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Peter Gabriel

Scratch My Back

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; ArtPop
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 11.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Peter Gabriel vocals, piano
John Metcalfe arranger
Melanie Gabriel vocals on "the book of love"
Jason Rebello piano on "the power of the heart"
The London Scratch Orchestra violins, violas, cellos, double basses, flute bassoon, trumpets, horns, trombones, bass trombones, piano
The Choir Of Christ Church Cathedral Choir on "my body is a cage"

Tracklist

Disc 1
1. Heroes 4:11
2. The Boy In The Bubble 4:30
3. Mirrorball 4:50
4. Flume 3:03
5. Listening Wind 4:25
6. The Power Of The Heart 5:54
7. My Body Is A Cage 6:15
8. The Book Of Love 3:55
9. I Think It`s Going To Rain Today 2:36
10. Après Moi 5:15
11. Philadelphia 3:48
12. Street Spirit (Fade Out) 5:06
Gesamtlaufzeit53:48


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 3)


Acht Jahre sind vergangen seit dem letzten Studio-Album Up. Genügend Zeit um Neues zu komponieren. Nun ist das neue Album da und..., es ist ein Album mit Cover-Versionen geworden. Im ersten Moment machte sich bei mir etwas Enttäuschung breit. Hatte Gabriel während der Entstehungsphase des letzten Albums nicht über 150 Stücke komponiert? Sollte ihm jetzt wirklich nichts Neues eingefallen sein? Ein Blick auf die Tracklist liess mich auch etwas ratlos zurück: "Heroes" von David Bowie, "Boy in the Bubble" von Paul Simon, "The Power Of The Heart" von Lou Reed? Alles nette Kompositionen von denen es meines Erachtens aber kaum noch eine Coverversion brauchte.

Was ist die Idee hinter diesem Album? Peter Gabriel covert andere Künstler und lässt diese im Gegenzug ein Stück von sich interpretieren. Demnächst sollen dann diese 12 Gabriel-Covers als CD mit dem Titel "I`ll scratch yours" veröffentlicht werden. Zudem wird jede double-a-side-Single "digital" jeden Monat bei Vollmond veröffentlicht. Eine interessante Idee, die im mindesten ein guter Marketing-Gag ist. Doch nun zur Musik.

Peter Gabriel hat nicht einfach ein paar Musiker um sich gescharrt um die Stücke nachzuspielen, sondern hat dies mit einem Orchester aus Streichern und Bläsern sowie mit Pianobegleitung, Flöte und im Falle von "My Body Is A Cage" mit einem Chor getan. Es hat die Originale also nicht "modern" gecovert, sondern klassisch intepretiert. Wer mit Klassik nichts anfangen kann, dürfte mit diesem Album also eventuell seine Mühe haben.

Mit "Heroes" von David Bowie wird dieses Album eröffnet. Im Original ist dies ein midtempo-Rocker mit hämmernder Gitarre, etwas monoton und variationsarm zwar, aber v.a. im Refrain intensiv und mitreissend. Gabriel beginnt das Stück mit leicht dissonanten, flirrenden Geigen (ähnlich wie der Beginn von Spirit of Eden), es gesellen sich Celli und abgrundtiefe Bässe dazu und er singt im Verlauf mit der gesamten Bandbreite des Ausdrucks seiner einzigartigen Stimme. Am Ende hatte ich das Gefühl ein anderes Stück gehört zu haben. Wahnsinn. "Boy in the Bubble" (vom kontrovers diskutierten Meilenstein "Graceland") ist im Vergleich zum Original sehr still und ruhig und besteht grösstenteils nur aus Stimme und Piano. Ebenfalls gelungen.

Das fliessende "Mirrorball", eine tolle Komposition der alternative rock Band "Elbow", deren Sänger wie eine Mischung aus Gabriel und Colin Vearncombe (Black: Wonderful Life; 1987) klingt, glänzt mit "geschäftigen" Violinen und tiefen Bässen und kriegt nebenbei ein paar neue Harmonien und Melodiebögen eingebaut, die das Stück im Vergleich zum Original beinahe runderneuert aussehen lassen.

Dies setzt sich fort in "Flume" (von Bon Iver). Aus einem folkigen Stück mit Schrummelgitarre, hohem mehrstimmigem Männergesang und Lagerfeueratmosphäre wird durch den Ersatz der Gitarre durch das Piano und der Stimmen durch Bläser ein stilistisch anderes Stück.

Neben "Heroes" und "Mirrorball" ist "My Body is a Cage" das nächste Highlight des Albums. Eine tolle Komposition, die durch ihren etwas dumpfen Sound im ersten Moment ein wenig an Tom Waits ("The Earth Died Screaming") erinnert. Sehr stimmungsvoll durch Orgel und Chor, gegen Ende durch eine magistrale Kirchenorgel und eine tolle Snaredrum bombastisch. Gabriel interpretiert das Stück, wie übrigens die meisten Stücke auf "Scratch my Back", sehr ruhig, beinahe intim. Am Schluss wird aber auch seine Version durch den Einsatz des gesamten Orchesters zum grossen Kino.

Über das wunderschöne "Book of Love" gelangen wir zu "Après moi", einem Titel der in Russland geborenen anti-folk-Sängerin Regina Spektor. Im Original beginnt dieses mit hämmerndem Piano und einer fragilen Stimme, gesellen sich dann Streicher dazu und entwickelt sich das Stück zu etwas, das beinahe nach slawischem Tanz klingt. Gabriel beginnt mit schrillen Bläsersätzen und entwickelt das Stück im Verlauf durch schwere, traurige Streicher zu einem fast schwermütigen Lamento weiter.

"Philadelphia", mit reiner, klarer Stimme von Neil Young gesungen, wird in Gabriels Version durch eine wunderschöne, hohe Trompete veredelt. Dies ist das einzige Stück, bei welchem sich ein ganz leichtes Kippen von Schönheit zu Kitsch finden lässt. Gabriels Stimme ist hier aber so herrlich zerbrechlich, dass dies überhaupt nicht ins Gewicht fällt.

Den Abschluss macht "Street Spirit" von Radiohead. Ein dichtes Stück mit anfänglichem Beinahe-Nihilismus Marke Hollis (Piano), im Verlauf wiederrum sehr ruhig, zart, fragil.

Was macht die Platte so speziell? Es ist zum einen die stets gelungene Adaptation und Weiterentwicklung der ursprünglichen Komposition, zum anderen die bewegende Schönheit der durch das Orchester bedingten klassischen Interpretation und schliesslich die intensive, einzigartige Stimme von Gabriel, welche diese Platte besonders machen. Die Originale sind gut, teilweise stark, aber in der Gabriel-Version werden sie noch in ein besonderes Licht gesetzt, teilweise sogar so umgebaut und verändert, dass beinahe ein neues Stück entsteht, das mit dem Original kaum mehr als den Text gemein hat.

Beeindruckend und sehr empfohlen.

Anspieltipp(s): Heroes, Mirrorball, My Body Is A Cage, Après Moi
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.3.2010
Letzte Änderung: 19.12.2010
Wertung: 12/15
vielleicht das beste Gabriel-Album überhaupt; wahre Kunst!

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 3)


Ich liebe Alterswerke! Und was Peter Gabriel hier abliefert ist zudem eine echte Überraschung: Coverversionen mehr oder weniger bekannter Songs (bei mir eher weniger bekannter mit ein paar Ausnahmen) mit klassischer Begleitung, Streicher, Bläser und/oder Klavier.

Ich gebe zu, ich war bei der Vorankündigung mehr als skeptisch: Pop/Rocksongs mit klassischer Begleitung? Oh je, dafür gibt es ja nun mehr als genug Beispiele, dass das nicht unbedingt befriedigend im Ergebnis ist. Aber egal. Ist ja schließlich Gabriel!

Insgesamt bin ich nun doch sehr froh, mir das Album (in der Doppel-CD-Version) zugelegt zu haben. Die zweite CD enthält auf knapp 18 Minuten übrigens die Stücke The Book of Love (Remix), My Body is a Cage (Oxford London Temple Version), Waterloo Sunset (Oxford London Temple Version) und Heroes (Wildbeest Mix). Abgesehen von Waterloo Sunset von den Kinks handelt es sich um Songs, die auch schon auf der regulären CD enthalten sind. Auch wenn es sich um andere Mixe handelt, ist das Erscheinungsbild aber schon ähnlich und fällt nicht aus dem Rahmen. Da muss der Fan wissen, ob er (v.a. wegen Waterloo Sunset) die Doppel-CD braucht.

Das Album hat insgesamt eine absolut stimmige Atmosphäre, was der Einheitlichkeit der Instrumentierung und der eher ruhigen Stimmung geschuldet ist. Und Gabriel singt einfach göttlich. Mehr noch als sonst steht Gabriels, oft nur geflüsterter, eindringlicher Gesang im Zentrum, besonders, wenn er nur - oder fast nur - vom Klavier begleitet wird. Allein dafür lohnt sich die Anschaffung. Dieser Gesang mit der - wenn es richtig gut ist - relativ minimalen instrumentalen Unterstützung geht unter die Haut.

Leider hat aber die Nutzung eines klassischen Ensembles auch den Nachteil, dass es immer wieder auch mal etwas sülzig wird. Nicht Gabriels Gesang, aber die klassische Begleitung, denn diese wird schon ziemlich konventionell eingesetzt, ist also kein schräger Kammerprog. Dieser leider immer mal wieder hervortretende Hang zur Süßlichkeit hinterlässt bei mir einen etwas bitteren Nachgeschmack. Aber ich hatte Schlimmeres erwartet. Zumeist ist die Umsetzung einfach ziemlich geschmackvoll.

Scratch my Back ist daher ein insgesamt gelungenes, interessantes Projekt, das man als Gabriel-Fan gehört haben sollte. Es steht im Werk des stimmgewaltigen Sängers einfach einzigartig da. Und Gabriel drückt den Stücken ganz klar seinen ganz eigenen Stempel auf. Die introspektive Atmosphäre, die das Album verbreitet, sollte man ruhig in stillen Momenten auf sich wirken lassen. Das hat was.

Anspieltipp(s): Heroes, Mirrorball, I think it's going to rain today, Waterloo Sunset
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.3.2010
Letzte Änderung: 8.3.2012
Wertung: 11/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 3 von 3)


Es ist eine nachvollziehbare Entscheidung dem Album "Up" ein solches Album folgen zu lassen. Und wie ich finde eine gute Entscheidung, nachdem der 3er-Zyklus: "So-Us-Up" - des zeitgemäßen, modernen Gabriel - mit "Up" vom Meister fast schon unerwartet brilliant abgeschlossen wurde.

Nun ein besinnliches Album mit Coverversionen. Trotz der orchestralen Begleitung, die wirklich teilweise recht konventionell ausgeführt wurde und auch mal an Kitsch (Power of the Heart) heranreicht oder schlicht nervt, wie bei "Mirrorball", ein leises minimalistisches Album, das seinen Reiz und seine Wirkung aus Gabriels fantastischem Gesang bezieht. Diese Stimme berührt. Das Album erinnert mich auch an Künstler wie Tom Waits oder Lou Reed.

Gänsehautfaktor pur in "My body is a cage", "Apres Moi" oder "Heroes", einer gefühlvollen Interpretation des Bowie-Gassenhauers, so genial wie, aber völlig anders als das Original.

Alterswerk, ich weiß nicht - gesanglich hier in Hochform und nach dem Meisterstück "Up" darf man gespannt sein, was der Meister noch auf Lager hat in Zukunft.

"Scratch my back" ist für mich ein eigenwilliges (auch was die Songauswahl betrifft) aber gelungenes Album. Möglicherweise hätte die Reduzierung auf Stimme, Klavier, Bass und der Verzicht auf Orchester manchem Song gut getan. Aber Peter Gabriel beweist mal wieder seine Vielseitigkeit. Für Fans lohnenswert - aber sicher auch nicht jedermanns Ding. Check it out...

Nachtrag: "Der Kreis schließt sich..."

Ich hatte das Glück, eines der beiden Konzerte der "Scratch my back"-Tour in London zu besuchen und ich war "extremely" begeistert. Das gesamte Projekt besteht aus 2 Teilen. Im ersten Teil sangen Peter Gabriel und spielten das "New Blood Orchestra" das komplette Album zur Tour. Frisch und lebendig beeindruckte mich die Präsentation des Cover-Albums, besonders die Stücke die mich auch auf der Studio-CD schon bewegten, allen voran: "My Body is a Cage" und "Après Moi". In diesen Momenten blies das Orchster einen förmlich weg. Ein prächtig gelaunter und stimmgewaltiger Gabriel verschmolz mit dem Orchester und die für mich bisher bei einem Gabriel-Konzert beste Multimedia-Inszenierung sorgten für ein Übriges. Künstlerisch ambitionierte und minimalistische Animationen in reduzierten Farben mit Videospielereien und digitalem beweglichem Bühnenbild garniert, erzeugten eine mystische Atmosphäre für den "Pop meets Klassik"-Event. Für mich, das mit der "III"-Tour sicher beste Gabrielkonzert, das ich gesehen habe. Es gab auch seltene Längen wie "Book of Love", welches ich ich etwas grenzwertig im Breich des Kitches angesiedelt fand. Da kam z.b. "Power of the heart" erstaunlicherweise viel echter rüber.

Trotzdem, was dem Studioalbum nicht mit allen Songs gelingt, gelang hier im Konzert - die nahezu restlos gelungene Verschmelzung von Pop und Klassik, besonders im zweiten Teil des Konzertes: In einer treffsicheren Auswahl gab es Gabriel-Songs die geradezu für die Arrangements mit einem klassischen Orchester prädestiniert sind wie: "San Jachinto", Rythm of the Heat", "Darkness", "Signal to Noise" "The Opera House" - es waren die progressiven Highlights des Abends und das New Blood Orchstra im Wechselspiel mit Gabriels Stimmgewalt waren definitiv beeindruckend und durchaus progressiv.

Gabriel würde nicht müde, sich zurecht beim Dirigenten, Orchster und dem Arrangementschreiber überschwenglich zu bedanken. Am Ende des Abends verlass er sämtliche Namen der Musiker und das begeisterte Publikum wurde nicht müde zu applaudieren, obwohl allen die Hände schon schmerzten. :-) Weiterhin gab es natürlich die Klassiker "Sollsbury Hill", "In your Eyes", "Mercy Street"; sogar "Dont give up" mit einer wunderbaren Ana Brun als Duett-Partnerin konnte mich überzeugen. Besonders originell und peppig auch die orchestrale Version von "Diggin in the Dirt".

Sicher wird eine DVD zur Tour geben - evtl. auch ein Album und ich freue mich jetzt schon darauf, denn eine saubere DVD-Version sollte beim Meister garantiert sein.

Fazit: Für mich auf jeden Fall live eine sehr gelungene Verschmelzung von Prog, Rock und Klassik, das dem Studioalbum nicht in dieser Dichte gelingt.

Anspieltipp(s): My body is a cage, Apres Moi, "Heroes"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.3.2010
Letzte Änderung: 1.4.2010
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Peter Gabriel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 I 9.00 3
1978 II 10.50 4
1980 III (Melt) - Ein deutsches Album 14.00 1
1980 III 12.67 3
1982 IV 12.33 3
1982 IV / Ein deutsches Album 13.00 1
1983 Plays Live 9.33 3
1984 Plays Live - Highlights - 1
1985 Birdy (Soundtrack) 7.00 1
1986 So 9.50 2
1989 Passion (Soundtrack: The Last Temptation of Christ) 11.00 2
1989 Passion Sources - 1
1990 Shaking The Tree - 16 Golden Greats - 1
1992 Us 10.20 5
1993 Plus From Us (Compilation) - 1
1994 Secret World Live 11.67 3
2000 Ovo 11.33 3
2002 More Than This (Maxi) - 1
2002 Long Walk Home - Music from The Rabbit-Proof Fence 9.00 1
2002 Up 10.75 4
2003 Growing up Live (DVD) 12.00 2
2003 HIT - 1
2003 HIT (2CD - US version) - 1
2003 HIT (2CD - Germany Version) - 1
2003 HIT (2CD - UK Version) - 1
2003 Growing Up (DVD) 8.00 1
2003 Secret World Live (DVD) 12.50 2
2003 More Than This (DVD) - 1
2004 PLAY (DVD) 13.50 2
2004 Still Growing Up Live 2004 - 18.05.2004 Nürnberg 12.00 1
2007 The Warm Up Tour Summer 2007 - 14.06.2007 Gelsenkirchen 12.00 1
2011 New Blood 9.00 2

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