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Marillion

Sounds That Can't Be Made

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Neoprog; New Artrock
Label: Ear Music
Durchschnittswertung: 9.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Steve Hogarth Vocals, Keboards
Mark Kelly Keyboards, BV
Ian Mosley Drums, BV
Steve Rothery Guitars, BV
Pete Trewavas Bass, BV, Guitars

Tracklist

Disc 1
1. Gaza 17:31
2. Sounds That Can't Be Made 7:16
3. Pour My Love 6:02
4. Power 6:07
5. Montréal 14:04
6. Invisible Ink 5:47
7. Lucky Man 6:58
8. The Sky Above The Rain 10:34
Gesamtlaufzeit74:19


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Marillion entfesselt, Gün davon gefesselt – nach all den Fesseleien muss ich zugeben, dass ich nicht sehr auf Fesselspiele stehe. Ich gehöre auch nicht zu denen, denen Marillion arg viel bedeutet. Ich weiß, dass es in den 80ern auch jenseits von Marillion, IQ, Twelfth Night und wie sie alle hießen, Prog gab, und zwar einen, der ohne Pop-Ingredienzien auskam, und ich halte "Childhood", das ich sehr mag, für ein vollkommen unterkomponiertes Album. Dass Fish ausstieg, hat mich wenig gejuckt, "Brave" fand ich als Film besser als als Album und erst der Auftritt auf der Loreley vor einiger Zeit hat Marillion wieder in mein Blickfeld gerückt. Hörfeld.

Aber wie! Als einzige professionelle Band der damaligen Night of the Prog und mit einem richtig proggigen Set haben mich die Jungs doch tatsächlich mehr als überrascht. Kein Wunder, dass ich neugierig wurde, als ein neues Marillion-Album angekündigt war, komplett mit drei Ü-10-Minütern.

Nun ja.

"Gaza" kommt als veritabler Prog-Longtrack daher, mit modernen, computerisierten Sounds und der vollen klanglichen Wucht der Band. Hoch anrechnen muss man es Marillion, dass sie nicht der Versuchung erliegen, alles mit im klischeehaft orientalischen phrygischen Modus gehaltenen Melodien zuzukleistern. Andeutungen bleiben Andeutungen, Geschmack haben sie. Leider verschießt der Song sein Pulver schon in den ersten Minuten: einem großartig wuchtigen 7/8-Riff und verfremdetem Industrial-Sounds können Marillion nichts mehr hinterherliefern, was gleiches Gewicht hätte. Auf dem gesamten restlichen Album nicht, und so verliert es eigentlich von Anfang bis Ende immer weiter an Power und Drive. Das macht im Zusammenhang mit dem abschließenden und recht stimmungsvollen "The Sky Above The Rain" zwar Sinn, ist der Gesamtwirkung aber nicht zuträglich.

Leider bleibt "Gaza" selbst Stückwerk. Nachdem dem 7/8-Riff die Luft ausgegangen ist, wird ein neues Riff eingeführt, und weil das mit kaum etwas in musikalischem Zusammenhang steht, verliert der Song ab diesem Zeitpunkt jede Kohärenz. "Grendel" lässt grüßen… Das zweite Riff wird geradezu abgewürgt, um Platz für einen ruhigen, atmoshpärischen Instrumentalteil zu schaffen, aus dem sich der Song, nun deutlich getragener geworden, wieder erhebt. Und so geht es weiter, bis zum typisch weinerlichen – tja, auch was das Komponieren von Enden angeht, erkenne ich bis heute die Marillion der Anfangstage wieder: Wie schon "Script for a jester's tear" so hat auch "Gaza" kein Ende, sondern hört einfach irgendwann auf. Seltsam, dass sie das nach drei Jahrzehnten immer noch nicht hinkriegen. Liebenswert? Von mir aus.

"Sounds That Can't Be Made" ist ein sehr eightiesiges Stück Poprock, das auf lediglich einer Handvoll Akkorde basiert, reichlich soft und reichlich blass ist. Interessant ist allenfalls, dass es nach Keyboard- und (recht floydigem) Gitarrensolo seinen Charakter noch mal vollkommen ändert.

"Pour My Love" ist eine gaaaanz weeeeiiische Ballade, ziemlich geradeaus und eigentlich noch viel poppiger. Nix für mich.

"Power" ist die Single und völlig ohne Power. Warum nicht "Lucky Man" veröffentlichen? Das hat viel mehr Mass-Appeal. Na gut. "Power" hat kaum Erinnerungswert und ist für mich neben "Sounds That Can't Be Made" das schwächste Stück der Platte. Außerdem (deshalb?) ist es gut zwei Minuten zu lang.

Zurück zum Prog: "Montréal" ist das beste Prog-Stück des Albums. Ließen Marillion den Stücken auf ihren frühen Alben keine Zeit, sich zu entwickeln, geben sie ihren Progsongs nun Raum zum Atmen. "Montréal" entwickelt sich langsam, ohne Hast, und schwillt erst nach und nach, nach mehreren Anläufen, zu seiner vollen klanglichen Gestalt an. Ab der Hälfte entwickelt sich der Song hin zu einer 7/8-Figur, die ich zwar nicht wirklich noch nie gehört habe, die aber trotzdem auch hier ihre Wirkung nicht verfehlt. Ob der textliche Gehalt allerdings der großartig ausladenden Form gerecht wird, da habe auch ich so meine Zweifel. Man spricht den Namen der Stadt (und damit auch den Songtitel) übrigens französisch aus.

Gün schreibt oben, die kürzeren Stücke nehmen sich nicht viel. Das stimmt. Von allen ist aber "Invisible Ink" dasjenige, das am meisten Charakter hat. Ein eigenständiger Song, der sich gelassen zwei Minuten Zeit nimmt, bevor er so richtig beginnt, mit einer schönen, einprägsamen Melodie, gefällt mir ganz gut. Neben "Lucky Man" der beste der kurzen Tracks.

"Lucky Man" (kein Cover) ist im Grunde ein Transatlantic-Song und zwar gleich in verschiedener Hinsicht. Der Beginn des Songs klingt wie von Neal Morse geschrieben, dann gibt es, ähnlich wie bei den kürzeren, rockigeren Songs jener Band, starke stilistische Bezüge zu den Beatles und, lustig, ebenso wie das gesamte "Whirlwind"-Album Transatlantics ist "Lucky Man" derart langsam, dass man die CD andauernd anschubsen möchte.

"The Sky Above The Rain" ist ein netter, stimmungsvoller und seeeeehr getragener Abschluss mit schöner und typischer Rothery-Gitarre. Genau das Richtige also für Leute, die auf Marillion-Alben nette, stimmungsvolle und seeeeehr getragene Abschlüsse mit schöner und typischer Rothery-Gitarre mögen. Viel passieren tut nicht, richtig proggig ist es auch nicht, eigentlich überhaupt nicht, und es ist schade, dass die Band aus der schönen Klavierfigur von Mark Kelly nicht mehr macht.

"Sounds That Can't Be Made" ist im Ganzen ein toll produziertes, aber letztlich laues Album in weitgehend geriatrischem Tempo mit viel softem Atmo-Poprock, einigem langem softem Atmo-Poprock und einigen wenigen Prog-Zutaten. Die Fans werden sicherlich hingerissen sein, müssen sie auch, immerhin haben sie's finanziert. Ich aber nicht und darum halte ich, ganz der Häretiker, die Scheibe für ganz okay, aber weit weg von hervorragend. Progressiv, noch dazu im Sinne des 21. Jahrhunderts, ist was anderes. Immerhin weiß ich jetzt, woran sich der ganze Neoprog orientiert, den Geringere fabrizieren. Marillion aber sind eine Institution, ganz klar, aber das hier ist ein vertonter zwar herzlicher, doch lascher Händedruck.

Anspieltipp(s): "Lucky Man" finde ich ganz gut. Das von Marillion.
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.9.2012
Letzte Änderung: 22.10.2012
Wertung: 8/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 2)


Sounds that can't be made ist ein würdiger Nachfolger von Marbles geworden! Denn die Marbles nachfolgenden Alben haben mich leider ziemlich gelangweilt und ich hatte die Band eigentlich schon abgeschrieben. Was schade war, wie ich fand, denn gerade die Alben Anoraknophobia und Marbles hatten mich vor 10 Jahren zu einer Art Marillion-Fan mutieren lassen. Ich kannte die Band zwar schon seit Mitte der 80er, aber bin nie so richtig warm mit denen geworden, weder mit Fish noch mit Steve Hogarth. Was ich in den 90ern von der Band zu hören bekam erweckte annähernd die gleiche Wirkung auf mich wie die Alben, die Marbles folgen sollten.

Der Grauschleier, der diese Alben bedeckte, wird auf „Gaza“ mit einem Donnerschlag weggeblasen. Selten klangen Marillion so heftig wie im ersten Teil des Longtracks. Dabei ist der Song stark von gegensätzlichen Klängen bestimmt: harte Riffs wechseln mit sphärischen Abschnitten, nahöstliche Rhythmik findet ihren Platz ebenso wie ein mit schrägen Trompetenklängen unterlegter Marsch. Die Teile gehen dabei nicht organisch ineinander über, sondern werden z.T. konfrontativ gegeneinander gesetzt. Was man durchaus im Einklang mit der textlichen Botschaft zum Nah-Ost-Konflikt sehen kann. Hogarth singt hier eindringlich aus der Perspektive eines palästinensichen Kindes aus dem Gaza-Streifen. Der Song hat mich von Anfang an gefesselt und verliert nichts von seiner Dynamik und seinem Reiz.

Da haben es die übrigen Stücke der prall gefüllten Scheibe nicht immer leicht. Es gelingt der Band jedoch eine Gesamtatmosphäre zu erzeugen, die deutlich mehr Spannung verbreitet als auf den letzten Alben und zugleich klanglich ziemlich edel wirkt.

Jedes Stück dieses überaus vielseitigen Albums hat seine nicht unerheblichen Stärken:

Der Titelsong „Sounds that can't be made“ überzeugt mit seiner leicht elektronischen, beschwingten Atmosphäre. „Pour my Love“ ist mit seinem hochmelodiösen Folk-Pop kaum noch aus dem Kopf zu kriegen und hat meines Erachtens mehr Single-Qualität als das etwas gewöhnliche „Power“. „Montreal“ wirkt sehr elegisch und emotional mitreißend. „Lucky Man“ weist mit psychedelischem Bluesfeeling einige Reminiszenzen an die Floyd - nicht ELP! - der 70er Jahre auf. „Invisible Ink“ entfaltet einen ganz speziellen spielerischen Charme und erzeugt einigen dynamischen Druck. „The Sky above the Rain“ klingt hingegen ein wenig wie eine musikalische Schmonzette, ist aber dennoch reizvoll, da der Song auf seiner Gradwanderung doch nicht abstürzt, sondern sich zunehmend zu einem runden, gelungenen Abschluss mausert.

Auch nach oftmaligem Durchhören bin ich überzeugt, dass Marillion diesmal wieder die Kurve gekriegt und ihr bestes Album seit Marbles eingespielt haben. Jedenfalls hat mich die alte Begeisterung wieder gepackt! Treue Fans dürfen sich über ein kleines Juwel freuen und Hörer, die Marillion in den letzten Jahren schon aufgegeben hatten oder noch gar nicht kennen, sollten sich unbedingt ein paar Hördurchgänge gönnen, denn hier gibt es wieder was zu entdecken.

Anspieltipp(s): Gaza, Montreal, Lucky Man, Pour my Love
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.9.2012
Letzte Änderung: 3.7.2015
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Marillion

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1982 Market Square Heroes 9.00 3
1983 Script for a jester's tear 10.80 5
1984 Fugazi 11.25 4
1984 Real To Reel 11.00 2
1985 Misplaced Childhood 10.33 6
1986 Brief encounter 7.00 1
1987 Clutching at Straws 9.00 4
1988 The Thieving Magpie 11.67 3
1988 B-Sides Themselves 7.00 3
1989 Seasons End 11.00 3
1989 Live From Loreley (DVD) 9.50 2
1991 Holidays in Eden 5.00 5
1992 Live At The Borderline 8.00 1
1993 Live In Caracas 6.00 1
1994 Brave 11.00 3
1995 Brave - The Film (DVD) 11.00 2
1995 Afraid of sunlight 10.00 3
1996 Made Again 9.00 1
1997 Best of both worlds - 1
1997 This Strange Engine 10.25 4
1998 Radiation 2.33 4
1998 Tales From The Engine Room 4.50 5
1999 Marillion.com 7.00 3
2000 The singles '82-88' 10.00 3
2001 Anoraknophobia 11.25 4
2002 Brave Live 2002 8.00 1
2002 Anorak In The UK Live (2CD Set) 10.00 1
2002 Anorak In The UK Live 12.00 1
2002 Singles Box Vol.2 '89-'95 9.00 1
2003 Best of - 1
2003 Recital Of The Script (DVD) - 1
2004 Marbles on the road (DVD) 12.33 3
2004 Marbles 8.00 4
2004 Marbles ("condensed version") 6.00 1
2005 Marbles Live 10.00 2
2007 Somewhere Else 8.67 3
2008 Early Stages - The Official Bootleg Box Set 1982 - 1987 12.00 1
2008 Happiness is the Road - The Hard Shoulder 6.50 2
2008 Happiness is the Road - Essence 8.50 2
2009 Less Is More 8.00 1
2010 Size Matters 10.00 1
2010 the official bootleg box set vol 2 - 1
2016 F*** Everyone And Run (F E A R) 11.33 3
2017 Marbles In The Park 12.00 1
2017 Living in F E A R - 1

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