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Univers Zero

Heresie

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979 (CD-Reissue Cuneiform Records)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Moderne Klassik; RIO / Avant; Zeuhl
Label: Atem
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Michel Berckmans bassoon,oboe
Daniel Denis drums
Patrick Hanappier viola,violin
Roger Trigaux guitar,piano,organ,harmonium
Guy Segers bass,voice

Tracklist

Disc 1
1. La Faulx 25:18
2. Jack The Ripper 13:29
3. Vous Le Saurez En Temps Voulu 12:56
4. Chaos Hermetique   (Bonustrack CD-Reissue 2010) 11:52
Gesamtlaufzeit63:35


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 2)


Jemand hat "Heresie" einmal als "possibly the darkest records ever" bezeichnet. Daran möchte ich Zweifel anmelden und auf Platten wie "Shub Nigguraths" "Les Morts Vonte Vite", aber auch Scott Walkers monolithisches "Tilt" verweisen; dennoch: "Heresie" ist sicher keine Platte, die ich während einer depressiven Phase empfehlen würde. Die Stimmung ist durchweg düster, schräg, bedrohlich. Sicherlich eignet sich die Musik als Soundtrack zu einem Horrorstreifen, wenn auch nicht zu glitschigen Fischmonstern, so doch zu einer ausgedehnten Sitzung der Inquisition...

"Univers Zero" bleiben dem von Jochen oben beschriebenen Kammerprog-Sound treu: Oboe, Fagott, Violine, Viola, akustischer Bass, Piano, Schlagzeug und viel Harmonium steht als einziges elektrisches Instrument ganz ganz wenig cleane E-Gitarre zur Seite. Tatsächlich bewegt man sich in Pfaden, die mehr der zeitgenössischen Klassik anzugehören scheinen denn der Rockmusik; die Hauptverbindung mit dem populärmusikalischen Bereich bietet daher die teilweise ausgeprägte Rhythmik und der Einsatz eines Schlagzeugsets, das aber sehr klassisch, d.h. nicht als Rhythmusmaschine, sondern als eigenständiger Teil des Arrangements eingesetzt wird.

Das eröffnende "La Faulx" lebt vor allem von sich immer wieder aufbauenden dichten Ton- und Geräuschclustern - vor allem mit Hilfe des Harmoniums erzeugt -, die sich plötzlich zu einer erkennbaren Harmonie, auch mal einem rufenden Fagott auflösen. Weiterhin gehören die ersten Minuten, in denen sich aus dem dicht gedrängten Klangbild plötzlich eine beschwörende Stimme in einer unverständlichen Sprache löst, die schliesslich in einem unwiderstehlichen Stampfrhythmus grunzt, wirklich zum spannendsten und aufwühlendsten, das ich kenne: Death ohne Metal. "Jack The Ripper" ist insgesamt etwas bewegter und kontrastiert geschickt recht statische Viertel- und Achtelrhythmen mit synkopisierten Figuren, um so Spannung aufzubauen, während sich "Vous Le Saurez En Temps Voulu" mittendrin in einen bizarren Trauermarsch verwandelt. Düster, schräg, hypnotisch, seltsam, cool.

Eine klasse Platte für alle, die sich mit schrägem, wüstem, düsterem Kammerprog anfreunden könnten.

Anspieltipp(s): Jack The Ripper
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.6.2002
Letzte Änderung: 5.6.2002
Wertung: 10/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Seit einiger Zeit, spätestens mit dem Erscheinen der teilweise deutlich überarbeiteten 40th-Anniversary-Ausgaben der King-Crimson-Alben, wird immer wieder über den Sinn und Unsinn von neu abgemischten und dadurch klanglich veränderten Neuausgaben von historischen Progscheiben diskutiert. Freuen sich die einen über den druckvolleren, differenzierteren Klang und die neuen Klangaspekte in vermeintlich Altbekanntem, stören sich andere an deutlich zu hörenden Veränderungen im Klangbild (die eben vom gewohnten und lieb gewonnenen abweichen), Dynamikverlust (alle Spuren werden lautstärkentechnisch angeglichen) und zu viel Kompression. Nun liefern auch Univers Zero Stoff für die Remix-Diskussion.

Schon 2008 war eine klanglich runderneuerte Ausgabe des Debütalbums der Belgier bei Cuneiform Records erschienen (siehe "Univers Zero"). Diesem ist nun im Herbst 2010 eine Neuauflage von "Heresie" gefolgt. Die Neuerungen fangen auch diesmal beim Cover an. Wurde die Neuausgabe von "Univers Zero" wieder mit dem originalen Cover der LP-Erstausgabe versehen, hat das neue "Heresie" - übrigens eines der ersten Digipacks auf Steve Feigenbaums Label - auch ein ganz neues Cover (das unterste der oben gezeigten). Dieses stellt eine Art von Collage aus dem ursprünglichen LP-Cover (ein düsteres Gemälde à la Bruegel, welches nun als Cover für das Beiheft verwendet wurde) und dem auch die erste Cuneiform-CD zierenden schwarzweißen Bandfoto dar. Im Beiheft sind übrigens noch einige weitere Fotos aus derselben Session zu finden, auf denen man sieht, dass die Band das Ganze nicht ganz so ernst genommen hat, wie man nach dem depressiven Coverbild denken könnte.

Dann wurde das musikalische Material unter Aufsicht von Daniel Denis unter Verwendung der restaurierten (gebackenen) Originalbänder neu abgemischt und klanglich aufbereitet. Das Ergebnis klingt natürlich anders als die bisherige Version des Albums, die ich einmal als das Original bezeichnen will. Die Musik ist schärfer und druckvoller, insbesondere das Schlagwerk kommt besser zum Tragen, man hört einige der Instrumentalspuren deutlicher und klarer und das Ganze hat mehr Volumen, steht detailreicher und differenzierter im Raum. Im Beiheft, in dem auch der umfangreiche zweite Teil der Univers-Zero-Bandgeschichte zu finden ist, erklärt Didier de Roos recht ausführlich, wie er das Material bearbeitet hat. Ein Beispiel: "We carved the frequency response of the various instruments so that they 'sit' better in the mix, added lots of compression to the various tracks to enhance punch and bite, and used sometimes up to 12 different reverb units to create, hopefully, a more tridimensional sonic picture". Das Ergebnis kann sich natürlich hören lassen, wobei ich jetzt nicht sagen würde, dass es extrem viel besser klingen würde als das Original ... es klingt aber deutlich anders, vor allem mächtiger!

Am deutlichsten anders klingen die Vokaleinlagen in "La Faulx". Die düsteren Gesänge und Rezitationen des Originals wurden extrem verfremdet ("beyond recognition" schreibt de Roos), um das Ganze noch furchteinflössender und morbider klingen zu lassen. Ich bin nicht so sicher, dass das funktioniert hat. Seltsam elektrifiziert klingt das nun, wie durch ein Funkgerät gesprochen, gleichzeitig tiefer und sonorer. Etwas enttäuschend ist der grollend-düstere erste Höhepunkt des Stücks nach gut sechseinhalb Minuten, der im Original von Segers bedrohlich grollender Stimme dominiert wird. Diese ist zwar immer noch vorhanden, doch hebt sie sich kaum noch vom lärmenden Rest ab. Hier ist das Original dem Remix deutlich überlegen!

Zur Musik selbst hat Udo ja schon das Wichtigste gesagt. Einen im Vergleich zum Debüt deutlich elektrifizierten Kammerrock haben Univers Zero hier geschaffen, mit dem sie im Grunde ihren Stil bis heute (und auch den des Bandablegers Present, auf deren derzeit jüngstem Album übrigens eine neue Version von "Jack the Ripper" zu finden ist) definiert haben. "Heresie" ist sicher das düsterste Album der Belgier, und "La Faulx", mit seiner stellenweise fast apokalyptischen Intensität, in dieser Hinsicht der Höhepunkt im Schaffen der Band.

Nun noch zum eigentlichen Grund, weshalb ich mir das Album noch einmal zugelegt habe (reines Remixen ist für mich eigentlich kein Kaufgrund). Ein fast zwölfminütiger Bonustrack ist nämlich jetzt auf "Heresie" zu finden. Das von Roger Trigeaux komponierte "Chaos Hermetique" gehörte zum Repertoire der Band, das Anfang 1975 bei Konzerten dargeboten wurde (zusammen mit nie auf einen Tonträger gebannten Nummern wie "Reve de Fer" und "Schwartze Gedenke"). Teile des Stücks tauchten zwar später in verschiedenen Present-Kompositionen auf, doch liegt es hier erstmals in seiner Gesamtheit vor. Aufgenommen wurde "Chaos Hermetique" von einer frühen Besetzung der Band irgendwann 1975 in Eric Faes Studio (der auch das Univers-Zero-Debüt aufgenommen hat). Die Klangqualität ist, auch wenn das Ganze von einer Tonbandkassette gemastert wurde, sehr gut, von ein paar Holperern abgesehen. Noch ohne Blasinstrumente klingen Univers Zero hier noch leicht zeuhlig, doch haben sie schon ihren eigenen kantig-düsteren Kammerrockstil gefunden. Am ehesten erinnert das Stück an die ersten Aufnahmen der französischen Kollegen von Art Zoyd, die zur selben Zeit ganz ähnliche Klänge kreiert haben (siehe "Symphonie pour le Jour où Brûleront les Cités").

Wer sich für den franko-belgischen Kammerrock interessiert, der braucht "Heresie", ob nun in der alten, oder der neuen Version. Fans brauchen vermutlich beide Scheiben!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.10.2010
Letzte Änderung: 23.3.2014
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Univers Zero

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Univers Zero (1313) 13.00 2
1981 Ceux Du Dehors 12.00 3
1984 Uzed 13.00 1
1986 Heatwave 11.50 2
1999 The Hard Quest 10.00 2
2001 Crawling Wind 10.00 1
2002 rhythmix 12.00 1
2004 Implosion 10.50 2
2006 Live 12.50 4
2009 Relaps - Archives 1984 - 1986 11.25 4
2010 Clivages 12.00 2
2014 Phosphorescent Dreams 12.00 1

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