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Chryst

PhantasmaChronica

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011 (21. September)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Ambient; Gothic; Metal; Progmetal; Psychedelic; sonstiges
Label: Omniversal Records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Chrystof Niederwieser alles

Tracklist

Disc 1
1. The Awakening 2:41
2. I Are You 1:58
3. Leaving The Ashes 2:05
4. Storming Outside 2:19
5. The Surge Lands 3:54
6. Universe Inverse 4:19
7. A New Age 2:52
8. Metatropolis 3:03
9. The NovoPharus / The ChronoMagus 4:39
10. The Drill-Tower 3:49
11. Templum Tempus 4:28
12. Grow Into Labyrinths 2:11
13. The Architect Maze 3:21
14. Back In The Room 5:37
Gesamtlaufzeit47:16


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Manchmal kommen sie wieder: Hinter Chryst verbirgt sich mindestens Chrystof Niederwieser von der im Jahre 2001 aufgelösten Avantgarde-Band Korovakill, vormals Korova, und mit "PhantasmaChronica" versucht sich das Innsbrucker Projekt an einem Konzeptalbum. Die vierzehn Stücke gehen allesamt nahtlos ineinander über und stellen jeweils die Parts eines zusammen 47 Minuten langen Songs dar.

Was heißt "Avantgarde" im Metalkontext? Kurz gesagt: Alles ist erlaubt, und diese Erlaubnis wird auch tunlichst ausgenutzt. So findet man auf "PhantasmaChronica" Carmina-Burana-Chöre ("I Are You"), Bläsereinsätze, Sphärenklänge und Loops ("Universe Inverse"), Flüsterparts ("Metatropolis"), orientalische Melodien und Tuben ("The NovoPharus / The ChronoMagus"), Walzerklänge und Presslufthämmer ("The Drill-Tower"), Dancefloor-Keyboards ("Grow Into The Labyrinths") und zuletzt noch ein psychedelisch-folkiges Beisammensein von akustischen und elektrischen Flanger-Gitarren ("Back In The Room"). Unterm Strich also all das, was man von Bands wie Unexpect, Dismal oder Solefald zuhauf kennt.

Ah ja, der Metal: Den gibt es hier in Gestalt von verhältnismäßig simplen Blast-Parts und dem für die härteren Substile des Genres typischen Gesangsstilen zwischen Gekreische und Geknurre. Gerade das Riffing scheint allerdings auf dem ganzen Album eher im Hintergrund zu stehen und als Vehikel für die zitierten skurrilen Einfälle zu dienen. Durchwegs "harte" Nummern sind praktisch gar nicht zu finden, ein paar kleinere Ausnahmen gibt es aber schon. In diesen zeigt sich dann auch, dass der viel zitierte Avantgarde-Metal eher über die Avantgarde-Elemente dem progressiven Spektrum zuzuordnen ist denn über den Metal. Ein schönes Beispiel dafür ist "A New Age", dass abseits von seiner merkwürdigen Stimmung durchaus auch auf Viking-Alben von Einherjer & Co. stehen könnte. Andere Anklänge solcher Stücke gehen in Richtung von Industrial-Bands wie Strapping Young Lad und seinem verhinderten Townsend-Solo-Cousin "Physicist", von denen man sich das eine oder andere Riff gemopst hat (höre "Storming Outside" oder "The NovoPharus / The ChronoMagus").

Was lässt sich noch über die auf "PhantasmarChronica" gebotenen Klänge sagen? Da sollte ich mal auf die Struktur der Stücke eingehen: Oftmals basieren diese auf lediglich einem oder zwei Riffs, über die dann die Avantgarde-Effekte gelegt werden. Obwohl die Stücke jeweils nur so um die zwei Minuten dauern, ist aber selbst das für den Hörer schon oft genug zermürbend. Paradebeispiele dafür sind "Universe Inverse" und "Metatropolis", das allen, die bislang nichts damit zu tun hatten, vorführen sollte, worin der besondere Reiz monotonen Black Metals liegt. Nichts gegen diesen Stil, aber Monotonie will auch gekonnt sein (an dieser Stelle verweise ich auf die famosen Aachener Verdunkeln). Zum Glück sind aber die meisten Stücke hier weniger monoton und das Album als ganzes soger genau das Gegenteil dieses Begriffs. Spieltechnisch und von der Produktion her ist natürlich auch alles in Ordnung.

Kritisieren könnte ich, dass die ganzen Effekte beim ersten Eindruck sowas wie einen Schaubudeneffekt haben. Abseits davon fallen die Songs, in diesem Fall also der Metal-Teil davon, eher simpel aus. Wirklich interessante Melodien oder Stimmungen tauchen dann recht selten auf bzw. angesichts der ganzen musikalischen Freakshow drumrum eher ab. Wie an so vielen Alben lässt sich auch hier noch kritisieren, dass die richtig ruhig-entspannten und stimmungsvollen Momente praktisch fehlen. Immer passiert was und es macht ständig zisch, klack oder pong. Allerdings wäre da die große pastorale Romantik zugegebenermaßen auch völlig fehl am Platze. Da man sich ansonsten noch, wie eingangs geschildert, auf das Konzept des einen langen Songs verlegt hat, haben die einzelnen Teile für sich betrachtet nicht die Qualität, alleine zu bestehen. Andererseits wäre der komplette 47-Minuten-Song dann aufgrund der geschilderten musikalischen Bestandteile eigentlich viel zu zerfahren und wirr.

Der geneigte Leser wird im vorigen Absatz die übermäßige Nutzung des Konjunktivs bemerkt haben. Das hat folgenden Grund, mit dem ich dann auch zum Fazit kommen möchte: Unterm Strich nötigen mir Chryst mit "PhantasmaChronica" dann doch eine Menge Respekt ab für die Leistung, so viel Irrsinn auf Platte gebracht zu haben. Man sitzt staunend davor und fragt sich, wie die Herrschaften eigentlich auf diese oder jede Idee kommt und was als nächstes passieren wird. Bei mehreren Albendurchläufen kann man sich ja eh nicht merken, was so alles passiert ist. Und damit ist dieses Album, möglicherweise sogar mehr noch als bei den erwähnten Unexpect oder Solefald, ein kompletter musikalischer Mindfuck.

Anspieltipp(s): Einfach irgendwas rauspicken. Es geht ja eh nicht um Songs.
Vergleichbar mit: Unexpect, wenn sie mal einen solchen Songiganten geschrieben hätten
Veröffentlicht am: 30.10.2011
Letzte Änderung: 30.10.2011
Wertung: 10/15
Konsensnote. Zwischen 6 und 14 Punkten wäre alles drin.

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