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Chicago

The Chicago Transit Authority

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1969
Besonderheiten/Stil: Beat; Jazzrock / Fusion; Rock / Pop / Mainstream; Psychedelic
Label: Columbia
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Peter Cetera Gesang, Bass
Terry Kath Gitarre, Gesang
Robert Lamm Keyboards, Gesang
Lee Loughnane Trompete, Gesang
James Pankow Posaune
Walter Parazaider Holzblasinstrumente, Gesang
Danny Seraphine Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Introduction 6:35
2. Does Anybody Really Know What Time It Is? 4:35
3. Beginnings 7:54
4. Questions 67 And 68 5:03
5. Listen 3:22
6. Poem 58 8.35
7. Free Form Guitar 6:47
8. South California Purples 6:11
9. I'm A Man 7:43
10. Prologue (August 29, 1968) 0:58
11. Someday (August 29, 1968) 4:11
12. Liberation 14:38
Gesamtlaufzeit76:32


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Heutzutage wird die Erfindung des Fusion-Genres im Wesentlichen Miles Davis zugeschrieben, der bekanntlich auf Alben wie "In A Silent Way" oder "Bitches Brew" den vorigen Modern-Jazz-Stil durch Hinzunahme von E-Gitarre (McLaughlin) und Keyboards (Zawinul, Corea) elektrifizierte und rhythmisierte. Im gleiche Jahr 1969 traten aber auch Chicago mit ihrem Debütalbum "The Chicaco Transit Authority" an und können sich heute auf die Schulter klopfen, ebenso ihren Teil zur Entwicklung des genannten Genres beigetragen zu haben.

Interessanterweise ist der Ansatz des Septetts aus (na, woher wohl?) Chicago dabei aber ein gänzlich anderer als das des eingangs erwähnten Trompeten-Alleskönners. Chicago kamen unverkennbar von der Beatmusik, haben aber auch deren von den Beatles, The Who, Pink Floyd oder auch Jimi Hendrix angeschobene Entwicklung in immer härtere und psychedelischere Gefilde mitgemacht. Der hier gebotene Jazzanteil stammt ebenso aus dem Mainstream, angesichts der gebotenen Bläser-Arrangements scheint man sich wohl am zur Entstehungszeit des Albums noch weithin beliebten Bigband-Swing von Duke Ellington & Co. erfreut zu haben. Insgesamt nähern sich Chicago also dem Jazzrock eher von der rockigen als von der jazzigen Seite aus.

Das kann aber auch zu interessanten Ergebnissen führen, wie schon der passenderweise "Introduction" betitelte Opener zeigt. Hier kombiniert die Band rockige Riffs mit rhythmischer Flexibilität, jazzigen Stimmungen und opulenten Bläsereinsätzen. Der Sound wird komplettiert von einer stilvollen Hammondorgel und einem prominenten Bass. Zudem entwickelt diese Nummer einen ganz eigenen Stil, der mit flottem Tempo beginnt, dann rhythmisch vertrackte Passagen auffährt, immer wieder mal in souverän gestaltete Bläsersoli wie bei einer Bigband verfällt und schließlich mit einem absolut gelungenen spaßigen Schlussteil mit abgefahrenen Duellen von Bläsern, Gitarre und Orgel endet. Ganz große Klasse jedenfalls, auch wenn's etwas pompöser und "bürgerlicher" klingt als das, was später das Mahavishnu Orchestra berühmter machen sollte.

Weitere Nummern dieses Kalibers finden sich insbesondere in der zweiten Albenhälfte, beispielsweise das recht harte und von Gitarre und Bass dominierte "Poem 58", das wiederum - wo ich gerade schon "Mahavishnu Orchestra" sagte - gar nicht so weit von Sachen wie "One Word" entfernt ist. Oder "I'm A Man" mit seinem langen Percussion-Solo in der Mitte, das gar Assoziationen an Ethon-/Afro-Musik à la Fela Kuti weckt. Und schließlich natürlich noch im überlangen Schlussstück "Liberation", das allerdings bis auf den Schluss hauptsächlich demonstrieren zu wollen scheint, wie lange ein Gitarrist überhaupt ohne Unterbrechung solieren kann. Na ja, diesbzeüglich musste man ja ohnehin schon avantgardistischeren Stoff wie "Free Form Guitar" aushalten können.

Ganz so extrem ist "The Chicago Transit Authority" aber als ganzes nicht ausgefallen. Denn Chicago zeichnete immer auch eine "andere" und ruhigere Seite aus, die hier von Nummern wie "Does Anybody Really Know What Time It Is?" mit seinem relaxten bis poppigen Swing-Sound vertreten wird. Das klingt schon eher etwas bieder, wird hier aber für meine Begriffe recht passend von einem interessanten Pianopart eingeleitet, und in der Umgebung derartiger Nummern wie dem Opener ist das sogar eine nette Abwechslung. Auch "Beginnings" geht trotz recht flotter, latin-artiger Begleitung und überzeugenden Schlussteils in diese Richtung, und den Beat-Einfluss demonstriert insbesondere "Questions 67 And 68", das als verhärtete und um Bläser erweiterte Version von "Penny Lane" oder "Hello Goodbye" durchgehen könnte. A propos Beatles, im ohnehin schon etwas proto-hardrockigen "South California Purples" wird auch direkt "I Am The Walrus" zitiert (und zugleich noch das Riff für Black Sabbaths "Behind The Wall Of Sleep" erfunden). Und auch weiterer 60er-Rock findet sich hier, wie beispielsweise in "Listen" immer wieder Jimi Hendrix ("Foxy Lady") durchklingt, hier aber auch mit interessanten dissonanten Bläsern durchsetzt.

Wie beurteilt man dieses Album also abschließend? Ich sage es mal so: Einen kleinen Meilenstein haben Chicago damit schon vorgelegt. Insbesondere gelingt hier die Symbiose zwischen Jazzeinflüssen und populären Rock, der im Übrigen selbst in den mainstreamigsten Momenten dieser Platte in Sachen Komposition und Arrangement noch weit über das damals übliche Maß an Einfallsreichtum hinausgeht (man erinnere sich, dass 1969 Sachen wie "In The Year 2525", "Bad Moon Rising" oder "I Heard It Through The Grapevine" die Hitparaden dominierten). Allerdings muss ich sagen, dass die Musik teilweise auch etwas aufgeblasen wirkt und - eben im Unterschied zum sonstigen Jazzrock - etwas weniger aggressiv und schräg wirkt. Unterm Strich also die etwas angepasste, poppige Version des Genres. Aber, wie gesagt: Auch ein Meilenstein und damit Rockgeschichte.

Anspieltipp(s): Introduction, Poem 58, South California Purples
Vergleichbar mit: Hendrix, den Beatles und Duke Ellington
Veröffentlicht am: 28.5.2012
Letzte Änderung: 8.6.2013
Wertung: 12/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 2)


Es war eine Zeit des Umbruchs. In den 60'er Jahren passierten gesellschaftlich und politisch zu viele inakzeptable Dinge so dass die erste Nachkriegsgeneration auf die Straße ging. Wer erinnert sich nicht an die Studentenunruhen in Paris oder die Proteste gegen den Vietnamkrieg? Oder die Märsche gegen die Atomkraft? Es war die Zeit, als die freie Meinungsäußerung immer mehr in den Fokus rückte. Man kämpfte für seine Freiheit und das Recht auf Privatsphäre ohne staatliche Eingriffe. Verglichen mit heute und unserem Verhalten in den sozialen Medien fast nicht mehr zu glauben.......Mensch, wo bist du gelandet?

Mit einem Doppelalbum als Debut (!) traten die 7 ausgebildeten Musiker als Chicago Transit Authority an. Auch kaum zu glauben, dass diese Band später in Chicago mutierte und zuckersüße Songs wie „If you leave me now“ oder „Hard to say I'm sorry“ spielte. Wer also das erste Mal hier rein hört, dürfte erstaunt sein.

Bereits der rockige Einstiegssong INTRODUCTION reißt den Hörer mit seiner kräftigen Bläsersektion mit. Der ruhigere Mittelteil glänzt dabei mit einem tollen Bläserarrangement. Mit DOES ANYBODY KNOW WHAT TIME IT REALLY IS? folgt die erste Singleauskopplung, die locker swingt und bei der kein Fuß ruhig bleibt. Es gibt insgesamt 6 solcher Singles bei nur 12 Songs! Was aber nicht bedeutet, dass das Album zu eingängig wäre. Es war 1969 noch möglich dem Hörer auch mal anspruchsvollere Sachen als Single anzubieten. Es gab neben dem Poppublikum und dem üblichen Schrott in den Charts auch noch eine Szene, die auf niveauvollen Rock stand. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass einige dieser Songs in der Singlefassung gekürzt wurden. Trotzdem erstaunlich.

BEGINNINGS ist ein weiteres gutes Beispiel. Beginnt mit einfacher A-Gitarre und eher unauffälliger Melodie und entwickelt sich dann zu einer wilden Bläser- und Percussionorgie. Wurde immerhin noch Nummer 7 in den Charts. In QUESTIONS 67 AND 68 singt Peter Cetera erstmals neben abwechslungsreich spielenden Blechinstrumenten.

Mit LISTEN beginnt dann eine Serie von 3 Songs, wo Terry Kath mit seiner Gitarre den Sound bestimmt. Der viel zu früh ums Leben gekommene zeigt eindrucksvoll aus welchem Gitarrenholz er geschnitzt war. Hält er sich bei LISTEN noch etwas zurück in seinem Solo, so kommt er auf POEM 58 voll aus sich raus und bestimmt die ersten 5 Minuten komplett. Dabei wurden die beiden Songs von Keyboarder Robert Lamm geschrieben. Die legendäre FREE FORM GUITAR ist dann aber von Kath und stellt eine einzige Kakophonie an Feedbacks und allerlei sonstigen Gimmicks dar.

Auf dem ruhigeren und bluesigen SOUTH CALIFORNIA PURPLES setzt Lamm dann seine Akzente an der Orgel. Wenn Kath aber zum Solo ansetzt spürt man den Blues erst richtig mit jeder Faser. Das von der Spencer Davies Group im Original gespielte I'M A MAN folgt und dürfte den meisten bekannt sein. Der einzige Coversong des Doppelalbums lebt hauptsächlich von seinen Percussionelementen. Gefällt mir besser als das Original weil es mit viel Dynamik gespielt wird und regelrecht rockt. Wer da still sitzen bleiben kann muss taub sein.

PROLOGUE sind Außenaufnahmen eines Protestmarsches in Chicago und gehen nahtlos in SOMEDAY über. Wird mit dem Klaviermotiv rhythmisch zusammen gehalten, wirkt aber schwächer im Vergleich zum bisher Gehörten. Der Schlusssong ist dann mit über 14 Minuten ein echter Longtrack. Leider ist auch dieser nur teilweise gelungen. Das am Anfang stehende Gitarrensolo von Kath ist während einiger Zeit noch interessant, aber er verliert sich dann in seinem Spiel. Hier gingen ihm die Ideen etwas aus und der Track plätschert dann nur noch so dahin.

Wie kann man so ein Album schlussendlich fair bewerten? Nimmt man mal das Erscheinungsjahr und stellt es in den Kontext des musikalischen Aufbruchs zu jener Zeit, dann stehen CTA hier zwischen Blood, Sweat and Tears und Grateful Dead. Einerseits hört man schöne Jazzarrangements mit einer tollen Bläsersektion, anderseits wilde Improvisationen auf der Gitarre. Insgesamt jedoch bleiben sie in der amerikanischen, weißen Mittelklasse stecken. Protest ja, aber gut organisiert und ohne Ausschreitungen. Das unterschied sie dann doch von vielen Jugendlichen, die keinen Respekt und keine Angst mehr vor dem konservativen Establishment hatten.

Historisch gesehen könnte man 15/15 geben weil die Band neue Wege beschritt, realistischer und fairer aus heutiger Sicht (und wegen der eher lauen Schlussseite der LP) ist aber eher eine 11/15.

Anspieltipp(s): Poem 58
Vergleichbar mit: siehe im Text
Veröffentlicht am: 25.2.2017
Letzte Änderung: 25.2.2017
Wertung: 11/15
hat die Zeit wunderbar überstanden und klingt immer noch frisch

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Chicago

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Chicago II 11.00 1

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