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Lazuli

Nos Âmes Saoules

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: RetroProg; Worldmusic / Ethno
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Claude Leonetti léode
Gédéric Byar guitar
Romain Thorel keyboards, french horn
Vincent Barnavol drums, marimba
Dominique Leonetti vocals, guitar

Tracklist

Disc 1
1. Le temps est à la rage 7:00
2. Le lierre 5:54
3. Vita est circus 5:23
4. (Fanfare lente) 1:01
5. Chaussures à nos pieds 5:55
6. Le mar du passé 4:17
7. (Le labour d'un surin) 1:19
8. Les sutures 6:08
9. Nos âmes saoules 5:12
10. (Un oeil jeté par la fenêtre) 2:04
Gesamtlaufzeit44:13


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 3)


Das sechste offizielle Werk der Franzosen Lazuli hört auf den Namen „Nos Âmes Saoules“. Das es ein gutes Album werden würde, war zu hoffen. Das es schon fast ein sensationelles Album geworden ist, ist eine wunderbare Überraschung.

Scheint so als wären Lazuli in sich gegangen und haben ihren Weg von Folk-Ethno-Chanson-Prog über stärkere Akzente im Retroprog bis hin an den Rand des New Artrock Revue passieren lassen. Und dann haben sie alle ihre Stärken zusammengefasst und in ein Album gepresst – voilà „Nos Âmes Saoules“ war geboren.

Druckvolle 'tribal' Percussion treibt die Stücke an, die von der jaulende Léode, giftigen Gitarrenläufen und flirrenden und sirrenden Keyboards getragen werden. Lazuli machen in Atmosphäre, fahren allerlei düster-dräuende Klänge auf, blubbernde Klänge überall, aber sie vergessen auch das Rocken nicht. Hier hat alles auch 'Eier'. Kurze ruhige, chansoneske Momente sorgen für Charme. Und über allem schwebt die charismatische, theatralische Stimme von Dominique Leonetti. Das Ergebnis sind grandiose, spannende, mitreißende Stücke, voll gepackt mit guten Ideen.

Kurze Zwischenspiele und zum Abschluss setzen kleine Akzente, wobei sich in „Fanfare lente“ endlich auch mal Romain Thorel mit seinem Horn austoben darf.

„Nos Âmes Saoules“, leider ein etwas kurzes Vergnügen, dafür kommt alles genau auf den Punkt und versetzt den Hörer in atemlose Spannung. Lazuli präsentieren sich als kompakte Einheit, voller Spielfreude, auf einem Höhepunkt ihres Schaffens.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: "En Avant Doute", Peter Gabriel, Ange
Veröffentlicht am: 3.2.2016
Letzte Änderung: 3.2.2016
Wertung: 13/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Das mit den Stilschubladen im modernen Prog ist ja gar nicht so einfach. Seit einiger Zeit wird zwar mit allerlei Begriffen wie New Artrock, Nu-Prog, New Prog, Stickprog, Crossover Prog, Alt-Prog oder gar Post-Prog hantiert, doch wissen meist nur die Erfinder selbst, was genau damit gemeint sein soll. Spricht man von vergangenen Zeiten wird die Sache einfacher. Was aus den 70ern stammt ist "klassischer Prog". Wurde in den 80ern aufgenommen nennt man's Neoprog. Aber natürlich hatten die Rezensentenkollegen damals ein ganz ähnliches Problem und hätten wohl die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn jemand King Crimson, Renaissance, Camel und Soft Machine in dieselbe Schublade gesteckt hätte.

Wie auch immer, Lazuli machen eine Art von modernem Prog. Mein Vorschreiber hat zwei Stilbezeichnungen ausgewählt, die man auch sonst auf diesen Seiten in Zusammenhang mit den Franzosen findet. Klassischen Prog würden Lazuli mit Folk- und Ethno-Elementen verbinden ... nun, also um ehrlich zu sein, kann ich in dieser Musik weder Klassisch- oder Retro-Progressives, noch Folk, noch Ethnoartiges hören. Also, zumindest nicht das, an das ich im Zusammenhang mit Retroprog denke: Klangliche Bezüge zu den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, Mellotronwogen, Hammondorgelwabern, Mooghupen und kernige Bassläufe. Bisweilen erinnern die auf "Nos Ames Saoules" zu hörenden Klänge eher entfernt an die jubilierend-melodischen Momente im Neoprog der 80er ("Le lierre" z.B., oder auch das darauf folgende "Vita est circus"), an die frühen Fish-Marillion z.B., an guten Neoprog. Also doch retro, irgendwie.

Ethno und tribale Perkussion? Da Rock im Allgemeinen nun mal, insbesondere in rhythmischer Hinsicht, deutliche afro-afrikanische Wurzeln hat, würde ich das jetzt nicht als so bemerkenswert ansehen. Lazuli rocken und haben eine prägnante Rhythmusabteilung, aber sonderlich ethno klingt das meiner Ansicht nach nicht. Bleibt noch der Folk. Man singt auf Französisch, mitunter auch getragen und expressiv, und, wenn die Band etwas zurückschaltet, auch liedhaft und eindringlich. Gute Songs können Lazuli schreiben. Lied heißt auf Französisch Chanson und das hat in Frankreich eine lange Tradition, aber Folk wird deshalb nicht draus. Gut, ab und zu hat die Musik etwas tanzartiges (gegen Ende von "Les sutures" - wohl die beste Nummer hier), was dann doch so ein wenig nach Folkrock riecht. Aber egal, jeder hat seine eigenen Vorstellung in Bezug auf Stilbegriffe.

Also, Lazuli machen auf "Nos Ames Saoules" eine Art von modernem Prog, der mal melodischer, mit gewissen Pop-Tendenzen, mal komplexer und leicht angedüstert (man höre "Le mars du passé") aus den Boxen kommt. Das Ganze ist farbig instrumentiert, mit allerlei Tastenwerk (das aber nicht wirklich retro klingt) und Elektronik dicht unterfüttert, abwechslungsreich und spannend komponiert und druckvoll produziert. Dominique Leonetti hat eine tolle, sehr eindringliche und variable Stimme. Dazu gibt's viel Rhythmus und Atmosphäre, wabert die Musik doch bisweilen voluminös und hallend dahin. Man verbleibt alles in allem in melodisch runden Klanggefilden, doch macht das diese Klänge nicht zu Radiomucke (wobei die eine oder andere Stelle schon in diese Richtung driftet). Wer sich also unangestrengt, aber doch stilvoll und proggy klanglich unterhalten möchte, der liegt hier richtig.

Ach ja, schade das die beste Nummer nach 1:19 Minuten abbricht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.2.2016
Letzte Änderung: 5.4.2018
Wertung: 11/15

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 3 von 3)


Die Artrocker aus Südfrankreich sind mit einem weiteren Beweis ihrer Klasse am Start. Und was für einem!! Nach dem eher etwas „gewöhnlichen“ Vorgängeralbum mochte man eine gewisse Skepsis hinsichtlich Kompositions- und Ideenreichtum des Dominique Léonetti kaum verbergen. Doch dieses neue Album der „berauschten Seelen“ ist echt berauschend geworden, so viel schon mal vorab.

Natürlich zeigt sich die musikalische Ausrichtung insgesamt nicht grundlegend verändert. Die nicht übermäßig langen Songs (max. 7 Minuten) nehmen nach manchmal etwas düster-bedrohlich schleppendem Beginn Fahrt auf, zeigen dabei häufig die aggressivere Power-Seite der Band. Aber die gegebenen instrumentalen Möglichkeiten werden diesmal weitaus effizienter und farbiger genutzt als zuletzt bei dem etwas blassen „Tant que l’herbe est grasse“. Textlich ist sowieso bei Léonetti immer alles im Lot: zeitkritische und aktuelle politische Themen (hier: die „braune Pest“) stehen im Vordergrund und wenn es heißt, dass bei einem Blick aus dem Fenster Dinge in der Welt zu sehen sind, für die man keinen Hund nach draußen schicken kann, dann sind die in musikalischer Hinsicht hierzu perfekt umgesetzten Gefühle von Resignation bis Wut auch für den Hörer sofort spürbar.

Wie überhaupt festzustellen ist, dass „Nos âmes saoules“ ein von Anfang bis Ende in sich geschlossenes und somit schlüssiges Werk ist. Zarter Beginn, danach aufwühlende, dynamische, teils fetzige Zwischenstücke mit viel „Dampf“ und ein gefühlvolles Ende mit Piano und dem bereits erwähnten Blick aus dem Fenster. Alles mit – beinahe unerwartet - viel Kreativität und Achtsamkeit komponiert und durchdacht zusammengestellt. Von den insgesamt zehn gelisteten Tracks sind drei kurze Instrumentals. Alle drei sind mehr als Anhängsel zu den vorhergehenden eigentlichen Songs oder als eine Art „Coda“ zu sehen (der Schlusstrack folgt dem Opener, könnte aber auch als dessen Intro durchgehen). Positiv auffallend ist die differenzierte und abwechslungsreiche Ausnutzung der verfügbaren Instrumente. Es wird zwar, wie bei Lazuli üblich, viel mannschaftsdienlich musiziert, aber die Solo-Instrumente wie Léode, Lead-Gitarre und auch Horn bekommen mehr Freiräume als zuletzt. Und dort, wo es vielleicht mal einen ausnahmsweise etwas unspektakulären Songteil zu hören gibt, dann heizt die Rhythmus-Fraktion einschließlich Marimba mächtig ein.

Letztlich gibt es noch einen kleinen Pluspunkt für ein künstlerisch gelungenes Artwork mit einem Booklet, welches dem Hörer die französischen Lyrics näher bringt. Tolles Album – fast möchte man von einer Renaissance sprechen. Sehr zu empfehlen, wenn man kraftvollen New Artrock liebt – oder sowieso schon Lazuli-Fan ist!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.3.2016
Letzte Änderung: 4.3.2016
Wertung: 12/15

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