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24967 Rezensionen zu 17120 Alben von 6671 Bands.
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Neal Morse

Momentum

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: insideout
Durchschnittswertung: 11.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Neal Morse keyboards, guitars, vocals
Mike Portnoy drums
Randy George bass

Gastmusiker

Paul Gilbert guitar solo on "momentum"
Adson Sodre guitar solos on "world without end"
Bill Hubauer clarinet, flute, guitar and additional keys on "the mystery"
Eric Gillette additional vocals on "thoughts part 5"
Will Morse additional vocals on "thoughts part 5"
Chris Carmichael strings
Rick Altizer additional vocals on "weathering sky" and "smoke and mirrors"

Tracklist

Disc 1
1. Momentum 6:26
2. Thoughts Part 5 7:51
3. Smoke And Mirrors 4:37
4. Weathering Sky 4:15
5. Freak 4:30
6. World Without End

1. Introduction
2. Never Pass Away
3. Losing Your Soul
4. The Mystery
5. Some Kind Of Yesterday
6. Never Pass Away (Reprise)

33:38
Gesamtlaufzeit61:17


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 3)


Ein neues Jahr, ein neuer Morse. Halt, das stimmt so natürlich nicht. Das Jahr ist ebensowenig neu, wie der Morse. Aber es gibt immerhin ein neues Morse-ALBUM, das elfte, wenn ich richtig mitgezählt habe. Nach seinem letzten output Testimony two und der anschließenden Tour stand Neal Morse Anfang dieses Jahres vor der Frage: "was nun?" Dann hatte Mike Portnoy offenbar ein freies Zeitfenster, worauf der ehemalige "Vollbart" Morse ihn und Randy George buchte und nach Nashville einlud, um neues Material aufzunehmen. Material, das es gemäß Morse noch gar nicht gab. Und dann geschah ein Wunder: es gab eine "Kreativexplosion", die die Erwartungen des Trios weit übertreffen sollte... Soweit die Vorgeschichte zu "Momentum".

Leute ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Ich höre die Scheibe seit einigen Tagen täglich mehrmals und ich hätte es Neal auch sofort abgenommen, wenn er gesagt hätte, dass er in einer Schublade altes, bisher unveröffentlichtes Material, gefunden, und auf das Album gepackt hätte. Das ist weder neu, noch ist es besonders kreativ. Während etwas mehr als einer Stunde bedient Morse mustergültig das geflügelte Wort von "morse of the same".

Neu sind einzig zwei Dinge: der Albumtitel und das offizielle Musikvideo zu "Momentum", mit dem das Album vorab schon mal beworben wird. Zwei (!) weitere sollen folgen. Moment(um) mal! Wo sind wir denn hier? Biegt der Mann jetzt endgültig auf die MTV-Avenue ein? Ist das der Frontalangriff auf die Charts?

Was erwartet den Hörer? Ein rockig-poppiges Titelstück mit den bekannten Quietschkeyboard-Arpeggios (die sind nicht neu) und bekannten Harmonien und Melodiebögen, ein rockig-knackiges "Thoughts Part 5" (so viele sind das unterdessen schon?), in dem erst "Thoughts Part 1" zitiert und dann die obligaten mehrstimmigen Vokalharmonien nachgeschoben werden. Neu? Nope!

Es folgt die obligate Ballade (nicht neu), danach ein weiterer gradliniger Rocker (nicht neu). Beides nur mit sehr dünnem Proganstrich, wenn überhaupt. Das gleiche gilt für "Freak". Bleibt der abschließende Longtrack.

Hier packen Morse und Konsorten all das hinein, was sie seit einem Jahrzehnt in ihre Longtracks reinpacken. Eingängige Melodien, mit dem großen Pinsel gezeichnete weite Bombastbögen, Breaks um Breaks um Breaks, zwirbelige Gitarrensoli, knarzige Bassläufe, fanfarige Keyboards und mehrstimmige Vokalharmonien. Da gibt es mal Tempoverschärfungen und dann wieder leise Ruhepausen. Das ist alles gewohnt gekonnt angerichtet und gut gemacht, aber eines ist es nicht: neu.

Man (er)kennt die Sounds, man (er)kennt die Melodien, man (er)kennt die Harmonien und schließlich die Breaks. Ich fand Testimony Two deutlich ansprechender. Mag es sein, dass Morse inspirierter zu Werke geht, wenn er seine eigene Geschichte erzählt? Hier wirkt das Gebotete tatsächlich so, wie oben geschrieben: es war eben freie Zeit da, also muss was produziert werden. Am Eindruck einer "Kreativexplosion" dürfte Neal Morse die Exklusivrechte haben; zumindest ich kann das nicht bestätigen. Ich habe oft das Gefühl, dass Morse die guten Varianten, Töne aneinander zu reihen, bereits alle aufgebraucht hat und mit jedem neuem Album nur noch Ausschussware kommen kann.

Ich will das Album nicht völlig in den Eimer treten, dafür ist es nicht nur handwerklich einfach zu gut gemacht. Es hat vor allem im Longtrack wirklich auch seine guten Momente, wenn auch frühere Alben gesamthaft besser waren. Hörer, die auf die rockigere Seite des Mr.Morse stehen, können sicher ihre Freude an Momentum haben.

Ein großer Wurf ist das Album nicht geworden, solider Mainstream-Progrock ist es aber allemale.

Anspieltipp(s): Momentum, Thoughts Part 5
Vergleichbar mit: ich trau`s mich fast nicht zu sagen...
Veröffentlicht am: 24.8.2012
Letzte Änderung: 15.10.2016
Wertung: 8/15
der longtrack ist stark, so um 11-12 rum

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 3)


Ich hab mir vor ein paar Tagen im Laden die neue Neal Morse gekauft und höre seither mit der üblichen Begeisterung “Momentum“. Jetzt gerade komme ich von Amazon hierher und ich muss Euch sagen, es wundert mich sehr: Keine, keine einzige der dortigen Besprechungen kommt ohne den Hinweis aus, dass „Momentum“ nichts enthalte, was man nicht schon einmal von Morse gehört hätte. Und weil ich Rezensionen schreibe und keine Rezessionen, will ich hier antworten und nicht dort.

Nun lese ich den klugen Text des von mir sehr geschätzten Jörg Schumann über mir - der aber ebenfalls durchwegs darauf hinweist, es gebe hier nichts Neues zu hören.

Nichts Neues.

Das ist Retroprog.

Der heißt so, weil es sein Sinn, sein Zweck und damit seine Daseinsberechtigung ist, nichts Neues zu bieten. Das ist es, was das Wort „Retro“ bedeutet. Der darf das. Retroprog ist Musik von Leuten, die es bedauern, dass die klassischen Progbands nicht noch mehr klassischen Prog aufgenommen und veröffentlicht haben, für Leute, die es bedauern, dass die klassischen Progbands nicht noch mehr klassischen Prog aufgenommen und veröffentlicht haben. Retroprog richtet sich nicht an Leute, die das Progressive im Progressive Rock suchen. Also tun diese Musiker genau das: klassischen Prog aufnehmen und veröffentlichen.

Unter künstlerischen Gesichtpunkten ist das Genre Retroprog damit natürlich höchst zweifelhaft, so wie jedes Retrogenre, sei es in Literatur, Film, Kunst oder Design. Bei Prog liegt der Fall jedoch ein wenig anders: Progressive Rock greift als typische kulturelle Erscheinung der Postmoderne schon von Beginn an Elemente aus ganz verschiedenen Musiken auf und stellt auf diese Weise zahlreiche intertextuelle Bezüge zu und zwischen diesem Musiken her: Er greift bereits in seinen frühesten Ausprägungen, etwa bei The Nice, King Crimson oder den Moody Blues, neben Elementen aus dem Rock auch solche aus dem Jazz und der Klassik auf. Von diesem Gedanken ausgehend ist der Retroprog nun einfach diejenige Spielart des Progressive Rock, die zusätzlich zu diesen Elementen aus Rock, Jazz und Klassik auch solche aus dem Progressive Rock selbst aufnimmt. Im Retroprog nimmt der Prog also Bezug auf sich selbst, und das ist wohl überwiegend von den entsprechenden Musikern so beabsichtigt. Die Motive dafür sind sicherlich verschiedener Natur: In Frage kommen wohl in erster Linie die Tatsache, dass die Musiker selbst Fans des klassischen Prog sind, die Absicht, beim Zuhörer nostalgische Gefühle auszulösen, und nicht zuletzt klar kalkulierte marktstrategisch-monetäre Überlegungen der Bands, ihrer Manager und Plattenfirmen. Künstlerischer Fortschritt gehört jedenfalls nicht dazu.

Unter künstlerischen Gesichtpunkten ist das also tatsächlich äußerst zweifelhaft. Trotzdem ist der Retroprog damit eigentlich nur Prog, der sich einmal um sich selbst gedreht hat. Man kann das akzeptieren, zu Beispiel, weil man zu den Leuten gehört, die es bedauern, dass die klassischen Progbands nicht noch mehr klassischen Prog aufgenommen und veröffentlicht haben, oder einfach, weil man Retroprog mag und dann fragen, ob es nicht guten und schlechten Retroprog geben kann, darf, unabhängig davon, dass er nicht neu ist. Wer das Neue sucht, darf es im Retroprog nicht suchen - und sich schon gar nicht beschweren, wenn er es dort nicht findet. Progressiv ist anderer Prog.

Womit wir zu Neal Morse kämen. Neal Morse hat 1995 Neal-Morse-Musik gemacht, 1996, 1998, 1999 und er macht es auch heute noch. Wer sollte sie auch sonst machen?!? Er darf das, denn er ist nun einmal Neal Morse. Er macht es heute nicht schlechter als damals, allenfalls ein wenig besser, weil man Dinge, die man häufiger tut, erfahrungsgemäß besser kann. Damals hat Neal Morse für, wie ich immer wieder lese, genau die gleiche Musik, regelmäßig, 12, 13, 14, ja sogar 15 Punkte bekommen. Und für genau die gleiche Musik bekommt er heute 7 Punkte?

Wieso?

Weil er sie schon so oft gemacht hat? Hängt die Frequenz von Neal-Morse-Musik nicht davon ab, wie oft wir uns Neal-Morse-Alben kaufen und sie hören?

Und überhaupt: „Morse of the same“…

Neulich gab es eine Diskussion über diesen Ausdruck. Soweit ich ihn verstehe, bedeutet er: 'Neal Morse macht halt immer das gleiche', was dann als Rechtfertigung herhält, bei Neal-Morse-Alben abzuwinken. Reicht das als Rechtfertigung aber wirklich aus? Oder verstellt uns die halbwegs gelungene Formulierung nicht vielleicht den unvoreingenommenen Blick auf das jeweilige Album?

Versteht mich nicht falsch, ich unterstelle hier niemandem Voreingenommenheit. Ich höre schon, dass sich Morses Alben ähneln. Aber um ausgerechnet ihm das mit einigem Recht vorzuwerfen zu können - und nicht z. B. Änglagård (verdammt ähnliche Alben), den Flower Kings (verdammt ähnliche Alben) oder The Enid (meist verdammt ähnliche Alben) – müsste man doch erst einmal zeigen, dass Neal-Morse-Musik Neal-Morse-Musik ähnlicher ist als Änglagård-Musik Änglagård-Musik, Flower-Kings-Musik Flower-Kings-Musik oder The-Enid-Musik The-Enid-Musik.

„Morse of the same“… Ich meine, eigentlich ist das eine interessante Frage: Wo hört Personalstil auf und wo fängt Selbstkopie an? Wie unterscheidet man die? Welche Kriterien möchte man dabei anwenden? Darüber könnte man wirklich mal nachdenken. Aber will man das denn wirklich? Und wenn ja, ist Neal Morse überhaupt der richtige Ansatzpunkt für diese kritische Diskussion? Gibt es da nicht viel lohnendere Objekte? Änglagård? Änglagård? Oder vielleicht Änglagård??? Die Flower Kings? Und was ist mit den ganzen Klonbands?

Und ist es denn wirklich immer „Morse of the same? Mal Hand aufs Herz: Wer von uns kennt schon „Neal Morse“, „It’s not too late“, „Lead Me Lord“, „God Won't Give Up“, „Sing it High“, “Mighty to Save” und all seine anderen mal mehr, mal weniger christlichen Rock-, Folk und Singer-Songwriter-Alben? Neal-Morse-Musik, was ist das?!? Selektive Wahrnehmung? Das kannste mal ganz laut sagen! Dass Neal Morses Retroprogalben Neal Morses Retroprog enthalten, scheint alle ja wirklich maßlos zu überraschen. Mich nicht.

Das ist nämlich genauso mit seinen religiösen Texten. Das ist das zweite Thema, das in keiner Neal-Morse-Rezension fehlen darf. Wieso eigentlich? Seit wann hören wir, Deutsche, Progfans, auf die Texte?!? Warum hören wir ausgerechnet bei Neal Morse auf die Texte? Mal ehrlich: Wer weiß schon, worüber die Flower Kings singen? Oder ELP? Oder Yes?!?. Und wen zur Hölle interessiert das schon?!? Interessiert es uns bei Neal Morse vielleicht nur deshalb, weil wir vorher schon wissen, worüber Neal Morse singt? Aber ist es denn nicht eben deshalb umso weniger interessant?

Doch zurück zur Musik: Selbst wer sich selektiv nur durch Morses Retroprogalben hört, dem sollte mittlerweile aufgefallen sein, dass sein Sound seit etwa zehn Jahren deutlich härter geworden ist (eat this, Jesus-Freak!), etwa seit der Zeit, zu der man auf Alben von Morse und Dream Theater überdeutlich hören könnte, wie sehr die Musiker sich gegenseitig beeinflussten. Ultraschnelle Unisono-Läufe mit Keyboard und Gitarre, polymetrische Passagen, wo gab es das früher? Rap? Dafür sind die ehemals obligatorischen Latin-Einsprengsel verschwunden. Oder nehmen wir „Freak“ (ein kirchenkritischer Song) – so einen Song habe ich auf Morses Alben noch nie gehört, jedenfalls nicht auf seinen Progalben. Immer das Gleiche? Ach woher denn.

Tatsächlich ist „Momentum“ in einer Hinsicht aber doch das, was Neal Morses Retroprogalben immer waren: Retroprog auf verdammt hohem Niveau. Und wenn vielleicht nicht künstlerisch, so doch kompositorisch, inszenatorisch und emotional. Zudem ist Morse, was den klassischen Prog angeht, kenntnisreich wie kaum ein anderer in einer Szene, die von schamlosen Kopisten und oberflächlichen Soundnostalgikern nur so verkleistert ist. Wirklich gute Retroprogbands gibt es vielleicht acht oder zehn. Dass Morse dieses Niveau mittlerweile doppelt so lange hält wie praktisch jedes jener verklärten 70er-Jahre Urgesteine, sollte man nicht einfach als gegeben hinnehmen: Nach 18 Jahren haben Yes „Big Generator“ gemacht, Keith Emerson „Three“, Genesis „Invisible Touch“ – und Renaissance, Gentle Giant oder Henry Cow gar nichts. Soll ich weitermachen?

In der Kürze liegt die Würze, dieses Gesetz habe ich (mal wieder) ignoriert. Ich versuche also, Buße zu tun und es nachzuholen: „Momentum“ gehört zu den stärksten Retroprogalben, die ich in letzter Zeit gehört habe.

P. S.: Ach.... Wenn Yes nur Yes-Musik machen würden, Emerson Emerson-Musik, Genesis Genesis-Musik, Renaissance Renaissance-Musik, Gentle Giant Gentle-Giant-Musik oder Henry Cow Henry-Cow-Musik ...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: besser als "The Light", "Day for night", "Testimony", "Testimony 2", nicht ganz so gut wie "Beware of Darkness" oder "V" - aber nicht weit weg!
Veröffentlicht am: 16.2.2013
Letzte Änderung: 6.2.2015
Wertung: 13/15

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 3 von 3)


Da klafft ja mal wieder ein Abgrund zwischen Jörg und Nik. Liegt die Wahrheit also unten in der Mitte? Also, „Testimony 2“ war ja nach meinem persönlichem Neal Morse Tiefpunkt „Lifeline“ ein Quantensprung. „Testimony 2“ überschlug sich jetzt zwar nicht an Originalität und sparte auch an großen Aha-Momenten, aber Dank der unzähligen Querverweise tief in die eigene Historie und die der Bärte, war das Album ziemlich kurzweilig und ein gelungener Nachfolger zum bärenstarken ersten Teil. Nun also was wirklich Neues (naja gut, lassen wir mal „Thoughts Part 5“ außen vor).

Was sofort ins Ohr fällt ist die knackige Produktion mit einem schönen „schmatzenden“ Schlagzeug. Wahrscheinlich hatte Herr Portnoy schon Dream Theater Entzugserscheinungen und darf sich jetzt mal wieder prächtig austoben. Gerade auf dem Titelsong galoppiert er wie zu besten „Awake“-Zeiten übers Kit und lässt den Amateur-Schlagzeuger in uns, mal kurz die Sticks knicken. Nicht nur das Drum-Tier hat merklich Freude, Paul Gilbert steuert im selbigen Song ein wunderbares Solo bei und Morse und George durchleben wohl gerade ihren zweiten Frühling, so frisch und unverkrampft hat man die Truppe lange nicht mehr gehört. Da können auch die Bärte mit ihrem aktuellen, sehr starken, Album („Brief Nocturnes and Dreamless Sleep“) nicht anstinken.

Das schon erwähnte „Thoughts Part 5“ gewinnt dem bekannten Thema ganz neue Facetten ab und überrascht (gefühlt) alle 5 Sekunden mit einer neuen Idee. „Smoke and Mirrors“ klingt ein wenig wie Bon Jovi ist aber trotzdem eine der schönsten Balladen seit den seligen „One“-Zeiten. Überhaupt Bon Jovi, irgendwie hat Herr Morse wohl ein Scheibchen von denen laufen lassen und unterbewusst (od. bewusst?) etwas von den Jungs aus New Jersey aufgetankt „Weathering Sky“ jedenfalls, wartet gleich am Anfang mit dem typischen „Living on a Prayer“ Vocoder auf...Zufall? Na vielleicht gibt’s auf einer der nächsten Cover to Cover-Scheiben auch ein Bon Jovi Cover...würde mich jedenfalls nicht wundern. Auch hier gilt, trotz dem kleinen ähm Querverweis, eine wunderbare Bauch-Nummer mit einem tollen Chorus, der mich nun schon seit Wochen verfolgt und mit dem immer häufigeren Blinzeln der Sonne, immer besser wird.

„Freak“ ist für mich der Höhepunkt des Albums, und das obwohl der Longtrack erst noch folgt. Mit einem leichten Brit-Pop Einschlag (Beatles, Oasis) und einem herrlichen Text über Nächstenliebe (und einem kleinen Augenzwinkern) hat die Nummer alles, für was man Morse liebt, oder auch hasst. Ganz groß!

Und zum guten Schluss noch der 6 teilige, 33 minütige Rausschmeißer. Und keine Minute ist zu viel! Klar, vieles klingt vertraut, aber wo Morse draufsteht, da erwarte ich auch Morse und nicht Spiral Architect.

Kurz, „Momentum“ schiebt sich im Morse’schen Schaffen gleich mal in die (meine) Top 5. („The Light“, „One“, „?“, „SMPTe“ und jetzt „Momentum“, knapp gefolgt von „Sola Scriptura, „The Whirlwind“ und „Beware Of Darkness“). Wie ich schon bei der Spocks Beard Rezi („Brief Nocturnes and Dreamless Sleep“) schrieb, hoffentlich bleiben die Schuster bei ihren Leisten, also Morse bei Morse und Leonard bei den Bärten, denn in dieser Konstellation erlebt auch der viel gescholtene RetroProg seinen zweiten Frühling.

Anspieltipp(s): Freak, Momentum, Smoke and Mirrors
Vergleichbar mit: Neal Morse, Spocks Beard, Bon Jovi
Veröffentlicht am: 23.4.2013
Letzte Änderung: 23.4.2013
Wertung: 13/15
so und nur so überlebt der RetroProg

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Neal Morse

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Neal Morse 6.67 3
2000 Merry Christmas From The Morse Family 10.00 1
2001 It's Not Too Late 6.33 3
2003 The Transatlantic Demos 10.00 2
2003 Testimony 9.00 6
2004 One 10.80 6
2004 Testimony Live (DVD) 11.00 1
2005 ? 10.75 4
2006 Cover To Cover - 1
2006 Send the Fire - 1
2007 Sola Scriptura 7.33 7
2007 Songs From The Highway - 1
2007 ? Live 6.33 3
2008 Lifeline 7.40 5
2008 Sola Scriptura And Beyond (2DVD) 12.50 2
2009 So Many Roads (Live In Europe) 10.00 2
2011 Testimony two 10.33 3
2013 LIVE Momentum 11.00 1
2014 Songs From November - 2
2015 The Grand Experiment 9.67 3
2015 Morsefest 2014 10.50 2
2016 The Similitude Of A Dream 10.75 4
2016 Alive Again 10.00 2
2017 Morsefest 2015 12.00 2
2018 Life & Times - 1
2018 The Similitude Of A Dream Live In Tilburg 2017 11.50 2

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