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Van der Graaf (Generator)

A Grounding in Numbers

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; sonstiges
Label: Esoteric Recordings
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Hugh Banton Orgel, Bass, Klavier, Cembalo, Glockenspiel, Gitarre
Guy Evans Schlagzeug, Gitarre
Peter Hammill Gesang, Klavier, Gitarre, Bass

Tracklist

Disc 1
1. Your Time Starts Now 4:13
2. Mathematics 3:37
3. Highly Strung 3:37
4. Red Baron 2:24
5. Bunshô 5:03
6. Snake Oil 5:20
7. Splink 2:37
8. Embarrassing Kid 3:07
9. Medusa 2:12
10. Mr. Sands 5:23
11. Smoke 2:30
12. 5533 2:42
13. All Over The Place 6:01
Gesamtlaufzeit48:46


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Drei Jahre nach Trisector kommt mit A Grounding in Numbers wieder ein neues Studioalbum von Van der Graaf Generator, das zweite in der Triobesetzung ohne David Jackson.

Der Vorgänger zeigte ja schon eine für VdGG ungewöhnliche Tendenz zu kürzeren Stücken, bot aber immerhin noch einen Longtrack von 12 Minuten; hier bringt es selbst das längste Stück auf gerade mal 6 Minuten, und die Mehrzahl liegt sogar im 3-Minuten-Bereich. Aber dass Songlänge und Qualität nichts miteinander zu tun haben, sollte hinlänglich bekannt sein!

Trisector war über weite Strecken sehr ruhig ausgefallen und klang für mich oft mehr wie eines der neueren Hammill-Soloalben, nur eben mit erweiterter Besetzung; auch das neue Album beginnt mit zwei recht ruhigen Nummern. Dabei hat es insbesondere Mathematics in sich, vor allem in textlicher Hinsicht: Hammill vertont hier nichts anderes als die Eulersche Identität, die drei grundlegende Konstanten der Mathematik - die Eulersche Zahl e, die Kreiszahl Pi und die imaginäre Einheit i - miteinander in Beziehung setzt. Aber Hammills Texte waren schon immer jenseits der Drachen-und-Elfen-Klischees angesiedelt!

Mit Highly Strung beginnt dann der lebhaftere Teil des Albums. Banton lässt die Orgel röhren, Evans wuselt übers Schlagzeug, Hammill lässt die Gitarre ordentlich krachen und singt außerdem beeindruckend wie eh und je. Jackson vermisst man kaum. Manchmal wird es richtig punkig-aggressiv (Embarrassing Kid) und erinnert dann etwas an Hammills Alben mit der K-Group in den frühen 80ern. Auch wenn nicht alle Songs diese Dynamik erreichen, ist das Album doch insgesamt lebhafter als Trisector. Und neben typischen VdGG-Songs wie Snake Oil oder Mr. Sands, die - abgesehen von ihrer Kürze - auch von einem ihrer klassischen Alben stammen könnten, gibt es auch solche, die mich an Hammills Klangexperimente der späten 70er erinnern (Smoke, 5533 - bei letzterem spielt Guy Evans Gitarre!).

Dazwischen finden sich zwei ungewöhnliche Instrumentalstücke. Für VdGG sind Instrumentalstücke an sich ja schon ungewöhnlich, aber das schon fast in Ambient-Bereiche gehende Red Baron und das eigenartig entspannte, mit Slide-Guitar-ähnlichen Klängen versehene Splink sind auch musikalisch nicht das, was man sich unter dem typischen VdGG-Sound vorstellt. Ungewöhnlich ist auch das abschließende All Over The Place, wo Hugh Banton Cembalo spielt, und dem Stück zumindest in der einleitenden Sequenz einen leicht mittelalterlichen Touch verleiht.

Trotz manchen Rückgriffs auf die glorreiche Vergangenheit ist A Grounding in Numbers kein rückwärtsgewandtes Album. Van der Graaf Generator gehören zu den wenigen Bands aus der goldenen Zeit des Progressive Rock, die auch heute noch überzeugende Musik machen. Schade nur, dass bei der Tour zum Album nicht ein paar mehr Auftritte in Deutschland drin sind!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.3.2011
Letzte Änderung: 19.3.2011
Wertung: 11/15

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 2 von 2)


Familie Van der Graaf lädt ein zur Eröffnung ihrer neuen Kunstausstellung – mit Verkauf! Vernissage am 11. März 2011, Adresse: 5533, Propagation House, England–der Generator läuft.

Auf dem in einladendem Softblau gehaltenen Plakat zur Ausstellung ist die Ankündigung von Dr. Doom, Vorsitzer der altherrschaftlichen Feudalfamilie, zu lesen: "Be afraid, be very afraid..."

Cut!!!

Zugegeben, als ich Peter Hammill's Zitat im Vorfeld der Veröffentlichung von "A Grounding in Numbers" als Antwort auf die Journalistenfrage, wie das Album denn werden würde, las, hatte ich tatsächlich Angst. Angst, dass ich – ähnlich wie auf CD2 von "Present", dem ersten Werk nach der Reunion – Vieles einfach nicht würde verstehen können, was Hammill und seine Mannen dem Hörer zumuten mögen.

In "zumuten" steckt das Wort "Mut". Mut braucht es bereits seit mehr als 40 Jahren, wenn man die Musik von VdGG und/oder Peter Hammill begreifen und letztlich auch mögen will. Wer heute VdGG hört, muss mehr Mut beweisen als die Fans der 70er Jahre und verstärkte Hinwendung zu eckigen, bisweilen sperrigen Kompositionen. Mut gepaart mit der Fähigkeit, sein Ohr für neue Sphären, neue Klang- und Songstrukturen zu öffnen.

Bis zum Erscheinen von "Present" war es für mich als eingefleischten Fan der "ersten Stunde" (besser gesagt: Dreiviertelstunde) nie ein Problem, in jedem Album etwas Besonderes zu entdecken. Ich fand Harmonien und Aussagen, die nur mich anzusprechen schienen, mit denen ich als Hörer stets etwas Spezielles verband, was ich für mich ganz persönlich in Anspruch nahm. Anspruch! Ich erkenne erst jetzt, nach mehrmaligem Hören von "Grounding", dass VdGG bereits seit der Reunion mit einem völlig veränderten Anspruch an sich selbst und damit auch an die Hörerschaft heran treten. Wurden früher überwiegend epische Kolosse dargeboten, die zwar stellenweise unrhythmisch, rau, schräg, verschlossen und jenseits aller Klischees, jedoch immer überquellend von Emotionen waren, so präsentieren sich VdGG jetzt, für alle hörbar, als Gesamtkunstwerk mit der Betonung auf "Kunst". Emotionen werden nicht mehr vorproduziert, sie werden dem Hörer überlassen. So ist das heute.

Kunst! Egal, was darunter verstanden wird oder wie die Definition lauten mag: Kunst- und Kulturschaffen verändert sich über die Jahrzehnte, in denen wir hörend oder sehend daran teilhaben. Ausdrucks- und Präsentationsformen verändern sich ebenfalls, Vergleiche mit "Objekten" vor 20, 30 oder eben 40 Jahren verbieten sich. Hammill und VdGG stehen und arbeiten im Hier und Jetzt. Auch wenn das frühe Schaffen als genial, unendlich gelungen und beispielhaft modern galt und immer noch gilt, so haben sich doch die Bewertungsparameter verschoben, sie wurden runderneuert oder müssen neu erfunden werden. "A Grounding in Numbers" ist ein durch und durch modernes Album geworden, viel moderner als das Alter der Bandmitglieder jemals nahe legen würde, und es ist ein Kunstwerk, bestehend aus 13 verschiedenartigen "Miniaturen", die, einer Ausstellung gleich, der Reihe nach vorgeführt werden.

Neben Ästhetik und Symmetrie war Symbolik bei PH und VdGG schon immer ein großes Thema. Numbers, numbers–die Gedanken gehen zurück zu "Darkness (11/11)": "day dawns dark, it now numbers infinity"

Die Songs – zwei davon instrumental – zeigen in ihrer Gesamtheit die große (Farb-)Palette der stilistischen Merkmale der Band, ohne dabei einheitlich zu wirken. Seltsam, dass hier ein Gefühl der Zusammengehörigkeit der Stücke ebenso geweckt wird wie das einer Trennung durch thematisch und dramaturgisch vielseitige Präsentationen, die von Emotionen bis auf den "höflichen Anfang" und das "höfliche Ende" (frei nach André Heller) unbelastet gehalten werden.

Cut!!!

Mit einer gehörigen Portion Beklemmung treten wir also ein in die Ausstellungsräume des "Propagation House". Die Ausstellung ist stilistisch in zweimal 5 Ausstellungsstücke (oben "Miniaturen" genannt) und 3 weitere in insgesamt 3 (Klang-)Räumen aufteilbar. Soll heißen: die 13 Songs werden – gefühlt – in "zweimal 5 plus 3 in 3 Klangabschnitten" (= 5533) präsentiert.

Die Exponate im ersten Raum überraschen mit eher geläufigen Stilmustern aus dem Soloschaffen Hammill's sowie – wenn Banton's Orgel eingesetzt wird, aus jüngeren VdGG – Werken. Besonders gelungener Einstieg mit dem sanft-melancholisch resignativen "Your Time Starts Now", das einzige Stück auf "Grounding" mit pathetischer Pointierung. Anschließend wird die Magie und Poesie mathematischer Formeln besungen, Grundthema und Namensgeber des Albums.

Ab dem zweiten Ausstellungsteil werden die Stücke musikalisch deutlich moderner und kantiger, sind aber weiterhin als geistiges Eigentum von VdGG gut zu erkennen. Typisch im Sinne bisher bekannter Muster sind sie allerdings weniger, der Hörer muss sich mit Neuem auseinandersetzen.

Im Dreier - Schlussteil wird mit "5533" das Thema Zahlen erneut aufgegriffen und es gibt eine Art versöhnlichen Abschluss mit der Rückkehr zur eher traditionellen stilistischen Ausrichtung.

Ob beabsichtigt oder nicht: VdGG versuchen mit "A Grounding in Numbers" den Spagat zwischen Kunst und zeitgeistnaher Präsentation moderner Musik. Und sie wollen sicher mit diesem Album sowohl die Schar der "alten" Fans als auch Freunde moderner Musik und der textlichen Behandlung von Problemen unserer Zeit ansprechen. Wenn diese Turnübung gelingt, dann haben VdGG gegen Ende ihrer Schaffenszeit Großes geleistet.

Für alle, die sich an VdGG der Neuzeit heran wagen wollen, gilt dennoch: "Be afraid, be very afraid!"

Über mein eigenes Erleben hingegen ist zu sagen: mehrmaliges Betrachten, Hören, ja Eintauchen in das Album hilft, verstehen zu lernen. Gekauft habe ich die CD trotzdem vor allem des Start-Exponates wegen. Bin halt doch altmodisch. Und "eingefleischt"!

Final Cut!!! Generator aus?

Ach ja, Bewertung: wer maßt sich an, Kunst mit Punkten zu bewerten? Vorschlag: jedes Exponat erhält, wie bei einem Verkauf üblich, einen (meist roten) Punkt! Nun, es sind 13 Exponate... ;-)

Anspieltipp(s): im 1. Ausstellungsraum geht's los...
Vergleichbar mit: nichts in musikalischer Hinsicht - zum Glück! Als Gesamtkunstwerk versteht sich auch André Heller...
Veröffentlicht am: 19.3.2011
Letzte Änderung: 24.3.2013
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Van der Graaf (Generator)

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 The Aerosol Grey Machine 10.00 3
1970 H to He Who am the Only One 14.00 4
1970 The Least We Can Do Is Wave To Each Other 10.67 3
1971 Pawn Hearts 12.33 3
1974 The long hello Vol. I 10.00 1
1975 Godbluff 13.00 4
1976 Still Life 12.50 4
1976 World Record 10.33 3
1977 The Quiet Zone / The Pleasure Dome 10.75 4
1978 Vital 11.00 4
1985 Time Vaults 8.50 3
1986 First Generation (Scenes From 1969-1971) - 1
1986 Second Generation (Scenes From 1975-1977) - 1
1993 'I Prophesy Disaster' - 1
1994 Maida Vale 12.00 1
2000 The Box 13.50 2
2003 Godbluff Live 1975 Charleroi Palais des Expos 27.09.75 (DVD) 13.00 1
2005 Present 11.75 4
2007 Real Time 12.00 2
2008 Trisector 11.67 3
2009 Live At The Paradiso, 14.04.07 10.00 1
2012 Recorded Live In Concert At Metropolis Studios, London 12.50 2
2012 ALT 10.00 2
2015 Merlin Atmos 12.00 2
2015 After The Flood / At The BBC 1968-1977 13.00 1
2016 Do Not Disturb 12.00 4

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