SUCHE
Erweiterte Suche
NEUER LESESTOFF
Prog 50. Progressive Rock Around the World in Fifty Years (22.11.2017)
ARCHIV
NEUE REZENSIONEN
22.11.2017
Maat Lander - Seasons of Space - Book #1
Alan Simon - Songwriter
Wings Of Destiny - Kings Of Terror
Lifesigns - Cardington
Damn the Machine - Damn the Machine
King Crimson - Live in Chicago
French TV - Operation: Mockingbird
21.11.2017
French TV - Operation: Mockingbird
Peter Hammill - From the Trees
Orpheus Nine - Transcendental Circus
20.11.2017
Jeffrey Biegel - Manhattan Intermezzo
Badger - One live Badger
Various Artists - AMIGA Electronics
19.11.2017
Taylor's Universe - Almost Perfected
Hans-Hasso Stamer - Digital Life
French TV - Ambassadors of Good Health and Clean Living
Cluster - Cluster & Farnbauer Live in Vienna
ARCHIV
STATISTIK
24106 Rezensionen zu 16473 Alben von 6405 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Dream Theater

The Astonishing

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Progmetal
Label: Roadrunner
Durchschnittswertung: 8.5/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

James LaBrie lead vocals
John Petrucci guitar, production, story and concept
Jordan Rudess keyboards
John Myung bass
Mike Mangini drums, percussion

Gastmusiker

Eric Rigler bagpipes on "The X Aspect"
City of Prague Philharmonic Orchestra
David Campbell orchestral and choir arrangements

Tracklist

Disc 1
1. Descent of the NOMACS   (instrumental) 1:10
2. Dystopian Overture   (instrumental) 4:50
3. The Gift of Music 4:00
4. The Answer 1:52
5. A Better Life 4:39
6. Lord Nafaryus 3:28
7. A Savior in the Square 4:13
8. When Your Time Has Come 4:19
9. Act of Faythe 5:00
10. Three Days 3:44
11. The Hovering Sojourn   (instrumental) 0:27
12. Brother, Can You Hear Me? 5:11
13. A Life Left Behind 5:49
14. Ravenskill 6:01
15. Chosen 4:32
16. A Tempting Offer 4:19
17. Digital Discord   (instrumental) 0:47
18. The X Aspect 4:13
19. A New Beginning 7:40
20. The Road to Revolution 3:35
Gesamtlaufzeit79:49
Disc 2
1. 2285 Entr'acte   (instrumental) 2:20
2. Moment of Betrayal 6:11
3. Heaven's Cove 4:19
4. Begin Again 3:54
5. The Path That Divides 5:09
6. Machine Chatter   (instrumental) 1:03
7. The Walking Shadow 2:58
8. My Last Farewell 3:44
9. Losing Faythe 4:13
10. Whispers on the Wind 1:37
11. Hymn of a Thousand Voices 3:38
12. Our New World 4:12
13. Power Down   (instrumental) 1:25
14. Astonishing 5:51
Gesamtlaufzeit50:34


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 3)


Dream Theater sind zurück! Nach zweieinhalb Jahren – und mit einem großen Hammer: Ein Doppelalbum, ein Konzeptalbum, 34 Stücke, über zwei Stunden Laufzeit.

Worum geht's?

Der Imperator Nafaryus regiert das Great Northern Empire mit harter Hand. Sein faschistisches, aristokratisches Regime unterdrückt ein Volk, dem neben Freiheit auch Kunst und Musik vorenthalten werden, und das in zunehmender Armut lebt. Doch im Ort Ravenskill regt sich Widerstand. Angeführt von Gabriel, dem Auserwählten, dem die Wunder der Musik zu Gebote stehen, und seinem Bruder Arhys, einem Soldaten, planen die Menschen einen Aufstand. Nafaryus hört von Gabriel und seiner besonderen Gabe, und beschließt, nach Ravenskill zu reisen, um sich diesen Mann näher anzusehen. Dabei liegt ihm freilich liegt im jegliche gute Absicht fern. Doch dann verliebt sich seine Tochter Faythe in Gabriel! Zu dumm, dass ihr Bruder Daryus dazwischenfunkt…

Soweit zur Geschichte. Zu Ähnlichkeiten, die über Rushs "2112" hinausgehen, komme ich noch.



Hörprotokoll

Vorbemerkung

Auch wenn die Story des Konzeptalbums nicht gerade – ähem - übermäßig komplex ist, eignet sich "The Astonishing" nicht dafür, einfach nur gehört zu werden, jedenfalls nicht bei den ersten Hördurchgängen. Wer das versucht, wird schnell abdriften, und die Scheibe für eine Ansammlung mal härterer, mal weniger harter Midtempo-Powerballaden halten. Was nicht ganz falsch ist, musikalisch gesehen. Aber die Qualität des Albums liegt woanders, nämlich in der Korrelation zwischen der Musik und der Story bzw. den Figuren. Denn ganz anders verhält es sich, wenn man sich mit Story und Lyrics hinsetzt, und mit der Musik auch die Geschichte verfolgt.

Jemand hat geschrieben, das sei kein Progmetal-Album, sondern eine Rockoper, treffender kann man das kaum ausdrücken. Darin liegen die Stärken wie auch die Schwächen des Albums.


ACT I

1. "Descent of the NOMACS"
2. "Dystopian Overture"

Wie viele Ouvertüren aus der DT/Morse-Ecke des Progressive Rock ein großartiges Instrumental, das eine ganze Reihe von Themen und Leitmotiven vorstellt, und neugierig auf das Album macht. Leider wird sich herausstellen, dass das Album, was das Level an Spannung angeht, das Versprechen nicht ganz halten kann.

3. "The Gift of Music"

Das kannte ich schon. Die Single. Ein starker Song, der als Teaser oder Trailer für "The Astonishing" verstanden werden kann. Er schafft das sowohl textlich – das Setting wird dargelegt – als auch musikalisch: Der Song wandert von zart zu hart, es gibt Schwelgerisches und frickeligen Progmetal.

4. "The Answer"
5. "A Better Life"
6. "Lord Nafaryus"
7. "A Savior in the Square"
8. "When Your Time Has Come"

Bis hierher musikalisch ein starkes Album. Mit diesem Song lässt es allerdings erst einmal für eine ganze Weile nach.

9. "Act of Faythe"

"My music player" – brrrrr.. Dream Theater sind (wie viele Metal Bands) nie wirklich fern vom Kitsch gewesen, aber diese Stelle ist wirklich cheesy. Brrrr. Mir fällt auf, dass es eine mutige Entscheidung war, James LaBrie alle Rollen singen zu lassen – so fantastisch wandelbar seine Stimme auch sein mag (Referenz: "Octavarium", der Song lässt mir ob seiner Gesangsleistung immer wieder den Mund offen stehen.). Wirklich überzeugend gelingt ihm das bei Faythe (naive, zweidimensionale Intonation), Lord Nafaryus (hart und aggressiv) und Gabriel (naiv und pathetisch), auch Arhys (militärisch-martialisch, edel) ist okay, die anderen Figuren, so sehr sich LaBrie auch bemüht, in acht verschiedenen Klangfarben zu singen, kann man nicht auseinanderhalten, ohne ins Textbuch zu schauen. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass man dem Album ohne das Mitlesen von Story und Lyrics nur schwer folgen kann.

10. "Three Days"

Großartiges Stück, das die Handlung perfekt in Musik umsetzt. LaBrie mimt inspiriert einen großartigen Nafaryus. Und doch wird mir gleichzeitig ein inhärenter Widerspruch bewusst: Aus dieser Welt ist die Musik verschwunden, nur die NOMAC-Maschinen produzieren technoid-gefühlslose Muzak –

11. "The Hovering Sojourn"

– und doch sind sämtliche Figuren ständig am Singen.

12. "Brother, Can You Hear Me?"

Der Treueschwur der Rebellenarmee an Gabriel. Ganz schwierig – ausgerechnet das Hauptthema des Albums ist aus "Lucky Lips" von Cliff Richard geklaut! Wenn LaBrie dann auch noch zum dramatischen Höhepunkt eine Oktave höher schaltet, ist auch der Höhepunkt der Vorhersehbarkeit erreicht. Gar nicht.

13. "A Life Left Behind"

Endlich – endlich! wird wieder gefrickelt. Wieso müssen wir auf das, was diese Band vor allen anderen auszeichnet, ausgerechnet auf ihrem Magnum Opus so lange warten?

14. "Ravenskill"

Mir fällt auf, dass Dream Theater es hinbekommen, die Musik in Abstimmung auf die Story im Fluss zu halten. Zu viel Strophe-Refrain- Strophe-Refrain-Struktur würde diesen Fluss unterbrechen, weil diese Struktur zyklisch ist, und immer wieder Enden produziert. DT dagegen beenden die Stücke immer wieder anders als sie sie begonnen haben, was "The Astonishing" eine Vorwärtsbewegung verleiht. Pausen gibt es, aber sie korrelieren mit Schauplatzwechseln.

15. "Chosen"
16. "A Tempting Offer"

Ich finde die Musik der Guten langweilig, die der Bösen dagegen gut. Ich erwische mich dabei, wie ich mir wünsche, die Bösen mögen siegen – ich will mehr böse Musik! Katniss, du nervst! Verschwinde, oder zieh' Dich wenigstens aus, aber nerv nicht!

17. "Digital Discord"
18. "The X Aspect"

Bis hierher finde ich es sehr gelungen, wie die Musik die Charaktere der Figuren, die Schauplätze und die Handlung abbildet. Aber hier! Das ist Arhys großer Konflikt! Soll er seinen Sohn für seinen Bruder, den Auserwählten opfern? Oder Gabriel und damit die große Chance auf Freiheit für sein Volk retten – und nach seiner geliebten Frau auch noch seinen einzigen Sohn verlieren? Und Dream Theater gießen diesen Konflikt in einen lauen Song, der später zu einer (von vielen) pathetischen Powerballade mutiert. Das geht gar nicht! Thema verfehlt!

19. "A New Beginning"

Wenigstens das ist wieder großes Musical. Dieser Konflikt wird mittels zweier Melodien ausgetragen, diesmal funktioniert's. Wieso funktioniert's jetzt plötzlich? Ah! Es geht um Nafaryus' Familie. Ich sag's ja: Ich will mehr von den Bösen!

20. "The Road to Revolution"



Act II

1. "2285 Entr'acte"

Noch eine Ouvertüre. Wieder super.

2. "Moment of Betrayal"

Mit "The Gift of Music" zusammen der beste Song auf dem Album.

3. "Heaven's Cove"

Mir fällt auf, dass Dream Theater neben den Figuren, den Schauplätzen und der Handlung auch die Tageszeiten musikalisch treffend beschreiben. Immer am Anfang des jeweiligen Songs, das ist gut gemacht.

4. "Begin Again"

Powerballade, kitschig, aber gerade deshalb die beste hier. Drama-Baby!-Ohrwurm, wer weiß, auf die Dauer vermutlich nervig.

5. "The Path That Divides"
6. "Machine Chatter"
7. "The Walking Shadow"

5 bis 7: Wieder großes Musical! Kaum passiert etwas Schlimmes, wird die Musik gut. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Geschichte schlecht ausgeht, freue mich zumindest auf eine viertelstündige Schlachtsequenz. Für irgendwas muss die Militia, die im ersten Akt so ausführlich eingeführt wurde, ja gut sein.

8. "My Last Farewell"

Großartige Verbindung von Pathos und harten, komplexem Metal. Das ist eigentlich das, was ich mir von einem DT-Album erwarte. "The Astonishing" hat leider zu wenig davon. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

9. "Losing Faythe"

Ü! Ü! Ich glaub's ja nicht! Ich glaub's ja nicht! Nafaryus channelt Anakin – und wird gut! Was ist das denn! Nafaryus – was wurde nur aus Dir! Ich hatte so gehofft, dass Du diese ganzen gefühligen Naivlinge dahinmetzelst! Aber das hier? Du Schmalzling! Du Schlaffi!

10. "Whispers on the Wind"
11. "Hymn of a Thousand Voices"

Lifting shadows off a dream….!

12. "Our New World"

Our New World - is our old world! Ich glaub's ja nicht! Am Ende liegen sie sich alle in den Armen! Und am Ende einer Scheibe, die ein dystopisches Progmetalalbum hätte werden sollen, das die Geschichte einer Revolution gegen Konservativismus und Faschismus erzählen wollte, wird ausgerechnet der Inbegriff des Konservativismus wiederhergestellt: Die Familie! Und das sogar doppelt: Die von Gabriel und die von Nafaryus. Hilfe! Ich glaub's ja nicht.

13. "Power Down"
14. "Astonishing"

Es stimmt aber: Tatsächlich finden sich am Ende in der bekannten Schlagermelodie alle in Frieden und Liebe zusammen. Ist das tatsächlich die Botschaft dieses Albums? Die Rettung vor dem kalten und kunstfeindlichen Faschismus ist ausgerechnet der Konservativismus des traditionellen Familienbilds – und der Schlager?!?



Das kann ja wohl nicht wahr sein…

Oder doch. Denn John Petrucci nennt nicht umsonst explizit "Star Wars" als Inspirationsquelle. Und was, wenn nicht das, ist die zentrale Botschaft von "Star Wars": Die Überwindung des Bösen (des Faschismus, des Militarismus, verkörpert durch die Sith) durch die Wiederherstellung einer dysfunktionalen Familie.

Wer sich mit den Botschaften auskennt, die die amerikanische Unterhaltungskultur seit jeher sendet, der entdeckt bald sämtliche Quellen von "The Astonishing" - auch wenn hier niemandes Vaterschaft überraschend aufgedeckt wird, niemand mit Pfeil und Bogen Gegner verschont oder als Spielball verborgener Mächte durch ein Labyrinth voller Monster rennen muss. Und so wird klar, warum man in den letzten Tagen Dream Theater immer wieder mit dem bösen Wort vom "Disney Theater" verunglimpft hat.

Für die USA mag diese Botschaft sogar Sinn ergeben, für uns in Europa stellen sich die Zusammenhänge jedoch ziemlich anders dar – insbesondere in einer Zeit, in der sich die hässliche Fratze des Faschismus plötzlich wieder überall zeigt. Gemeinsames Singen in der Familie genügt nicht.

Dass das Album nun aber eine äußerst gelungene Umsetzung der Story ist, ist tragisch. Wenn die Musik nämlich in irgendeiner Hinsicht leidet, dann allenfalls daran, dass diese Story äußerst treffend in genau die richtigen Klänge übersetzt wird. Geschichten dieser Art leiden nämlich unter immer den gleichen Schwächen: die Guten sind naiv und langweilig, die Bösen sind entweder nur destruktiv und lassen eine handfeste Motivation völlig vermissen (alles vernichten - und dann?!?), oder werden am Schluss gut - und damit ebenfalls langweilig. Womit so eine Story am Ende insgesamt dann kitschig, naiv und unrealistisch wirkt. Was dadurch nicht besser wird, dass sie erzählerisch viel zu simpel gestrickt ist (man vergleiche nur "The Lamb lies down on Broadway"!). Setzt man so eine Story nun musikalisch um - und Dream Theater ist das glänzend gelungen - wird eben auch die Musik ganz folgerichtig kitschig. Die Melodien der Guten sind langweilig und die der Bösen sind zu gut - kein Wunder, dass viele Fans den Metal auf "The Astonishing" vermissen. Ich meine, ich hab' nicht einmal was gegen ein versöhnliches Ende, so funktionieren derlei Geschichten nun einmal, aber wäre es nicht großartig gewesen, wenn Dream Theater in einer viertelstündigen Schlachtsequenz alle ihre technischen Stärken hätten ausspielen können? Metal? Aggression? Excitement?

Und so ist die Musik zwar für die Story absolut perfekt, aber eben sehr melodisch, sehr pathetisch, sehr gestisch. Technisches Gemuskel gibt es, aber spürbar weniger als auf früheren Dream-Theater-Alben. Nun ist beides, nicht nur letzteres, ein Markenzeichen von Dream Theater, und deshalb ist "The Astonishing" auch kein schlechtes Dream-Theater-Album, aber eine spannendere Geschichte hätte womöglich eine spannendere Musik hervorgebracht. Kraftvolle Dynamik entfaltet das Album nicht oft genug, und nur an Stellen, wo die Story konfliktreiche Knotenpunkte bietet. Das resultiert dann in spannungsreicher, musicalhaft-dramatischer Musik. Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Pathetisch-Getragenes gehört zu Dream Theater genauso wie technisches Gemuskel, aber die Waage neigt sich bei diesem Album zu oft nur auf die eine Seite.

Fazit: Eine Rockoper, die ihre Story nahezu perfekt in Musik umsetzt. Aber die Story….

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: den eher mittelguten DT-Alben. Und für Freunde von "Train of Thought" ist das auch nichts.
Veröffentlicht am: 1.2.2016
Letzte Änderung: 2.3.2016
Wertung: 10/15
Das Konzept von "Scenes From a Memory" fand ich deutlich kreativer. Aber abwarten. Das Ding könnte sich als Grower entpuppen.

Zum Seitenanfang

Von: Piotre Walter @ (Rezension 2 von 3)


Schon beim ersten Durchlauf von „The Astonishing“ hatte ich zwiespältige Gefühle und auch weitere Durchläufe ändern wenig an dieser Einschätzung. Kurzum - an ihrem großen Epos, ihrer Rock-Oper haben sich DT doch etwas verhoben. Ähnlich wie beim vorhergehenden Album fehlen oft frische Ideen, wirklich packende Instrumentalteile und eine spannende Dramaturgie. Ich meine nicht nur innerhalb der Geschichte sondern auch innerhalb der einzelnen Songs. Es ist einfach zu viel Wohlklang und zu wenig Essenz für opulente zwei Stunden.

Mal im Ernst, die Geschichte ist schon echt bekifft: Ganz Great Northern Musikalien ist besiegt - ganz Musikalien? Nein! Ein kleines unbeugsames Dorf leistet erbitterten Widerstand. Allen voran „Gabriel“ der Sänger, der als kleiner Junge einmal in die Bassbox gefallen ist. Am Ende schafft es ganz allein die Liebe die Bösen zu bekehren... Dagegen ist „Star Wars“ nobelpreisverdächtig. Auch der Harry Potter Zyklus spielt mit dem gleichen Motiv. Diese Werke sind aber einfach überzeugender und wirkungsvoller inszeniert.

Gefiel mir die Melodik Dream Theaters' beim Album Octavarium, weil stimmig in einen Album-Kontext eingearbeitet, paaren sich bei „The Astonishing“ melodische Parts zu oft mit Banalem, schrammen zahlreiche melodische Pianomelodien und Akustikgitarren-Intros am Kitsch entlang. Es wird einfach viel zu viel Süßholz geraspelt (Act Of Faythe, Brother can you hear me, The X Aspect...). Verständlich dass Kollege Nick sich mehr Anteil der Bösen am Musical wünscht, denn wenn die Bösen aktiv werden, passiert wenigstens mal was (Lord Nafaryus, A Tempting Offer, A New Beginning, The Path That Divides... ). Da blitzt ab und zu mal Spannung und treibender Progmetal auf. Zu einer guten epischen Geschichte gehört einfach erst einmal ordentlich Drama, aber das kommt bei „The Astonishing“ zu kurz. Es gibt aber auch Songs, bei denen die Verbindung von Melodic und Metal gut gelingt (A Savior In The Square, Heavens Cove...).

Es ist gewagt, dass James LaBrie acht Charaktere stimmlich darstellen soll, was ihm auch nicht wirklich gelingt, mich aber weniger stört, weil er einfach ein toller Sänger ist und einen guten Job macht. Mich stört mehr die Gleichförmigkeit und das übertriebene Pathos vieler Songs, die für ein großes Epos kompositorisch zu wenig überzeugen. Komprimiert auf eine CD wäre „The Astonishing“ vermutlich überzeugender ausgefallen.

Ein mutiges Projekt, aber leider doch ziemlich vergeigt – einfach zuviel Hollywood. Schade, vielleicht beim nächsten Album mal wieder die Devise weniger ist mehr?

Anspieltipp(s): 2 Tracks exemplarisch (für gut und böse): The X Aspect, A new Beginning
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.2.2016
Letzte Änderung: 5.2.2016
Wertung: 7/15

Zum Seitenanfang

Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Ich tat mich mit Rockopern noch immer schwer. Ob es Tommy, The lamb lies down on Broadway, The Wall oder Jesus Christ war......ich hörte immer das böse Wort „Musical“. Und ich mag keine Musicals.

Nun denn. Gehen wir mal ohne Vorbehalte an das neue Werk von Dream Theater ran. Bereits im Vorfeld konnte man kontroverse Meinungen hören, weil „The Astonishing“ einerseits für wirklich jeden Geschmack etwas bietet, andererseits ist aber so ein Tuttifrutti eben nicht jedermanns Sache. Dazu kommt, dass sich der DT Ur-Fan wahrscheinlich öfter harte und mit Metal durchtränkte Stücke wünscht, von den vielen Balladen hier aber eine Überdosis bekommt.

Und Kollege Nik hat es ja schon angedeutet: wer das Album überhaupt verstehen will, muss sich mit dem Textheft hinsetzen und aufmerksam mitlesen. Und er wird schnell merken, dass die Musik dem Text nahtlos folgt, also der Geschichte sozusagen den Boden bereitet. Da diese Geschichte nun aber, sagen wir mal ziemlich „familienfreundlich“ ist, passiert in der Musik oft nichts. Mehr von den „Bösen“ möchten wir hören, doch das war wohl nicht US-tauglich genug. Und so plätschern denn einige Balladen so daher, ohne zu fesseln und ohne zu begeistern. Man ertappt sich dann dabei, dass man sich wünscht die Guten mögen diesen Kampf verlieren.......

Doch wird das Album sicher auch seine Freunde finden. Es sind Balladen auf der Scheibe die man zwar so ähnlich schon zig-fach gehört hat aber Bekanntes muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Es gibt trotz allem aber auch noch harte und griffige Passagen. Songs wie THE GIFT OF MUSIC, LORD NAFARYUS (mit Tangoeinlage) oder A NEW BEGINNING bieten härteren Stoff.

Im 2. Akt ist der Schluss dann aber viel zu pathetisch und bombastisch. Und wenn dann im Song POWER DOWN die Musikmaschinen alle besiegt sind, ja dann freut sich Gabriel.....und wenn sie nicht gestorben sind.......

Kurz noch zur Einspielung. Mike Mangini an den Drums macht seine Sache ganz ordentlich und dass Labrie ein guter Sänger ist weiß man. Rudess spielt seine Klavierpassagen auf seinem eigenen Steinway ein, was sich natürlich „hörbar“ bemerkbar macht. Gefällt mir.

Bewerten werde ich dieses Doppelalbum nicht. DT haben sich mit dieser Rockoper ein Denkmal gesetzt. Ich gebe auch zu, dass mir einige von den etwas „seichteren“ Sachen noch gut gefallen, wenn man sie eben halt im Kontext mit der Geschichte hört. DT haben in einem Interview gesagt, dass sie noch ein Musical hieraus machen wollen. Das kann ich mir gut vorstellen. Nur mag ich keine Musicals....

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.2.2016
Letzte Änderung: 21.4.2017
Wertung: keine Wie (Rock)Opern halt so sind. Viel Gesang, viel Musik, viel Bombast. Weniger wäre mehr gewesen

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Dream Theater

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1986 Majesty - the official 1986 Demo 9.00 1
1989 When Dream And Day Unite 11.00 3
1992 Another day (Single) - 1
1992 Images and Words 12.00 4
1993 Live at the Marquee 7.00 1
1994 Lie (Single) - 1
1994 The silent man (Single) - 1
1994 Awake 12.33 3
1995 A Change Of Seasons 9.50 2
1997 Falling Into Infinity 6.00 2
1997 Hollow years (Single) - 1
1998 Once In a LIVEtime 7.67 3
1999 Metropolis Pt. II - Scenes From a Memory 12.00 7
2000 Through her eyes (Single) - 1
2001 Metropolis 2000: Scenes From New York 11.00 1
2001 Live Scenes From New York 10.00 1
2002 Six degrees of inner turbulence 6.00 3
2003 Train of thought 9.67 6
2003 The Number of the Beast (Official bootleg) 8.00 2
2003 Master of Puppets (Official Bootleg) 10.00 2
2004 When dream and day reunite (Official bootleg) 11.00 1
2004 Live at Budokan (DVD) 12.00 1
2004 Live at Budokan 10.50 2
2005 Dark Side of the Moon (Official bootleg) 9.00 2
2005 Octavarium 10.29 7
2006 Score - 20th Anniversary World Tour 7.00 1
2006 Made in Japan (Official bootleg) 10.00 1
2006 Score - 20th Anniversary World Tour (DVD) 12.00 1
2007 Systematic Chaos 8.00 4
2008 Chaos in motion 2007-2008 10.00 1
2009 Uncovered 2003-2005 (Official bootleg) 8.00 1
2009 Black Clouds & Silver Linings 10.00 2
2011 A Dramatic Turn of Events 11.80 5
2013 Dream Theater 8.67 3
2013 Live at Luna Park 13.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum