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Electric Orange

Volume 10

(Tipp des Monats 10/2014)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Krautrock; Postrock; RIO / Avant; Spacerock
Label: Studio Fleisch
Durchschnittswertung: 12.5/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Tom Rückwald Double Bass, Electric Bass, Bass Violin, Noisebass
Dirk Bittner Electric Guitars, Acoustic Guitar, Phonofiddle, Mandolin, Banjo, Percussion
Georg Monheim Drums, Percussion, Tube Wah, Cymbals
Dirk Jan Müller Moog, Rhodes, Mellotron, Harmonium, Hammond, Prophet, MU Modular, MS20, RS202, Farfisa Professional Duo, Philicorda, Voice

Tracklist

Disc 1
1. Paraboiled 7:42
2. Slowbind 6:00
3. Symptom Of The Moony Nurse 5:12
4. Suite Beef 13:54
5. A Tuna Sunrise 6:40
6. Behind The Wall Of Sheep 20:25
7. Seven And Smell 4:08
8. Worn Utopia 15:19
Gesamtlaufzeit79:20


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 5)


Welch seltsame Begriffe tauchen denn da in den Besetzungsangaben auf? Bei einer "Bass Violin" sollte es sich eigentlich um ein "archaische" Bassgeige aus dem 17ten Jahrhundert handeln, eine Art Vorläufer des Cellos, aber etwas größer. Ein Zwischending zwischen Cello und Kontrabass ... was für eine Antiquität Tom Rückwald hier wohl bedient? Allerlei tiefer Streicherklang ist jedenfalls auszumachen, doch wird der auch vom Kontrabass kommen. Noisebass? Na, man höre halt mal das profunde Rumpeln und Krachen in "Worn Utopia"!

Höherer Streicherklang könnte dagegen von der "Phonofiddle" stammen. Das ist wohl eine Strohgeige (nein, die hat keine Saiten aus Stroh, sondern wurde von einem Herrn namens Johannes Matthias Augustus Stroh erfunden), ein Ding, das aussieht wie eine Kreuzung aus Violine und Trompete. Die Saitenschwingung werden bei dem Instrument auf eine Membran übertragen, deren Luftschwingungen dann durch einen Trichter aus Metall verstärkt werden. Das klangliche Ergebnis sollte um einiges lauter sein, als bei einer normalen Violine.

Dann gibt es da noch allerlei angestaubte Tasteninstrumente. Eine Philicorda ist eine der ersten elektrischen Heimorgeln vom Anfang der 60er Jahre, die von der holländischen Firma Philips hergestellt wurde. Der Prophet sollte dagegen ein polyphoner Synthesizer der Firma Sequential Circuits aus den frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sein. Was haben wir da noch ... MS20. Das wird wohl ein Korg MS-20 sein, ein monophoner Analogsynthesizer der erstmals 1978 zu haben war. Und dann bedient Dirk Jan Müller noch einen RS202, ein Synthesizer der Firma Roland, mit dem man Streicher- und Blechbläserklänge erzeugen konnte.

Ob es sich beim MU Modular wirklich um ein E-mu Modular System handelt, einen mehrteiligen, aus den frühen 70er Jahren stammenden, ziemlich sperrigen analogen modularen Synthesizer der Firma E-mu Systems? Davon soll es nur noch rund 100 Stück auf der Welt geben. Allerdings habe ich durchaus den Eindruck, als könnte Dirk Jan Müller ohne Probleme ein Keyboard-Museum eröffnen. Schliesslich gibt es noch allerlei bekannteres Instrumentarium wie Hammond Orgel, Fender Rhodes E-Piano, Mellotron, Farfisa Orgel, Perkussives, Bässe, ein Banjo, eine Mandoline und E-Gitarren. Im kurzen "Seven And Smell" erklingen sogar menschliche Stimmen.

Vermittels all dieser Klangquellen haben Electric Orange ihr zehntes Album (nur die als reguläre CD oder LP erschienenen Studioalben gezählt) aufgenommen, welches passenderweise den Titel "Volume 10" bekam. Das Ergebnis ist ein sehr beeindruckendes und farbiges Gemenge an Klang, hallend-kosmisch, mächtig-tiefgründig, treibend-intensiv, monolithisch-hypnotisch, klangvoll-voluminös und ergreifend-intensiv. Eine Mischung aus Retroelektronik, Neokrautrock, Postrock, Experimentalambient und Space-Symphonik gibt es auf "Volume 10" zu hören, oder ein sehr dichtes Soundhomogenat aus Ingredienzien, die man diesen Stilhilfsbegriffen zuordnen könnte.

Allzu viel krautig-spaciges Gejamme gibt es diesmal nicht zu hören. Die Musik ist seltsam ernst und ergreifend, fast erhaben bisweilen, obwohl es natürlich immer noch sehr treibende, von wuchtigem Getrommel bestimmte Abschnitte gibt (der Grossteil von "Behind The Wall Of Sheep" z.B.), die bisweilen dynamisch-repetitiv-Neu!-artig aus den Boxen gleiten. Diverse elektronische Sounds, Orgeltöne und knarrend-tiefe Streicherklänge sorgen hier oft für ein sonores Fundament, über dem sich allerlei Geklampfe, E-Gitarrengenörgel, wummernde, manchmal fast jazzig-flotte Kontrabassmuster, hallende E-Pianoschläge, diverse Synthersizerlinien, mysteriöses Violinenseufzen und das mal flott-treibende, mal getragen-rumpelnde Schlagwerk erheben. Gemächlich-statisch bis repetitiv-hektisch arbeiten sich die Klänge aus den Boxen, mal spacig-allumfassend (den Geist gefangen nehmend), mal eher verstörend, schräg und sperrig (man lausche dem abschließenden "Worn Utopia"), aber immer sehr mächtig und klangvoll.

Mit "Volume 10" haben Electric Orange ein beeindruckendes Album vorgelegt, eine intensive und sehr eigenständige Sammlung an elektronisch-(post)rockigen Klangschöpfungen im krautig-kosmischen Geiste, die ich jedem Freund von solch atmosphärisch-intensiven Klängen schwer empfehlen möchte. Sehr stark!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.8.2014
Letzte Änderung: 26.8.2014
Wertung: 13/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 5)


Dirk Jan Müller scheint momentan sehr umtriebig zu sein. Neben diversen Seiten- bzw. Soloprojekten erschien mit "Volume 10" endlich wieder eine neue CD von Electric Orange. Die letzten beiden Alben "XX" und "Live at roadburn 2012" sind ja "nur" als Vinyl bzw. via Bandcamp als Download erhältlich.

Seit dem Weggang von Josef Ahns gab es für meine Ohren eine leichte Verschiebung hin zu mehr elektronisch gefärbter Musik, die stärker die Richtung "frühe deutsche Elektronik" einbezog und die Gitarrenparts eher im Hintergrund versteckte. Das treibend-kraftvolle Wechselspiel zwischen Gitarre und Orgel/Tasten, welches oft auf "Morbus" oder "Platte" zu hören war, wurde durch spacig-erhabene Klangwelten ersetzt. Treibend ist oft "nur" das Schlagzeugspiel, das stellenweise an indianisch-schamanisches Getrommel erinnert.

Mit "Volume 10" fügen Electric Orange interessanterweise die Klänge diverser akustischer Instrumente hinzu. Nicht das sie jetzt in "unplugged" machen, aber Bassvioline, Banjo oder Mandoline geben den Stücken neue Klangfarben, die der Musik gut zu Gesicht stehen und sich neben den ganzen analog-elektronischen Sounds behaupten können. Schon der Opener „Paraboiled“ klingt, als ob ein Kammermusik-Quartett sich mal eben an einem Krautrockstück versucht, oder eben EO sich an dessen Instrumenten austobt. Im zweiten Titel übernehmen sie davon diesen herrlich tiefen- sägenden, celloartigen Ton, lassen ihn mit schammanisch-treibenden Getrommel und einem Banjo-Riff interagieren und ab geht die Post. Bekannte und doch neue Töne von EO. So könnte es geklungen haben, wenn die Incredible String Band mal ein Stück von Tangerine Dream interpretiert hätte. „Sympton of the moony nurse“ leitet die „Gegenoffensive“ ein. Ein wuchtiger E-Gitarrenriff eröffnet das Stück und dann flirren die diversen elektronischen Klangkörper im Duell mit der Gitarre spacig-wuchtig durch den Raum. Bass und Schlagzeug liefern dazu das passend-treibende Fundament und wenn abschließend der Sequenzer aus dem Hintergrund auftaucht, kulminiert der Titel in einem wuchtigen Finale, das abrupt abbricht um lyrisch sanft in elektronische Klangwelten abzutauchen, immer mit akustischen Ingredienzien angereichert.

Trotz Unterteilung in die acht Titel gehen so die Stücke nahtlos ineinander über: von elektronisch-erhaben über spacig-rockend hin zu freiklingend-sperrig. Insgesamt ein sehr unterhaltender Trip über fast 80 Minuten, den man am besten unter einem Kopfhörer genießen sollte und für mich die bisher stärkste Platte im umfangreichen Werk der Gruppe.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.9.2014
Letzte Änderung: 4.9.2014
Wertung: 13/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 5)


Auf ihrem zehnten Album steht die Aachener Formation dem Geist des Krautrock näher als je zuvor und klingt doch gar nicht so sehr nach Krautrock. Ein Widerspruch? Keineswegs, denn der Urgedanke des Krautrock war nicht, irgendetwas Bestehendes nachzumachen, sondern neue Ausdrucksformen zu entwickeln, und das macht das Quartett hier exzessiv.

Gar nicht so rockig geht es hier über weite Strecken zu, geben stattdessen akustische Instrumente und analoge Elektronik den Ton an. Vor allem gestrichen wird viel, auf Instrumenten mit seltsamen Namen und seltsamen Klängen, langgezogen mäandernd oder in wildem Staccato kratzend. Dazu erklingen gerne Massen an Trommeln, die Stücke wie Slowbind (von wegen „slow“!) nicht nur ordentlich Dampf machen, sondern auch noch einen deutlichen Ethno-Einschlag verleihen, der für mich stark nach Zentralasien klingt. Als würden die Reiterhorden Dschinghis Khans dazu durch die Steppe galoppieren.

Aber von der Steppe wird man direkt in die tiefsten Tiefen des Weltalls katapultiert, wenn in Symptom of the Moony Nurse sphärische Elektronik und gleißende Gitarren eine klassische Spacerock-Orgie antreiben - wobei das wieder Ethno-orientierte Getrommel die Verbindung zur zentralasiatischen Steppe nicht abreißen lässt. Eine wirkungsvolle Kombination, vor allem, wenn im Schlussteil noch ein Sequenzerpattern einsetzt und den spacigen Eindruck verstärkt. Dieses Stück hätte gerne dreimal so lange sein dürfen!

Und so geht es weiter, mal schwebend, mal treibend, im steten Spannungsfeld zwischen Sphärik und Erdverbundenheit, wobei häufig beide Einflüsse kombiniert werden. Gerade die langen Stücke Suite Beef und Behind The Wall Of Sheep etwa könnten mit ihren endlosen Orgel- bzw. Elektronikschleifen einer frühen Session von Tangerine Dream entstammen, wenn nicht wieder eigenartig sperrig kratzende Streicher oder schamanistisch anmutende Trommeln den in höhere Sphären driftenden Hörer immer wieder auf den Erdboden zurückziehen würden. Freilich wieder auf den Boden Sibiriens oder der Mongolei, denn immer wieder scheint die Bassvioline, Strohgeige oder was auch immer von der Kargheit der Steppe zu erzählen.

Ein beeindruckendes Album, das den Geist des Krautrock belebt und dabei gleichzeitig spacig und erdverbunden klingt. Starke Scheibe!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.9.2014
Letzte Änderung: 9.9.2014
Wertung: 12/15

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Von: Harald Schmidt @ (Rezension 4 von 5)


Drei Vorrezensenten – die alle Recht haben mit dem was sie schreiben. Was kann man also noch beisteuern? Vielleicht einen Perspektivwechsel und ich begebe mich in die Position eines konservativen Prog-Puristen der alten britischen Schule, in die Position dessen, der besonders Dinge wie Struktur (Genesis) und Melodie (Yes, Marillion) schätzt. Und was fällt mir auf?

Eingetaucht. In eine Welt, in der Klänge sich fast berühren lassen.

Strukturen sind kaum auszumachen. Das Album ist ein langer Fluss aus Stimmungen, Experimenten, Klängen. Konkrete Melodien und Strukturen sind schwer auszumachen. Dadurch entsteht hypnotische Spannung – aber man darf auf nichts warten. Nicht auf den Moment der Auflösung und Ekstase, nicht auf die geniale Wendung der Melodie. Aber man kann sich in den musikalischen Moment des Flusses begeben und – ganz buddhistisch – an der Klangreise teilnehmen. Man muss es einfach geschehen lassen. Dann, und nur dann, kann man mit dem Album mitschwingen, eins werden und den Reiz entdecken. Ich möchte sogar soweit gehen, dass der Hörer durch das Album eine meditative Dimension erreichen kann. Ja, und doch geschehen noch Momente in denen die kraut-typischen Drum-Patterns erklingen und die meditative Ruhe erschüttern dürfen.

Aber es ist kein Prog-Album herzzerreißender Gitarrensoli, mitreißender Drum-Experimente oder fulminanter Keyboardsoli, weil es diese Elemente auf Volume 10 schlicht und ergreifend nicht gibt. Den Opener Paraboiled würde die große Mehrheit der Menschheit für einen unglücklichen Versuch des Instrumentestimmens halten.

Ist das Album Morbus von 2007 (mit dem superben Opener Einwahn) als Einstiegsalbum aus meiner Sicht optimal geeignet für die Welt von Electric Orange, so ist Volume 10 im Vergleich schwerer zugänglich. Nicht weil es etwa anstrengender wäre, nein, sondern weil die langgestreckten Passagen des klanglichen Waberns gerade dem traditionell eingestellten Progger schlicht zu atmosphärisch und scheinbar bewegungsarm sind.

Fazit: Man muss viel Ruhe um sich haben, muss Störungen unterbinden und ordentlich Zeit mitbringen, um adäquaten Kontakt zu diesem Album aufnehmen zu können. Und man muss die konservative Position verlassen – nicht das Ergebnis zählt, sondern der Weg will gegangen werden.

Aufgewacht. Aus einem 80-minütigen Trance.

Auch wenn ich vielleicht Prog-Traditionalist bin – Volume 10 ist ein außergewöhnliches Erlebnis und hinterlässt einen Grad der Entspannung wie kaum ein prog-verwandtes Album zuvor.

Anspieltipp(s): Slowbind
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.9.2014
Letzte Änderung: 10.9.2014
Wertung: keine "Kunst - kann man nicht messen..." (Badesalz)

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Von: Christian Rode @ (Rezension 5 von 5)


„Volume 10“ ist ein nur schwer zugängliches Album der Neo-Krautrocker, das allerdings seine ganz, ganz eigene Atmosphäre entfaltet. Das Electric in Electric Orange muss man zwar nicht aus dem Bandnamen streichen, aber was hier zu hören ist, ist bis hin zu den Drumsounds deutlich akustischer angelegt als man es von Electric Orange bisher kannte. Man könnte den Sound vielleicht als „Kosmische Weltmusik“ bezeichnen, die ihre Inspiration sowohl von den Berbern Nordafrikas und aus den Steppen Asiens als auch aus den Weiten des Alls bezieht. Das Elektronische ist dabei deutlich unter- und hintergründiger angelegt als man es gewohnt ist.

Am Anfang steht „Paraboiled“, eine genialisch düstere Improvisation, die in die treibenden Rhythmen von „Slowbind“ und „Symptom of the Moony Nurse“ überleitet. Was hier – kaum überbietbar in „Paraboiled“ zu hören ist, ist Atmosphäre, Athmosphäre und nochmals Athmosphähre. Der erste der drei Longtracks des Albums hätte dann das Zeug gehabt, die gleiche interstellare, suggestive Intensität wie Floyds „Set the Controls for the Heart of the Sun“ zu entwickeln, wenn es denn mit einem prominenteren Rhythmus unterlegt wäre. So aber mäandert das Stück fast eine Viertelstunde etwas antriebslos vor sich hin. Trotzdem klingt es nicht schlecht, aber da wäre einfach mehr drin gewesen. Etwas unglücklich wirkt auf mich auch, dass danach mit „A Tuna Sunrise“ wiederum eine – wenn auch schöne - ruhige Nummer folgt. Da stimmt die Dramaturgie leider nicht.

„Behind the Wall of Sheep“ vereinigt dann aber mit hoher dynamischer Dichte das weltmusikalische und kosmische Moment: in der ersten Hälfte ein heißer Ritt durch die Prärie, in der zweiten einer durch die Tiefen des Kosmos. Dem wohnt schon eine beängstigende, durchdringende Spannung inne. Ein Trip von 20 Minuten, der wie im Flug vergeht. „Seven and Smell“ wiederum blendet ungewohnt schnell aus. Schade, denn auch da wäre mehr drin gewesen. Mit „Worn Utopia“, einer der Improvisation nahen Nummer, schließt sich schließlich wieder der Kreis. Es wird nicht mehr ganz die phänomenale Größe von „Paraboiled“ erreicht, aber es ist ein würdiger Abschluss dieses ungewöhnlichen, nur schwer nahbaren Albums.

Bei aller klanglichen, biszarren Düsternis haben sich Electric Orange übrigens einen kleinen Scherz erlaubt, indem sie jedes Stück mit einem verfremdeten Black Sabbath-Titel versehen haben (Paraboiled – Paranoid, Slowbind – Snowblind usw.) ... Nettes, kleines Ratespiel!

Anspieltipp(s): Paraboiled, Seven and Smell
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.10.2014
Letzte Änderung: 11.10.2014
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Electric Orange

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1996 Cyberdelic 12.00 1
1996 Orange commutation 10.00 1
1999 Electric Orange (double CD Version) 10.50 2
2001 Abgelaufen 10.00 1
2001 Totales Brummen - 1
2001 Cows don't dream at night 11.00 1
2001 rechnung offen 8.00 1
2001 rote sonne 10.00 1
2001 sessions nebenan 11.00 1
2001 tonbandreste 10.00 1
2002 Unterwasser - Live 2002 12.00 1
2003 Platte 11.33 3
2007 Morbus 12.33 3
2008 fleischwerk 12.00 2
2010 Krautrock from Hell 10.00 3
2011 Netto 11.00 2
2015 Nein! HITS à gogo - Golden Recordings 11.00 2
2016 misophonia 11.60 5
2017 Würzburg Cairo 2015 12.00 1
2017 Time Machine 1992​-​2017 11.00 2
2017 EOXXV 9.00 5

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