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Spaltklang

en Suite

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant; sonstiges
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Markus Stauss tenor & soprano sax
Olivier Vogt viola
Stephan Brunner electric bass
Rémy Sträuli drums, keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Amuse-bouche 1:11
2. Von Anbeginn 13:39
3. Heartbeat 5:08
4. En Suite 11:56
5. Ideen 7:48
6. Evocazione 9:13
7. Open Directions 5:50
8. Molto Lento 2:11
Gesamtlaufzeit56:56


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 3)


Spaltklang dürften, obwohl sie bereits ihr viertes Album vorlegen und auf diesen Seiten für die Vorgänger meistens warme Worte geerntet haben, noch nicht zum proggigen Allgemeingut gehören (vermute ich zumindest). Das ist schade, so sind die Schweizer doch eine der spannendsten zeitgenössischen Formationen, die man sich vorstellen kann.

Der Name Spaltklang leitet sich von der Idee von Bandchef Markus Stauss ab, ein spätmittelalterliches Instrumental-Ensemble welches aus Blas-, Zupf- und Seiteninstrumenten inklusive Percussion besteht, mit modernen Mitteln wieder zum Leben zu erwecken. Davon mag man halten, was man will, auf jeden Fall wildern Spaltklang in allerlei musikalischen Ecken und so ist eine Formation entstanden, die gleichermaßen Jazz, Jazzrock, Avantgarde-Klänge, Kammermusik, moderne Klassik, Mittelalterliches und Rock, Rock und nochmals Rock verbindet.

Das neue Album ?en Suite? gibt den Fans auf jeden Fall wieder den Stoff, nach dem sie begehren. Markus Stauss unnachahmliches, ebenso messerscharfes, wie aggressives, Saxofonspiel trifft auf die mal riffig-kratzige, mal lyrisch-melodische Viola von Olivier Vogt. Unterlegt ist das Ganze mit der virtuosen, wuseligen, kraftvollen, verspielten, druckvollen Rhythmusarbeit von Stephan Brunner und Rémy Sträuli. Dabei setzt gerade Sträuli mit seinem so mathematisch exakten und doch so locker groovendem Spiel Akzente. Aber auch das melodische Bassing von Brunner lässt aufhören.

Dominiert wird die Musik von Spaltklang aber klar von den röhrenden Saxofonen von Markus Stauss, aber zunehmend auch von den Saitenklängen von Vogt, die hier erstmals nahezu gleichberechtigt im Klangraum agieren. So umkreisen und verweben sich die Melodielinien von Viola und Saxofon, prallen heftig aufeinander, nur um sich wieder in lyrischem Ensemblespiel aufzulösen. Neben den größeren musikalischen Anteilen von Olivier Vogt, verblüfft ?en Suite? mit einem etwas 'gesetzteren' Charakter. Nicht das die Musik von Spaltklang langatmig oder langweilig geworden wäre, ganz im Gegenteil, aber die Stücke wirken durchdachter, komponierter, etwas strenger in der Form. Schwer zu beschreiben, dieser Eindruck, der für mich aber vom ersten Hören an Gestalt angenommen hat. Kaum zu glauben, dass derart perfekte Musik in nur drei Tagen mal eben so 'live im Studio' aufgenommen wurde. Vielleicht beschreibt das sogar am besten den Reifeprozess, den das Quartett in sieben oder acht Jahren des Zusammenspiels, durchlebt hat.

Auch wenn vielleicht die punkige Rohheit früherer Werke etwas fehlt, so ist ?en Suite? trotzdem eines der besten Alben von Spaltklang geworden, vielleicht das beste bisher. Auf jeden Fall ein guter Einstiegspunkt in die musikalische Welt der Schweizer, wenn man es bisher nicht gewagt hatte. Die durchweg langen Stücke nehmen einen mit auf eine Reise durch Jazz, Rock, Kammermusik, moderne Klassik mit einem Schuss Avantgarde, die in dieser Form schon ihresgleichen sucht. Sehr spannende Musik.

Das Album erscheint zunächst nur in kleiner Auflage (?working proof? nennt Markus Stauss das) und ist nur direkt bei Fazzul Music oder dem italienischen AltrOck Label erhältlich. Greift also beherzt zu!

Anspieltipp(s): en Suite, Evocazione (aber eigentlich alles, es ist kein Ausfall zu verzeichnen)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.6.2009
Letzte Änderung: 22.6.2009
Wertung: 13/15

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Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 2 von 3)


Dies ist mein Erstkontakt mit der Musik von Markus Stauss, wenn man mal von den Bekehrungsversuchen in diversen Progrock-dt-Radioshows absieht. Auf vorliegendem Album vereinigen Spaltklang Elemente aus Klassik, (Free-)Jazz, Avantgarde und - ja - auch Rockmusik. Der Ansatz ist ein kammermusikalischer, Schlagzeug und Bass legen ein vertracktes und verzwirbeltes Grundgerüst. Darüber solieren und duellieren sich die beiden Soloinstrumente Saxophon und Viola. Gerade ersteres zieht ob seines schneidenderen Klanges die Hauptaufmerksamkeit auf sich. Markus Stauss spielt meist ein Sopransaxophon, was besonders in den freieren Teilen sehr stark an einen John Coltrane denken lässt, allerdings den aus der etwas späteren Phase, der das freie Solieren schätzte. Letztlich ist Open directions eine direkte Huldigung an Acknowledgement vom Jahrhundertalbum "A Love Supreme". Als Kontrapunkt steht Markus Stauss die Viola von Olivier Vogt gegenüber. Mal darf er solieren, mal umspielen sich die beiden, aber immer alles als gleichberechtigte Partner.

Letztlich legen Spaltklang ein nicht immer unanstrengendes Album an der Grenze zwischen Progrock und Avant-Freejazz vor, das auf alle Fälle für Coltrane-Liebhaber von Interesse sein dürfte. Für den Progger, der noch keine Vorbildung in dieser Richtung hat, ist es jedoch vermutlich zu starker Tobak.

Anspieltipp(s): Evocazione
Vergleichbar mit: kammermusikalischer Coltrane mit Viola-Begleitung
Veröffentlicht am: 6.7.2009
Letzte Änderung: 6.7.2009
Wertung: 11/15

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Von: Siggy Zielinski (Rezension 3 von 3)


Im Falle von "en Suite" von Spaltklang stellt sich die Frage, wo denn nun eigentlich die Schwerpunkte dieser Musik liegen. Mit Schubladendenken kommt man da nicht sehr weit. Avantgarde, Jazz, Kammermusik und Progressive Rock dürften die zutreffendsten Begriffe sein, die man in diesem Zusammenhang anführen kann. Diese Stillbegriffe glaube ich dem Gehörten abwechselnd zuordnen zu können. Bei der ganzen sehr wohl durchdachten Vielfalt bleibt manchmal auch noch Platz für feurige Improvisationen, so dass "en Suite" meistens alles andere als kopflastig oder abweisend wirkt. Statt Spaltklang fände ich "Integrationsklang" zutreffender.

Das Aufeinandertreffen von klassischen und jazzigen Einflüssen findet in diesem Fall in Gestalt von gleichberechtigt agierenden solistischen Stimmen der eher stoischen Bratsche von Olivier Vogt und der oft temperamentvollen Saxophone von Markus Stauss statt.

"en Suite" ist nicht zuletzt für mit einfallslosem Retroprog gelangweilte und mit allzu sterilem Jazz frustrierte Hörer ein empfehlenswerte Anschaffung, denn am interessantesten wird es wohl dort, wo Freiheit des Jazz durch Strukturen von Klassik und Progressive Rock gezähmt wird.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.8.2009
Letzte Änderung: 1.8.2009
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Spaltklang

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2002 Alpenglühen 10.00 1
2004 Surprise 12.00 1
2006 Lontano 12.50 2

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