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STATISTIK
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Chicago

Chicago II

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1970 (Ursprünglich nur "Chicago" betitelt)
Besonderheiten/Stil: Beat; HardRock; Jazzrock / Fusion; Rock / Pop / Mainstream
Label: Columbia
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Peter Cetera Bass, Gesang
Terry Kath Gitarre, Gesang
Robert Lamm Keyboards, Gesang
Lee Loughnane Trompete, Gesang
James Pankow Posaune
Walter Parazaider Holzblasinstrumente, Gesang
Danny Seraphine Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Movin' In 4:06
2. The Road 3:10
3. Poem For The People 5:31
4. In The Country 6:34
5. Wake Up Sunshine 2:29
6. Ballet For A Girl In Buchannon

1. Make Me Smile 3:32
2. So Much To Say, So Much To Give 1:04
3. Anxiety's Moment 1:00
4. West Virginia Fantasies 1:34
5. Colour My World 2:58
6. To Be Free 1:21
7. Now More Than Ever 1:27

7. Fancy Colours 5:10
8. 25 Or 6 To 4 4:50
9. Memories Of Love

1. Prelude 1:18
2. A.M. Mourning 2:05
3. P.M. Mourning 1:59
4. Memories Of Love 4:01

10. It Better End Soon

1. 1st Movement 2:30
2. 2nd Movement 3:47
3. 3rd Movement 3:19
4. 4th Movement 1:15

11. Where Do We Go From Here 2:53
Gesamtlaufzeit67:53


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


400 Rezensionen - Anlass genug, mal wieder eine Uraltplatte einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Joachim, der hier ist für dich!

Chicagos Zweitwerk, ursprünglich selbstbetitelt und erst im Nachhinein mit der römischen Ziffer als Band-Markenzeichen als "II" gezählt, erschien nur ein Jahr nach dem spannenden Debüt "Chicago Transit Authority". Dabei scheint anfangs ein etwas anderer Wind im Lager der Bläser-Rocker zu wehen: Anstatt einer furios bis frickelig rockenden Nummer wie "Introduction" gibt es in "Movin' In" eher getragene Klänge mit souligem Gesang, unterbrochen allerdings für gelungene Jazzparts mit ausladenden Soli von Trompete und Posaune. Auch "The Road" und später "Wake Up Sunshine" finden sich überwiegend eher im Bereich zwischen den späten Beatles ("With A Little Help From My Friend") und Grand Funk Railroad wieder, was zwar geschmackvoll, aber nicht allzu fortschrittlich klingt.

Besser macht es da "Poem For The People": Klavier-Intro und harmonisch kaum zu berechnende Bläser verschaffen einen interessanten Anfang. Was danach folgt, unterscheidet sich oberflächlich betrachtet zwar kaum von den vorigen Stücken, gekonnt wirft die Band aber mit hübschen Schlenkern (Rhythmuswechsel, Chorpassagen, jubilierende Zwischenspiele) um sich. Das erinnert ein wenig an die zeitgenössischen Yes, wobei Terry Kath teils tatsächlich etwas wie Peter Banks spielt. Auf ähnliche Weise rettet sich dann auch das aus der Ferne etwas bieder wirkende "In The Country" vor dem Schicksal als simples Liebesliedchen (man beachte insbesondere den kräftigen Mittelpart).

Interessanterweise bestreiten Chicago ab hier den Großteil des Albums in Form von mehrteiligen Stücken bzw. Suiten. "Ballet For A Girl In Buchannon" changiert dabei ebenfalls zwischen Mainstream-Tanzmusik und größeren Artrock-Ambitionen. Auf den fröhlichen Singalong "Make Me Smile" folgen also durchdachte, experimentelle Jams, die neben Jazz teilweise auch amerikanische Komponisten wie Aaron Copland oder Charles Ives als Vorbilder erahnen lassen (man beachte insbesondere "West Virginia Fantasies"), und das Klavier in "Colour My World" scheint sich gar an J.S. Bach zu orientieren. Hingegen kommt "To Be Free" mit komplexem Rhythmus und Tony-Banks-Harmonik (bei Bläsern!) dem britischen Prog wohl am nächsten. Eingeschoben werden noch das munter im 3/4-Takt swingende "Fancy Colours" (mir persönlich zu unergiebig) und die Hardrock-Hymne "26 Or 6 To 4" (selbst Ruins-Fans dürften die kennen). Lustigerweise verweist letzteres Stück schon wieder auf eine bekanntere Nummer: Nachdem schon "South California Purples" vom Vorgängeralbum "I Am The Walrus" und "Purple Haze" mit der Vorwegnahme von Black Sabbaths "Behind The Wall Of Sleep" verbunden hatte, stand hier offensichtlich das Riff aus Led Zeppelins "Babe I'm Gonna Leave You" Pate.

Den, ähem, Abschluss des Albums (immerhin geht es hier um ganze 25 Minuten) markieren Chicago dann in "Memories Of Love" noch mal völlig untypisch: Noch vor King Crimson ("Lizard", "Song Of The Gulls") und ungefähr zeitgleich zu Van Der Graaf Generator ("Refugees") liegt hier rührige Kammermusik auf einer Rockplatte vor. "It Better End Soon" dagegen ist trotz seiner augenfälligen Betitelung der Parts kein klassisch beeinflusstes Stück, sondern findet vielmehr zum anfangs noch vermissten Frickel-Rock Hendrix'scher Prägung des Debütalbums zurück. Angesichts vermehrter Querflöten-Einsätze ließe sich jedoch auch eine Brücke zu Jethro Tull schlagen. Zu guter Letzt bildet "Where Do We Go From Here" noch eine optimistisch-harmonische Nachhut.

Unterm Strich ist "Chicago" alias "II" damit eine überraschendes Werk: Auf den ersten Blick könnte man sich darüber mokieren, dass die Band ein wenig softer und eingängiger geworden sei. Tatsächlich fehlen der ersten Albenhälfte jedoch lediglich die ganz verrückten Bläser-und-Gitarre-machen-abgedrehte-Sachen-Momente; abseits davon allerdings ist deutlich zu erkennen, dass sich die Band um ausgereiftere, weniger vordergründige Kompositionen bemüht. Für derartige Ambitionen sprechen nicht zuletzt die schlüssig gestalteten Suiten, sondern eben auch "Poem For The People" und "In The Country", und spätestens ab der Halbzeit gibt es ja noch "25 Or 6 To 4" und den Sound von "It Better End Soon". Ansonsten ist es überraschend, dass sich mit den genannten klassischen Einflüssen und den Suiten bei Chicago zudem noch einige konvergente Entwicklungen zu den damaligen britischen Prog-Trends finden. Somit besteht in dieser Welt durchaus eine Perspektive, Chicagos Zweitalbum gleichberechtigt neben "In The Wake Of Poseidon", "The Least We Can Do Is Wave To Each Other" oder "Time And A Word" stellen zu können.

Anspieltipp(s): Poem For The People, Ballet For A Girl In Buchannon, 25 Or 6 To 4
Vergleichbar mit: Zwar immer noch die Beatles und Jimi Hendrix, neuerdings aber auch VdGG, King Crimson, Yes und Tull
Veröffentlicht am: 16.4.2014
Letzte Änderung: 17.4.2014
Wertung: 11/15
Kleiner Punktabzug für den etwas trägen Auftakt - sonst natürlich besser

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Chicago

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 The Chicago Transit Authority 11.50 2

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