SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
19.2.2018
Virgil & Steve Howe - Nexus
18.2.2018
Kellerkind Berlin - Colourful Thoughts
17.2.2018
Goblin - Phenomena
A Silent Sound - Compass
Nadav Cohen - Lacuna
16.2.2018
Christian Fiesel - Analogy
Solefald - Neonism
Armed Cloud - Master Device & Slave Machines
It Bites - The Big Lad In The Windmill
15.2.2018
Tuesday the Sky - Drift
14.2.2018
It Bites - Map Of The Past
13.2.2018
The Flock - Truth - The Columbia Recordings 1969-1970
Subterranean Masquerade - Vagabond
Tautologic - Re:Psychle
Dry River - 2038
Babylon - Night Over Never
12.2.2018
Czeslaw Niemen - Enigmatic
Sunswitch - Totality
ARCHIV
STATISTIK
24379 Rezensionen zu 16667 Alben von 6497 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Yes

Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: live; Klassischer Prog
Label: Frontiers
Durchschnittswertung: 6/15 (1 Rezension)

Besetzung

Chris Squire bass, backing vocals
Steve Howe guitars, backing vocals
Alan White drums, percussion
Geoff Downes keyboards
Jon Davison vocals, acoustic guitar

Tracklist

Disc 1
1. Going for the One 6:51
2. Turn of the Century 8:36
3. Parallels 6:23
4. Wonderous Stories 4:39
5. Awaken 17:39
Gesamtlaufzeit44:08
Disc 2
1. Yours is No Disgrace 11:03
2. Clap 3:42
3. Starship Trooper 11:19
4. I've Seen All Good People 7:30
5. A Venture 5:03
6. Perpetual Change 10:03
Gesamtlaufzeit48:40


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


Die Diskussion um "Heaven & Earth" ist noch nicht verklungen, da legen Yes mit "Like it is" ein neues Live-Album vor. Wart mal – Diskussion? Die Fans streiten! Kann das der Sinn der Sache sein? Bei einer Band mit der positiven Ideologie, die Yes vertreten?

Bei Yes singt Jon Davison. Da gibt es die, die sagen, ohne Anderson sei Yes nicht Yes. Dazu schreibt mir neulich ein Feedbacker, mit dem ich seit "Heaven & Earth" sehr angeregt diskutiere (nicht streite): "Nik, die Lieder auf dem neuen Album wären doch um keinen Deut besser, wenn Anderson sie sänge". Stimmt. Dann gibt es die, die sagen, ihnen gefiele das Album eben, basta. Einer von denen hat mir vor ein paar Monaten den Satz geschrieben "Die Musik wird doch nicht besser (oder schlechter), nur weil ich sie mag (oder nicht)". Auch richtig. Und dann gibt es die, die das Album vollkommen daneben finden.

Zu denen ich gehöre. Denn es ist "Heaven & Earth" anzuhören, wie es entstanden ist. Und wer es nicht hören kann oder will, der kann es nachlesen. So gut manche Fans "Fly from Here" fanden, Frontiers hat damit ganz schön Miese gemacht. Und das Geld musste wieder reingeholt werden. Also touren, ein Live-Album mit alten Klassikern ("Live from Lyon"), und beim Nachfolger "Heaven & Earth" alles billig, billig, und deshalb schnell schnell. Zu wenig Vorbereitungszeit fürs Songwriting und für die Arrangements, ein billiger Produzent, nur die Hälfte der üblichen Studiozeit. Yes hätten gewollt, dass "Heaven & Earth" so klingt? Unsinn. Yes wurden durch Davisons Songs (eigene hatten sie kaum) gehetzt, die sie eigentlich aufwändiger hätten arrangieren wollen - aber guter Prog braucht Zeit, und Zeit ist Geld. Am Ende stellte sich auch noch heraus, dass man den falschen Produzenten angeheuert hatte, der Mix war unbrauchbar, und man rief Billy Sherwood an, damit der das Album schnell auf Yes trimmen und so retten konnte, was zu retten war.

Dem Album ist diese seine Entstehung deutlich anzuhören. Deshalb kam es in den allermeisten Kritiken nicht gut weg. Wir dürfen uns ärgern, wenn wir für unser Geld ein schlechtes Produkt bekommen. Das ist schon in Ordnung - und vielleicht stärkt es ja die Position der Band gegenüber ihrer Plattenfirma.

A propos Geld! Ich wette, trotz der ganzen Einsparungen fährt man auch diesmal wieder ein Minus ein. Und nun muss das Geld wieder reingeholt werden. Also wieder touren, für noch ein Live-Album mit alten Klassikern. Aber auch das kostet Geld: In ihrem Alter und mit ihren Krankengeschichten dürfte eine Yes-Tournee horrende Versicherungskosten produzieren. Entgegen ihrem Image haben die Jungs es einst nämlich ordentlich krachen lassen. All das produziert Kosten, und das Geld fährt man nun einmal nicht ein, wenn man auf Risiko spielt. Also gibt's "The Yes Album", "Fragile", "Close to the Edge" und "Going for the one", Jahr um Jahr, mal mit "South Side of the Sky", mal ohne, seit mittlerweile 20, 25 Jahren. Auch hier wieder, auf "Like it is". Ob sie die Songs überhaupt noch spielen können, ist dabei egal. Stattdessen entwickeln Yes von Tour zu Tour ihre Methoden weiter, mit denen sie die technischen Schwierigkeiten umgehen: Noten werden ausgelassen oder ersetzt, rhythmische Spielereien geglättet, Soli gestrichen, ganze Stücke runtergebremst. Schade! Man muss ja nicht gleich fordern, dass Squire, White und Downes ersetzt werden (hu! hu! Dann wär's ja nicht mehr Yes…), aber es wär' doch mal interessant, ein Konzert mit Songs wie "And You And I", "The Remembering", "To Be Over", "Onward" zu hören, langsamen Stücken, nicht zu schwer zu spielen, die trotzdem schön sind, und womöglich sogar großer Prog (oder ein neues Studioalbum in diesem Stil). Stattdessen werden nun volle Alben gespielt, mit Stücken, über deren Darbietung ganze YouTube-Gemeinden nur noch traurig den Kopf schütteln. Und den Kritikern von "Heaven & Earth" wirft man vor, sie seien rückwärtsgewandt! Nicht offen für Neues. Als hätte irgendjemand etwas gegen neue, geile Yes-Musik. Aber Yes selbst geben ihren Kritikern das beste Argument in die Hand, das man kriegen kann: Der jüngste Song auf "Like it is" ist 37 Jahre alt. In Worten: Siebenunddreißig.

Und wieso? Yes mögen alt sein, aber sie sind nicht dumm. Sie wissen, dass sie einige richtig schlechte Alben gemacht haben: "I fully understand why they’re not screaming for Open Your Eyes. I know why they don’t want us to play much of Talk. We’re not stupid. We know what went down well, and we know that, for years, Fragile and Close To The Edge were sensational-selling albums. We’re very proud of them. Let’s just talk about how proud we are, not that we’ve got some albatross." Yeah. Albatrosse, aber seit 37 Jahren?!? Warum veröffentlichen Yes nicht ein Live-Album von der Tour zum aktuellen Album? Warum haben sie keins von der Fly-From-Here-Tour veröffentlicht? Um uns Fans zu ärgern, die wir so sehr auf Liveversionen von "The Man You Always Wanted Me to Be", "Into the Storm", "The Game" oder "In a World of Our Own" brennen? - "We’re not stupid!"

Howe sagt "sensational-selling albums", nicht "sensational albums". Schlucken wir es endlich: Bei Rockbands geht es nicht um Kunst, es geht ums Geldverdienen. Yes legen mit "Like it is" eine Live-Veröffentlichung zu ihrer Drei-Alben-Tour vor, bei der sie "The Yes Album", "Close to the Edge" und "Going for the one" gespielt haben. Wieso diese drei? Weil zu einer Drei-Alben Tour, bei der sie "Open Your Eyes", "Fly from here" und "Heaven & Earth" spielen, keiner hingehen würde. Und so ist es nur folgerichtig, dass eine für das Frühjahr 2015 angekündigte Europatournee zu "Heaven & Earth" im Dezember 2014 endgültig abgesagt wurde. Die Auslagen Frontiers' für die Studioalben müssen aber bezahlt werden. Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass "Close to the Edge", "And You and I", "Siberian Khatru" und "Roundabout", die in Bristol gespielt wurden, auf diesem Album fehlen: Es wurde nämlich bereits ein weiteres Live-Release eines Konzerts aus der allerjüngsten Zeit angekündigt, und da sind die Songs von "Close to the Edge" und "Fragile" mit dabei. Und damit sich die Tracklisten der beiden Alben stark genug unterscheiden, die wenigen übriggebliebenen Fans sich also auf jeden Fall beides kaufen, hat man die Songs hier einfach weggelassen.

Und der Rest? Da ist zuallererst der Klang. Es geht um Geld, also wurde auch hier gespart: Es gibt nur einen Stereo-Mix, DD oder DTS Fehlanzeige, selbst auf der BluRay (die ich nicht besitze). Für den Stereo-Mix war Billy Sherwood verantwortlich, beliebt bei den Plattenfirmen, weil er schnell und billig arbeiten kann - den Yes-Fans lässt sein Name allerdings mittlerweile die Haare zu Berge stehen. Und so gibt's auch hier wieder die üblichen Probleme: Es bleibt ein bissl flach, teils ist der Klang wenig differenziert (mangelhafte Trennung der Stereokanäle?) und im Bass schwächelt's. Wie schon auf "Heaven & Earth": Yep, auch da hatte Sherwood seine Finger im Spiel.

Und die Musik selbst? "Going for the one" gibt gleich die Richtung vor: Der Song ist etwas zu langsam, die schrille Stimme Davisons irritiert, das Ganze leidet unter dem schrecklich schleppenden Drumming Whites. Wie zu erwarten war, macht Howe dagegen zunächst eine gute Figur. Die Gesamtwirkung dieses knackigsten Yes-Rockers der 70er aber: lahm, breiig, ohne Punch, ohne Knack. Das setzt sich bei "Parallels" fort: Auch dieses Stück ist viel zu langsam (schlimm: ab 4:10) und schleppt sich müde dahin. Dazu kommt: Je langsamer ein Stück ist, umso wichtiger ist es, synchron auf den Punkt zu spielen. Und da hakt es einfach zu oft. Dann kommt Downes' Solo, nicht mehr als Fingerübungen, was für ein dummer Fehler, den jungen Wakeman durch ihn zu ersetzen, bloß wegen des bekannteren Namens.

"Turn of the Century", an das ich sehr hohe Ansprüche anlege, weil ich es sehr mag, überzeugt mich dagegen. Davisons Stimme ist mir immer noch ein wenig zu schrill, aber nach und nach gewöhne ich mich dran.

Und dann "Awaken", das Hauptwerk des Albums (nicht des Abends, das war "Close to the Edge", aber das wurde ja gelöscht). Die Einleitung gelingt Downes einigermaßen. Aber der Song ist im Ganzen einfach nicht annähernd crisp genug. Was diesmal auch an Howe liegt. Ohnehin nie der Präziseste, wirkt er hier von seinen eigenen Gitarrenarabesken (ab 2:55) überfordert. Die Einleitung in den 6/8-Teil verpatzen sie dann, die darauf folgenden Gesangspassagen funktionieren wieder, bevor Downes den Orgelpart zerstört. Es ist ein Trauerspiel.

"Yours is No Disgrace"! Die Stücke vom "Yes Album" funktionieren alles in allem besser, wenn auch sie wieder sehr, sehr langsam gespielt werden. Aber sie stellen z. B. an den Keyboarder nicht so hohe Ansprüche. Oder hat die Band diese Songs nur einfach von allen am Häufigsten gespielt? "Clap" jedenfalls klingt wie eh und je. Dann folgt "Starship Trooper", das angesichts seines allzu drögen Tempos den Hörer wieder total runterzieht. "Your move" funktioniert gut, aber schon "All good people" hat wieder sehr zu leiden. Warum tun die sich das an? Ach, das hatten wir ja schon.

Und dann kommt er endlich, der einzige Song, der uns interessiert, weil's der einzige ist, den wir von Yes noch nie live gehört haben: "A Venture". Sie machen's gut, eigentlich ist an der Performance nicht viel auszusetzen. Es wird aber auch klar, warum Yes den Song bis dato nicht live gespielt haben: Er ist im Grunde uninteressant. Und so macht er sich hier nett, als kleines Vignetterl, aber die letzten zwei Minuten hätte man sich auch sparen können.

"Perpetual Change" schließt das Album dann ab, schön, langsam, und lässt mich traurig zurück. Ich verstehe es nicht mehr. Und ich verstehe es andererseits besser, als mir lieb ist.

Vor ein paar Wochen haben Pink Floyd ein Album herausgebracht, ohne Brimborium, ohne Tour, einfach ein allerletztes Album als Abschluss, als Abschied. Was für eine schöne Idee. Ein Schluss, anstelle jener quälenden Phase… Wie man das Album auch immer einschätzen mag, darin steckt viel Würde. Bleibt die Frage, ob wir Yes, der Band, etwas Gutes tun, wenn wir das hier kaufen. Ich jedenfalls habe von Tag zu Tag mehr Respekt vor Bill Bruford.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.12.2014
Letzte Änderung: 20.3.2015
Wertung: 6/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Fragile 11.20 5
1972 Close To The Edge 13.80 13
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1973 Yessongs 13.00 3
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1975 Yesterdays - 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Yesshows 10.00 3
1980 Drama 11.50 8
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 Union 6.00 7
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 YesYears 13.00 2
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1992 Yesstory - 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1994 Talk 6.17 6
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 The Ladder 6.00 7
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.00 9
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2002 Yes today - 1
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 Extended Versions - 2
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2006 Essentially Yes - 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum