SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
20.7.2018
Distorted Harmony - A Way Out
Three - Live Boston '88
Koenjihyakkei - DHORIMVISKHA
The Enid - Live At Loreley
Southern Empire - Civilisation
Marcello Giombini - Synthomania
19.7.2018
Cavern Of Anti-Matter - Hormone Lemonade
Twelfth Night - Fact and Fiction
Spock's Beard - Noise Floor
17.7.2018
Deafening Opera - Let Silence Fall
Ihsahn - Àmr
16.7.2018
Twelfth Night - Fact and Fiction
The Sea Within - The Sea Within
Mystery - Lies and Butterflies
15.7.2018
Ragnar Grippe - Sand
Klaus Schulze - Silhouettes
Malaavia - Frammenti Compiuti
14.7.2018
Pixie Ninja - Ultrasound
ARCHIV
STATISTIK
24790 Rezensionen zu 16972 Alben von 6609 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Present

Le poison qui rend fou

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1985 (CD-Reissue 2014)
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant
Label: Cuneiform Records
Durchschnittswertung: 14/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Roger Trigaux Guitars, E-Piano
Alain Rochette E-Piano, Piano, Synthesizer
Daniel Denis Drums
Marie-Anne Polaris Vocals (CD1)
Ferdinand Philippot Bass (CD1)
Christian Genet Bass (CD2)

Tracklist

Disc 1
1. Le poison qui rend fou, part I: Ram ram va faire "pif paf" 15:26
2. Ersatz 5:10
3. Le poison qui rend fou, part II: Didi, dans ta chambre! 9:45
4. Samana 9:20
Gesamtlaufzeit39:41
Disc 2
1. Quatre-vingt douze   (Bonus-CD, Live at Livry-Gargan, 1982) 17:32
2. Ersatz 9:18
3. Le poison qui rend fou, part I 19:05
4. Chaos hermetique 12:28
5. Promenade au fond d'un canal 21:35
Gesamtlaufzeit79:58


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Nach der Veröffentlichung von "Triskaïdékaphobie" begannen Present, obwohl Roger Trigaux die Band zuerst als reines Studioprojekt geplant hatte, live aufzutreten. Vor allem in der ersten Hälfte des Jahres 1981 war man sehr aktiv. Danach kam die Konzerttätigkeit zum Erliegen, auch und vor allem da Daniel Denis sich wieder ganz Univers Zero widmen wollte, deren drittes Album "Ceux Du Dehors" fertig gestellt werden sollte. Die zweite Jahreshälfte verbrachte Trigaux daher mit Komponieren.

Das neue Material wurde dann bei zwei Konzerten Anfang 1982 - wieder mit Denis - präsentiert. Danach stieg Christian Genet aus der Band aus (um sich wieder Univers Zero anzuschließen). Für die geplanten Aufnahmen des zweiten Present-Albums musste daher ein neuer Bassist gesucht werden. Für drei weitere Konzerte im August 1982 übernahm Guy Segers den Job, doch dauerte es noch eine Weile, bis mit Ferdinand Philippot ein bleibender Ersatz gefunden wurde. Einen neuen Schlagzeuger rekrutierte Trigaux nicht, doch hatte Denis offenbar nichts dagegen weiterhin ab und zu auch bei Present zu spielen.

Erst im Frühjahr 1983 fanden dann die Aufnahmen zum zweiten und lange Zeit letzten Present-Album statt. Das Album mit dem Titel "Le poison qui rend fou" (inspiriert übrigens von der Tim-und-Struppi-Geschichte "Die Zigarren des Pharao", in dem ein per Pfeil verschossenes Gift seine Opfer verrückt werden lässt) sollte, wie der Erstling, auf Gérard Nguyens Atem-Label erscheinen. Doch als Trigaux mit den fertigen Aufnahmen Nguyen kontaktierte, war dieser verschwunden, hatte sich offenbar in die USA abgesetzt.

Ohne eine Möglichkeit das Album zu veröffentlichen, lösten sich Present nach drei weiteren Konzerten im April 1983 auf. Erst 1985, nachdem Steve Feigenbaum eher zufällig eine Kassettenkopie des Albums zugespielt bekommen hatte, wurde "Le poison qui rend fou" dann doch veröffentlicht, als dritte LP von Cuneiform Records. Schon 1989 gab es dann ein CD-Reissue, ein Twofer zusammen mit dem ersten Present-Album. 2014 wurde das Material, klanglich aufpoliert von Udi Koomran, von Cuneiform erstmals als Einzelalbum auf CD veröffentlicht, versehen mit umfangreichem Bonusmaterial.

Grosse stilistische oder klangliche Unterschiede zum Erstling sind auf "Le poison qui rend fou" zwar nicht auszumachen, gibt es auch hier einen sperrig-komplexen Kammerprog zu hören, der aufgrund der starken Gitarrenpräsenz etwas rockiger und wegen der reduzierten Besetzung kerniger und direkter aus den Boxen kommt als bei Univers Zero, doch wird die Musik eine Spur dynamischer, abwechslungsreicher und verspielter dargeboten als auf "Triskaïdékaphobie". Zudem gibt es im ersten Teil des Titelstücks einige expressive Vokaleinlagen von Marie-Anne Polaris (damals - vielleicht auch heute noch - die Ehefrau von Alain Rochette). "Le poison qui rend fou", mit seiner sehr eigenen Mischung aus Crimsoneskem und Zeuhl, stellt sicher einen der Höhepunkte des franko-belgischen Avantprogs dar.

Als Bonus haben Cuneiform Records eine Konzertaufnahme vom Januar 1982 beigefügt. Einmal gibt es da auf CD1 drei Quicktime-Filme, die bei ganz ordentlicher, aber eher suboptimaler Bildqualität drei Ausschnitte aus dem Konzert zeigen (aus den Stücken "Ersatz", "Le poison qui rend fou, part 1" und "Promenade au fond d'un canal"). Auf einer zweiten CD gibt es dann das komplette (?) Konzert zu hören. Bei ausgesprochen guter Klangqualität rockt sich die Band sperrig und druckvoll durch je zwei Nummern ihrer beiden Alben (wobei "Le poison qui rend fou" damals noch nicht eingespielt war). Als besonderes Schmankerl gibt es zudem eine Version der Trigaux-Nummer "Chaos Hermetique" zu hören, ein schon Mitte der 70er Jahre für Univers Zero konzipiertes Stück, welches es nie auf ein Studioalbum geschafft hat. Eine UZ-Demoversion davon ist als Bonustrack auf dem zweiten Cuneiform-Reissue von "Heresie" zu finden.

Wer Avantprog schätzt, insbesondere den klassischen Kammerrock aus dem Grenzgebiet von Frankreich und Belgien, der sollte "Le poison qui rend fou" kennen. Wem die Scheibe noch unbekannt ist, der hat mit der neuen Ausgabe des Albums eine exzellente Gelegenheit daran etwas zu ändern. Fans können wegen des Bonusmaterials auch noch einmal zugreifen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.3.2014
Letzte Änderung: 8.5.2014
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Die große Achillesverse des Progressive Rock ist, dass er ernst genommen werden will: Seine Ambition, seine Virtuosität, seine XXL-Dimensionen - seine Humorlosigkeit selbst in Situationen, aus denen Humor der einzig verbliebene Ausweg ist. In der Post-Monty-Python-Epoche ist nichts lächerlicher, als ernst genommen werden zu wollen. - RIO ist frei von dieser Erbsünde. RIO ist der Prog, für den wir uns niemals zu schämen brauchen. RIO ist die Alternative, die einzige Alternative in einer Zeit, in der es für viele hieß: Marillion oder... - was?

Die 80er. Und dann waren da noch Bands wie Univers Zero und Present. Hier lebte der Geist progressiven Rocks noch, hier war die Seele des Prog – und auch wieder nicht. Denn wenn diese Bands mit etwas nichts zu tun haben wollten, dann waren es Yes, ELP und Konsorten. Statt dessen bezog man sich auf ganz andere Vorläufer, Zeuhl, klar, King Crimson, aber vor allem Bartók und die ganze krasse, ungezähmte Seite der klassischen Moderne. Diese frühen RIO-Alben sind für die Rockmusik revolutionär, gleich in mehrerlei Hinsichten.

Das beweist schon die Tatsache, dass es offenbar äußerst schwierig war, einen Bassisten zu finden, der diese Musik spielen konnte. Trigaux erhielt eine ganze Reihe Körbe, einfach weil die Musik zu komplex war. Ein Jahr dauerte die Suche, dann konnte die Band Anfang 1983 mit einem kompetent genugen Bassisten endlich ins Studio gehen und die Musik, die zu dieser Zeit schon zwei Jahre alt gewesen war, aufnehmen.

Und wieder bewiesen Present, dass es weder Unmengen Geldes noch aufwändiger Studiotrickserei bedarf, um eine intensive Atmosphäre zu erzeugen - wenn man komponieren und wenn man spielen kann. Bass, Schlagzeug, Gitarre und E-Piano reichen, um mehr Beklemmung zu erzeugen, als viele andere es mit der ausgefeiltesten Studiotechnik je könnten. Von wem könnte man es besser lernen als von dieser Band, die kaum Geld für die Aufnahmen hatte und prompt an ihrem Album pleite gegangen ist: Die Musik ist es, die zählt, nicht ihr Sound.

Wichtigste Neuerung: Der Gesang; beigesteuert von Marie-Anne Polaris. Angefangen hatte es damit, dass sie Trigaux provozierte: Sie behauptete, sie könne alles singen, was er schreiben würde. Wommamasehn, dachte sich Trigaux, und genauso klingt es auch: Present nehmen einen Kinderreim und dekonstruieren ihn.

Der Rest der Musik ist eine Weiterentwicklung dessen, was auf dem ersten Album zu hören war. Die Musik ist nicht mehr ganz so monolithisch-massiv wie "Promenade au fond d'un canal" vom Vorgänger "Triskaïdékaphobie", sie ähnelt eher dessen "Quatre-vingt douze". Ob ich das nun "verspielt" nennen würde, bei all dem spannungsreichen, dissonanten Gekammere – ich weiß nicht. Aber mehr los ist hier sicherlich. Ein absoluter Höhepunkt des Albums (und, bei dem Weg, des gesamten Genres) ist "Ersatz", das Stück, das alle Crimson-Fans mal hören sollten.

Die 2014er Ausgabe von "Le poison qui rend fou" wird angereichert durch eine vollgepackte Bonus-CD, die live in Livry-Gargan aufgenommene Musik enthält. Ideal nach unseren heutigen Standards ist die Klangqualität dieser semiprofesionellen Aufname nun nicht, der Sound ist ein wenig muffig und schepperig, aber nur ein wenig. Das ist halt auch keine hochprofessionelle Aufnahme. In jedem Fall ist das weitaus besser als das, was man aus dem Bootlegbereich kennt, und die Intensität der Live-Performance kommt nahezu ungeschmälert rüber. Die Band wollte damals keiner hören, regelmäßig sind ganze Tourneen auf drei, zwei Konzerte zusammengeschnurrt - insofern ist dieses Tondokument ein ganz wichtiges.

Die zweischeibige Neuauflage von "Le poison qui rend fou" ist ein vorbildliches Stück Wiederveröffentlichung, an dem sich manch großnamige Band ein Beispiel nehmen kann. Es geht auch ohne Schal und Murmeln. Es zählt die Musik.

Anspieltipp(s): Ersatz - aber eigentlich alles.
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.5.2014
Letzte Änderung: 28.5.2014
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Present

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Triskaïdékaphobie 13.00 2
1989 Triskaïdékaphobie / Le Poison Qui Rend Fou 14.00 2
1993 C.O.D. Performance 11.00 1
1996 Live! 12.00 1
1998 Certitudes 10.00 1
1999 No.6 13.00 2
2001 High Infidelity 13.50 2
2005 A Great Inhumane Adventure 9.00 1
2009 Barbaro (ma non troppo) 12.50 2

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum