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Hourglass

Oblivious to the Obvious

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; HardRock; Progmetal; RetroProg
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Brick Williams guitar
Eric Blood bass, vocals
John Dunston drums, percussion
Jerry Stenquist keyboards
Michael Turner vocals

Tracklist

Disc 1
1. On The Brink 12:39
2. Homeward Bound 9:58
3. Pawn II 13:41
4. Faces 11:53
5. 38th Floor 21:22
Gesamtlaufzeit69:33
Disc 2
1. Facade 14:50
2. Skeletons 6:58
3. Estranged 7:05
4. Delirium 10:20
5. Oblivious to the Obvious - Part 1 - No Chance 5:50
6. Oblivious to the Obvious - Part 2 - Realization 6:18
7. Oblivious to the Obvious - Part 3 - Remember Me 5:41
8. Oblivious to the Obvious - Part 4 - In My Hands 3:28
9. Oblivious to the Obvious - Part 5 - Redemption 9:19
Gesamtlaufzeit69:49


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 2)


Das ist keine ganz einfache Rezension... was im wesentlichen daran liegt, dass es schwierig ist, über 130 Minuten Musik in einem überschaubaren Rahmen Herr zu werden. Umso schwieriger ist diese Aufgabe dann, wenn die Musik auch noch vielschichtig, abwechslungsreich und durchaus komplex ist. Schließlich will ich hier nicht mit einer seitenlangen Doktorarbeit langweilen... ich mache hier mal den Anfang und hoffe, dass der eine oder andere Kollege den Faden dann weiterspinnt.

Also: Fünf Jahre nach dem hervorragenden „Subconscious“ legen die Amerikaner Hourglass ihr drittes Album vor. Die Band ist nicht mehr diesselbe, von der bisherigen Besetzung sind nur noch Gitarrist Williams und Drummer Dunston an Bord. Da aber Brick Williams durchaus die Federführung beim Songwriting hat, ist der Bruch nicht wirklich spürbar. In der langen Zeit hat sich offensichtlich viel Musik angestaut, so füllen Hourglass auf „Oblivious to the Obvious“ gleich 2 CDs mit über 130 Minuten Musik. Und es ist ein Fest für Longtrack-Freaks, nur zwei der zehn Titel sind kürzer als 10 Minuten und die laufen dann auch noch mehr als 7 Minuten. Wobei der abschließende titelgebende Longtrack mit einer Spielzeit von über 30 Minuten richtigerweise in fünf, separat anwählbare, Teile aufgeteilt ist.

In Ermangelung anderer Schubladen muss man Hourglass zu allererst im ProgMetal verorten. Aber hier wird es schon schwierig. Natürlich wird auf „Oblivious to the Obvious“ passagenweise fett gerifft, virtuos gefrickelt, knochentrocken getrommelt, aber eben nur passagenweise (und dann vor allem in den beiden Instrumentals). Dazwischen gibt sehr viele ruhige, atmosphärische, balladeske Passagen, die sich aber nicht dem Schleim von 'Metal Ballads' hingeben. Aber es werden auch neoproggige Gefilde (manche unverschämte Dudidu-Keyboard-Passage wirkt geradezu aufreizend), Melodic Rock (aber auch ohne Schleimfaktor), ganz klassischer Hard Rock, kleine Flamenco-Einlagen und nicht zuletzt und nicht zu knapp sinfonischer Retroprog, ganz in klassischer Tradition (und hier auch wieder mit Kansas-Anklängen) verarbeitet. Zuweilen gerät schon mal ein Stück Musik richtiggehend poppig, ohne dass das auch nur ansatzweise irritierend wirkt. Die Arrangements sind ungemein variantenreich und farbig, so tauchen auch nach tagelangem intensiven Hören immer neu Feinheiten und Ideen auf, die bislang im Verborgenen wirkten. Nur Längen sucht man glücklicherweise vergebens. Es gibt viele instrumentale Gimmicks, die immer wieder für Überraschungen sorgen. Neben der abwechslungsreichen Gitarrenarbeit sind dies vor allem immer wieder eingestreute Bass-Soli und -Frickeleien. Aber auch die Keyboards dürfen neben tragenden Flächen, sinfonischen Orchestrierungen auch immer wieder filigrane Pianoläufe einstreuen. „Oblivious to the Obvious“ beginnt wuchtig, sinfonisch, mit mächtigen Chorpassagen, um dann immer filigraner, melancholischer, nachdenklicher zu werden, nur um zum Schluss in den monumentalen Titeltrack zu explodieren. Musik, nun im Cinemascope-Format, grandios.

Der neue Sänger Michael Turner überzeugt mit großer Variabilität und stimmlichen Volumen. Er agiert als klassischer Rockshouter, wie auch als intimer Interpret ruhiger, balladesker Passagen gleichermaßen überzeugend. Und trotz der instrumentalen Gewalt dieses Albums schafft er es seine eigene Prägung prominent darzustellen.

Wer sucht, der findet sicherlich viele Passagen, die an diesen oder jenen bekannten ProgMetal- und HardRock-Act erinnern. Was wunder, die Jungs von Hourglass sind immer noch jung und werden sicherlich Genregrößen wie Dream Theater, Rush, Pain of Salvation, Kansas und so weiter auch hören. Und voll all diesen gibt es hier immer mal wieder Anklänge zu hören, aber das ist immer nur ein kurzes Aufblitzen im letztlich doch sehr eigenen Gebräu der Amerikaner. Aber wer wird sich denn den musikalischen Genuss mit derartiger Erbsenzählerei vermiesen lassen wollen... ich würde das nicht empfehlen.

Mit „Oblivious to the Obvious“ meldet sich eine Band zurück, von der man eigentlich vermuten mußte, dass sie sich nach ihrem zweiten Album in Luft aufgelöst hat. Das wäre sehr schade gewesen, denn die Amerikaner beweisen mit ihrem vielschichtigen, mitreißenden Werk eindrucksvoll, dass sie zu den Hoffnungsträgern der Genres gehören. „Oblivious to the Obvious“ ist ein sicherer Blindkauf für alle die sinfonischen, melodischen ProgMetal oder überhaupt härtere, verspielte Rockmusik an sich mögen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.3.2009
Letzte Änderung: 17.3.2009
Wertung: 12/15

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 2 von 2)


Es ist immer ein besonderes Gefühl zu erleben, wenn Prophezeiungen wahr werden - besonders, wenn es die eigenen sind...

Ich prophezeie nämlich seit Jahren, dass der Tag des Prog kommen wird, an dem Metal nur noch ein Stilmittel neben vielen anderen gleichberechtigten Mitteln des Prog sein wird - Nicht etwa, weil ich etwas gegen Metal an sich hätte, sondern weil Progmetal allein in eine Sackgasse führen wird (wie der Hardrock zuvor), es sei denn, man ist darin so versiert wie Dream Theater - aber wer ist das schon? Wie viele Progmetal-Bands gibt es denn inzwischen, die keinen Prog im Stil des Metal, sondern stattdessen eher Alzheim-Prog spielen (im Sinne von: einmal gehört - sofort vergessen)?

Aber genug der rhetorischen Fragen (die in einer Rezension auch nichts zu suchen haben, wie ich mal eigenkritisch anmerken muss ;-)). Jedenfalls haben jetzt endlich Hourglass ein ganzes Album in dem Stil gemacht, wie ich es auch gern aufnehmen würde (wenn ich irgendeine Ahnung von Musik hätte) - Ach, was sag ich: kein Album, sondern gleich ein doppeltes (was ich übrigens erst beim Auspacken gemerkt habe).

Der kurzen Rede langer Sinn: Stellt euch mal vor, Pink Floyd hätten ihrerzeit - sagen wir zwischen der "Dark Side" und der "Wish" - noch ein weiteres Album zur Überraschung aller Fans eingespielt, und zwar ein Album, das zusätzlich durch den damaligen Hardrock inspiriert gewesen wäre und dabei einen Ausblick in Richtung Iron Maiden geworfen hätte, das auch schon mit der Fripp-Gitarre Bekanntschaft gemacht hätte, und das den Stil von Dream Theater schon hätte vorwegnehmen wollen (nebst einer großzügigen Portion Neoprog) - Tja, in diesem Bild zeichnet sich in etwa ab, wie Hourglass heute klingen. Fast liest sich das so, als wollte ich sagen, Hourglass machen es allen recht; aber so weit würde ich wiederum auch nicht gehen (zumal diese Nische schon Arjen Lucassen bockbeinig ausfüllt ;-)); es ist eher so, dass Hourglass nicht versuchen, den ehemals eingeschlagenen Weg des Progmetal endlos weiter zu verfolgen, aber ein Bruch damit schwebt ihnen auch nicht vor, weil das Metal-Material wunderbar weiterverwertbar ist, jedoch nur ohne Scheuklappen aus Metal, denn es gibt ja noch andere gute Musik - ganz wie Gustav Mahler gesagt hat: "Eine Symphonie zu komponieren bedeutet mit allen verfügbaren Mitteln eine Welt aufzubauen", und im Grunde ist es das und nichts anderes, was Hourglass hier gemacht haben:

Wie selbstverständlich folgen im Verlauf des Albums deftige Metal-Passagen auf meditative und lyrische Sequenzen oder umgekehrt; Gefrickel folgt auf tolles Songwriting, Gesang auf lange Instrumentalpassagen, Schrammel-Gitarren auf frippertronische Zerdehnungen. Alle Instrumente kommen zu ihren Glanzminuten - auch und mehrfach der Bass! Und alles wirkt so selbstverständlich, weil es so selbstverständlich sein kann - wenn man nicht in Genre-Grenzen denkt. Irgendwie erscheint mir dieses Album wie ein Prototyp eines Trends, der sich noch nicht selbst so ganz als Trend erkennt, der aber mehr und mehr die Progszene dominieren könnte, weil nach der Zersplitterung in unzählige Sparten irgendwann so ein ganzheitliches Ergebnis dabei herauskommen musste.

Und außerdem sind Hourglass nach Umbesetzungen ja auch keine beständig-einheitliche Band mehr, was aber auch nichts ausmacht, wenn nur 'the spirit survives' - Und wenn der Spirit sagt: 'Wir machen Metal, aber im Kontext des Prog, was bedeutet, dass wir uns vor anderen Stilen des Prog nicht verschließen', dann kommt das genau meinen heimlichen Prog-Wünschen perfekt entgegen. Und daher halte ich dieses Album für nahezu perfekt (was natürlich auf einer sehr subjektiven Definition von Perfektion beruht), was aber auch egal ist, solange die Message rüberkommt, dass man so was Stimmiges und trotzdem Kontrastreiches wie dieses Album selten zu hören bekommt. Mehr als das habe ich von Anfang an im Grunde gar nicht sagen wollen...;-). Ach, hört es euch doch einfach selbst an...

Anspieltipp(s): Der erste Track der zweiten CD bringt's total: Fast klassisches Floyd-Intro mit angedeuteten Frippertronics und nahtlosem Übergang in Progmetal - muss man gehört haben!
Vergleichbar mit: ...einer kurzen Symbiose aus allem, was in 4 Jahrzehnten Prog (inkl. Randgebieten) essentiell war
Veröffentlicht am: 26.3.2009
Letzte Änderung: 3.5.2012
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Hourglass

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2004 Subconscious 11.00 1

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