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Present

No.6

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant; Zeuhl
Label: Carbon 7
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Roger Trigaux Gesang, Gitarre
Réginald Trigaux Gesang, Gitarre
Dave Kerman Schlagzeug
Pierre Chevalier Klavier, Mellotron
Keith Macksoud Bass
David Davister Schlagzeug

Gastmusiker

Yuval Mesner Cello

Tracklist

Disc 1
1. The Limping Little Girl

1. Part 1 3:07
2. Part 2 3:38
3. Part 3 5:16
4. Part 4 4:50

16:53
2. Le Rodeur 1:58
3. - 0:08
4. Ceux D'En Bas (Suite)

1. Part 1 Le Matin 4:30
2. Part 2 Le Rêve De La Nuit 2:03
3. Part 3 La Realité 1:36
4. Part 4 Vers Le Cauchemar 1:58
5. Part 5 Le Cauchemar Yo 3:08
6. Part 6 Le Combat 6:15

19:30
5. Sworlf 8:31
Gesamtlaufzeit47:00


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 2)


Gleich ein Jahr nach dem recht erfreulichen Comeback "Certitudes" beglücken uns die belgischen "Present" mit einem weiteren Album. Allerdings hatte zwischenzeitlich Schlagzeuger Daniel Denis seine Band "Univers Zero" neu formiert, so dass "Present"-Kopf Roger Trigaux seine Band fast komplett neu zusammenstellte. Allerdings bleiben die Verbindungen zwischen den beiden Bands bestehen, da Trigaux Sohn Réginald, der bei "Present" als Gitarrist wirkt, auf der neuen "Univers Zero"-Platte für den Bass zuständig ist. Roger Trigaux selbst, Komponist aller Stücke, spielt auf "No.6." nur im kurzen "Le Rodeur" mit; er ist für diese Platte bewusst zurückgetreten, um seinem Sohn die Möglichkeit zu geben, seine gitarristischen Fähigkeiten zu beweisen. Und man vermisst ihn auch nicht: Trigaux Junior pflegt einen sehr ähnlichen Stil, vielleicht etwas kräftiger rockiger als sein Vater, aber genauso ausdrucksstark, mit ähnlichen langezogenen, heulenden Tönen. Als Schlagzeuger ersetzt hauptsächlich der Amerikaner Dave Kerman (von "U-Totem", "5 uu's", "Thinking Plague" und "Blast") Denis, und sein genauso virtuoses aber druckvolleres, fetteres Spiel passt hervorragend zu "Presents" Musik, für meinen Geschmack sogar besser als der recht schlanke, eher zurückhaltende Stil Daniel Denis. Weiterhin mit dabei: Pierre Chevalier (Piano, ein bisschen Mellotron), und Keith Macksoud (Bass) sowie David Davister als Schlagzeuger in "Sworlf" und Gastcellist Yuval Mesner.

Gottseidank haben sich "Present" für "No.6" wieder auf ihre eigentlichen Stärken besonnen und bis auf einen kurzen Abschnitt in der "Ceux D'En Bas"-Suite komplett auf Vocals verzichtet. Die Musik ist wieder unglaublich kraftvoll und intensiv. Die einzelnen Abschnitte bauen meist auf einem drängenden repetitiven Riff in Bass oder Klavier auf, das unablässig, gnadenlos wiederholt wird, und worüber die anderen Instrumente ein schräges, erschöpfendes Muster legen, fast nie in solistischer Art und Weise, sondern die verschiedenen Stimmen und Instrumente verflechtend, so dass sich bei aller Wiederholung ständig etwas tut und verändert. So entwickelt sich eine dichte, dichte, ebenso mitreissende wie beunruhigende Stimmung.

"The Limping Little Girl" ist ein schon ein grandioses Beispiel dafür: eingeleitet durch den Gesang eines kleinen Mädchens erfolgt ein unablässiger Midtempo-11/8-Angriff von fettem, angezerrtem Bass und Schlagzeug, über dem sich Gitarre, Piano und Cello zu Akkorden von körperlich spürbarer Spannung und Intensität auftürmen, immer wieder unterbrochen vom Gesang des Mädchens oder dem bellenden 'Pervert': "Didn't you hear what your mother said?" In Teil drei übernehmen plötzlich Gitarre und Piano ein "Fracture"-mässiges Riff, während das Cello mit schrägen Schlägen darüber fährt, bis plötzlich der Bass in ein Frickelsolo ausbricht und in die Ekstase der Restband einfällt und die Band in Teil 4 nach einem seltsamen percussiven Piano-Zwischenspiel zurückkehrt zu den Motiven von Teil 2 und den Zuhörer atemlos und erschöpft zurücklässt. Die ekstatische magmaeske Technik der penetranten Wiederholung bei gleichzeitiger Spannungssteigerung wird hier in Perfektion angewandt und eine perverse, wahnsinnige, fast greifbare Bedrohung schwebt im Raum. Diese Spannung ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass bei allem Drängen der Musik die Musiker stets die Kontrolle behalten, aber um diese angesichts der Urgewalt der Musik jeden Takt lang kämpfen müssen; formloses Gefrickel ist hier Fehlanzeige, obwohl man das Gefühl hat, dass es jeden Moment ausbrechen könnte, wenn die Musiker der Musik freien Lauf lassen würden.

"Le Rodeur" ist ein recht kurzes, aber auch mysteriös düsteres Zwischenspiel, bestehend aus kratzender, immer dominanter werdender Percussion und rufenden, grollenden, heulenden Gitarren. Track 6 (No.6...) sind acht Sekunden Stille, die sich der Zuhörer hier redlich verdient hat.

Insbesondere, da es gleich danach mit dem nächsten Monstertrack weitergeht, der "Ceux D'En Bas"-Suite. Part 1 ist mit seinem fast fröhlichen Piano-Pattern plus treibendem 5/4-Rhythmus mal nicht ganz so monströs wie "The Limping Little Girl", aber dank schräger, chromatischer Gitarren und Einwürfe noch seltsam genug. Teil zwei wirkt wie eine verdrehte, demente Variation auf Tony Banks' "Lamp Lies Down"-Piano-Arpeggio, Teil drei baut Spannung auf für das stampfende Bass-Riff, das in "Vers Le Cauchemar" mit einer Gitarren-Reminiszenz an "Certitudes" überlegt wird. Und dann beginnt die schwächste Stelle der Platte, was weniger an der Musik liegt, als wieder mal an den Vocals: Zeilen wie "Damnation to you all! / Give the people what they want / food games no more sex / give the people what they want / stories heroes tv sets / give the people what they want" usw. usw. zusammen mit einem überaffektierten Gegrolle in heftigem französischem Akzent sorgen bei mir leider für sicherlich unbeabsichtigte Heiterkeit. Diese unnötige Konkretisierung der mysteriösen agressiven, bedrohlichen Stimmung verdirbt an dieser Stelle einfach den Effekt. Aber diese drei Minuten gehen gottseidank schnell vorbei, und mit dem dem grollenden Bass und ständig beschleunigenden ekstatischen 9/4-Marsch von "Le Combat" gelingt der Band doch noch ein toller, mitreissender, erschöpfender Abschluss. Da geht die Post ab, und "Magmas" "De Futura" lässt schön grüssen.

"Sworlf" beschliesst dann etwas ruhiger, akustischer (hier liegen "Univers Zero" wieder etwas näher als "Magma"), aber kaum weniger intensiv die Platte, wobei ich zugeben muss, dass ich von den vorhergehenden Exzessen an dieser Stelle meist schon so im positiven Sinne geschafft bin, dass ich davon fast nichts mehr mitbekomme.

Wenn man von dem kurzen Ausfall "Le cauchemar Yo" absieht, ist "Present" wieder eine grossartige Platte gelungen, vielleicht ihre kraftvollste, mitreissendste überhaupt. Zwar wird dieser Effekt zu Lasten eines raffinierten, strukturell interessanten Song-Aufbaus gewonnen, wie man ihn auf den früheren Platten finden konnte, aber das Ergebnis ist so magmaesk titanisch, dass ich das nicht als Meckergrund ansehen möchte. Von mir also eine fette Empfehlung für Mutige, die es mal mit zwar schrägen, heftigen, abgedrehten aber unglaublich intensiven, mitreissenden Klängen versuchen wollen.

Anspieltipp(s): The Limping Little Girl Part 2, Le Matin
Vergleichbar mit: Magma a la "De Futura" (von "Üdü Wüdü")
Veröffentlicht am: 28.5.2002
Letzte Änderung: 28.5.2002
Wertung: 14/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 2)


Jou, Present aus Belgien... die durfte ich dieses Jahr (2005) auf der Freakshow in Würzburg - äh - geniessen. Wer dort war, dürfte sich seine eigene Meinung über das Gehörte und Gesehene gebildet haben. Ich war beeindruckt, aber auch genervt. Present entfachten einen musikalischen Sturm, der die Grenze zur akustischen Gewalttätigkeit in meinen Ohren weit überschritten hatte. Das Konzert kulminierte schliesslich in einer Klangkakophonie, die bei mir nur noch als Lärm ankam, aber vielleicht war ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr aufnahmefähig oder bin einfach noch nicht abgehärtet genug. Es gab auch genügend vor Begeisterung leuchtende Augen nach dem Konzert, das will ich gar nicht verhehlen.

Ehrlichgesagt, weiss ich nicht, ob ich mir nach dem Konzert noch ein Album von Present gekauft hätte, aber seinerzeit hatte ich "No. 6" schon davor erworben... glücklicherweise. Nachdem ich Present mit "High Infidelity" überhaupt erst dieses Jahr richtig kennengelernt hatte, ist "No. 6" mein zweiter Kontakt mit den "Studio"-Present. Und da finde ich die Band viel besser und eigentlich auch intensiver, weil hier Platz für Zwischentöne und Filigranes bleibt, was die Live-Performance einfach wegfegt.

"No. 6" bietet im wesentlichen drei lange Kompositionen mit dem kurzen Zwischenspiel "Le Rôdeur" und der irgendwie bizarren Pause, wo eigentlich der Track 6 kommen sollte. Weiter oben hat Udo in seiner Rezension die musikalischen Inhalte des Albums ziemlich perfekt beschrieben, einschliesslich der Empfindungen, die den Hörer dabei so beschleichen. Das will ich hier nicht noch mal alles wiederkäuen.

"The Limping Little Girl" ist der beeindruckendste Teil von "No. 6". Riff auf Riff türmt sich, in ständiger repetitiver Wiederholung, aufeinander. Das Cello wuselt düster durchs Klangbild und immer wieder gehen förmlich Schläge auf den Hörer nieder. Und sei es nur, dass er mit "Didn't you hear what your mother said?" angebellt wird. Dazwischen wirkt das niedliche Gemurmel des Mädchens nur noch bizarr. Die ganze Stimmung des Tracks ist düster und bedrohlich, so dass man sich fast immer wieder umschauen möchte, ob nicht ein finsterer Unhold hinter einem steht.

Der zweite Hauptteil, die "Ceux D'en Bas"-Suite, ist kaum weniger beeindruckend und verstörend. Auch hier wird konsequent repetitiv gerifft, auch wenn vielleicht das Piano etwas die Rolle der Gitarre übernimmt. Insgesamt geht es hier etwas heller und fröhlicher zu, aber irgendwie bleibt die Spannung erhalten, weil man ständig auf der Hut ist, denn es könnte ja wieder umschlagen. Den Gesangspart in "Le Cauchemar Yo" finde ich nicht so störend wie Udo, liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich den Text kaum verstehe. Daher nur ein düster-bedrohliches Grollen, unterbrochen vom Ruf "Give the people what they want!". Das klingt dann wieder passend bizarr, wie das ganze Album eben.

"Sworlf" ist dann in der Tat ein fast schon am Symphonischen kratzender, entspannender Ausklang. Hier klingen Present wirklich fast wie eine dunkle Ausgabe von Univers Zero. Richtig schön ;-)

Present ist auch mit "No. 6" ein wahrhaft beeindruckendes Werk gelungen, welches dem Hörer schon einiges an Stehvermögen abverlangt. Das ständige repetitive Riffing führt in meinen Ohren gelegentlich an die Grenze zum monotonen. Aber trotz aller Rauheit offenbart sich sozusagen zwischen den Zeilen auch eine einfach berückende Filigranität und Musikalität, die mich das Album letztlich geniessen lässt. Das ist es eben, was der Live-Performance irgendwie abgegangen ist. Insgesamt gefällt mir allerdings "High Infidelity" etwas besser, da es variabler und abwechslungsreicher daherkommt.

Jahreszeitliche Zusatzbemerkung (es ist ja Ende Dezember): Nach all dem Kitsch und "Last Christmas"-Schmonz rund um Weihnachten, war es eine richtige Wohltat dieser Tage häufiger mal den wüsten Sturm von "No. 6" über sich ergehen zu lassen. Das macht die Ohren und das Hirn wieder frei...

Anspieltipp(s): nee... alles muss sein, ansonsten müsste ich glatt Track 6 angeben ;-)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.12.2005
Letzte Änderung: 31.12.2005
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Present

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Triskaïdékaphobie 13.00 2
1985 Le poison qui rend fou 14.00 2
1989 Triskaïdékaphobie / Le Poison Qui Rend Fou 14.00 2
1993 C.O.D. Performance 11.00 1
1996 Live! 12.00 1
1998 Certitudes 10.00 1
2001 High Infidelity 13.50 2
2005 A Great Inhumane Adventure 9.00 1
2009 Barbaro (ma non troppo) 12.50 2

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