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Starring

_ABCDEFG-HIJKLMNOP-QRSTUV-WXYZ_

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; Krautrock; Psychedelic; RIO / Avant; sonstiges
Label: Northern Spy
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Clara Hunter vocals, guitar
Amy Cimini viola, vocals
Peachy keyboards, vocals
Sam Kulik bass, vocals
Matt Marlin drums, vocals

Tracklist

Disc 1
1. The Best 5:17
2. IE 6:58
3. ----------oooooooooooooo 9:11
4. Aphonia 4:18
5. ...7... 9:40
6. WO 4:23
Gesamtlaufzeit39:47


Rezensionen


Von: Andreas Hofmann @ (Rezension 1 von 2)


Starring sind ein gutes Beispiel für das mittlerweile weit verbreitete Phänomen, dass die Bezeichnung "Prog" nicht mehr unbedingt etwas mit dem zu tun haben muss, was Prog einmal gewesen ist, denn heutzutage emanzipiert man sich immer weiter vom Ursprung des Begriffes und seinen Aushängeschildern Yes, Genesis & Co.; am ehesten lässt man vielleicht noch King Crimson gelten, aber wenn man mal ehrlich ist, stand diese Band ohnehin schon sehr früh alleine und vergleichsweise wenig antastbar da, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass sie bis heute unpeinlich geblieben sind und sogar mal mit der Prog-or-non-Prog-Progband Tool auf Tour gehen durften. Clara Hunter, die zwischen elfengleich und mädchenhaft singende Frontfrau von Starring (die beim Opener auch mal frech einen Tina Turner-Text klaut), bezeichnet die Musik ihrer Band auf jeden Fall als "Sparkle Prog", was einerseits natürlich furchtbar effektheischend klingt, andererseits aber eben diese für Puristen etwas verquere Etikettierung verwendet und den damit verbundenen Anspruch herausstellt, dass das hier musikalisch progressiv und nicht festgefahren sein soll.

Letzteres muss man dem Fünfer, der sich wie so viele dieser neuen "Prog"-Protagonisten am Oberlin Conservatory of Music in Ohio getroffen hat (Skeleton$ und Capillary Action stammen z.B. auch aus dieser Szene, die nach der Collegezeit in der Regel nach New York City weiterzieht), auf jeden Fall zugestehen, denn wenngleich all diese Bands natürlich nicht in einer musikalischen Blase aufgewachsen sind und völlig ohne Einflüsse daherkommen, sind ihre Ergebnisse doch immer absolut eigenständig, überraschend und damit im besten Wortsinne progressiv.

Als ein wichtiger Einfluss muss für Starring auf jeden Fall das Krautrock-Genre genannt werden. Dies erkannte z.B. auch das renommierte New Yorker Village Voice-Magazin, das die Musik der Band durchaus treffend als "Kraut Punk" bezeichnete. Auch der Infotext der Band, der wie allgemein üblich sehr schillernd und überschäumend formuliert wurde, stellt diese Inspiration heraus, aber dass sich ihre Musik wie "cosmic musical ice-cream sundae made by an alien krautrock junkie" anhört, kann man im Prinzip exakt so stehenlassen. Zum Drogencocktail dieses außerirdischen Wesens gehören definitiv Bands wie Magma und Faust sowie einmal mehr die besonders in nordamerikanischen Breiten immer noch hoch angesehenen Neu!. Ein anderer Anknüpfungspunkt musikalischer und ideeller Art ist wohl auch die Ende der 70er von Brian Eno sehr abgefeierte New Yorker No Wave-Bewegung, die ja ebenfalls eine Brücke vom (Post-) Punk hin zu avantgardistischeren Artrock-Klängen darstellte und dabei deutlich auf Minimal Music-Komponisten wie Terry Riley, Philipp Glass und Steve Reich Bezug nahm.

Skeleton$-Kopf Matthew Mehlan produzierte diese illustre Mischung wohl nicht nur, weil mindestens zwei der Musiker auch schon mal in seiner Band beschäftigt gewesen sind (namentlich: Keyboarder Peachy alias Mike Gallope sowie Sam Kulik, der hier aber ausnahmsweise nicht die Posaune, sondern den Bass bedient) und er ohnehin freundschaftlich mit allen Beteiligten verbunden ist, sondern auch, weil dies genau die Art von Musik ist, die man auch ihm zutrauen würde, wenn man seine Diskographie kennt. Geradlinig geht anders, vorhersehbar auch.

Noch eine Warnung zum Schluss: Wer eine Abneigung gegen Farfisa-Orgelsounds hat, ist gut beraten, dieses Album ungehört an sich vorübergehen zu lassen.

Anspieltipp(s): The Best, ...7...
Vergleichbar mit: "exploring ways to join punk minimalism with proggy, psychedelic maximalism" (Village Voice)
Veröffentlicht am: 17.6.2012
Letzte Änderung: 17.6.2012
Wertung: 12/15
True proggers, leave the hall – this is the new prog!

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


"Sparkle Prog", "Kraut Punk", "Crazy Prog Rock", "Circus Punk" ... ja ... und ein wirklich interessanter Albumtitel! Also, wie diese Art von Musik nun heißt, ist eigentlich wurscht. "_ABCDEFG-HIJKLMNOP-QRSTUV-WXYZ_" ist nämlich eine ziemlich coole Scheibe. Das Ganze ist definitiv progressiv, ist einerseits punkig und sperrig, andererseits irgendwie retro und krautig, kommt sehr druckvoll und roh aus den Boxen und ist ausgesprochen farbig und bunt gestaltet.

Starring haben hier ein sehr eigenes Klanggemenge zusammen gebastelt, welches von allerlei historischen Vorbildern inspiriert wurde, von experimenteller 60-Psychedelik (man werfe auch einmal einen Blick auf das Cover), dem Spätpunk und der US-amerikanischen New Wave der frühen 80er, Krautig-Postrockigem und Minimalistischem, Retroprogressivem, aber auch allerlei Eigenem und Neuem. Art-Punk-Prog? Neokraut-Wave? Minimal-Postprog?

Tasten bestimmen das Klangbild, Elektronikflächen und der schon von meinem Vorschreiber erwähnte Farfisa-Orgelsound. Dazu gibt's noch allerlei Gitarrenexkurse, die sehr vielseitige und wuselige Rhythmusabteilung, eher zurückhaltend-emotionslose, wavig-unterkühlte, bisweilen fast ätherische Vokaleinlagen (vornehmlich von Mrs. Hunter) und immer wieder knarzendes, kultiges Gegeige. Recht verblüffend sind die minimalistisch-repetitiven Orgelmuster, die immer wieder auftauchen und fast 1:1 von Terry Rileys Komposition "A Rainbow in Curved Air" zu stammen scheinen.

Und das Kraut? Na ja, gewisse repetitive Strukturen à la Neu! und die Kompromisslosigkeit von Faust mögen hier einen Einfluss ausgeübt haben. Ansonsten gibt es wohl vor allem Gemeinsamkeiten im Geiste, eine deutliche Tendenz zu anderen, kantigen, kreativen und unkommerziellen Strukturen, die dem üblichen angloamerikanischen Rockmustern nicht entsprechen.

New Prog? Von mir aus. Eine der interessantesten Scheiben des Jahres 2012! Ich würde ja gerne mal wissen, was Rick Wakeman von dem Album hält.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.1.2013
Letzte Änderung: 19.1.2013
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Starring

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2010 Wife of God 12.00 1
2010 Starring CS - 1

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