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Tusmørke

Underjordisk Tusmørke

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Folk; Psychedelic; RetroProg
Label: Termo Records
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Benediktator Bass, Gesang
Krizla Flöte, Gesang
HlewagastiR Schlagzeug
Deadly Nightshade Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Fimbul 6:26
2. Watching The Moon Sail Out Of The East 7:53
3. The Quintessence Of Elements 6:00
4. A Young Man & His Woman 4:56
5. A Nightmare's Just A Dream 7:37
6. Hostjevndogn 7:53
7. Salomonsens Hage 5:03
8. Singers & Swallows 4:20
9. Ode On Dawn   (By Les Fleurs Du Mal, ca. 1998) 17:28
Gesamtlaufzeit67:36


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Tusmørke ist ein Quartett aus Norwegen, dessen Ursprünge in der Mitte der 90er Jahre liegen. Damals nannte sich die Band Les Fleurs du Mal, und zur Besetzung gehörte u.a. der spätere Sänger von Wobbler, Andreas Prestmo. Kurz nachdem man sich ins Studio begab zwecks Aufnahme eines Debütalbums, löste sich die Band auf. Die Gründer der Band, die Brüder Momrak, gründeten später Tusmørke, deren Debütalbum 2012 erschien.

Die vier Musiker verbergen sich hinter Pseudonymen, laut Infozettel handelt es sich bei Schlagzeuger "HlewagastiR" wieder um einen ehemaligen Musiker von Wobbler. Ungewöhnlich ist die Instrumentierung der Band, die sich auf Bass, Flöte, Keyboards und Schlagzeug beschränkt. Keine Gitarre!

Bei den ersten Takten von Fimbul könnte man glatt meinen, eine alte Platte von Jethro Tull eingelegt zu haben. Gerade diese Passage erinnert an die ganz alten Tull, This Was etwa. Das ist hier fast schon ein bisschen dreist, und man wartet nur darauf, dass der Gesang von Ian Anderson einsetzt. Aber statt der charakteristischen Stimme des Tull-Chefs erklingt dann doch die nicht ganz so charakteristische Stimme von... von wem auch immer, sowohl "Benediktator" als auch "Krizla" sind als Sänger aufgelistet. Und alsbald verschiebt sich der Sound auch stark ins Retro-Psychedelische, bringt aber immer wieder kurze Ausflüge in Tullige Gefilde.

In diesem Stil geht es weiter, eine wohlige Reise in psychedelische Klangwelten, die immer wieder mit retro-proggigen und folkigen Einflüssen durchsetzt sind. Dabei kommen immer wieder Jethro Tull in den Sinn, aber auch Camel der Phase Mirage/Moonmadness klingen gelegentlich durch. Neben der Flöte sind die analogen Tasten federführend, ob als schwelgerisches Mellotron oder kraftvolle Schweineorgel. Meist geht es dabei recht getragen zur Sache, das Quartett kann aber auch eine gehörige Dynamik entfalten. Erstaunlicherweise vermisst man die Gitarre zu keinem Zeitpunkt!

Die Songs sind zwar eher eingängig und nicht übermäßig komplex, bestechen aber neben der originellen stilistischen Mixtur durch abwechslungsreichen Aufbau, und diese fast durchweg vorherrschende nordisch-folkloristische Atmosphäre kommt sowieso bei mir gut an. Besonders ausgeprägt ist letztere in den beiden norwegisch gesungenen Stücken Høstjevndøgn und Salomonsens Hage. Der Klang der Sprache macht doch viel aus!

Als Bonus gibt es ein 17-minütiges Stück der eingangs erwähnten Vorgängerband Les Fleurs du Mal aus dem Jahre 1998. Laut Begleittext ist es die einzige vollständig erhaltene Aufnahme für das nicht vollendete Debüt dieser Band. Ode on Dawn hat einen weniger psychedelischen Sound, geht dafür mehr ins Retro-Proggige; als groben Vergleich könnte man Genesis' Trespass anführen. Die Tonqualität ist hier leider etwa schlechter, es klingt etwas blechern.

Tusmørke sind eine schöne Entdeckung für den Liebhaber folkig-psychedelischer Klänge. Die Ingredienzen an sich mögen nicht übermäßig originell sein, aber die Mischung macht's hier. Nettes Album!

Anspieltipp(s): Watching The Moon Sail Out Of The East, Høstjevndøgn
Vergleichbar mit: einer psychedelisierten Version von Jethro Tull und Camel
Veröffentlicht am: 12.12.2012
Letzte Änderung: 17.11.2017
Wertung: 10/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Offenbar hat "Underjordisk Tusmørke" genau wie sein erstklassiger Nachfolger "Riset Bak Speilet" bislang keine größere Aufmerksamkeit im Retroprog-Kosmos auf sich gezogen - Tusmørke werden also noch immer nicht in einem Atemzug mit Anekdoten, Paatos oder Wobbler genannt. Das ist schade, denn die Norweger deuten hier schon vieles an, was das letztjährige Zweitwerk auszeichnete. Als da wären: Reichlich Referenzen an Van der Graaf (Generator), Jethro Tull, Black Widow und Yes, die Tendenz zu recht flott dahinziehenden Stücken, ein Gespür für feinsinnige Arrangements und stets ein Hauch von Mystik. All das gibt es in den sechs regulären Liedern dieses Albums und den auch separat als Single veröffentlichten "Salomonsens Hage" und "Singers & Swallows", und die Qualität kann sich zumeist mit jener des Nachfolgealbums messen.

In besonderem Maße stechen dabei "Watching The Moon Sail Out", "The Quintessence Of Elements" und "Salomonsens Hage" heraus. Ersteres beginnt dabei als schöne Mixtur aus Jazz und Folk samt (leider unterproduziertem) Yes-Bass und einem schunkelig-krummen Rhythmus, der die Nummer ein ums andere Mal an "Golden Brown" von den Stranglers erinnern lässt. Hieraus leiten Tusmørke höchst geschickt zu einem spaßigen Folk-Mittelteil über, der sich sukzessiv zum schneller getakteten Schlusspart steigert. In diesem wiederum überwiegen wieder die Wobbler-Anleihen, wobei die deutschen Chöre ("Verweile doch! Du bist so schön!") schon fast Spacerock sind. "The Quintessence Of Elements" wiederum lässt sich quasi als Witz auffassen, ist das Stück bei diesem Titel doch ausgerechnet um eine Pentatonik herum aufgebaut. Dazu ist dieses Stück rituell-repetetiv aufgebaut und hat somit einen gehörigen Touch von Black Widow und Protoprog allgemein (insbesondere dieser Marsch-Mittelteil). Ansonsten wiederholt sich hier recht viel, aber das habe ich ja schon geschrieben (Sie lasen einen Meta-Witz).

"Salomonsens Hage" schließlich geht mit treibendem Rhythmus ebenfalls in die Black-Widow-Ecke und taugt durchaus als "Hit". Dazu passen die gut koordinierten Attacken von Zerrbass und Flöte, die unwirkliche Harmonik und die Tatsache, dass aus dem norwegischen Text immer wieder irgendwas mit "Hexen..." hervorzulugen scheint. In kleinerem Maße sind freilich auch die anderen Stücke gelungen, wobei das schnelle und verhältnismäßig düstere "A Young Man And His Woman" als (auch textlicher) Vorgänger von "All Is Lost" auffällt.

Dass "Underjordisk Tusmørke" letztlich hinter seinem Nachfolger zurücksteckt, liegt allerdings an ein paar anderen Stücken. Und zwar demonstrieren "A Nightmare's Just A Dream", "Høstjevndøgn" und "Singers & Swallows" folgende Charakteristik: Die zugehörige Rhythmik ist verstärkt langsam und trottend und ein nennenswerter Aufbau mit Ausnahme gelungener Refrains (gerade die dramatische Zuspitzung von "A Nightmare's Just A Dream" erinnert an "Life On Mars" von David Bowie) nicht vorhanden. Kennt man sowas? Vielleicht vom bislang einzigen Album der Finnen Orne: Die hatten ein gutes Jahr zuvor aus den gleichen Retro-Zutaten eine reichlich langweilige Platte gezimmert, die genau an langsamen Tempo und schwachbrüstigen Sonstrukturen im Zusammenspiel mit hüben wie drüben mehr oder weniger leierigem Gesang krankte. Folgt also, dass auch Tusmørke seinerzeit noch Gefahr liefen, diesen Weg zu gehen. Nun, mittlerweile wissen wir ja, dass es zum Glück nicht so gekommen ist. Nur berühmt sind sie beide nicht geworden.

Anspieltipp(s): Watching The Moon Sail Out, Salomonsens Hage, The Quintessence Of Elements
Vergleichbar mit: Hier wohl am ehesten Black Widow und Jethro Tull, und wahrscheinlich steckt noch mehr Bowie drin, als mir bewusst ist
Veröffentlicht am: 25.6.2015
Letzte Änderung: 25.6.2015
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Tusmørke

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 Riset Bak Speilet 12.00 1
2016 Ført Bak Lyset 12.00 2
2017 Hinsides 10.00 1

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