem Fun-Faktor unter Vermeidung von Keyboards? Das schreit doch geradezu nach Protest, und den werde ich nun mal formulieren: ich bin der Richtige dafür, denn ich bin noch nie auf die Idee gekommen, Genesis zu hören, weil ich Spaß haben wollte.

Es ist ja seit der Klassik bekannt, dass Komponisten nicht nur an die Noten der Musik denken, sondern auch an ihre Instrumentierung; ein Klavierkonzert lässt sich in den Solo-Parts nun mal nicht mit einer Violine spielen - das heißt, man könnte das vielleicht sogar tun, aber das hätte nichts mehr mit den Absichten des Komponisten zu tun, es wäre also keine werkgetreue Umsetzung des Originals, sondern eine Parodie oder etwas für den Jahrmarkt.

Genau das ist diese Version von "The Lamb": Prog-Verballhornung für den Jahrmarkt. Kann man mal machen, ich kann beim Hören auch immer mal wieder lachen, aber für mich ist dies völlig andere Musik als Genesis, ich käme nie auf die Idee, Original und Neuaufnahme zu vergleichen und auch noch darüber nachzudenken, was mir besser gefällt. Genauso ginge es mir, wenn Andy Warhol einen Rembrandt neu gemalt hätte - das sind verschiedene Welten, die sich vielleicht umeinander drehen und sich doch nie berühren.

Die Musik von Genesis ist nun einmal in besonderem Maße für Banks' unvergleichliche Keyboards geschrieben worden, und für speziell die Art von Gitarrensound, wie ihn Steve Hackett kreiert hat, nicht für harte Gitarren amerikanischen Stils oder Bläser und Streicher. Was gerade noch geht, ist hier und da der Keyboard-Ersatz durch Piano, aber das war's auch schon, und selbst das überzeugt nicht immer (bei den "Carpet Crawlers" geht's noch auf, aber in der Einleitung zu "The light dies down" verpufft dabei jede Atmosphäre, die der Song nach Willen der Songwriter haben sollte.

Ein wenig erinnert mich dieser Ansatz an einen musikalischen Modetrend Ende der 80er, als plötzlich überall die Werke der bekanntesten Rockbands von Symphonieorchestern nachgespielt wurden; das lief auch auf eine Überstülpung der Originale mit unpassenden Stimmungen hinaus.

Aber - zugegeben - man kann das alles auch ganz anders sehen, und im Sinne der Sophisten, die für jeden Standpunkt Argumente finden konnten, trete ich jetzt mal spaßeshalber zur anderen Seite über und widerspreche meinem eigenen Geschmack:

Es macht erstens Sinn, dass "The Lamb" in dieser Version amerikanisch klingt: immerhin spielt die Story in Amerika.

Es macht zweitens Sinn, eine Coverversion mit einer Neuinterpretation zu verknüpfen, wenn man sich schon die Mühe einer Neuaufnahme macht. Reine Werktreue kann ganz schön langweilen; man denke nur an das Projekt von Chris Squire und Billy Sherwood, die z.B. Pink Floyd's "Wall" komplett neu aufgenommen haben, mit einer Schar illustrer Musiker, die sich krampfhaft bemühten, nach Floyd zu klingen, obwohl ihr jeweils eigener Instrumentalstil völlig anders ausgerichtet ist. Mit so was ist erst recht niemandem gedient.

Drittens muss ich zugeben, dass Nick D' Virgilio und Mark Hornsby auf ihre eigene Art trotz der Neuinterpretation völlige kompositorische Werktreue erreichen: es gibt nicht eine seltsame Stimme, nicht ein eigenartiges Geräusch im Original, zu dem man in der Neuversion die Entsprechung vermissen muss; es fehlt auch nicht eine einzige Note der Komposition (es könnten im Zuge der vielschichtigen Streicher- und Bläser-Arrangements eher noch ein paar dazugekommen sein). Insofern signalisiert die ganze Aufnahme, dass sie völlig ernst gemeint ist.

Viertens muss selbst ich als Madhatter-Fan zugeben, dass Nicks Stimme zum neuen Sound des Albums passt: wenn die Musik schon nicht mehr klassisch-proggig und ur-englisch stilisiert ist, kann sie auch ohne den typischen Madhatter-Gesang auskommen. Ebenso macht es Sinn, dass die singende Lamia plötzlich wirklich eine Frau ist: das ganze Konzeptalbum hatte immer einen gewissen Musical-Stil, den man ruhig mal stärker rausbringen kann.

Fünftens muss ich einräumen, dass mir diese Aufnahme etwas Neues über die Musik eröffnet hat, was mir in der düsteren Originalversion nie so aufgefallen war: die swingenden Passagen zeigen mir nämlich, dass Genesis zu der Zeit schon eine poppige Seite hatten, die ich angesichts des Inhalts der Story nie bemerken wollte. Also bin ich durch die Neuinterpretation sogar klüger geworden.

Und sechstens muss ich einem Freund aus unserem lokalen Prog-Stammtisch beipflichten, der gesagt hat: Wenn man heraushöre kann, dass die Musiker Spaß hatten, dann hat man auch Spaß. Und Spaß hatten alle Beteiligten dieser Aufnahme garantiert! Mich berührt das nur deshalb nicht, weil ich keinen Spaß vertragen kann...

Gefallen tut mir das Album nämlich immer noch nicht, ich bin einfach zu konservativ für so was...;-). Aber es würde auch für mich spannend, wenn die Idee als solche Schule machen sollte: vielleicht steht uns ja als nächstes "Close to the Edge" im Dixieland-Arrangement ins Haus. Könnte ich mir sogar irgendwie vorstellen, wie das klingen müsste...

Anspieltipp(s): Die swingenden Slippermen sind besonders witzig...
Vergleichbar mit: Ich musste als Erstes an Phil Collins' funkige Bläser-Version von Genesis' "Behind the lines" denken.
Veröffentlicht am: 7.11.2008
Letzte Änderung: 15.5.2012
Wertung: 10/15
Weniger würde ich einfach unfair finden, mein Geschmack hin oder her...

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