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Filter-Kaffee

102

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Manikin Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Mario Schönwälder Real and virtual analog synthesizers
Frank Rothe Real and virtual analog synthesizers

Tracklist

Disc 1
1. Intro 3:07
2. RubyRed 21:15
3. Sequence A 11:45
4. Six-Eight Time 15:51
5. Darkshift 22:28
6. Outro 3:05
Gesamtlaufzeit77:31


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Früher, also ganz früher, bevor es Kaffeepads, Espressokapseln und Starbucks gab, so Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts z.B., da hat man (meine Oma z.B.) Filterkaffee noch per Hand gemacht, mit Kaffeekanne, Porzellanfilter, Filtertüte und kochendem Wassertopf. Das dauerte eine ganze Weile, musste man doch immer wieder das Kaffeepulver mit Wasser übergießen und warten, bis alles durchgetropft war. Aber, so schmeckte der Kaffee einfach am besten (sagte zumindest meine Oma - ich war da noch zu klein für Kaffee), viel besser als mit einer dieser (damals) neumodischen Kaffeemaschinen.

Die Filter und die dazugehörigen Tüten waren übrigens in verschiedenen Größen zu haben, je nachdem, wie viele Tassen Kaffee man machen wollte (bzw. wie groß die Kanne war). Zur Unterscheidung waren den Größen Nummern zugeordnet - 100, 101,102 oder 103 z.B. - wobei 102 wohl die verbreitetste Standardgröße war. Ja, so war das früher.

Filter-Kaffee nennen sich auch Mario Schönwälder und Frank Rothe, die wohl schon seit Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends gelegentlich gemeinsam Musik machen. Das Duo trat erstmals im Jahre 2011 mit einem Tonträger an die Öffentlichkeit, der allerdings unter dem Projektnamen Schönwälder & Rothe erschien ("Filter-Kaffee 101", SynGate Records). Im Jahre 2015 legte man mit "102" ein zweites Album auf Schönwälders Manikin Records nach.

Auf "102" begeben sich Schönwälder und Rothe weit zurück in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Klassische Kraut-Elektronik gleitet hier durch die Gehörgänge, auf- und absteigende Sequenzermuster, kosmisches Wabern und elektronisches Schweben. Sehr authentisch haben die beiden Protagonisten hier in Klang gebastelt, gemahnt die Musik doch sehr direkt an die Hochzeit der progressiven Elektronik aus deutschen Landen, z.B. an die Musik von Tangerine Dream in der ersten Hälfte der Virgin-Jahre (nur besser, dichter, mächtiger). Wie auf der Innenseite des schmucken Digipacks zu lesen ist, wurde zur Tonerzeugung historisches, aber auch virtuelles Analogequipment verwendet. Die digitalen Kopien klingen aber ausgesprochen echt und urig.

Sehr farbig, wenn auch genretypisch repetitiv, gleitet die Musik voran, angereichert mit allerlei elektronischem Klang, nervösem Zischen, getragen wogenden Flächen, hektischem Fiepen, sonorem Dröhnen, kernigeren Mustern, mellotronartigem Flöten und Geigen, verspielten Synthesizerlinien und bisweilen auch dezenten perkussiven Rhythmusfiguren (die oft als knirschendes Ratschen durch das Klangbild wandern - man höre z.B. "Sequnence A"). Van Zyl, ARC, Redshift, ['ramp] und cosmic ground haben in den letzten Jahren ähnliche Musik veröffentlicht, eine puristische Retro-Elektronik (für die der Rezensent zugegebenermaßen eine gewisse Schwäche hat), ohne moderne Verunreinigungen oder technoides Wummern, trotzdem versehen mit Ecken und Kanten, die nie zu seichtem Hintergrundgedudel verkommt. Filter-Kaffee arbeiten etwas ausgiebiger als die eben genannten mit verschiedensten Sequenzermustern, die sich sehr dynamisch aus angedüsterten, tiefgründigen und freiformatigen Klanglandschaften herausarbeiten. Das Ergebnis ist eine sehr dichte und vielschichtige retro-elektronische Musik aus der Berliner Schule, die aber farbiger und abwechslungsreicher dargeboten wird als "damals" und sich zudem sehr klangvoll und voluminös produziert aus den Boxen schiebt.

Wer sich also (in analog-elektronischer Hinsicht) in die Zeiten des guten alten Filterkaffees zurück sehnt, bzw. für fast 80 Minuten in solche zurück gleiten möchte, der sollte "102" dringend antesten! Ich gehe jetzt jedenfalls noch mal Filter-Kaffee aufgießen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.5.2015
Letzte Änderung: 23.10.2016
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Filter-Kaffee

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 101 11.00 1
2016 100 11.00 1
2017 103 12.00 1

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