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Yes

Keys To Ascension 2

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1997 (CD 1 live 1996, CD 2 Studio)
Besonderheiten/Stil: live; Klassischer Prog; RetroProg
Label:
Durchschnittswertung: 10.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson Gesang
Steve Howe Gitarre, Gesang
Chris Squire Bass, Gesang
Rick Wakeman Keyboards
Alan White Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. I've Seen All Good People 7:16
2. Going For The One 4:58
3. Time And A Word 6:23
4. Close To The Edge 19:40
5. Turn Of The Century 7:55
6. And You And I 10:48
Gesamtlaufzeit57:00
Disc 2
1. Mind Drive 18:37
2. Foot Prints 9:09
3. Bring Me To The Power 7:25
4. Children Of Light

1. Children Of Light
2. Lifeline

6:02
5. Sign Language 3:29
Gesamtlaufzeit44:42


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Der Nachfolger zu "Keys To Ascension" wurde 1997 nachgereicht. "Keys 2" ist wieder zweigeteilt: die restlichen Live-Tracks der SLO-Konzerte im Frühjahr 1996 finden sich auf CD 1, auf CD 2 diesmal gleich 5 neue Studio-Nummern mit mehr als 44 Minuten Laufzeit. Leider gab es nach den Aufnahmen zu "Keys 2" Probleme: das "Yes"-Management plante eine Tour ohne genügende Absprachen und Rücksicht auf Rick Wakemans Solo-Verpflichtungen zu nehmen, der daraufhin wieder einmal der Band den Rücken kehrte, woraufhin erst Billy Sherwood zum neuen Mitglied erklärt und wenig später mit dem bis dahin unbekannten Russen Igor Khoroshev auch ein neuer Keyboarder gefunden wurde. Aber auf "Keys 2" ist die Welt noch in Ordnung.

Live

Für allgemeine Berkungen zu den SLO-Live-Tracks: siehe Keys 1 Rezi. Die fehlenden Nummern ergeben wieder ein sehr schönes Set klassischer "Yes"-Nummern. Die ersten beiden Stücke, "I've seen all good people" und "Going For The One", klingen richtig gut und kein bisschen veraltet im modernen Gewand. Nach dieser eher rockigen Eröffnung lässt es "Time And A Word" vom zweiten "Yes"-Album ruhiger und ziemlich harmlos angehen, aber vor einer Mega-Nummer wie "Close To The Edge" ist dies vielleicht keine schlechte Wahl. Leider beginnt dieses richtig Alt-Herren-mässig. Die viel zu langsame Eröffnung klingt lahm und drucklos, als ob sie es noch nicht besser hinbekommen würden wie in einer Probenversion. Gottseidank wird es danach etwas besser, aber irgendwie fehlt jetzt der Schwung. Schade. "Turn Of The Century" kann natürlich nicht alle Subtilitäten der Studio-Version von "Going For The One" bieten, kommt aber dennoch live überraschend gut und schön, ebenso wie das unverwüstliche "And You And I".

Studio

Für mich sind die Live-Tracks auf "Keys 2" im genauer Umkehrung zu "Keys 1" nur die Zugabe zu den neuen Studiostücken. Zu denen reicht es schon fast, einen Satz zu sagen: "Sie können es doch noch!". Überigens war - weiter im Gegensatz zu "Keys 1" - Wakeman an der Komposition und Aufnahme der Studiostücke diesmal von Anfang an beteiligt, was man durch seine viel bessere Integration in den Gesamtsound deutlich hört. Und: auch der Sound der Aufnahme klingt professioneller.

Die Studio-CD beginnt stark mit dem zweiten Epic der "Keys"-CDs, dem mehr als 18minütigen "Mind Drive". Dieses hält viel besser zusammen als "That, That Is" von ersten Teil und bietet alles, was das "Yes"-Fanherz begehrt: schöne Akustik- und spinnerige E-Gitarre von Howe, treibenden, kraftvollen Bass von Squire, herzerfrischend retro klingendes Moog-Solo von Wakeman, dazu Whites solide Rhythmik und Andersons immer noch tollen Altgesang. Ruhige, sanfte Abschnitte und mitreissender Spannungsbogen, die so typische Verschmelzung von Andersons und Squires Stimmen in intelligenten Arrangements mit Siebziger Feeling im Neunziger Sound. Gelegentliche Anflüge von Lala à la [hey, tolle Wortkonstruktion, oder?] Solo-Anderson fängt die Band gut und vollkommen unpeinlich ab. Dazu der grossartige, abwechslungsreiche und sehr überraschungsträchtige Schlussteil. Herrlich. Eine rund um gelungene Nummer, die mich immer wieder begeistert.

Aber auch die restlichen, immer kürzer werdenden Nummern brauchen sich nicht zu verstecken, auch wenn "Mind Drive" alleine die Studio-CD schon retten würde. "Foot Prints" beginnt (schreckoschreck) mit Country-mässigem A-Capella, ist aber insgesamt eine wirklich unterhaltsame Nummer mit typisch yessigem versetzten mehrstimmigen Gesang und hat auch noch für Krumme-Taktarten-Fetischisten wie mich einen schönen, hymnischen Squire-10/8. Die Anderson/Howe-Nummer "Bring Me To The Power" klingt teilweise etwas wie die ABWH-Nummern auf "Union", aber geht aber unpeinlich ins Ohr (habe ich doch mal einen halben Tag lang die "If we don't give 'em the keys"-Phrase vor mich hergesummt...) Das durchaus spannende "Children Of Light" beginnt mir Anderson-Squire-Sprechgesang (vergleiche den Anfang von "The Revealing Science Of God"), Howe packt nochmal die Sitar-Gitarre aus, und der zweite Teil ist - wie auch "Sign Language" - ein schönes Duett zwischen Howes Gitarre und Wakemans Synthies.

Also: für mich ist - vor allem wegen "Mind Drive" - der Studio-Teil von "Keys 2" das beste, was "Yes" seit "Relayer" im Studio zustande gebracht haben; zu schade, dass er ein bisschen wie eine Dreingabe an der Live-CD klebt und daher in der allgemeinen Wertschätzung eher untergeht, was er aber keinesfalls verdient hat. Daher gibt es für "Keys 2" von mir eine ernsthafte Kaufempfehlung für alle Freunde der klassischen "Yes"-Alben und eine gute 7 als Note, sowie ein ungläubiges Kopfschütteln angesichts der Tatsache, dass die Band schon wenige Wochen später das lieblos zusammengeschusterte und - sorry, Andreas! - frustierend schlechte Desaster "Open Your Eyes" hinterher schob.

Anspieltipp(s): Live: I've Seen All Good People, Studio: Minddrive
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 6.6.2002
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 4)


Was auf dem ersten "Keys To Ascension"-Album noch nicht ganz geglückt war, hier ist es endlich gelungen: die Wiederauferstehung der klassischen Yes! Mit "Mind Drive" ist wieder ein Stück von epischen Ausmaßen dabei, und dieses wirkt um Klassen besser als das zusammengeschusterte "That, That Is" im Jahr zuvor. Von aufgeblasenen Grausamkeiten wie "Endless Dream" (auf "Talk") mal ganz abgesehen.

Die restlichen Stücke brauchen sich hinter "Mind Drive" nicht zu verstecken. Vor allem "Foot Prints" gefällt mir mit seinem schönen a-capella-Auftakt und akustischem Schlussteil, der einen schönen Kontrast zum kraftvollen Mittelteil dieses Songs setzt. Mit dem zweiten Teil von "Children of Light" und dem abschließenden Instrumentalstück "Sign Language" zeigt sich die Band dann von ihrer lyrischen Seite, ohne ins Kitschige abzugleiten.

DIe Live-CD enthält fast nur Stücke, die auch auf "Yessongs" bzw. "Yesshows" zu finden sind. Herausragend ist hier das lyrische "Turn of the Century".

Insgesamt ist KTA 2 ein würdiger Nachfolger der großen Yes-Alben der 70er. Leider war's das dann schon, denn seitdem haben Yes nur noch Mittelmaß bis Schrott abgeliefert!

Anspieltipp(s): Mind Drive, Foot Prints
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.11.2005
Letzte Änderung: 29.11.2005
Wertung: 11/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 4)


Der zweite Teil der "Schlüssel zum Aufstieg/zur Himmelfahrt" ist der gelungenere der beiden. Die Live-Aufnahmen sind in Ihrer Gesamtheit ohne echten Hänger, die Studio-Tracks stärker als die beiden Titel auf Keys To Ascension.

Den Anfang macht das fließende "Your Move", gefolgt vom kraftvoll-rockenden "All Good People", das gleich mal ein dickes, fettes Ausrufezeichen setzt. Anderson singt klar und glockenhell wie stets, Squires Bass sirrt warm, Howe`s Akustik-Gitarre spielt filigran auf, später setzt Wakemans Orgel tragend ein. Der Gesamtsound ist sehr sauber und klar, die einzelnen Instrumente kommen alle gut zur Geltung.

Mit "Going for the one" wurde ich auf dem Studioalbum nie in Gänze warm. Den Anfang finde ich in seiner Melodieführung und seinem Aufbau immer noch etwas einfach und vorhersehbar, der Refrain mit Klimax und Antiklimax des Basses ist aber Klasse. In der vorliegenden Live-Version macht das Stück irgendwie aber deutlich mehr Laune. Es spannt außerdem schön den Bogen vom rockigen "All Good People" zur ruhigen, durch ein schönes Pianosolo eingeleiteten Ballade "Time and a Word".

Es folgt der Meilenstein "Close to the Edge". Udo hat es erwähnt: das Stück kommt eine Spur langsamer daher als im Studio-Original. Das wirkt im ersten Moment etwas ungewohnt. Warum Yes dies so einspielten, weiß ich nicht. Ist man aber mal drin im Stück, kann man durchaus schätzen, dass das Stück etwas getragener, majestätischer und epischer daherkommt. Ich finde nichts Schlechtes daran und sehe es gewissermaßen als "neue" Version an.

"Turn of the Century" führt einem erneut die hervorragende Aufnahmequalität bzw. Produktion vor Augen. Das Stück blendet einen mit seiner Brillianz, sauberen Abgrenzung und klaren Darstellung aller Instrumente und der Stimme. Höhepunkt sind die Howe-Soloausflüge ab Minute fünf.

Das abschließende "And You And I" beendet den LIVE-Teil. Auch hier habe ich das Gefühl, das Stück ist etwas eingebremst, was die Größe, vor allem in "Eclipse", aber nur unterstreicht.

Zum Studio-Teil. "Mind Drive" ist in der Tat ein Werk, wie Yes es seit langem nicht mehr hingekriegt haben. Ein Howe`sches akustisches Gitarreneinspiel wird in der Ferne von Wakeman`scher Orgel, einem Echo gleich, beantwortet. Es folgt ein knackiges unisono Schlagzeug-Bass-Stakkato, dazu kommen, ebenfalls auf den Punkt gespielte Keyboard-Streicher, Howe legt ein klares Gitarrensolo drüber, das Klanggemälde wird verdichtet, wird mächtiger und mündet in einen rockigen Dampfteil im 7/8-Takt. Anderson beginnt eine sehr intensive Gesangslinie, die meist nur auf einer Tonhöhe bleibt. Nach fünfeinhalb Minuten endet dieser fulminante Einstieg, eine ruhige Dur-Frühlingswiesen-Ringelreihen-Melodie folgt, aber nur als kurzes Interludium, das gleich wieder schrägen Akkorden und harten Hammerschlägen weichen muss. Das setzt sich so fort; Wechsel von schwebenden und knochenharten Parts. Schließlich geht dieser Wechsel in eine ruhige, von Akustikgitarre und Stimme dominierte traumhafte Ballade über.

Danach übernimmt ein hektisches Hi-Hat, dazu gesellen sich leise dissonante Gitarrenakkorde, dann die ganze Band im Hochgeschwindigkeitsrausch. Treibendes Schlagzeug, geschäftiger Bass, Rhythmusgitarrentupfer, Tempo raus, das Wiesenthema wird wiederholt, dann das Bass-Drum-Unisono-Thema. Im Gegensatz zu That, that is, wo die einzelnen Motive und Ideen irgendwie aneinandergeklebt wirkten, ohne wirklich miteinander zu harmonieren, liegt hier ein organisch wirkendes Werk vor, das einige wenige Themen miteinander verflechtet, anders wiederholt und uminterpretiert und dadurch kompositorisch absolut überzeugt. Einzig der Schluss, der ausgeblendet wird, stört etwas.

Nach diesem "Brett", fällt "Foot Prints" etwas ab. Ein ziemlich gradliniges Rockoeuvre im 4/4-Takt, das deutlich weniger innere Abwechslung enthält und daher für meinen Geschmack etwas zu lang geraten ist. "Bring me to the Power" überzeugt mich dagegen voll und ganz. Eine schöne Basslinie über fettem Beat beginnt das Stück, erst saftiger 4/4-Takt, dann ein Teil im 6/8-Takt, der überleitet in ein ruhiges Zwischenspiel. Wieder wird’s härter, moderne Synthesizer-Sounds und trockene Snare-Beats, darüber eine schrummelnde Gitarre. So was habe ich von Yes noch nicht gehört. Irgendwo in der Mitte klingt’s wie eine Mischung aus 80er-Jahre YES und dem Titel "Going for the one". Hoher Spaß Faktor.

Auch die beiden abschließenden Titel sind gut gelungen, was Keys to Ascensions 2 abschließend zum stärksten Yes-Album der 90er macht. Neben überzeugenden Live-Aufnahmen alter Monumente kriegt man endlich auch kompositorisch wieder was gebacken. "Mind Drive" ist gar ein Stück, das für sich in Anspruch nehmen darf, das Beste zu sein, was Yes seit Drama geschrieben haben. Und das heißt schon was.

Anspieltipp(s): Mind Drive, Bring me to the Power
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.9.2012
Letzte Änderung: 24.9.2012
Wertung: 11/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


Das erste „Keys to Ascension“-Album hatte sich als Katastrophe entpuppt: Der Plattenfirma CMC wurde die Werbekampagne zu teuer, die Platte verkaufte sich entsprechend schlecht und auf eine Tournee konnte man sich nicht einigen: Die geplante "Know"-Tour, mit der das "Keys-to-Ascension"-Material promotet werden sollte, verzögerte sich immer wieder, auch weil man sich nicht einigen konnte, ob man durch einige wenige große Hallen (Wakeman) oder durch viele kleine (der Rest der Band) ziehen sollte.

Die Band kehrte daraufhin ins Studio zurück, um weitere neue Songs einzuspielen: Die Aufnahmen für das zunächst "Know" betitelte Album begannen kurz nach Beendigung der Promotion für "Keys to Ascension" im November 1996. In nur etwa fünf Wochen entstanden 45 Minuten Musik - die allerdings nie als eigenständiges Album erschienen sind.

Als schließlich für Sommer 1997 bereits Hallen gebucht und Tickets verkauft waren, platzte die "Know"-Tour endgültig: CMC hatte kaum Werbung für das "Keys"-Album gemacht und nur die Hardcore-Fans wussten von der Veröffentlichung. Von der Tournee ganz zu schweigen. CMC hatte die Band fallengelassen. Wakeman stand das Chaos bis hier und er schmiss hin. Wie sie es in solchen Fällen dann immer machen, wechselten Yes daraufhin das Management. Mal wieder. Natürlich zurück zu zu ihren alten Betreuern Left Bank. Man kann sich vorstellen, was das für die Selbständigkeit der Band bedeutete.

CMC beschuldigte nun die Band, "Keys-to-Ascension" hätte sich deshalb nicht gut verkauft, weil Yes nicht auf Tournee gegangen seien und stoppte daraufhin die für Frühjahr 1997 geplante Veröffentlichung von "Know". Daraufhin wechselte die Band nun auch die Plattenfirma. Doch das Problem blieb dasselbe: Nun wollte die Band zwar touren, ihre neue Firma, Eagle/Beyond, wollte sie aber ohne ein neues Album nicht touren lassen, weil sie - und das Desaster der "Know"-Tour gab ihr Recht - halb leere Hallen befürchtete. Sie drängte daher die Band, so schnell wie möglich ein neues Studioalbum herauszubringen. Yes hatten aber kein neues Material, "Know" gehörte ja CMC. Und so wurde kurzerhand das soeben im Entstehen begriffene Album des Squire/Sherwood-Projekts Conspiracy zum neuen Yes-Album umfunktioniert: bisschen Howe-Gitarre drübergestreut, Anderson singen lassen, fertig ist das Yes Album! Als Eagle/Beyond also nun das völlig unerwartete Erscheinen eines neuen Yes-Albums unter dem Namen "Open Your Eyes" für das Frühjahr 1998 und eine dazugehörige Tournee für den Oktober ankündigten, reagierte CMC prompt: "Know" wurde nun doch noch veröffentlicht, zusammen mit dem restlichen Live-Material einer Aufnahme, die 1996 in St. Luis Obispo entstanden war. Da eine ganz ähnliche Veröffentlichung von Studio- und Live-Aufnahmen im Jahr zuvor den Titel „Keys to Ascension“ getragen hatte, lag es nun nahe, dieses Album nicht unter dem Namen „Know“ zu veröffentlichen, sondern es stattdessen "Keys to Ascension 2" zu nennen. Die Promotion konnte man sich sparen, die übernahm ja Eagle/Beyond. Und die reagierten prompt: Das Erscheinen von "Open Your Eyes" wurde vorverlegt, was die Band enorm unter Zeitdruck setzte. Letztlich erschien aber "Keys to Ascension 2" doch noch drei Wochen vor dem Konkurrenzprodukt. Yes waren ja schon immer ein Spielball der Plattenfirmen gewesen, in dieser Zeit zeigte sich das allerdings besonders deutlich.

Mit "Keys to Ascension 2" begann die bis heute andauernde Phase, in der Yes ihre Resteverwertung betreiben. Neben Material, das auf den Herbst/Winter 1995 zurückgeht, enthält es Ideen, die weit älter sind: Das 7/8-Riff von "Mind Drive" etwa geht auf die frühen 80er Jahre zurück, als White und Squire mit dem ehemaligen Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page unter dem Namen XYZ (für eX-Yes-&-Zeppelin) ein Projekt am laufen hatten. Gut so: Das Riff ist zu gut, als dass es unbekannt hätte bleiben dürfen. "Children of Light" dagegen, das auf einer Idee Andersons aus den 1970ern beruht und bereits mehrmals (für Jon & Vangelis-Alben sowie für das ABWH-Album) hätte verwendet werden sollen, ist Musik ohne die Yesfans gut leben könnten.

Das "Keys"-Material markiert zudem einen letzten Versuch der Band, zum klassischen Prog der 70er Jahre zurückzukehren. Hatte man bis dahin (mit einigen Ausnahmen, z. B. auf "Talk") auf amerikanisch beeinflussten, massentauglichen AOR gesetzt und letztlich auch eine Zeit lang gut damit verdient, war dies angesichts des Ausstieges von Hauptsongwriter und de-facto-Bandleader Rabin schlicht nicht mehr möglich. Die Orientierung an der einzigen Phase der Band, die in Musiklexika Eingang gefunden hat, lag damit nahe.

Doch schon „Mind Drive“ beginnt mit einem Augenöffner: Gleich zu Beginn rächt es sich, dass die Band nie zusammen im Studio war. Die an sich schöne Einleitung Howes und Wakemans wird dadurch verpatzt, dass die beiden kaum je synchron spielen (ganz schlimm ab ca. 1:30). Es wäre die Aufgabe des Produzenten Billy Sherwood gewesen, das zumindest nachträglich zu korrigieren. Doch die Produktion von „Keys to Ascension 2“ ist nur wenig besser als die seines Vorgängers: Im Ganzen schon knochentrocken und reichlich brav, fällt das insbesondere bei „Foot Prints“ und „Bring me to the Power“ störend auf, deren Gesamtklang sehr dünn ist. Wer das mal ausprobieren möchte, kann sich, sagen wir, „Union“, „Talk“, „Open Your Eyes“ und die „Keys“-Alben mal auf den Rechner ziehen und mal nur die jeweiligen Anfänge nacheinander anhören. Am augenfälligsten ist das, wenn man die Kompilation „Keysstudio“ dazu benutzt, die fängt nämlich mit dem spindeldürr produzierten „Foot Prints“ an.

Also gut: „Mind Drive“. Der beste Yes-Longtrack der Neunziger? Kann ich mitgehen. Auf dem Cover stehen keine „Movements“ und das passt auch, „Mind Drive“ ist weit mehr aus einem Guss als etwa sein Vorgänger „That, that is“. Nach einem akustischen Intro Howes wird der Song von dem bereits angesprochenen 7/8-Riff Squires dominiert, das durch verschiedene Tonarten durchdekliniert und von Howe mit einem seiner unvergleichlich verqueren Gitarrensoli begleitet wird. Es steht aber nicht alleine herum, sondern wird in den Song eingebaut, wenn Anderson bald im gleichen Takt dazu singt. Leider bricht „Mind Drive“, ähnlich wie „That that is“, nach dieser intensiven und höchst gelungenen Einleitung ab. Das kommt reichlich plötzlich, schafft aber nach diesem Abfeiern rhythmischen Gemuskels Platz für einen melodiebestimmten Part. Nach achteinhalb Minuten ist dann auch dieser Teil vorbei. Das einleitende Gitarrenmotiv Howes kehrt nun wieder, erneut unvermittelt, der Übergang funktioniert aber etwas besser, weil sich diesmal an der Atmosphäre des Stücks nichts ändert. Dann singt Anderson zu dem immer noch gleichen Akustik-Gitarren-Part. Ein vorwärts treibender 4/4-Teil mit wunderbaren Soli von Howe und Wakeman (stilistisch angelehnt an sein Solo von „Close to the Edge“) leitet über zu Reprisen von bereits bekanntem Material, bis das 7/8-Riff vom Beginn wiederkehrt und durch verschiedene Variationen gejagt wird. Auch der schnelle 4/4-Part erscheint kurz noch einmal, bevor der Song seinem leider nicht ganz befriedigenden Ende zusteuert: Eine abrupt einsetzende absteigende und dabei immer langsamer werdende Akkordfolge bringt des Song schließlich zum Stehen.

Klar, „Mind Drive“ ist ein klasse Song: Das dominierende 7/8-Riff ist klasse, der Aufbau (gleicht dem von "That, that is" zwar bis aufs Haar, ist aber) einleuchtend, Wakeman spielt eine deutlich größere Rolle als auf dem Vorgänger - doch auch dieser Song kann nicht verhehlen, dass er aus vier, fünf vorgefertigten Bestandteilen zusammenmoniert wurde. Das und das etwas unbefriedigende Ende verhindern es, dass er zu den großen Klassikern aus den 70ern aufschließen kann.

„Foot Prints“ fällt zunächst mal durch seinen flach und erschreckend lasch produzierten Beginn auf. Der ganze Song wirkt ziemlich saft- und kraftlos. Darüber hinaus erinnert er in beunruhigender Weise an eine ganze Reihe von Songs vom Nachfolger „Open Your Eyes“. Aufgewertet wird er durch einen 5/4-Teil, der nach etwa zwei Minuten (natürlich völlig unvermittelt) beginnt und mehr noch durch die darauf folgende polyrhythmische Stelle, an der die Band zu einem Solo Howes wieder einen 4/4-Takt, White aber weiter seine Schlagzeugfigur aus der 5/4-Passage spielt.

„Bring me to the Power“ funktioniert in meinen Ohren gar nicht. Zunächst beginnt der Song irgendwie nicht, es hört sich vielmehr an, als würde man in ein bereits laufendes Stück zugeschaltet. Nicht wegen der Produktion, nein, die Komposition hat irgendwie Probleme mit ihrem eigenen Anfang. Dann das Riff, das nach 3 Minuten den Song, der sich bis dahin so einigermaßen gefunden hat, wieder zerhackt. Selten habe ich etwas dämlicheres von Yes gehört: Ein dumpfer Stampfrhythmus, zwei Töne, nein, das wird nichts. Das merken auch Yes und so wird das Ganze gleich durch bessere Einfälle abgelöst. Sobald Anderson wieder singt, ist die Welt dann wieder in Ordnung. Der Song findet seine Mitte und steigert sich zügig seinem Ende entgegen – das dann aber wieder völlig zerfasert: Ein schönes Gitarrensolo könnte ihn zu Ende bringen, es muss aber noch eine Kinderliedmelodie Andersons drangepappt werden, die aber selbst wiederum aufhört, bevor sie richtig angefangen hat und einem leichten, spacigen Teil Platz macht, der wiederum von dem Eingangsmotiv des Songs abgelöst wird – das alles in eineinhalb Minuten! Nein, „Bring me to the Power“ will viel zu viel und ist strukturell einfach missraten.

„Children Of Light” ist ein netter, poppiger Song, den ABWH schon eingespielt, dann aber liegengelassen hatten. 2011 erschien die ABWH-Fassung unter dem Titel "Distant Thunder" auf dem erweiterten „ABWH“-Album. Klingt das Stück hier eher ein bisschen verträumt, ist die Version dort deutlich tribaler. Unscheinbar ist es hier wie dort, daran ändert auch ein Outro Wakemans und Howes nichts – das ohnehin musikalisch nichts mit dem Rest des Songs zu tun hat.

Von Wakeman stammt übrigens eine Einleitung zu "Children of Light" namens "Lightning", die vor der Veröffentlichung wieder gelöscht wurde. Erst auf der bereits angesprochenen Neuveröffentlichung des Keys-Materials "Keysstudio" (2001) war sie dann zu hören.

Das Instrumentalstück „Sign Language“ ist schließlich ein weitgehend gelungener Abschluss des Albums, ein nettes Stückerl, das allenfalls durch den billigen Keyboardsound etwas leidet. Trotzdem sorgt es für eine getragen-verträumte Stimmung, die die Yes-Fans damals in drei befriedigte Wochen entließ – bevor sie dann mit „Open Your Eyes“ eine Art vertonter Griff ins Klo in die traurige Realität zurückriss. Aber das ist eine andere Geschichte.

"Keys To Ascension 2" ist ein Album, das mich bis heute mit sehr gemischten Gefühlen zurücklässt. Ich gehörte damals nicht zu denen, die begeistert von der Wiederkehr der glorreichen Siebziger schwärmten, und ich gehöre auch heute noch nicht dazu. Dazu ist das Album zu schlecht produziert und dazu sind die Songs viel zu zusammengeschustert. Andererseits gehört einiges von dem, was hier auf CD gebrannt wurde, unstreitig zum Besten, was Yes in den 90ern und seither abgeliefert haben. Wobei auch das wieder schnell relativiert ist: Denn das ist ein Kinderspiel angehörs solcher Alben wie „Union“, „Open Your Eyes“, „The Ladder“, „Magnification“ oder „Fly from here“. Doch da sind ja auch noch die Live-Aufnahmen: Und auch wenn die hinterher im Studio kräftig nachbearbeitet wurden, hier sind große Yes-Klassiker in tollen Versionen versammelt, und als Gesamtpaket zusammen mit den Studiotracks ergibt das Ganze durchaus Sinn. Nicht brillant – aber auch keine jener typischen Yes-Katastrophen. Die Hintergrundgeschichte darf man halt nicht kennen… ;-)

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.9.2012
Letzte Änderung: 6.1.2015
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Fragile 11.20 5
1972 Close To The Edge 13.80 13
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yesterdays - 2
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Drama 11.50 8
1980 Yesshows 10.00 3
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 YesYears 13.00 2
1991 Union 6.00 7
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1992 Yesstory - 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Talk 6.17 6
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2000 The Best of Yes - 2
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 Masterworks 8.00 1
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Magnification 8.00 9
2001 Keystudio 9.00 2
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2002 Yes today - 1
2002 Extended Versions - 2
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2006 Essentially Yes - 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2011 Live on Air - 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1

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