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Hans-Joachim Roedelius

Tape Archive 1973 - 1978

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014 (Boxset mit 3x Vinyl und 3x CD)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Ambient; Elektronische Musik; sonstiges
Label: Bureau B
Durchschnittswertung: keine Wertung (1 Rezension)

Besetzung

Hans-Joachim Roedelius

Tracklist

Disc 1
1. Frisch auf (Skizze mit Farfisa - Tönen)   (Band 073 2)
2. Randweg (kurze etüdenhafte Skizze)   (Band 006 2)
3. Skizze 1 von 'By This River'   (Band 063 1)
4. Nächtens in Forst (Bordun mit Tongeneratoren)   (Band 030 1)
5. Runterkommen (Skizze mit Echo)   (Band 056 1)
6. Springende Inspiration (harmonische Skizze)   (Band 051 1)
7. Wellenbrecher (rhythmische Skizze mit Echo)   (Band 057 1)
8. Bock auf Rock (nicht verwendetes Stück)   (Band 068 3)
9. Am Röckchen (nicht verwendetes Stück)   (Band 073 4)
10. Skizze 2 von 'By This River'   (Band 006 1)
Disc 2
1. Aufbruch (Skizze mit Echo)   (Band 059 1)
2. Gedanken an gestern (kurze Song-Skizze)   (Band 063 2)
3. Rokkokko (nicht verwendetes Stück)   (Band 009 1)
4. Wohin rollst du Äpfelchen (Experiment mit zwe i Tongeneratoren im Hall   (Band 064 1)
5. Lied am Morgen (nicht verwendetes Stück)   (Band 068 1)
6. Unterwegs (nicht verwendetes Stück)   (Band 049 1)
7. Randweg (Skizze mit Echo)   (Band 052 1)
8. Skizze 3 von 'By This River'   (Band 073 1)
Disc 3
1. Runterkommen (Klangflächen mit Tongeneratoren   (Band 022 1)
2. Langmarschieren (Skizze mit Echo)   (Band 041 1)
3. Liebesbeweis (nicht verwendetes Stück)   (Band 062 1)
4. Waltz me Baby (rhythmische Skizze)   (Band 004 1)
5. Eines Morgens um halb sieben (nicht verwendetes Stück)   (Band 054 1)
6. Roedi Goes Crazy (Vorfassung von 'Watussi')   (Band 033 1)
7. Aber warum denn nicht (zwei Tongeneratoren im Spiel miteinander)   (Band 067 1)
8. Skizze 4 von 'By This River'   (Band 073 3)


Rezensionen


Von: Andreas Hofmann @


Bevor ich mich mit Schönheit und Sinnhaftigkeit dieser Box beschäftige, erst einmal eine kleine Schimpftirade zu Beginn: mit fast 100€ ist "Tape Archive 1973-1978" aus mehreren Gründen eine ganze Ecke zu teuer ausgefallen. Zum einen konterkariert Bureau B / Tapete Records hier die eigene günstige Preispolitik. Zum anderen gab es für die Musik an sich kaum Produktionskosten, weil sie schlicht und ergreifend bereits da war und nach der Sichtung allerhöchstens noch mal für einen kohärenten Gesamtsound gemastert werden musste. Zum letzten besteht die Box aus lediglich drei Vinylalben und drei CDs (mit denselben 26 Stücken); das immerhin vom Meister handsignierte Booklet mit ein paar (fünf!) Bildern sowie drei Texten (von Roedelius selbst, der ein paar Gedanken zu seinem Künstlerdasein liefert; vom Klangkünstler Asmus Tietchens, der mit Roedelius befreundet ist und ein paar durchaus interessante Infos zu dessen Vorgehensweise beim Komponieren zum Besten gibt; von Bureau B / Tapete Records-Mitgründer Gunther Buskies, der im Prinzip lediglich seiner Freude Ausdruck verleiht, diese Box herausbringen zu können) erfüllt für meine Begriffe nur einen Alibi-Zweck. Viel lieber hätte ich in Wort und Bild einiges mehr über die Aufnahmen der vorliegenden Stücke erfahren. Mit anderen Worten: zwar sieht die (handnummerierte) Box an sich durchaus schick aus, aber für diesen Preis hatte ich doch einiges mehr an Beiwerk erwartet. Natürlich kann man bei einer Auflage von 500 Stück nicht erwarten, sie zum Schleuderpreis erstehen zu können, aber 20-30€ weniger wären sicherlich angebracht gewesen.

OK, genug über dieses Ärgernis gemotzt. Generell gilt für Boxen dieser Art natürlich ganz eindeutig, dass sie nur für Fans gemacht und deshalb auch nur von Fans gekauft werden bzw. werden sollten. "Tape Archive 1973-1978" vermittelt auf jeden Fall einen hochinteressanten Einblick in die Arbeitsweise von Hans-Joachim Roedelius, der offenbar ständig seine Revox-Bandmaschine mitlaufen ließ, wenn er in seinem Heimstudio mit Farfisa-Orgel, Synthesizer und Echogerät für Cluster, Harmonia oder sich selbst herumexperimentierte. Besonderes die vier Skizzen von "By this river", das er zusammen mit Dieter Moebius für Brian Enos Album "Before And After Science" schrieb, sind sehr aufschlussreich, und man wird auch bei anderen Stücken immer wieder Passagen finden, die einem mindestens bekannt vorkommen. Tietchens bezeichnet die Sammlung der nicht zuletzt aus Kostengründen wieder und wieder verwendeten Bänder, die er erstmalig in einem prall gefüllten Koffer zu Gesicht bekam, als "geniale Unordnung", aber die deutsche Gründlichkeit, mit der sie durchnummeriert wurden, spricht da eine ganz andere Sprache. Die Vorstellung, dass Roedelius immer wieder die einzelnen Aufnahmen durchging, um brauchbare Ideen und Passagen wiederzufinden, diese umzugestalten und ggf. tatsächlich einmal zu verwenden, ist durchaus faszinierend und wäre ohne die entsprechende Buchführung wohl auch ein sehr hoffnungsloses und womöglich willkürliches Unterfangen gewesen.

Wenn man die Box durchhört, kann man sich auf jeden Fall gut vorstellen, wie Roedelius damals im Weserbergland Stunde um Stunde damit verbrachte, verschiedene Dinge auszuprobieren, und wie er manche Ideen auch einfach mal eine Weile laufen ließ, um ihre Wirkung zu erfühlen. Man sieht ihn förmlich, wie er hier noch ein Knöpfchen drehte, dort noch einen anderen Fingersatz testete und dann alles erst einmal wieder ein bisschen beiseitelegte, um Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre später noch einmal reinzuhören und sich darüber zu freuen, dass doch einige mehr als brauchbare Passagen dabei gewesen sind. Dass es bei den Aufnahmen, die es auf die Box schafften, auch abrupte Enden, technische Aussetzer sowie Verspieler gibt, macht die dahinter stehende Idee noch greifbarer, denn was hier erreicht werden sollte, ist – auch ohne gesonderte Anmerkungen und zusätzliches Bildmaterial – ein intimer Einblick in den Kompositions-, Arrangements- und Produktionsprozess dieses Pioniers elektronischer Klangkunst.

Um zum Abschluss noch einmal den hohen Preis aufzugreifen: Ja – diese Box ist viel zu teuer. Und nein – es gibt keinen Kaufzwang dafür, und man muss sie eigentlich auch nicht zwingend haben, selbst wenn man ein Roedelius-Fan ist. Wenn man sie (wie ich) aber doch besitzt und der Zeitpunkt der Bezahlung immer weiter in die Ferne rückt, kann man sich (wie ich) an rund 2,5 Stunden Musik aus den Jahren 1973 bis 1978 erfreuen und selbst bei vergleichsweise ereignislosen Tracks wie "Nächtens in Forst", "Wohin rollst du Äpfelchen", "Runterkommen" oder "Aber warum denn nicht" fasziniert bemerken, welche Wirkung selbst derart wenige Töne entfalten können.

Anspieltipp(s): Roedi Goes Crazy, die 'By This River'-Skizzen
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.11.2014
Letzte Änderung: 2.12.2014
Wertung: keine Hans-Joachim Roedelius unverdünnt

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Hans-Joachim Roedelius

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1978 Durch die Wüste 11.00 1
1979 Selbstportrait 9.00 2
1979 Jardin au Fou 11.00 1
1980 Selbstportrait - Vol. II 9.00 1
1980 Selbstportrait Vol. III "Reise durch Arcadien" 8.00 2
1981 Lustwandel 11.00 1
1981 Wenn der Südwind weht (Selbstportrait IV) 9.00 1
1982 Wasser im Wind 11.00 1
1982 Offene Türen 10.00 1
1984 Geschenk des Augenblicks/Gift of the moment 10.00 1
1998 Aquarello 8.00 1
1999 Global Trotters Project, Vol. I: Drive 7.00 1
2000 Roedeliusweg 11.00 1
2010 Ex Animo 11.00 1
2012 Plays Piano 11.00 1
2014 Kollektion 02 (electronic music) - 1

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