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Yes

Heaven & Earth

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: Folk; Rock / Pop / Mainstream; sonstiges
Label: Frontiers
Durchschnittswertung: 5.17/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Jon Davison lead and backing vocals, acoustic guitar (tracks 1 and 6)
Steve Howe electric, acoustic and steel guitars, backing vocals
Chris Squire bass, backing vocals
Geoff Downes keyboards, computer programming
Alan White drums, percussion

Tracklist

Disc 1
1. Believe Again 8:02
2. The Game 6:51
3. Step Beyond 5:34
4. To Ascend 4:43
5. In a World of Our Own 5:20
6. Light of the Ages 7:41
7. It Was All We Knew 4:13
8. Subway Walls 9:03
Gesamtlaufzeit51:27


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 7)


Agh! Agh! Ärfz!

Aber von vorn.

Das neue Yes-Album. Fangen wir diesmal mit der Frage an, warum man von Yes kein "Close to the Edge" mehr erwarten kann. Das schreiben nämlich viele: "Man kann doch von Yes kein "Close to the Edge" mehr erwarten!" Genau! Warum eigentlich nicht! Oder auch: Von wem denn sonst?

Denn die entscheidende Frage bei Alben wie "Heaven & Earth", und sie hängt mit meiner ersten eng zusammen, lautet doch: Braucht es eine Band vom Kaliber Yes', um so ein Album aufzunehmen? Man kann in die Frage jeden Bandnamen einsetzen, immer wenn die Antwort "nein" lautet, hat jemand was falsch gemacht.

"Es kann doch allen Ernstes heute niemand ein "Close to the Edge" mehr erwarten!" schrieb neulich wieder jemand in einem Yes-Forum. Aber selbstverständlich kann man das! Und dabei geht es gar nicht ums Frickeln. Dass die Finger der Herren nicht mehr die schnellsten sind, ist jedem klar. Aber Stücke wie "And You And I", "The Remembering", "To Be Over" stellen an Spielgeschwindigkeit und Fingerfertigkeit keine besonders hohen Ansprüche - und doch sind sie großer Prog. Wenn diese Band Musik dieser Qualität vor 40 Jahren schreiben konnte – dann sollten sie es mit 40 Jahren mehr Erfahrung doch erst recht hinkriegen, oder?

Man kann das sogar objektivieren: Yes steht in richtig vielen Rocklexika. Und wenn man die Artikel zur Band durchliest, fällt einem eines ganz schnell auf: Die Zeit zwischen "Yes" und "Drama" wird ausführlich behandelt, die Jahre danach nur kursorisch und zusammenfassend. Bald wird klar: Die Bedeutung der Band liegt darin, dass sie den Progressive Rock mit aus der Taufe gehoben und über Jahre geprägt hat. Auf dem Gebiet des AOR, den sie ab "90125" spielte, hat die Band nicht annähernd Vergleichbares geleistet. Das, genau das ist der Grund, warum viele Hörer Alben wie "Open Your Eyes", "The Ladder", "Magnification" oder "Fly from Here" als Verrat am Erbe der Band empfinden. Denn genau das sind sie.

Was ist es also, das Howe, White und Squire seither lauen AOR so viel besser finden lässt als knackigen Progressive Rock? Die Weisheit des Alters?!?

Oh! Ist es unsere herzensgute Toleranz gegenüber den gebrechlichen Senioren, die uns mit solchen Alben zufrieden sein lässt? Na, die werden sich bedanken! Versucht das mal einem Alten zu drücken: du bist alt, du bringst's eh nicht mehr, seien wir froh, wenn du überhaupt noch was auf die Reihe krichst. Geht's noch?

Nein, andersherum wird ein Schuh draus: Erst wenn du von jemandem nicht weniger als das erwartest, was er zu leisten imstande ist, respektierst du ihn wirklich. Yes haben "And You And I", "The Remembering" und "To Be Over" gemacht. Und das ist ein ziemlich gutes Indiz dafür, dass sie das können. Kuckt Renaissance an, King Crimson, Ian Anderson, Magma, was haben die auf ihre alten Tage noch hingekriegt!

AOR? Wenn es hier wenigstens AOR zu hören gäbe…

"Heaven & Earth" ist ein Album mit Kinderliedern.

Richtig gelesen.

Das fängt gleich am Anfang an. Am Beginn von "Believe Again" belästigt uns Steve Howe mit einer unsäglichen Benjamin-Blümchen-Melodie. In der Folge wird jede interessante melodische Wendung, die sich anböte, im Keim erstickt, um Platz zu machen für längst abgenutzte Yes-Klischees. Das ist unerträglich. Dazu schrummelt hier schon eine akustische Gitarre, die das bis zum Ende des Album nicht unterlassen wird. Im Netz ist zu lesen, dass dieser Song und das abschließende "Subway Walls" die beiden Progtracks des Albums wären, aber das stimmt nicht. Ein paar Verzierungen Howes um Minute vier herum machen aus dem lahmarschigen Popsöngelchen noch lange keinen Prog. Stattdessen hätte man sich Howes Ideen mal ganz genau anhören und von dort aus weiterarbeiten sollen, dann wäre vielleicht etwas Spannendes entstanden. Früher hätten die so etwas gemacht. Aber Prog ist anspruchsvoll, und das bedeutet Arbeit. Heute bleibt diese Instrumentalpassage in der Luft hängen, weil sie kompositorisch mit dem Rest des Stücks nicht zusammenhängt. Und der Rest enthält viel zu wenige musikalische Ideen, um über die acht Minuten zu tragen.

"The Game" ist ein Popsong. Es ist wichtig, sich die Stelle von 1:01 bis 1:04 genau anzuhören. Der Song geht zurück auf die Zeit um 2006/7 und war eigentlich für ein Soloalbum Chris Squires vorgesehen gewesen. Er ist nun hier gelandet. Das ist nicht gut. Andere Songs von damals wurden für das verquere Chris-Squire-Steve-Hackett-Projekt "Squackett" verwendet. Diese Entstehungsgeschichte erklärt, warum Gerard Johnson (wie Squire Ex-The Syn) als Koautor genannt wird, er war nämlich an den ersten Sessions zu diesem Solo-Album beteiligt gewesen. Damals ist übrigens auch "The Man You Always Wanted Me to Be" fabriziert worden...

Das Kinderliedchen "Step Beyond" mischt Ideen, die nach "Magnification" klingen, mit einem extrem dämlichen Refrain und Quietschekeyboards, die uns wie Pavlovsche Hunde an Rick Wakeman erinnern sollen. Wer wissen will, warum viele Leute der Meinung sind, dass Downes eine vollkommene Fehlbesetzung an den Keyboards ist, sollte sich diesen Song anhören.

Nun folgt ein peinliches Liedchen nach dem anderen. "To Ascend" ist eine 6/8-Ballade – ja, irgendwie, aber die kindliche Melodie ist so vergessbar, der Song so oberflächlich, das Ganze derart lahmarschig, dass man nach zwei Minuten möchte, dass es bitte bald vorübergeht. Gleiches gilt für "In a World of Our Own": Ein verstörender Shuffle, der wohl irgendwie nach happy-go-lucky, irgendwie nach den Sixties, irgendwie nach den Beatles klingen soll, aber das Liedchen ist schlicht zu langsam, die Melodie voll-kom-men uninteressant, und die fetten Orgelakkorde am Ende wirken derart deplaziert, dass man sich fragen muss, was Produzent Baker und Mischmann Sherwood geritten hat, die hier reinzupacken. "Light of the Ages", das eigentlich ganz brauchbar beginnt, weil's mal nicht ganz so platt ist, klingt bald wie ein Überbleibsel von Jon Andersons "Song of Seven", und ist - wieder - viel zu lang für das, was es an musikalischer Substanz vorweisen kann.

"It Was All We Knew" – was ist das denn! Ein lammsanftes Hopsassa-Liedchen, zu dem die Kindlein Ringelreihen tanzen können! Howe schrummelt immer noch auf seiner Akustischen herum, oder ist das Davison oder sonstwer, scheißegal, man hat das Gefühl, Baker hat nach dem Ende der Aufnahmen irgendeinen Straßenklampfer engagiert, der noch mal über das ganze Album drüberschrummelt, weil er vergessen hat, die Mitten hochzudrehen. Grauenhaft! Und was soll dieses instrumentale Zwischenspiel bei Minute zwei? Ich meine, das ist gar nicht mal so übel – nur: was soll es hier?

Dass "Subway Walls" veritabler Prog ist, ist angesichts dieser musikalischen Katastrophe dann vollkommen gleichgültig. Im Grunde kommt es einem so vor, als seien die anderen sieben Liedchen dazu da, "Subway Walls" unter Dauerfeuer zu nehmen. Ein orchestrales Intro Downes' (teils geklaut beim auch noch offensichtlichsten Stück Bachs) leitet über zu – Hilfe! Noch einer doofen Kinderliedmelodie! Was ist denn bloß los! Irgendwie möchte man helfen. Dann aber, nach zwei Minuten, ein schönes Bassriff, eine Gesangsmelodie, die zwar erneut nicht überzeugt, aber wenigstens mal nicht für Kinder geeignet ist. Dann ein schwacher, schrummeliger Refrain, der abgelöst wird von einer Variante des Bassriffs. Prima! Irgendwie können sie es offenbar doch noch! Wieder der schrummelige Refrain, dann folgt die interessanteste Passage: ein grooviges Bassriff, ein 7/8 und ein ganzer Takt wechseln sich ab, dazu schöne Soli von Orgel und Gitarre – so kann Yes 2014 klingen? Allen Ernstes? Dann sollten alle, die behaupten, man könne doch "allen Ernstes" heute keinen Prog mehr von der Band erwarten, hier mal ganz genau hinhören. Und beim starken Finale.

Versöhnt? Keineswegs. Im Gegenteil, ich bin schockiert. Umso mehr, als sie mit "Subway Walls" zeigen, dass sie noch was können, wenn sie sich mal richtig reinhängen. Aber Prog ist kompliziert, und er macht halt ein bisschen mehr Arbeit als einfache Popliedchen ("because it's only when you have to work on music that you're doing something of value." Steve Howe). Und abgesehen von "Subway Walls" ist das Album in nahezu jeder Hinsicht eine Katastrophe.

Man muss wissen, dass "Fly from Here" rote Zahlen eingespielt hat. Dieses Geld, ausgelegt von Yes' Plattenfirma Frontiers, muss wieder reingeholt werden. Und angesichts der finanziellen Katastrophe von "Fly from here" wurden Yes von Frontiers zu drastischen Einsparungen gezwungen. Das ging schon beim Songwriting los – dabei war die Band nämlich kaum je komplett versammelt: Eine wirkliche Zusammenarbeit gab es nicht. Vielmehr ist Jon Davison mit seinen Songs von Haus zu Haus gereist, hat den anderen die Lieder vorgespielt, woraufhin sie dann noch ihren eigenen Input dazugeben konnten. Das hört man: Das allermeiste, was auf diesem Album erklingt, stammt aus seiner Feder. Das Gros der Basslinien, die Chris Squire spielt, eingeschlossen. Aber ist das schlimm? Wenn Yes am Boden waren, haben sie sich doch immer schon Alben von anderen Songwritern schreiben lassen: Trevor Rabin ("90125"), Billy Sherwood ("Open Your Eyes"), The Buggles ("Fly from Here"). Diesmal ist es halt Jon Davison. Langjährige Fans dürfte das kaum überraschen. Aber während die schwachen Songs auf "Fly from Here" wenigstens noch gut klangen, weil die Produktion mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet war, kann bei dem neuen Album nicht mal die Produktion noch etwas retten – im Gegenteil. Roy Thomas Baker… Roy Thomas Baker…, der sollte doch schon 1979 mal ein Yes-Album produzieren, und schon damals hat das nicht hingehauen. Gut, er hat einen großen Namen (Queen: "A Night at the Opera", Journey: "Infinity", Mötley Crüe: "Too Fast for Love"), aber in den letzten Jahren hat der Mann nicht mehr viel gerissen. Vermutlich war er billig? Billig hin oder her, in diesem Fall war er dazu verdammt, an seiner Aufgabe zu scheitern. Denn Frontiers hat Yes aus Kostengründen weniger als die Hälfte der Studiozeit bezahlt, die die Band normalerweise für Aufnahmen benötigt. Die Band hetzte also kostensparend durch ihr Material, und um Zeit zu gewinnen, hat Baker einfach alles durchgewunken. Dennoch ist die Arbeit mit ihm laut Yes schwierig gewesen. Prompt bekam man Probleme: Kurz nachdem Squire in einem Interview noch erklärt hatte, dass Baker sich "nächsten Montag" an den Mix machen würde, wurde plötzlich bekanntgegeben, dass Billy Sherwood damit betraut worden war. Zunächst wurden technische Probleme als Grund genannt, Steve Howe gestand später jedoch ein, dass Baker es nicht verstanden habe, das skizzenhafte "Heaven & Earth" wenigstens wie ein Yes-Album klingen zu lassen. Und so blieb es an Billy "one-track-per-day" Sherwood hängen, Mix und Mastering in nur ein paar Tagen fertigzukriegen, und dabei zu retten, was noch zu retten war.

Ergebnis: Der Sound ist haarsträubend. Zunächst ist nahezu das gesamte Album zu langsam (naja, dass Yes langsam geworden sind, weiß man aus leidvoller Konzerterfahrung – aber man kann die Band doch mit einem Knöpfchen schneller drehen), zudem ist der Klang blass, flach, ihm fehlt jegliches Volumen: Jon Davisons Stimme klingt auf jedem Konzertbootleg voller und variabler, das Schlagzeug klingt nach Pappe, der Bass blutleer (auf "It Was All We Knew" und "Subway Walls" ist er kaum zu hören), und das ununterbrochene, stupide Gitarrengeschrummel ist schlicht nervtötend. Dazu kommen die Vocals, die entsprechend klingen: bizarr. Ständig ist es irgendwie schief, oft asynchron – angeblich macht Sherwood das ja seit 25 Jahren – hu! hu! Jaja, die Vocals, die er abmischt, klingen schon seit 25 Jahren genau so.

Manche glauben ja, dass Yes halt ein schliches Folk-Album machen wollten, und "Heaven & Earth" aufgrund freier künstlerischer Entscheidungen so klingt wie es klingt. Schön wär's - in dem Fall wäre die Musik zwar nicht besser, aber sie wäre wenigstens integer. Leider ist dem nicht so: Die bei Yes üblichen ausgefeilten Arrangements konnten lediglich aus Zeit- und Kostengründen auf Druck der Plattenfirma nicht realisiert werden. Zunächst mussten Yes gute Miene zum bösen Spiel machen, mittlerweile gestehen sie das offen ein, allen voran Jon Davison selbst. Auch Steve Howe hat sich mittlerweile öffentlich von dem Album distanziert und seinen Kritikern ausdrücklich zugestimmt. Aber die Lieder sind veröffentlicht. Und das Traurige dabei ist, dass Yes am Ende mit so einer peinlichen Veröffentlichung nicht nur ihr eigenes Erbe mit Füßen treten, sondern ihre Fans noch dazu. Ich meine, wer hat uns denn beigebracht, Musik lieben zu lernen wie "Heart of the Sunrise", "Close to the Edge" oder "Relayer"! Von den Songs dieses Albums hingegen wäre in der Setlist eines Yes Konzerts fast jeder ein Fremdkörper. Für wie debil müssen die Leute von Frontiers uns also halten, wenn sie glauben, uns so etwas auftischen zu können! Glauben sie, wenn nur ordentlich über "consciousness", den "believer" und "the eyes of a child" gesungen wird, Steve Howe schön drübersoliert und das Ganze in einem Roger-Dean-Cover steckt, dann halten wir das unhinterfragt für ein Yes-Album?!? Wir haben ja schon das eine oder andere einstecken müssen, aber für dumm verkaufen lassen wir uns nicht. Band und Plattenfirma sollten tunlichst damit aufhören, das Erbe dieser Band zu zerlegen, Yes sollten stante pede ins Studio zurückkehren und ein paar anständige Songs auf dem Niveau von "Subway Walls" aufnehmen. Dann könnte man halbwegs versöhnt auseinandergehen. Ist ja nicht so, dass die Herren es alle total aufregend fänden, laue Kinderlieder zu spielen.

Und die Alternative? "Bringt Anderson und Wakeman zurück!" liest man nun des öfteren. Hätte das wirklich etwas gebracht? Nun, aus der Tatsache, dass man Wakemans Sohn, der wirklich gut ist, aus der Band geworfen hat, um ihn durch den abgehalfterten Geoff Downes zu ersetzen, nur weil der das eindrucksvollere CV vorweisen kann, lässt sich zumindest die Vermutung ableiten, dass Frontiers mehr Geld in "Heaven & Earth" gesteckt hätte, wenn mit Anderson und Wakeman noch zwei aus der Bandgeschichte bekannte Namen auf das Albumcover hätten gedruckt werden können. Dann verkaufen sich die Alben nämlich besser. Aber als Garanten für echten, knackigen Progressive Rock eignen sich die beiden auch nicht mehr, wie ihr gemeinsames Album "The living Tree" eindruckslos dokumentiert. Früher haben Yes mal gute durch bessere Musiker ersetzt, heute dagegen hält man an großen alten Namen fest, auch wenn die längst nicht mehr können. Selbst schuld: Wer jahrzehntelang verkündet, eine bestimmte Besetzung sei "klassisch", ein bestimmter Bassist sei der "Keeper of the Flame", oder ein bestimmter Sänger sei (die Seele von) Yes, der ist halt irgendwann dazu verdammt, diese Leute zu halten, auch wenn deren Zeit hörbar vorbei ist. Wenn die Fans diese Dinge so oft gehört haben, dass sie sie für das Evangelium halten, und ihnen ein bestimmter Musiker lieber ist als ein guter, dann kann eine Plattenfirma Platten über die bloßen Namen der Musiker verkaufen, und muss sich um deren Fähigkeiten nicht groß scheren. Yes als Generationenband, diese Idee aus den 90ern fand ich gut. Nun aber muss auch der letzte Verteidiger Chris Squires erkennen, dass der Mann die Band in den letzten Jahren an die Wand gefahren hat.

Gibt es wenigstens irgend etwas Positives? Außer "Subway Walls"? Nun, ja. Steve Howe. Der ist (mal wieder) der einzige, dessen Performance zu überzeugen weiß. Vieles von dem, was er hier spielt, ist im Rahmen dessen, was diese grauenhafte Musik zulässt, gut. Andererseits, wenn der wollte, könnte er längst mit anderen Musikern zusammen geilen Prog spielen. Macht er aber nicht. Stattdessen spielt er weiter mit diesen… diesen…

Anspieltipp(s): Lasst Euch nicht für dumm verkaufen!
Vergleichbar mit: "Hour of Need", "Soft As A Dove", "Time is Time", "To be alive (Hep Yadda)", "Show me", "Man in the moon". Nur "Subway Walls" ist besser.
Veröffentlicht am: 3.7.2014
Letzte Änderung: 20.4.2016
Wertung: 2/15
Noch schlechter als "Open Your Eyes". Yes machen sich lächerlich: Dieses Album ist ihr "In the hot seat".

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 7)


Ich mag Yes. Yes waren im Prinzip mein Einstieg in die Welt des Progressive Rock (allerdings, wie den babyblauen Lesern vielleicht schon bekannt, mit „90125“). Wenn ich mich auf eines, das beste Progressive Rock-Album aller Zeiten festlegen müsste, dann wäre es wahrscheinlich „Close To The Edge“. Aber die ´klassischen‘ Yes-Alben sind eigentlich alle ohne Fehl und Tadel. Ich stehe zudem auch zu meiner Liebe zur „AOR“-Phase … „90125“, aber auch „Big Generator“ oder „Talk“ gefallen mir. Teile von „Magnification“ finde ich gut, ebenso wie mir „Fly From Here“ letztlich durchaus zu gefallen wusste („Drama“ ist göttlich). Trotzdem reagiere ich seit Jahren nicht mehr erregt, wenn mal wieder die Ankündigung eines neuen Yes-Albums durch’s Internet rauscht. Irgendwann ist auch mal genug. Das ich mir ein neues Album trotzdem zulegen würde steht allerdings auch außer Frage.

So hatte und habe ich keine Erwartungen an „Heaven & Earth“. Allerdings kann man auch eine solche Einstellung noch enttäuschen. Zumindest wenn man Yes ist. Man könnte ja sagen, okay, machen sie halt mal Pop-Musik oder wieder AOR oder einfach ‚normalen‘ Rock. Aber nein, Yes machen nichts von alldem, sondern nehmen ein Album auf, welches fatal nach Roger Whittaker zu Gast im ZDF Fernsehgarten klingt. Man sieht förmlich leicht abwesend wirkende ältere Herrschaften vor sich, wie sie unrhythmisch mitklatschen. Und dann kommt ´Kiwi‘ um die Ecke und moderiert den Fernsehkoch an, der lecker Fleischbällchen mit Tomatensoße anbietet …

„Heaven & Earth“ ist nicht nur schlecht, nein, es ist langweilig, uninspiriert und überflüssig. Die Songs plätschern im Midtempo dahin, die Melodien sind seicht bis öde, Rhythmik existiert nicht (man hört auch die zugehörigen Instrumente kaum) und die Auswahl der Keyboard-Klänge ist selbst für einen in dieser Hinsicht sehr toleranten Menschen bestürzend. Am erstaunlichsten ist vielleicht noch, dass Jon Davison hier noch deckungsgleicher wie der originale Jon klingt, als das schon auf den Glass-Hammer-Alben der Fall ist. Erstaunlich ist auch, dass nur noch Steve Howe, - humorvoll gemeinte Bemerkung aufgrund von Irritationen der proggigen Leserschaft (Musik ist eine ernste Sache!) entfernt - , immer wieder Versuche unternimmt, das musikalische Niveau etwas in Richtung dessen zu bewegen, was man eventuell von Yes erwarten würde. Das hilft aber nichts, das macht das Erlebnis eher noch schlimmer, weil man immer wieder direkt darauf gestoßen wird, dass hier einfach nichts stimmt.

Wenn man entweder sanft entschlummert ist oder vor lauter Enttäuschung und Zorn wütend vor sich hin brabbelt… dann kommt am Schluss „Subway Walls“. Ein einigermaßen gelungener Prog-Longtrack mit ein paar netten rhythmischen Ideen, interessanten Gitarrenparts, orchestralen Keyboards und netten Melodiebögen. Das rettet aber nichts mehr, eigentlich macht es alles nur noch schlimmer. Man muss ja als Hörer wirklich den Eindruck gewinnen, dass es Yes noch können, wenn sie sich Mühe geben. Oder das sie das Album wirklich ernst meinen und dass das Beste ist, was sie im Moment abliefern können (und wollen). Ich bin mir nicht sicher, was ich schlimmer finden würde. Okay, ich muss es zugeben, auch ohne Erwartungen bin ich sehr enttäuscht, was meine alten Helden hier vorlegen. Und irgendwie auch traurig, denn wem wünscht man denn einen solchen Abgang?

Um es deutlich zu machen, da es anscheinend gerne missverstanden wird (von professionellen Journalisten, wie von Fans und Hörern): Das Album ist nicht schlecht, weil es mit alten Großtaten nicht mithalten kann. Oder weil ergraute Progger beckmesserisch nach dem Prog-Gehalt fahnden. Nein, es ist einfach so schlecht. Nahezu jedes Asia-Album ist unterhaltsamer. Das sind auch nicht die Buggles-Yes, die hätten ja durchaus interessant sein können. Und ehrlich gesagt: Bevor sich jetzt jemand freut, wenn alle so über das Album lästern, ist das bestimmt wenigstens ein nettes Trash-Fest und man kann seinen perversen Neigungen Futter geben. Nein. „Heaven & Earth“ ist einfach nur belanglos und langweilig. Sehr schade.

Anspieltipp(s): Streamt Euch das Album im Internet, dann braucht Ihr es nicht zu kaufen
Vergleichbar mit: einem TV-Themenabend über die unterschiedlichen Wachstumsprozesse bei europäischen Grasarten
Veröffentlicht am: 8.7.2014
Letzte Änderung: 5.8.2014
Wertung: 1/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 7)


Was war eigentlich das letzte gute Yes-Studio-Album? Der leidgeprüfte Yes-Fan muss da schon ziemlich weit zurückgreifen. „Drama“ fällt mir spontan ein. Aber das ist nun auch schon über 30 Jahre her... Und selbst da soll es Rezensenten geben, die es eher mittelprächtig fanden, verglichen mit den Perlen der frühen 70er.

Als Yes-Hörer hat man seine Ansprüche schon seit Jahren ziemlich zurück geschraubt. Daran haben Alben wie Tormato, Big Generator, Open your Eyes oder Fly from Here nicht geringen Anteil. Wobei ich persönlich fast allem von Yes – natürlich abgesehen von den „Yes-West“-Alben – noch etwas abgewinnen kann... Etwas verwundert bin ich da schon über die schroffe Ablehnung, die nun „Heaven & Earth“ erfährt.

Sicher, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand dieses Album für einen Geniestreich der Band halten wird. Dennoch sehe ich die Differenz zum Vorgänger „Fly from Here“ als gar nicht so dramatisch an. Auf „Fly from Here“ scheint jedoch immerhin der alte Proggie-Trick verfangen zu haben, ein Sammelsurium unzusammenhängender Stücke mit einem Titel zu versehen und als „Longtrack“ zu verkaufen. Tatsächlich spielen Yes schon lange keinen „richtigen Prog“ mehr, sondern schon seit halben Ewigkeiten Rock bzw. Pop mit gewissen klassischen, progressiven Anteilen, der sich meistens wie sinfonischer Poprock anhört. Und hier und da ist dann ein Song oder ein Teil von einem Song dabei, der irgendwie proggiger klingt als der Rest.

Ich glaube einfach, dass Yes inzwischen in ihr Endstadium eingetreten sind, in dem sie zwar noch keinen trivialen Poprock spielen, sondern immer noch ein paar klassische Trademarks aufweisen. Aber sie sind nahe dran. Der Vorwurf wird Yes freilich schon spätestens seit Tormato gemacht, aber die alten Fans hegten trotz aller weiteren „Irrläufer“ immer noch die Hoffnung, dass doch noch etwas „Großes“ zu erwarten sei, vielleicht weil sie es live doch noch immer drauf hatten. Und dann waren da doch auch noch die erneuten proggigen Versuche im Zuge der Retroprog-Euphorie der 90er. Wobei damals auch schon viel Hep-Yadda war...

Ähnlich wie zuletzt schon auf „Fly from Here“ spielen Yes auf „Heaven & Earth“ einen einfach strukturieren Poprock mit ein paar netten proggigen Accesoires, nur dass hier auch noch der formale Aspekt eines Longtracks fehlt (der meiner Ansicht nach schon auf Fly from Here reine Hülse war). Um bei den üblen Aspekten zu bleiben: es gibt eine Menge pseudo-klassischer Keyboard-Linien, die einige Songs zwar sinfonisch klingen lassen, aber doch keine echte Substanz aufweisen. Hinzu kommen bei zumindest zwei Stücken recht schauerliche Kindermelodien, die zurecht bemängelt werden und sich unerbittlich ins Gedächtnis brennen: Step Beyond und It was all we knew, das mich an die damals schon altbackenen Melodielinien der Moody Blues anno 1970 erinnert, ausgerechnet ein Howe-Song, der sonst keine so schlechte Arbeit abliefert. Außerdem ist da noch die einschläfernde akustische Ballade „To Ascend“. Also, es gibt wirklich eine Menge zu meckern. Selbst bei wohlwollender Betrachtung.

Dennoch ist nicht alles einfach nur schlecht, was zu hören ist. „Believe again“ besitzt bei allem banalen Pomp doch etwas proggige Tiefe. Und „The Game“ hat bei aller hep-yadda-mäßigen Melodie-Seligkeit doch einen ansprechenden artrockigen Charakter. Ein echtes Highlight – zumindest, wenn man nicht „Tales from Topographic Oceans“ als Maßstab zugrunde legt – ist das leicht jazzige, etwas bluesige „In a World of our own“, das außerdem mit einem einnehmenden, ebenfalls leicht jazzigen Gitarrenspiel Howes aufwartet. Und „Light of the Ages“ ist genau das, was man als anspruchsvolle, leicht proggige Rockmusik bezeichnen kann. Gewiss kein echtes Prog-Highlight, aber es weist ein gelungenes Instrumentalintro und eine sehr differenzierte musikalische Gestalt auf. Und ganz schließlich ist da noch das ebenso gelobte wie verdammte „Subway Walls“, das meiner Meinung nach gar nicht so sehr aus dem Rahmen fällt. Auch hier gibt es ein etwas nerviges pseudo-klassisches Intro und danach einige proggige Instrumentalstellen, die aber keinesfalls den gesteckten Rahmen des Albums sprengen.

Alles in allem reichen die Lichtpunkte aber keinesfalls aus, um aus „Heaven & Earth“ ein irgendwie großes Album zu machen. Aber sie lassen mich als Hörer zumindest nicht vollkommen frustriert zurück. Genau so sollen Yes heute also klingen. Die musikalische Alters-Dämmerung hat die Band deutlich erfasst, trotz – oder wegen? - des wiederum neuen Sängers. Ich glaube auch nicht, dass es mit Anderson besser geworden wäre. Dagegen sprechen die zahlreichen mediokren Alben der letzten Jahre von Anderson. Yes ist ein Gruppenprojekt, das so klingen will, wie es nun klingt. Man kann es hassen (leicht) oder mögen (schon schwerer). Ich persönlich habe mich mit dem Alterswerk dieser ehemaligen Speerspitze des Prog arrangiert. Zumindest spielen sie keinen AOR-Prog wie zu Yes-West-Zeiten (vgl. etwa „Walls“). Wobei... die Kollegen von Asia zeigen, dass man auch dies würdevoll gestalten kann. Die Differenz zwischen Yes und Asia ist davon ab heute schon relativ gering geworden.

Fazit: Kein Album, dass der Yes-Fan der alten Schule haben muss. Der hält sich eh an die großen Klassiker aus den 70ern. Aber wer mit „Fly from Here“ noch etwas anfangen konnte, der wird auch hier keine vollkommene Bauchlandung erleben.

Anspieltipp(s): Believe again, In a World of our own, It was all we knew, Subway walls
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.7.2014
Letzte Änderung: 22.7.2014
Wertung: 7/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 7)


Ein paar ältere Herren, die sich YES nennen, nehmen ein neues Album auf und die "grau gewordenen Gralshüter des Prog" (Zitat Rezensent im www) treten das Album auf den BBS in die Tonne. Und das völlig zu Recht, wie ich anfügen möchte.

Ich habe soeben ein langes Interview mit den Musikern im "Prog"-Magazin gelesen und bin, wie so oft, erstaunt, wie sehr die Wahrnehmung der Künstler von der Meinen entfernt ist. Da wird von einer Art "Best of" Album der Band gesprochen, in welchem alle Stile und Facetten des Yes-Prog enthalten seien, werden komplexe Tracks versprochen, an einer Stelle sogar darüber schwadroniert, dass jedes neue Album das beste Album seit Going For The One oder Close To The Edge sei. Das ist schon gruslig und ich frage mich echt, ob ICH was an den Ohren habe, oder DIE.

Das müssen die doch selber hören, dass das nicht im Entferntesten an irgendeines der früheren Alben heranreicht. Oder sind die bereits taub? Wobei man selbst dann noch grandiose Dinge komponieren und sogar dirigieren kann. Beethoven hat es vorgemacht; allein: er war ein Genie, wovon die Mitglieder von Yes Lichtjahre entfernt sind. Vielleicht liegt das Problem ja aber auch zwischen den Ohren…

Kollege Brückner ist der Meinung, wenn man einmal ein "Close to the Edge" komponieren konnte, dann müsste man das doch wieder können. Schön wär`s. Meilensteine der Kunst lassen sich eben nicht beliebig wiederholen, sonst wären sie eben keine Meilensteine. Es gibt nur eine Mona Lisa und einen Faust. Auch klassische Komponisten wie Mozart, Beethoven und andere haben nicht nur geniale Musik geschrieben. Beethovens fünfte und neunte Symphonie sind von anderer Güteklasse als die anderen sieben.

Warum aber ist die Musik auf "Heaven & Earth" so lahmarschig, so traaaanig, so leblos, so dahinplätscherig. Ich denke das liegt auch daran, dass die Herren Squire, Howe, White und Downes es technisch einfach nicht mehr drauf haben. Man kann nur das denken und komponieren, was man auch spielen kann. Chopin und Paganini konnten auch deshalb unvergleichlich virtuose Musik komponieren, weil sie gleichzeitig exzellente Musiker an Klavier und Geige waren. Okay, ich übertreibe ein wenig. So generell kann man das wohl nicht sagen; dennoch bin ich überzeugt, dass im Entstehungsprozess eines Stückes, wenn ein Musiker beispielsweise alleine vor sich hin spielt, in Abhängigkeit von der Fingerfertigkeit und der simplen Handwerkskunst sehr Unterschiedliches entsteht oder "passiert".

Hört man sich im Falle von Yes Alben aus den 70ern an und vergleicht die Gitarrensoli, das Bassspiel und die Keyboardläufe mit vorliegenden Kompositionen, dann ist der Unterschied in den technischen Fertigkeiten unüberhörbar. Das Howe-Solo im Opener ist schmerzhaft geriatrisch-arthritisch.

Es ist müssig darüber die diskutieren, ob sie es noch immer könnten und wenn ja, warum sie es dann nicht tun. Oder ob sie nicht wollen. Oder warum sie überhaupt noch Alben aufnehmen, nachdem man sich nach dem ordentlichen Magnification vermeintlich zur ewigen Ruhe gesetzt hatte. Das Geld kann es nicht gewesen sein, denn gemäss Squire war Fly from here ein Minusgeschäft, wo die Band am Ende draufzahlte. Ich weiss es auch nicht.

Meine Vorredner haben die Musik bereits treffend beschrieben. Kinderlieder trifft es mitunter recht gut. Wobei ich anfügen möchte, dass viele Kinderlieder gehaltvoller sind als das hier vorliegende Album. Bei Rolf Zuckowski fühle ich mich ehrlich gesagt besser unterhalten…

"Heaven & Earth" ist ein schwaches Album. Sowohl an früheren Yes-Alben gemessen, wie auch an anderem zeitgenössischem Progrock. Es wird dennoch seine Fans finden; über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Der Rezensent aus dem www (danke übrigens für den Azzlack) meinte, er möge das Album wohl, weil er dumm sei. Das kann ich nicht kommentieren.

Anspieltipp(s): egal
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.7.2014
Letzte Änderung: 29.7.2014
Wertung: 2/15

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Von: Holger Grützner @ (Rezension 5 von 7)


„Wo sind meine 11/12tel Takte?!!! Eine YES-LP ohne 11/12tel Takte? Das ist ein No-go! Furchtbar, furchtbar! Buh! Schafft sie weg! Brrrr.“

Scherz beiseite. Wenn man all die Verrisse im WWW so liest und dann die Platte hört, ist man verblüfft, wie gut sich das trotz alledem anhört.

Reden wir mal von den gelungenen Seiten dieser Veröffentlichung:

1. Der Sängerwechsel ist schon wieder geglückt! Erstaunlich, wie leicht sich so ein Kopfstimmenakrobat, wie Jon Anderson einer war, ersetzen lässt. Reihenweise laufen diese Typen in England scheinbar rum.

2. Man überließ ihm die leidige Texterei und siehe da, er verstand sich anzupassen ans Anderson-Erbe. Allein schon die Auflistung der Songnamen liest sich wie ein Beweis für Traditionsbewusstsein!

3. Endlich eine Yes-Scheibe für die Autobahn. Ich mag YES seit einer Ewigkeit, aber als On-the-Road-Mugge waren sie mir bisher denn doch zu nervig.

4. Kinderliedvorwurf? Blödsinn. Rolf Zuckowski ist noch weeeeeit weg! Und das ist gut so! Diese Art Streetworkerpathos könnte wirklich traumatisieren. Believe me, Folks! Als 2facher Vater weiß ich, wovon ich spreche. Wenn man zu große Eingängigkeit kritisieren will, die der scheinbar-tägliche-Relayerkonsument ja hasst wie die Pest, dann sei daran erinnert, dass auch die Kultscheiben der 70er Tracks enthalten wie „time and a word“, „Wonderous stories“, „Circus of heaven“ usw.

5. Die Kompositionen kommen leichtfüßig daher, aus der Hüfte geschossen, routiniert –

allerdings fangen da auch die Schwächen an:

1. -vielleicht ein bisschen zu routiniert; ein paar gewaltigere Schlenker hätten hier und da schon noch Salz in der Suppe sein können. Bei „Keys to ascension II“ beginnt die Studiohälfte mit „Minddrive“, dem Überstück alter Schule und hinterher flaut das Ganze etwas ab, ohne richtig schlecht zu werden. Hier ist es andersrum: Das Beste Stück kommt zum Schluss. Viele Hörer spannt man damit (siehe Shitstorm allüberall) wohl zu sehr auf die Folter.

Die 2. Schwäche und für mich das Hauptmanko liegt in der Kürze der Texte. In der Regel zwei 4-Zeiler und ein Refrain. Damit das für 4-5 Minuten reicht, wird jeder Song komplett zweimal gesungen und DAS ist wirklich dürftig.

Die 3. Schwäche sehe ich in dem rhetorischen Unvermögen der Musiker, die Platte angemessen anzupreisen. Die dauernden Vergleiche mit „Close to the edge“ sind tatsächlich sehr weit daneben. Sie hätten ja auch sagen können: Mit „open your eyes“ wollten wir Popsongs versuchen und fielen auf die Schnauze, inzwischen halten wir Melodien durch; denn immerhin:

Machwerke wie „open your eyes“ und „Union“ werden bei weitem nicht unterboten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Barclay James Harvest zu "Ring of changes" Zeiten
Veröffentlicht am: 29.7.2014
Letzte Änderung: 29.7.2014
Wertung: 9/15
in Schulnoten also ne gute 3

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 6 von 7)


Für mich meine Herren (wieso haben wir eigentlich keine Rezensentin?) ist "Heaven & Earth" das beste Yes-Album seit "Going for the One". Muss ich das jetzt noch begründen? Reicht nicht einfach das positive Gefühl aus, welches das Album hinterlässt? Gefühle muss ich nicht begründen. Da aber die Rezi sonst arg kurz wär, vielleicht doch einige Punkte der Rechtfertigung *hüstl*:

Punkt 1: kein nervenraubendes um den Lutscher rumlutschen und vorbeispeicheln, sondern ab das Ding in den Mund, heißt also: seelenloses Gefrickel ade, ein hoch auf die Melodie, juchee! Kindermelodien? Hatten die Beatles auch. Schlümm? Ich meine nicht. So würden die Beatles klingen wenn sie zuviel Yes gehört hätten. Jap, dies ist Yes(s?, Yesses, Yessens? Jessas!) Beatles Album!

Punkt 2: Wer Yes wegen ihrer Alben aus den 70ern kauft, und dann mäkelt, ist selbst Schuld. Wem muss die Band also noch was beweisen? Ebenst. Die Meisterwerke sind da, ergötzen wir uns daran. Ein Neues wird nicht mehr kommen und das wussten wir doch spätestens seit "Tormato", oder?

Punkt 3: "Heaven & Earth" ist ein entspanntes Spätwerk und mit Abstand ihr Migränefreundlichstes (Bestätigt by Selbsttest). Man kann sich treiben lassen, kann die Skiptaste oder den Tonarm endlich ruhen lassen, ohne dass der Eigene dabei einschläft. Bin weder Taktzähler, noch achte ich auf Notengirlanden, wenn man es doch tut, gibt es in jedem Song viel zu entdecken, wer das Album von vornherein schlechtredet findet natürlich nix. Ich hab viel gefunden. Vorallem unbezähmbare Ohrwürmer. Ohrwürmer bei nem Yes-Album? Wohl, wohl. Natürlich nicht bei einem Durchgang mit Ekelmine.

Kritik ist also auch immer Einstellungssache. Ich ging ohne Erwartungshaltung ran und wurde positiv überrascht, liegt wohl auch daran, weil ich mit Yes sonst nicht so kann. Und wer kann schon für alle sprechen, also tu ich es nur für mich. Neben "Going For The One" mein Yes-Liebstes. Sollte man Schaumbädern beilegen, obwohl die Gefahr des Ertrinkens, wäre doch sehr arg. Bleibt noch eine wichtige (?!) Frage: Reden wir noch über Prog? Die Frage habe ich während des Schaumbads vergessen. Jetzt hab ich runzelige Finger...ist das schlimm??

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Beatles (Spätphase), Pink Floyd (Spätphase), Pendragon (Frühphase)
Veröffentlicht am: 4.8.2014
Letzte Änderung: 4.8.2014
Wertung: 10/15
das Yes Album für Yes-Nicht-Möger

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 7 von 7)


Jedes Jahr gibt es ein seltsames und umstrittenes Album, auf das ich mich mehr freue als auf alle sonst noch denkbaren musikalischen Überraschungen. Dieses Jahr ist es eindeutig dieses Album gewesen – und nun lässt die lange Vorfreude endlich gebührenden Platz zum Reflektieren, was ich da nun eigentlich gehört habe.

Die zahlreichen Verrisse ließen mich völlig kalt, das Lob einiger Hörer, die sich im Netz outeten, ebenso: ich mag es nicht, wenn mir vorab eine Meinung vorgegeben wird, damit ich mir keine eigene mehr bilden muss…

Als ich das umstrittene „Heaven & Earth“ nun endlich hörte, wanderten meine Gedanken in eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hatte: ich musste an Jon Davison denken, nebenbei an Ray Wilson, an Nad Sylvan, an Benoit David und ein ganz klein wenig sogar an John Payne. Alle sind Sänger, die etwas gemeinsam haben: sie sind in die Fußstapfen eines großen bis übergroßen Vorgängers getreten. Vielleicht hätte ich auch noch an Phil Collins denken sollen?

Aber man kann ja nicht an alles denken. Stattdessen dachte ich an Jon & Jon. Und an das noch immer aktive Yes-Trio Squire, White und Howe. Und an Downes, der eigentlich zum Asia-Drama gehört und trotzdem von Yes nicht loskommt.

Dann achtete ich auf die Kinderliedchen und auf die gescholtenen Keyboard-Sequenzen, die so viel Häme verursacht haben – und plötzlich stieg in mir eine Mutmaßung auf (die ich natürlich nicht verifizieren kann): wäre es möglich, dass die es gar nicht anders wollten? Dass die einfach Bock auf einfache Songs hatten?

Nun gut, da kommt der Nik und bezweifelt, dass sie es nicht mehr besser können. Das bezweifle ich auch. Aber können ist nicht gleich wollen: woher will ich denn wissen, was mir Spaß macht, wenn ich in den Mittsechzigern bin?

Nun wanderten meine Gedanken verstärkt zu Jon II (und all den anderen genannten Sängern): stellt euch mal ein Plakat vor (das es natürlich nie gegeben hat) und das ankündigt: ‚Yes treten auf: mit Jon in der Rolle von Jon!’ Oder „Genesis mit Ray in der Rolle von Phil Gabriel“? Muss da nicht ein Kindheitstraum wahr werden? Wenn ich das Kind wäre: ich würde das voll auskosten, und wären die zu erwartenden Kritiken auch noch so vernichtend.

Kommen wir wieder zu dem Jon/Jon-Duo: Davison ist auf 7 von 8 Tracks der Ko-Autor. Erneute Mutmaßung: Als er diese Songs mitverfasst hat, woran wird er dabei gedacht haben? An seinen gigantischen fast stimmengleichen Namensvetter oder an eine Band namens Glass Hammer, deren Alben sich wohl kaum jemand täglich anhört und in der er Sänger in einer Parade von vielen ist, die sich dort das Mikro abwechselnd in die Hand geben? Wenn ein gewisser Jon II eine Stimme hat, die der eines gewissen Jon I zum Verwechseln ähnlich ist, worin könnte dann sein größter Sänger-Traum bestehen? Dass er eines Tages nicht mehr nur Jon heißt und wie Jon singt, sondern auch die Rolle des Jon spielt? Oder dass er Prog macht? Was macht mehr Eindruck: einer der bekanntesten Prog-Bands aller Zeiten eine neue alte Stimme verleihen zu können oder eine Retroprog-Band in den USA singend zu begleiten, die neben vielen anderen Bands auch mal Yes nachahmt und deren zwei reinrassige Yes-Klone von vielen wohl nur deshalb gehört wurden, weil sie auch Yes-Covers trugen? Das kann er bei den echten Yes auch haben – ein Yes-Cover zum An-Schauen und zum An-Hören non-proggige Musik, die sich nicht einmal die Mühe macht, Yes zu klonen…

Und warum klonen Yes nicht einmal mehr Yes? Wieder eine mutgemaßte These: weil Jon II keine Yes-Musik machen wollte, sondern Jon-Musik. Und weil er sich bei diesem Unterfangen als Ko-Autor mehr an Jon I orientiert hat als an Yes. Der Albumtitel „Song of Seven“ ist als Bezugspunkt in den Rezensionstexten auf dieser Seite bereits genannt worden; aber was soll der Geiz? – Gehen wir einen Schritt tiefer und bringen wir mal den Titel „In the City of Angels“ ins Spiel: auch so ein Album, das in Prog-Kreisen keine nennenswerte Anerkennung findet – dabei enthält es echte Jon-Musik. Jon II, der sich vielleicht gar nicht darüber beruhigen kann, dass er jetzt zu einem zweiten Jon I geworden ist, hält sich an die Vorgaben der Jon-Musik, wie sie bisher war (den Yes-Teil kann er ja den Yes-Veteranen überlassen – selbst wenn sie ihn vernachlässigen), und er selbst hätte wahrhaft ungeschickter wildern können (ich will gar nicht erst die Titel „Deseo“ und „The more you know“ fallen lassen).

Okay – wildern tue ich mit meinen gewagten Mutmaßungen auch: treibe ich mich doch in den Gefilden der Jon-Musik herum und gebe damit indirekt zu, dass ich nicht zu denen gehöre, die sich heimlich ein neues „Close to the Edge“ wünschen. Be careful what you wish for! Seit ich gehört habe, wo sich Anderson II (also der Ian) musikalisch zusammen mit dem Untoten Gerald Bostock bewegt, lasse ich die alten Zeiten lieber alt bleiben: die zwei neuen Alben des Ian haben zwar recht gute Kritiken bekommen, aber überzeugen tut mich deren Mix aus Versatzstücken darauf auch kaum. So, wie es nach der Ilias und der Odyssee nie wieder ein homerisches Epos gegeben hat, so wird es auch nie wieder ein „Close to the Edge“ geben, jedenfalls nicht von Yes. Und wenn doch, werden untote Versatzstücke darauf sein, die ebenso schnell der Vergessenheit anheim fallen werden wie dieses vergängliche Jon-Album, auch wenn es „Himmel & Erde“ zugleich umfassen wollte.

Habe ich mich jetzt ins eigene Knie geschossen? Klar doch: wenn es kein zweites „Close to the Edge“ mehr geben wird, wer braucht dann ein zweites „In the City of Angels“? Niemand von uns Proggies! Aber Jon II, der braucht das wirklich – lässt es doch (mutmaßlich) einen langgehegten Traum für ihn wahr werden.

Fazit: Wer „Heaven & Earth“ erwirbt, gibt damit Jon II die ersehnte Anerkennung. Wer es nicht erwirbt, verpasst ein weiteres Jon-Album. Er verpasst kein Yes-Album. Obwohl: wenn er Komplettist ist, verpasst er auch das (manchmal hört man Howe gut heraus). Aber wenn er es nicht verpasst, hat er ein Album mehr, das er ab übermorgen kaum noch hören wird. Eher wird er was von Glass Hammer hören wollen. Aber auch das nicht allzu oft…

PS: „Open your Eyes“ halte ich für das sogar noch schlechtere Yes-Album! Denn es tut so, als wäre es was und hat dann keine Substanz. „Heaven & Earth“ tut gar nicht erst so.

Anspieltipp(s): Am besten in der Mitte anfangen und dort auch aufhören…
Vergleichbar mit: Jon-Musik mit Jon I (aber ohne Yes) bzw. Jon II-Musik (aber ohne Glass Hammer)
Veröffentlicht am: 23.9.2014
Letzte Änderung: 22.9.2014
Wertung: keine Es ist definitiv kein Prog, also wäre eine Bewertung vergebene Liebesmüh. Dennoch kann ich das Album verstehen und feinde es nicht an: jeder hat so seine Träume, doch „Noone can appreciate somebody else’s dream“, wie Tony Banks einst schrieb.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Fragile 11.20 5
1972 Close To The Edge 13.80 13
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1973 Yessongs 13.00 3
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1975 Yesterdays - 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Yesshows 10.00 3
1980 Drama 11.50 8
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 Union 6.00 7
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 YesYears 13.00 2
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1992 Yesstory - 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1994 Talk 6.17 6
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 The Ladder 6.00 7
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.00 9
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2002 Yes today - 1
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 Extended Versions - 2
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2006 Essentially Yes - 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1

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