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Present

High Infidelity

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2001
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant; Zeuhl
Label: Carbon 7
Durchschnittswertung: 13.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Roger Trigaux composition, guitar, vocal
Réginald Trigaux guitar, vocal
Pierre Chevalier piano, keyboards, mellotron, vocal
Dave Kerman drums, percussions, vocal
Keith Macksoud bass
Matthieu Safatly cello, vocal
Dominic Ntoumos trumpet, bugle
Fred Becker tenor sax, alto sax
Udi Koomran Sound Engineer

Tracklist

Disc 1
1. Souls For Sale 27:37
2. Strychnine For Christmas 10:52
3. Reve De Fer 9:24
Gesamtlaufzeit47:53


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 2)


Gut anderthalb Jahre nach dem 99er Meisterwerk "No.6" melden sich Present zurück. Und wie. "High Infidelity" ist wieder ein überaus starkes Album geworden und hat die hohen Hoffnungen, die unter anderem yours truly in es setzte nicht enttäuscht.

Gegenüber Nummer 6 wurde die Band erweitert: neben einem neuen Vollzeit-Cellisten kommt inzwischen auch ein kleiner Bläseratz (Trumpete, Sax) zum Einsatz. Und diese Besetzungsänderung wirkt sich massgeblich auf den Sound der CD aus. "No.6" war ein von Titanen gemeisselter Monolith in Rot und Schwarz, der sich türmte und den Hörer zu erschlagen drohte. "High Infidelity" hingegen wirkt nicht ganz so einschüchternd, bietet aber viel bei gleichbleibend vielen Ecken und Kanten mehr Facetten und Abwechslung.

Immer noch ist der Sound der Band beklemmend, düster, fordernd und schräg, Magma, Univers Zero und RIO stehen immer noch Pate. Immer noch winden sich die Linien chromatisch hart um die Grenze zum Atonalen. Immer noch kratzen die Gitarren der beiden Trigauxs aggressiv und rumpelt Keith Macksouds Bass kraftvoll und virtuos, während Dave Kerman am Schlagzeug verspielt aber fett für der Verbindung der beiden Elemente sorgt. Immer noch bestehen die Stücke zu grossen Teilen aus heftigen, düsteren Riffs, die in verschiedenen Variationen in die Gehörgänge des Konsumten gejagt und gleichsam ins Hirn gemeisselt werden. Aber: all dies wird untersützt und ausgemalt durch exakt ausgeführte Bläserfanfaren, wird verfeinert durch geschmackvoll-zurückhaltende Cello-Pizzicati. Und gelegentlich verlassen Present die düster-visionären Traumwelten rund um Kindermord und Seelenverkauf und grooven richtiggehend funky (in 17/8 und 7/8, aber das versteht sich von selbst...). Dementes Latinflair und surreale Kirmesmusik passen perfekt ins Bild. Sogar die gelegentlichen Vocals - sei es Roger Trigauxs Irren-Grollen oder Reginald Trigaux zerbrechliches Flehen -, die auf den vorhergehenden Present-Platten eher als Störfaktur wirkten, ergeben nur eine zusätzliche Würze in einem ausgeklügelten Gericht, ohne den jeweiligen Gang zu dominieren.

Also: das Jahr 2001 ist für mich schon was die Qualität der veröffentlichten Prog-Platten angeht eines der ergiebigsten der letzten Zeit. Present haben mit "High Infidelity" dazu beigetragen und wieder eine grossartige und faszinierende Leistung abgeliefert. Tut Euch einen Gefallen und hört zumindest mal rein.

Anspieltipp(s): Egal
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.5.2002
Letzte Änderung: 28.5.2002
Wertung: 14/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 2)


Es ist April 2005... an unserem Haus werden die Balkons saniert. Ab etwa 7:30 Uhr morgens röhren die Beton-Bohrer los, welche die Metallgitter der Balkonbrüstungen freilegen sollen. Die ganze Wohnung ist vom Lärm der Bohrer erfüllt... das Haus zittert unter den Erschütterungen. Es ist wie in einem Katastrophenfilm. Mich würde nicht wundern, wenn die Apokalypse eintreten und mir im Gang ein fahles Pferd mit einem bleichen Reiter entgegenkommen würde. Und ich bin noch fast eine Stunde zu Hause... Es muss etwas geschehen!

Also gut, dem apokalyptischen Wahnsinn muss man mit Wohlklang begegnen... einfach weg-melodisieren. Gut, dass gestern die neue CD von Steve Hackett im Briefkasten lag. Die akustischen Wohlklänge werden mich retten... Play! Oh nein, Steve Hackett und das Unterwelt-Orchester kapitulieren ohne Bedingungen vor den gnadenlosen Betonbohrern... hmpf. Also mal ins nächste CD-Fach des Wechslers geklickt, keine Ahnung mehr, was da drin ist.

Aaahhh! Düstere Töne dringen an mein Ohr... jaulende Gitarren, kratzende Celli, dazu immer wieder messerscharfe Trompeten-Stösse, ein druckvoller Bass. Die Musik verbindet sich auf geradezu magische Weise mit der ohnehin schon herrschenden Lärmkakophonie zu einer Art Höllenorchester. Entweder werde ich jetzt gleich wahnsinning und stürze mich vom Balkon (ist auch inzwischen ganz einfach, da die Brüstung kaum mehr vorhanden ist...), aber dann sterbe ich wenigstens wie ein Musik-Freak von dieser Welt gehen sollte. Oder... ja, eigentlich klingt das vollkommen geil.

Die Belgier Present, die sich schon seit einiger Zeit in meinem CD-Player aufhalten, aber bislang nicht wirklich den Weg in meine Ohren oder gar meinen Bauch gefunden haben, begeistern mich nun mit ihrem Werk "High Infidelity". Welch' eine kraftvolle Musik... warum habe ich das eigentlich nicht gleich gehört? Anscheinend braucht es manchmal besondere Umstände, um das Aussergewöhnliche auch zu erkennen...

Ich halte es ja als Rezensent, aber eben auch als Musik-Freak, für meine Pflicht immer mal wieder "den Blick über den Zaun" zu wagen. Mal die gewohnten, liebgewonnenen musikalischen Pfade verlassen und sich sozusagen dem Abenteuer hingeben. Kann ich nur empfehlen... manchmal kann man dabei neue Welten für sich erschliessen.

Present sind so eine neue Welt. Das einzige, was in meiner Sammlung annähernd vergleichbar wäre, sind Univers Zero. Aber alles, was ich von Univers Zero kenne, ist vergleichsweise harmlos gegen diesen Rock-Monolithen. Present fegen fast jeglichen Chamber-Rock-Wohlklang mit einem ziemlich heftigen Rockgewitter hinweg. Wie schon oben geschrieben: Zerrende Gitarren, messerscharfe Blässer, kratzende Celli, der dominante Bass, das teils wuselige, teils mächtig donnernde Schlagzeug erzeugen eine Klangwelt, die eigentlich mit Worten kaum zu fassen ist. Melodien sind hier keine erkennbar, dem Hörer wird eher Riff auf Riff um die Ohren geschlagen. Mal beherrschen repetitive Strukturen den Klang, dann klingt die Band wie eine ausser Kontrolle geratene Spieluhr. Aber die massiven Schläge der Drums erinnern einen schon immer wieder, wo der Hammer hängt.

Dazu gibt es teilweise "Gesang", der die unwirklich-düstere Stimmung des Albums noch auf die Spitze treibt.

Ein wahrhaft dunkler, sehr dunkler Diamant aussergewöhnlicher Rockmusik. Ich kann nicht sagen, dass es mir gefällt im herkömmlichen Sinn, aber es strahlt eine unglaubliche, morbide Faszination aus... Der einzige Makel, der mir an diesem Werk bisher aufgefallen ist, dass die Spannungskurve von "Souls For Sale" über "Strychnine For Christmas" bis "Reve de Fer" leicht abfallend ist. Aber ich stehe erst am Anfang und muss dieses Werk weiter und weiter erkunden... und ausserdem dauern die Balkonarbeiten noch bis Mai :-(

Soviel zu einer musikalischen Erweckungsgeschichte... das musste mal raus ;-) Ich kann mich allerdings meinen Kollegen weiter oben nur anschliessen: Tut Euch einen Gefallen und hört mal rein... könnte sich lohnen.

Anspieltipp(s): Souls For Sale
Vergleichbar mit: wie gesagt: da kenne ich nur Univers Zero, dagegen sind Present aber deutlich heftiger
Veröffentlicht am: 10.4.2005
Letzte Änderung: 11.4.2005
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Present

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Triskaïdékaphobie 13.00 2
1985 Le poison qui rend fou 14.00 2
1989 Triskaïdékaphobie / Le Poison Qui Rend Fou 14.00 2
1993 C.O.D. Performance 11.00 1
1996 Live! 12.00 1
1998 Certitudes 10.00 1
1999 No.6 13.00 2
2005 A Great Inhumane Adventure 9.00 1
2009 Barbaro (ma non troppo) 12.50 2

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