SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
20.7.2018
Distorted Harmony - A Way Out
Three - Live Boston '88
Koenjihyakkei - DHORIMVISKHA
The Enid - Live At Loreley
Southern Empire - Civilisation
Marcello Giombini - Synthomania
19.7.2018
Cavern Of Anti-Matter - Hormone Lemonade
Twelfth Night - Fact and Fiction
Spock's Beard - Noise Floor
17.7.2018
Deafening Opera - Let Silence Fall
Ihsahn - Àmr
16.7.2018
Twelfth Night - Fact and Fiction
The Sea Within - The Sea Within
Mystery - Lies and Butterflies
15.7.2018
Ragnar Grippe - Sand
Klaus Schulze - Silhouettes
Malaavia - Frammenti Compiuti
14.7.2018
Pixie Ninja - Ultrasound
ARCHIV
STATISTIK
24790 Rezensionen zu 16972 Alben von 6609 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Univers Zero

Clivages

(Tipp des Monats 2/2010)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazz; Moderne Klassik; RIO / Avant
Label: Cuneiform Records
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Michel Berckmans bassoon, English horn, oboe, melodica
Kurt Budé clarinet, bass clarinet, alto saxophone
Pierre Chevalier keyboards, glockenspiel
Daniel Denis drums, percussion, sampler
Dimitri Evers electric bass, fretless bass
Andy Kirk guitar (2,5), percussion (2)
Martin Lauwers violin

Gastmusiker

Nicolas Denis drums (10)
Philippe Thuriot accordion (1,10)
Aurelia Boven cello (10)

Tracklist

Disc 1
1. Les Kobolds   (Denis) 4:15
2. Warrior   (Kirk) 12:10
3. Vacillements   (Berckmans) 3:35
4. Earth Scream   (Denis) 3:11
5. Soubresauts   (Denis) 7:59
6. Apesanteur   (Berckmans) 3:40
7. Three Days   (Budé) 5:53
8. Straight Edge   (Budé) 13:57
9. Retour de Foire   (Berckmans) 7:42
10. Les Cercles d'Horus   (Denis) 3:45
Gesamtlaufzeit66:07


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 2)


"more of the same"... diesen Spruch hört man ja gerne mal - zumeist von hartgesottenen Avant-Freaks - in Bezug auf Univers Zero. Nun, in der Tat haben die Belgier unter Führung von Daniel Denis einen sehr charakteristischen Sound entwickelt, der mehr oder weniger alle ihre Alben bestimmt. Er wird immer mal wieder sanft variiert, mal etwas rockiger, mal etwas elektronischer, mal etwas mittelalterlicher, aber es ist eben der Univers Zero-Sound. Allerdings hat die Band in über 30 Jahren gerade mal ("Clivages" schon mitgezählt) 9 Studioalben veröffentlicht (okay, dabei hat man eine 13jährige Pause eingelegt), das letzte schon 2004. Zwei Livealben und eine EP kommen noch dazu. Eine Überproduktion kann man das nicht nennen. Und "more of the same" ist auch nicht gleich "more of the same". Die ausgesprochen komplexe, herausfordernde, verzwickte, verspielte, meist düstere Musik der Belgier ist immer wieder ein Ereignis.

Die Vorrede lässt es vielleicht erahnen: Schon früh im Jahr 2010 können wir einen ersten Höhepunkt bejubeln. Univers Zero legen endlich mal wieder ein Studioalbum vor und "Clivages" ist ein sehr gutes Album geworden, welches auch in der an guten Alben nicht armen Diskografie der Belgier einen Spitzenplatz einnimmt (einnehmen wird). Eine Personalie am Rande: Während die meisten Musiker auf diesem Album sowas wie "alte Bekannte" sind, überrascht vielleicht der Name Andy Kirk. Okay, auch er ist ein "alter Bekannter", der schon in den 80er Jahren Mitglied bei Univers Zero war - damals als Keyboarder. Kirk ist zwischenzeitlich immer mal wieder ein- und ausgestiegen, diesmal wird er wieder als offizielles Bandmitglied geführt (auch wenn es 2008 hieß, er hätte die Band wegen künstlerischer Differenzen endgültig verlassen). Interessanterweise spielt er allerdings diesmal Gitarre und hat ein Stück des Albums komponiert.

Die Musik auf "Clivages" gerät so vielschichtig, versponnen, düster, verspielt und teils auch heftig, wie man es von Univers Zero nur erwarten kann. Die Belgier zelebrieren ihren klassik-nahen Kammerprog garniert mit allerlei Holzbläsern, der teils nahezu akustisch daherkommt, auf das Feinste, brechen aber immer mal wieder aus, sei es in rockige Gefilde (wobei sie leider nicht die Intensität ihre Live-Auftritte erreichen), sei es in jazzige Gegenden oder in wahrhaft klassisches Kammerensemble-Spiel. Daniel Denis elegantes, schlankes Schlagzeugspiel unterstreicht die Musik fast schon sanft, aber doch druckvoll. Einzig der neue Bassist Evers bleibt - bis auf "Straight Edge" - irgendwie seltsam blass. Bei aller Einheitlichkeit im Grundsound ist "Clivages" sehr abwechslungsreich geraten, was vielleicht daran liegen mag, dass neben Daniel Denis diesmal auch Andy Kirk, Michel Berckmans und Kurt Budé Kompositionen beisteuern. Und gerade "Warriors" aus der Feder von Kirk und "Straight Edge" von Budé sind nicht nur Höhepunkte auf diesem Album, sondern zwei der besten Kompositionen von Univers Zero überhaupt.

Beim nahezu unverschämt fröhlichen Auftakt "Les Kobolds" sieht man die putzigen kleinen Kerle förmlich vor sich auf dem Tisch tanzen. Aber schon das folgende "Warrior" holt einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Düstere, bedrohliche Klänge mit Synthie-Wabern, unheilvollem Gebläse und Marschrhythmus-Drums lassen uns dem Zug der Krieger folgen, bis die Musik aufgeregter und bewegter wird. Die Violine rifft geradezu aggressiv. Das Sax kreischt im Hintergrund. Haben die Kampfhandlungen begonnen? "Warrior" ist eindeutig einer der beeindruckendsten Songs der UZ-Geschichte. Andy Kirk steuert auch noch einige deliriöse Gitarrensoli bei. "Vacillements" bringt als eine Art Walzer dann Erleichterung. Während "Earth Scream" den geheimnisvollen Atem der Erde hörbar macht. "Soubresauts", "Apesanteur" und "Three Days" kombinieren auf erstaunliche Weise den 'klassischen' Univers Zero-Kammerprog mit schräger Tanzmusik und jazzigen Passagen. Für Univers Zero-Verhältnisse wird es wieder überraschend fröhlich. Teilweise sehr verzwackt und verspielt, teilweise richtiggehend humorvoll mit witzigen Glockenspiel-Einlagen.

"Straight Edge" ist das zweite große Werk auf "Clivages". Kurt Budés Komposition lässt die Band unvermittelt in einen treibenden Rockgroove ausbrechen und manisch dahin rocken, bevor düstere Sphärenklänge inne halten lassen und dissonannte, free-jazzige Saxophon-Stöße den Hörer penetrieren. Heftig, herausfordernd, spannend, mitreißend. Danach klingt das Album mit dem fein ziselierten, nahezu klassischem "Retour de Foire" sanft aus. "Les Cercles d'Horus" scheint eigentlich gar nicht mehr zum Album zu gehören. Hier gibt anscheinend der Filius von Denis seinen Einstand am Schlagzeug und präsentiert uns ein dunkles, getragenes, rhythmisches Experiment mit Cello- und Accordion-Unterstützung.

Auch das neunte Studioalbum von Univers Zero bietet eine Fülle an hoch spannender, mitreißender, interessanter Musik. Durch den perfekten Klang und durch doch einige neue Einflüsse, gerade durch die eingewobenen leicht angejazzten Passagen, ist es sogar eines der besten Alben der Formation geworden, auch wenn die Belgier wieder ihren Live-Groove nur ansatzweise im Studio umsetzen konnten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.1.2010
Letzte Änderung: 9.8.2013
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Mit seiner langen Einleitung baut Kollege Thomas weiter oben gegen die in etwaigen weiteren Rezensionen vielleicht geäußert werdende Kritik vor, dass Univers Zero auf ihrem neuesten Studioalbum nicht viel Neues zu bieten hätten. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die von mir eben angewandte Satzkonstruktion grammatikalisch ganz korrekt ist, doch bin ich mir sicher, dass Thomas' Präventivverteidigung nicht wirklich nötig war. "Clivages" bietet nicht "more of the same", zumindest nicht "more of exactly the same".

Im Unterschied zu den beiden direkten Vorgängeralben "rhythmix" und "Implosion" wurde "Clivages" nicht weitestgehend von Daniel Denis alleine komponiert und arrangiert, sondern stellt eine echte Gruppenzusammenarbeit dar, bei der gleich vier der sechs Musiker als Komponisten tätig waren. Daher kommt "Clivages" doch um einiges abwechslungsreicher daher als die beiden etwas gleichförmig wirkenden, sehr elektronischen (oder elektrischen) Vorgängeralben.

Die atmosphärisch-düsteren Klanggemälde Denis', die "rhythmix" und "Implosion" bestimmt haben, gibt es hier nur noch selten zu hören (eigentlich nur in "Earth Screams"). Dafür reist die Band zurück in ihre eigene Vergangenheit und gibt sich durchweg akustischer. Insbesondere in den von Michel Berckmans und Kurt Budé komponierten Stücken begeben sich Univers Zero in einem Ausmaß in zeitgenössisch kammermusikalische Gefilde, wie sie es bis dato eigentlich noch nie getan hatten. Natürlich gibt es auch auf "Clivages" noch den typischen, mächtigen und düsteren Kammerrock der Belgier zu hören, im grandiosen "Warrior" von Andy Kirk z.B., doch wirkt das Album über weite Strecken fast gutgelaunt und entspannt. Selbst Denis' "Soubresauts" wirkt stellenweise erstaunlich verspielt und locker.

"Clivages" schlägt damit den Bogen zurück zum Debütalbum der Belgier und bietet hockomplexen, ausgesprochen virtuos dargebotenen und zudem vielseitig instrumentierten Kammerprog, der dem damals erfundenen Genre, einer Kombination von elektrisch verstärkten Instrumenten (Bass, E-Gitarre, Keyboards) und rockender Perkussion mit akustischen, eher vom Jazz oder der Klassik kommenden Tonerzeugern (Violine, Cello, Sax, Klarinetten, Fagott) in einem neoklassischen, symphonisch-rockenden Rahmen, einen neuen Höhepunkt hinzufügt. Natürlich ist das hier Gebotene daher nicht wirklich neu, fast könnte man "Clivages" als Retro-Kammerprog bezeichnen, macht aber trotzdem sehr viel Spaß. Der Klang des Ganzen ist natürlich auf der Höhe der Zeit, was die Scheibe zu einem beeindruckenden Hörerlebnis macht, und daher allen Avantproggern, oder all denjenigen die es werden wollen, sehr empfohlen sei!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.1.2010
Letzte Änderung: 7.4.2011
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Univers Zero

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Univers Zero (1313) 13.00 2
1979 Heresie 12.00 2
1981 Ceux Du Dehors 12.00 3
1984 Uzed 13.00 1
1986 Heatwave 11.50 2
1999 The Hard Quest 10.00 2
2001 Crawling Wind 10.00 1
2002 rhythmix 12.00 1
2004 Implosion 10.50 2
2006 Live 12.50 4
2009 Relaps - Archives 1984 - 1986 11.25 4
2014 Phosphorescent Dreams 12.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum