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Gentle Knife

Gentle Knife

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; RetroProg
Label: Bajkal Records
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Astraea Antal Flute, Visuals and Visions
Pal Bjorseth Keyboards, Vocals, Trumpet
Odd Gronvold Basses
Thomas Hylland Eriksen Saxophones
Hakon Kavli Vocals, Acoustic Guitars
Eivind Lorentzen Guitars, Synths
Ove Christian Owe Guitars
Melina Oz Vocals
Ole Martin Svendsen Drums, Percussion
Brian M. Talgo Samples, Words, Visuals and Visions

Gastmusiker

Ole Michael Bjorndal Guitars on 1, 4, 5, 6, 8
Oivind Hanes Organ on 7, additional vocal production

Tracklist

Disc 1
1. Eventide 10:07
2. Our Quiet Footsteps 12:35
3. Remnants Of Pride 7:57
4. Tear Away The Cords That Bind 4:54
5. Beneath The Waning Moon 4:34
6. The Gentle Knife 5:18
7. Epilogue: Locus Amoenus 8:03
8. Coda: Impetus 5:14
Gesamtlaufzeit58:42


Rezensionen


Von: Harald Schmidt @ (Rezension 1 von 2)


„Sanftes Messer“ – eigentlich hießen so immer handlungstechnisch relevante Indianerfiguren bei Karl May. Ob sich das zehnköpfige (!) norwegische Ensemble davon hat inspirieren lassen, ist nicht bekannt, aber ich würde sagen, dass Gentle Knife die Schar der Prog-Fans ähnlich begeistern könnte, wie Karl May und sein Vermächtnis zuzeiten die deutsche Volksseele.

Ja, Gentle Knife könnten das nächste große Ding im alternativen Retro-Prog werden. Sie sind nicht so krass unterwegs wie Seven Impale, aber die pure Leidenschaft kann man auf vergleichbarem Niveau sehen. Gentle Knife agieren ebenfalls mit Bläsersektion, was bisweilen an King Crimson zu Poseidon- oder Lizard-Zeiten erinnert. Auch wenn der Opener einige Zeit braucht, sich zu entwickeln, so sind die folgenden Stücke umso konkreter. Kernige Gitarren, wummernde Orgeln, symphonische Keys und der superbe weibliche Gesang von Melina Oz im Stil von Kate Bush oder Björk sind vordergründig die prägenden Elemente. Aber auch der männliche Gesang macht sich gut und es gefällt besonders, dass alle Musiker des Kollektivs ihren Teil zum Ganzen beitragen.

Hinzu kommen immer wieder gelungene Bläsereinsätze der Holzbläser oder des Saxophons. Die Bläser werden nicht nur als Ensemble eingesetzt, sondern oft auch lautmalerisch oder die Solo-Gitarre umspielend. Und auch die Rhythmussektion lässt sich nicht lumpen. Gerade bei Drums und Bass fällt aber auf, dass der Sound noch verbesserungsfähig ist und man kann ihn wahrscheinlich am besten als rau und gelegentlich etwas rumpelig beschreiben. Aber genau diese etwas ungeschliffene Produktion macht den Charme dieses Debuts aus, wie man es von vielen Debuts kennt, denn Glanzpunkte sind die Ideen, die Intensität, der Abwechslungsreichtum und die Spielfreude.

So wirken die Stücke mal atmosphärisch und versponnen, dann und wann schräg, oft aber auch druck- und temperamentvoll. Das ist sehr erfrischend angereicherter Retro-Prog klassisch skandinavischer Prägung. Dazu passt auch das Cover sehr gut, das in typisch nordmännischer Manier und sehr ästhetisch die Verbindung von Mensch und Natur zeigt.

Gentle Knife kreieren einen eigenen kleinen Kosmos. Klein genug, um sich als Hörer darin zwar auszukennen, aber auch groß genug, um sich voller Genuss darin zu verlieren. Jede Komposition hat ihr eigenes Gepräge, funktioniert im Album-Kontext, kann aber auch für sich stehen. Neben allen Retro-Elementen zeigen Gentle Knife aber zum Ende des Albums hin, dass sie auch in Sachen Elektronika oder Jazz einiges gelernt und zu bieten haben. Meine Herren!

Die skandinavische Szene zeigt sich Mitte der 10er vital wie schon so oft. Neben den vielen Vorreitern und Innovatoren wie Seven Impale, Brimstone, Airbag, Motorpsycho, Fatal Fusion, Magic Pie oder Gazpacho sollte man ein wachsames Auge auf Gentle Knife werfen. Mit ein wenig mehr Erfahrung können die Osloer das nächste große Retro-Ding werden - sehr vielversprechend und originell!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Früh-70er King Crimson, Seven Impale, Fatal Fusion, Brimstone
Veröffentlicht am: 5.7.2015
Letzte Änderung: 5.7.2015
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Gentle Knife sind mit ihrem Debütalbum ziemlich früh dran. Denn wie bei so vielen tradtionell ausgerichteten Prog-Alben skandinavischer Herkunft scheint auch hier die Stimmung auf den Zeitraum ab der zweiten Septemberhälfte zu verweisen, wenn die Blätter zwar noch nicht gefallen sind, aber sich langsam zu verfärben beginnen und die Nächte nicht nur länger werden (das werden sie ja jetzt schon, also Anfang Juli), sondern auch noch kühler und feuchter. Aber gut - die Jahreszeiten kommen und gehen, und die Musik bleibt. Und auf dem Gentle-Knife-Debüt besteht aller Grund dazu, sie auch in ein paar Monaten noch in guter Erinnerung zu behalten, denn viele Sachen macht das norwegische Dezett (wenn das der richtige Fachterminus für eine zehnköpfige Band wäre...) schon auf eine charmante und eigensinnige Weise richtig.

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass Gentle Knife ebenfalls die Retroprog-Richtung bedienen und dabei überwieged auf relativ gemächliche Tempi setzen. Der Großteil der Songs trottet so vor sich hin, aber das muss gerade bei dieser Band absolut nichts heißen. Denn schon im eröffnenden "Eventide" zeigt sich ein außerordentlich nuanciert gestaltetes Arrangement - sämtliche beteiligten Musiker werden geschickt ins Gesamtbild integriert und füllen dabei genau die Lücken, die sich vor Jahren mal auf dem Landberk-Debüt bei solch langsamer und kompositorisch schlichter Musik aufgetan haben. Auch die beiden Sänger Hakon Kavli und Melina Oz sorgen für Abwechslung und tragen mit ihrem Wechselgesang wesentlich zum klanglichen Charakter dieses Albums bei, was sich ebenso auch von den Bläsern sagen lässt.

Zudem fällt auf, dass Gentle Knife auch bei einem derartigen Tempo trotzdem rhythmische Sperenzchen einbauen, noch augenfälliger sind aber fraglos die Passagen, die man durchaus als "Ausbrüche" bezeichnen könnte, würden diese Abschnitte abrupt eingeführt und nicht wie hier behutsam, quasi stufenlos eingefädelt werden. In solche etwas kantigeren und lauteren Abschnitten lassen Gentle Knife dann gerne mal konkrete Retro-Vorbilder anklingen: So hat beispielsweise "Our Quiet Footsteps" mit sequenzierten Riffs und schrägen Saxofonsoli tatsächlich eine latente Crimso-Schlagseite, worüber dann aber tatsächlich noch Wakeman-Keys gelegt werden. Ah ja, im selben Song gibt es dann mit einem In-/Outro aus Stakkato-Riffs samt Orgelbegleitung geradezu einen beispielhaften Retro-Platzhalter schlechthin - sowas kennt man ja u.a. von "Watcher Of The Skies", "Yours Is No Disgrace", "Forgotten Sons", "The Pinnacle" und dutzenden anderen Stücken.

Auch in den anderen Songs werden diese Elemente geschickt variiert. So sind die Instrumentalteile von "Remnants Of Pride" gar nicht mal so hart, dafür aber hübsch polyphon, das Instrumental "Beneath The Waning Moon" ist vollends im Romantikprog jenseits von Camel zuhause und "The Gentle Knife" stellt härteren Gitarren und der Melodie von "Indoor Games" weitere Wakeman-Keys gegenüber. Die beiden abschließenden Stücke "Epilogue" und "Coda" fallen nochmals aus der Reihe: Ersteres beginnt als minimalistische Sequencer-Elektronik, findet sich danach aber in Gesellschaft ruhigerer Camel-Sachen wie "Air Born" wieder, und "Coda" schafft den Übergang von einer kratzigen Crimso-Nummer im 7/8-Takt zum Jazz. Einzig "Tear Away The Cords That Bind" irritiert mit einfallslosem Drumming (vergleiche "Magnification") und einem gebremsten Boogie-Rhythmus mit Orgel-Beat, was wiederum an "The Lady Lies" denken lässt.

Alles in allem sind das aber meines Erachtens mehr als genug Gründe, hier genau hinzuhören - ob das Album nun zum für die darauf gebotene Stimmung passenden Zeitpunkt erscheinen möge oder nicht. Gentle Knife liefern hier eine starke Vorstellung ab, die insbesondere aufzeigt, auf welche Weise man aus verhältnismäßig einfachen Strukturen durch geschickte Arrangements trotzdem viele Anklänge und ebenso spannungs- wie abwechslungsreichen Prog erzeugen kann. Und das wiederum sollte dann auch anderen Leuten gefallen als jenen, die als Kinder gerne in der Stimmung von Sven Nordqvists "Armer Pettersson" geschwelgt haben oder aber dafür viel zu alt waren und stattdessen die 70er (oder wahlweise den 90er-Retroprog) noch selber miterlebt haben. Na jedenfalls - ihr wisst schon, was ich meine.

Anspieltipp(s): Our Quiet Footsteps, The Gentle Knife
Vergleichbar mit: vielen Klassikern, aber nichts davon wird kopiert
Veröffentlicht am: 8.7.2015
Letzte Änderung: 8.7.2015
Wertung: 11/15
Herbstprog für jedes Jahreszeit!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gentle Knife

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2017 Clock Unwound 12.50 2

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