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Lalle Larsson

Seven Deadly Pieces

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008 (Aufnahmen aus 2002)
Besonderheiten/Stil: instrumental; live; mit Orchester; Konzeptalbum; DVD; Jazz; Metal; Moderne Klassik; Zappaeskes
Label: Weaveworld Music
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Lalle Larsson piano, keyboards
Niklas Fredin trumpet, flugelhorn
Jan Karlsson electric & acoustic bass
Christofer Malmström electric guitar
Stefan Rosqvist electric guitar
Peter Wildoer drums, percussion
Johan Bridger marimba, vibraphone
Thomas Widlund marimba, vibraphone
Daniel Palsson percussion
Jonas Holmberg percussion
Paul Slawic violin
Kristina Gustavsson violin
AnnaKarin Holm viola
Marit Sjödin cello
Malin Pettersson flute

Tracklist

Disc 1
1. Prologue
2. Superbia   (Pride)
3. Avaritia   (Greed)
4. Luxuria   (Lust)
5. Invidia   (Envy)
6. Gula   (Gluttony)
7. Ira   (Wrath)
8. Acedia   (Sloth)
9. Epilogue
10. Lalle Larsson A Portrait
11. Biography / Discography
12. Stills Gallery / Artwork
13. Piano Solos
14. Disappearing Guitar Solo "Gula"
15. Live footage: Marimba Flesheaters, Ominox, Karmakanic
16. Todd Duane about Electrocution 250
17. The Jim Henson Story


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß


Sieben tödliche Stücke… gut, dass dem nicht wirklich so ist, sonst würde Euer Rezensent nach vielfachem Genuss dieser nicht mehr unter den Lebenden weilen. Lalle Larsson ist wahrscheinlich kein wirklich Unbekannter mehr – immerhin hat er Spuren schon bei Karmakanic, Richard Hallebeek Project, Electrocution 250 und ominoX hinterlassen -, aber auch wieder nicht so bekannt, als das er schon ein bunter Hund wäre. Auf jeden Fall ist Larsson nicht nur Keyboarder, Pianist und Sessionmusiker, sondern ganz wesentlich auch Komponist. Dies hat sich bereits in einem Solowerk niedergeschlagen und ganz besonders im vorliegenden „Seven Deadly Pieces“. An diesem Werk hat Larsson schon 1995 zu arbeiten begonnen und es dauerte letztlich bis 2002, dass es zur erstmaligen Aufführung seiner Suite für Kammerorchester mit Percussion und Metal-Gitarre kam. Im beiliegenden (ersten) Booklet zur DVD schildert Larsson ausführlich, wie seine Beschäftigung mit den sieben Todsünden und ihrer Behandlung in Literatur, Musik und bildender Kunst sowie sein Leiden an der modernen Welt, in der alles käuflich, verdorben und überdreht zu sein scheint, zum kreativen Prozess der musikalischen Verarbeitung geführt haben. Heraus kamen ungefähr 50 Minuten Musik, die Larsson zunächst mit den Mitteln eines Kammerensembles ergänzt um ausladende Percussion umsetzen wollte. Da ihm dies aber vor allem für die Gier und den Zorn allzu harmlos erschien, ersonn er die Idee der Integration von metallischen Einsprengseln. Im Booklet wie auch in der Biografie-Sektion der DVD gibt Larsson dann noch Einblicke in die Nöte des Komponisten, der seine Ideen anderen Musikern deutlich machen muss, der erstmalig ein größeres Ensemble (alles in allem rund 15 Musiker) zu steuern und in diesem Rahmen dann auch die Komposition einzustudieren.

„Seven Deadly Pieces“ besteht aus den sieben Sätzen, welche die Sünden vertonen, ergänzt um eine Einleitung und eine Coda am Schluss. Der Anfang besteht als losem Zusammenspiel des Ensembles, wie wenn man sich noch finden müsste und mündet in ein munteres Crescendo, welches in den ersten Teil von „Superbia“ (Pride) übergeht. Das Publikum dürfte nun wach sein und sich dem Folgenden, einer durchaus wilden Mischung aus klassischem Ensemblespiel des Streichquartetts, begleitet von Piano und Synthesizer, klingelnder und klirrender Percussion von Marimba und Vibraphon, bratzenden Cello-Einlagen, wehmütigen, jazzigen Soli an Trompete und Flügelhorn und nicht zuletzt krachenden Riffs der beiden Gitarristen, zu stellen. Larsson steuert mit Piano- und Synthie-Läufen das Geschehen, ohne es zu dominieren. Vielmehr entstehen immer wieder instrumentale Dialoge unterschiedlichster Natur. Mal geht es nahezu klassisch, e-musikalisch zu, mal sorgt ein quietschiges Synthie-Solo für neoproggige Gefühle inmitten von jazzigem Trompeten- und Percussionspiel. Der Schlagzeuger sorgt für rockige Grooves. Larsson spielt mit Gegensätzen wie Gleichklängen, mit Melodie und a-melodischen Avant-Parts. Leise Passagen fesseln den Zuhörer, aber unvermittelt sieht er sich wieder umtost vom musikalischen Orkan, wenn sich das Orchester zum „tutti“ erhebt. Immer aber bleibt die Musik nachvollziehbar und behält eine gewisse Struktur.

Zu selten sind leider die heftigen metallischen Einsätze, die das Geschehen noch mehr aufwühlen hätten können, eine kleine Schwäche. Hervorragend sind aber die Einlagen von Trompete und Flügelhorn, hinreißend die Percussionparts, in denen die Schlagstöcke nur so wirbeln, so dass es auch optisch ein Genuss ist. Traumhaft auch das Zusammenspiel des Streichquartetts. So stellt Larssons Komposition eine wirkliche Verschmelzung von moderner klassischer Musik, Jazz und (Progressive) Rock dar, wie sie nur selten gelingt. Und damit steht er viel stärker in der Tradition eines Frank Zappa denn eines Jon Lord, nur um die Verhältnisse nochmals deutlich zu machen. Wer Vergleiche sucht, landet dementsprechend am ehesten bei Zappas Orchester- / Synclavier-Werken (die mich allerdings vergleichsweise überfordern, da ist Larssons Schöpfung dann doch ‚hörbarer’ oder besser einfacher zu genießen) oder vielleicht bei Isildurs Bane „MIND Volume 2“, auch wenn das einen deutlich weniger an klassischer Musik orientierten Ansatz verfolgt, so ist doch die Atmosphäre vergleichbar.

Dies ist eine DVD, also gibt es auch ein Bild. Nie war es allerdings verzichtbarer. Dies ist in erster Linie eine DVD zum Hören, leider liegt der Ton auch nur in Stereo vor. Das Bild gibt nicht allzu viele ergänzende Informationen. Man sieht die Anstrengung und Konzentration der Musiker, das scheint alles nicht so einfach zu spielen zu sein. Man sieht die bereits erwähnten virtuosen Percussionisten mit ihren wirbelnden Marimba-Sticks und natürlich Larssons pfeilschnelles Spiel auf den Piano-Tasten. Gelegentlich gibt es visuelle Untermalungen des musikalischen Geschehens oder optische Verfremdungen, aber ein Hingucker ist diese DVD deswegen noch lange nicht. Vom zahlenmäßig wohl eher kleinen Publikum bekommt man nicht viel mit... es scheint mit zunehmender Dauer der Aufführung auch immer ruhiger zu werden. Hoffentlich aus Beeindruckung und nicht wegen Erschlagenheit. Man mag Schweden vielleicht um eine futuristische Konzerthalle beneiden.

„Seven Deadly Pieces“ ist den Kauf dieser DVD locker wert… aber wer zum Lalle Larsson-Jünger werden möchte, der findet hier noch ein Füllhorn an Bonusmaterial. Da ist zunächst eine ausführliche Bio- und Diskografie des Protagonisten, seine Kommentare zu seiner musikalischen Entwicklung im allgemeinen und zur Entstehung von „Seven Deadly Pieces“ im besonderen. Dann kann man Larsson live mit den Formationen Ominox, Karmakanic und als besonderes Schmankerl im Duo als Marimba Flesheaters erleben. Die Aufnahmen sind zwar größtenteils nicht gerade von guter Qualität, aber als Eindrücke des umfänglichen und durchaus virtuosen Schaffens – gerade die Flesheaters! – von Larsson allemal tauglich. Dazu gibt es noch ein paar Kuriositäten, wie die Geschichte, warum Larsson eigentlich ein Jim Henson-Puppe ist oder wie das mit dem Gitarrensolo in „Gula“ war oder Trivia zu Electrocution 250. Und nicht zuletzt ein zweites (!) Booklet, welches nochmals ein Porträt von Lalle Larsson darstellt. Was für ein Paket also!

Anspieltipp(s): das verbietet sich
Vergleichbar mit: siehe Rezi-Text...
Veröffentlicht am: 6.4.2010
Letzte Änderung: 6.4.2010
Wertung: 12/15
Bewertung nur für das Kernstück "Seven Deadly Pieces"

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Lalle Larsson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2009 Weaveworld 11.00 1

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