SUCHE
Erweiterte Suche
"Beat"
Andromeda (60s) - See into the Stars
Aphrodite's Child - End of the world
Aphrodite's Child - It's five o'clock
Brian Auger - Auger Rhythms
Barrett Elmore - Woodlands
The Beach Boys - Classics: Selected By Brian Wilson
The Beach Boys - Pet Sounds
The Beatles - Magical Mystery Tour
The Beatles - Revolver
The Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
The Beatles - Yellow Submarine Songtrack
Bigelf - Into The Maelstrom
Birdeatsbaby - Tanta Furia
Black Mountain - In The Future
Pete Brown & Piblokto! - Things May Come And Things May Go, But The Art School Dance Goes On Forever
Pete Brown & Piblokto! - Thousands On A Raft
Robert Calvert - Lucky Leif and the Longships
Captain Beefheart - Safe As Milk
Chicago - Chicago II
Chicago - The Chicago Transit Authority
The Claypool Lennon Delirium - Monolith Of Phobos
Coheed And Cambria - In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3
The Crazy World of Arthur Brown - The Crazy World of Arthur Brown
Salvador Dali & Igor Wakhevitch - Être Dieu
Wolfgang Dauner Quintet - The Oimels
The Dear Hunter - Act I: The Lake South The River North
Diagonal - The Second Mechanism
William D. Drake - Revere Reach
Epidermis - June 1975
Genesis - The Genesis of Genesis
Giles, Giles & Fripp - The cheerful Insanity of Giles, Giles & Fripp
Gomorrha - Trauma
Grobschnitt - Die Grobschnitt Story 2
Steve Howe - Mothballs - Groups & Sessions 1964 - 1969
Steve Howe with Bodast - The Early Years
Ihre Kinder - 2375 004 (Jeanscover)
Ihre Kinder - Werdohl
Instant Flight - Endless Journey
Ion Quest - Ion Quest
Jeavestone - 1 + 1 = OK
Lobster Newberg - Vernal Equinox
London Underground - London Underground
Love Sculpture - Forms and Feelings
Mabel Greer's Toyshop - New Way of Life
Madame Blavatsky Overdrive - Idiot Jones Will Have His Day
Man - Christmas at the Patti
Man - Revelation
Misty Range - Misty Range
Modest Midget - The Great Prophecy of a Small Man
The Narcotic Slave Orchestra - Love, Art, Intoxication / Musick For Flies
Obskuria - Discovery of Obskuria
Phideaux - The Great Leap
The Psychedelic Avengers - ...and the curse of the universe
The Psychedelic Avengers - The Psychedelic Avengers and the Decterian Blood Empire
Rare Bird - Rare Bird
Saint Steven - Over the hills / The Bastich
Salamander - The Ten Commandments
The Setting Son - Spring of Hate
Skaldowie - Cisza krzyczy - Leningrad 1972
Skyron Orchestra - Situations
Judge Smith - Zoot Suit
Soft Machine - Jet Propelled Photographs
Stackridge - Extravaganza
The Strawbs - Burning For You
The Strawbs - Deep Cuts
Sweatin' Like Nixon - Fishing In Political Sewers
Sweatin' Like Nixon - Tunes For Young People To Enjoy
The Syn - Syndestructible
Umphrey's McGee - Anchor Drops
The Urbane - Glitter
The Urbane - Neon
Vanilla Fudge - The Return - Live in Germany 2003
Various Artists - The Essence of Swedish Progressive Music 1967 - 1979. Pregnant Rainbows for colourblind Dreamers
Violeta De Outono - Ilhas
The Void's last Stand - A Sun by Rising Set
The Who - Tommy
The Wilde Flowers - The Wilde Flowers
Yellow Sunshine Explosion - Yellow Sunshine Explosion
Yolk (SUI) - Die Dritte
Frank Zappa - Absolutely Free
STATISTIK
24833 Rezensionen zu 17009 Alben von 6632 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Electric Orange

misophonia

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Krautrock; Spacerock
Label: Studio Fleisch
Durchschnittswertung: 11.6/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Dirk Jan Müller Farfisa Compact, Hammond, Erebus, Solina String Ensemble, MU Modular System Synthesizer, Roland System 1
Tom Rückwald E-Bass, Fuzz bass, Synthesizer bass, Bottle bass,
Dirk Bittner Guitars, Zither, Mandolin, Trumpet, Phonofiddle, Congas, Bongos, Cajon, Voice
Georg Monheim Drums, Percussions,Cymbals, Beerbottle on Carpet

Tracklist

Disc 1
1. organized suffering 18:09
2. bottledrone 11:48
3. demented 7:51
4. misophonia I 8:58
5. shattered 4:40
6. misophonia II 1:19
7. opsis 5:25
8. misophonia III 17:36
Gesamtlaufzeit75:46


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 5)


Zwei Jahre hat es gedauert, aber nun ist mit MISOPHONIA eine neue Electric Orange-CD am Start, im September soll es auch noch eine COSMIC GROUND geben: man sieht, D.J.M. und Konsorten sind sehr umtriebig.

MISOPHONIE bedeutet wörtlich "Hass auf Geräusche" und beschreibt eine krankhafte Intoleranz auf bestimmte Geräusche. Auf dieser CD wird dies mit den drei Titeln "misophonia I, II und III" thematisiert, die zwischen den anderen Tracks eingestreut sind.

Es scheint, als haben sie nach dem Ausstieg von Josef Ahns ihren "neuen" Sound gefunden. Wie schon beim Vorgänger sind die Jams zwischen Gitarre und den diversen Tasteninstrumenten einem sehr elektronisch geprägten Sound gewichen. Für meine Ohren ist die gesamte CD noch ruhiger, meditativer als der Vorgänger. Diverse Soundwolken aus Synthesizern, Orgel und anderen Effekten bieten den Boden, über dem sich am stärksten der Drummer austoben kann. Die Gitarre ist eher rhythmusorientiert denn solierend. Großartig akustische Einflüsse, die es noch auf Volume 10 zu hören waren, fehlen hier. Dafür sind besonders die elektronischen Sounds gelungen, die mich sehr häufig an die flirrenden Klänge eines Richard Barbieri erinnern. Hier machen sich die Erfahrungen von D.J.M. als Cosmic Ground positiv bemerkbar. Abwechslungsreich und erhabend-schwebend bieten sie eine wunderbare Gelegenheit zum "Abtauchen" in die Klangwelten der Band, wären da nicht die drei nach der CD benannten Stücke. Diese kommen bedrohlich-düster daher, sperrig und doch einnehmend, zumindest für meine Ohren, besonders der letzte Titel lädt ein zum imaginären Schauen auf die eher dunklen Seiten des Seins.

Fazit: wie immer auf hohem Niveau bieten Electric Orange wieder einen wunderbaren Ausflug in die elektronisch-geprägten Soundwelten der frühen 70er.

Anspieltipp(s): Misophonia III
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.7.2016
Letzte Änderung: 25.7.2016
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 5)


Bereits beim ersten Hör des 18-minütigen Openers ORGANIZED SUFFERING ist unverkennbar, dass Electric Orange die Fahne des sehr frühen Krautrocks und all seiner diversen Nebenspielarten diesmal noch höher halten. Endlose Keyboardsounds schwirren durch den Raum, unterlegt von einer oft monotonen aber wirkungsvollen Drum. Natürlich sorgen die unzähligen analogen Instrumente von Keyboarder Müller dafür, dass die Atmosphäre der frühen 70'er, ja sogar der Mitte bis End 60'er Jahre aus jedem einzelnen Ton tropft. Man fühlt sich definitiv aus der Zeit gerissen.

Grundsätzlich gilt das hier Beschriebene für die gesamte CD. Mit Nuancen natürlich, aber im Kern entfernen sich die Aachener nicht weit von dieser Grundeinstellung. So stehen die Keyboards weit vorne in der Hierarchie und die Gitarre erfüllt nur einen untergeordneten Zweck. Dass dem Schlagzeug mit unzähligen weiteren Percussioninstrumenten eine tragende Rolle zukommt, überrascht denn auch nicht. Das klingt dann mal nach Tribalritualen wie in DEMENTED, manchmal findet man sich aber auch in einem orientalischen Klangraum wieder wie in OPSIS.

Vergleiche zu Pink Floyd der Anfangsjahre 1966/67 fallen einem in BOTTLEDRONE ein, das sehr improvisiert daher kommt mit seinen minutenlang dahin wabernden Keys. Erst nach fast 5 Minuten hört man ein sich langsam aufbauendes Schlagzeug das dem Song schlussendlich Konturen verleitet, unterstützt von schier unglaublichen Sounds. Im Song SHATTERED erklingt dann kurz eine funky Gitarre und der Raum umgibt sich mit einer psychedelischen Aura.

MISOPHONIA I ist sehr meditativ und experimentell und es werden spacige Sounds durch die Boxen gejagt. MISOPOHONIA II ist rein schwebend und sehr kurz. Zum Schluss kommt mit dem letzten Teil der MISOPHONIA Trilogie dann noch ein sehr düsterer Longtrack. Zäh wie Lava fließen die Töne aus den Lautsprechern. Bedrohlich ertönt dann der Bass, umgeben von wie Blitze dahin zischenden Keyboardsalven.

Electric Orange liefern mal wieder Qualität ab, entfernen sich zwar etwas von ihrem früheren Sound indem sie noch elektronischer werden. Doch das ist in ihrem eigenen Kosmos eine Weiterentwicklung. Um sich den Luxus eines komplett im Wahn gefangenen Longtracks wie MISOPOHONIA III zu leisten, dazu bedarf es viel Selbstvertrauen. Das haben sie, ohne Zweifel.

Anspieltipp(s): Opsis
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.7.2016
Letzte Änderung: 27.7.2016
Wertung: 12/15
zurück in die Zukunft

Zum Seitenanfang

Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 5)


Ein halbes Jahr nach der Weihnachts-Party-Scheibe “Nein! HITS à gogo - Golden Recordings” legen Electric Orange mit “misophonia” ein weiteres Album vor, diesmal einen Volllängentonträger, bei dem es sich - der Vorgänger ward ja “Volume 10“ genannt - um die elfte Studioscheibe der Aachener handelt. Das Ganze gibt es als CD im schlichten Digipack, als Doppel-Vinyl (von Adansonia Records) und natürlich als Download.

Seltsamer Albumtitel! Misophonia ... der Hass auf Geräusche. Auch die Namen der Tracks deuten Qualen, negative Geisteszustände und Unwohlsein an. Ist es das, was der Hörer bei Goutieren dieser Musik empfinden soll? Wohl eher nicht. Bei der selektiven Geräuschintoleranz sind es wohl wirklich nur bestimme Geräusche, auf die der Betroffene allergisch und nervös reagiert. Um eine allgemeine Überempfindlichkeit gegenüber Schall (Hyperakusis) - was es nicht alles gibt - geht es nicht. Somit könnten die hier zu hörenden Klänge eher dazu dienen misophonische Reaktionen zu vermeiden, da der Hörer - tief versunken in der Musik - dieselben nicht mehr wahrnimmt. Allerlei seltsame Geräusche sind auf “misophonia” aber trotzdem zu finden.

Vom kantig-retrokrautigen Jammen und von psychedelischen Ausflügen haben sich Electric Orange offenbar weitestgehend verabschiedet. Das einleitende “organized suffering“ beginnt z.B. fast postrockig-hypnotisch, aufgebaut auf repetitiven Gitarren-Bassgebilden und treibender Perkussion, über denen flächige, perlende, fiepende und wabernde spacig-kosmische Tastenmuster und Elektronikgespinste erklingen, bisweilen ergänzt um mysteriöse Sprachfragmente und bisweilen herrlich knurrend-brummend aufheulende Basslinien. Das klingt eigentlich ziemlich modern, auch wenn gelegentlich eine Orgel röhrt und schwillt. Überhaupt kommen Electric Orange hier deutlich elektronischer und schwebender daher als noch auf z.B. “Platte“ oder “Morbus“. Vielleicht hat da Dirk Jan Müllers Projekt cosmic ground Spuren hinterlassen.

Seltsam ätherisch ist die Musik auf “misophonia” oft ausgefallen, elegant fast, dezent und luftig, wenn auch bestimmt und druckvoll, dynamisch und intensiv. “bottledrone“ hat z.B. etwas friedliches und warmes, erinnert dabei fast ein wenig an Produktionen aus der Weserbergland-Schule, wenn auch das Instrumentarium meistenteils ein ganz anderes ist, auch wenn die Nummer im weiteren Verlauf Fahrt aufnimmt und farbig durch die Gehörgänge pulsiert.

Natürlich gibt es auch auf “misophonia” recht typische, krautig-repetitive Momente, so wie man sie von Electric Orange kennt (und liebt - man höre “demented“). Aber selbst da ist die Band etwas zurückhaltender tätige, gleichzeitig aber sehr differenziert und verspielt. Anderes, wie z.B. der Beginn von “misophonia I“, hat fast Ambientcharakter, bietet lange düsteres Tastenbrummen und -hallen, sonores Basszupfen und Elektronikschweben, ehe Perkussion einsetzt und die Nummer nun rhythmisch gefügt munter dahin gleitet.

Mit “schattered“ gibt es zudem einen entspannten, jazzig-psychedelischen Rocker, während “opis“ die einzige Nummer in dieser Sammlung ist, die mit exotisch wirkenden Zitherklängen aufwartet und damit an den mit akustischen Tonbeiwerk angereichten Vorgänger “Volume 10“ erinnert. Mit “misophonia III“ wird es dann doch noch lauter und angeschrägt, jaulen und zischen doch Gitarre und Tasten zu Beginn recht ungestüm. Aber auch dieses Stücke beruhigt sich schnell wieder und gleitet feinfühlig und farbig, mal entspannter, mal intensiver dahin, immer wieder unterbrochen von freiformatigeren Einlagen, schneidenden Aufschreien und wüsteren Ausbrüchen.

Fazit: Electric Orange sind ruhiger geworden (auch an Misophonia leidende sollten mit dem Album keine Probleme haben), was sich aber nicht negativ auf Kreativität und Eigenständigkeit ausgewirkt hat. Im Gegenteil, man hat sich weiterentwickelt, sehr viel eigenen Charakter gewonnen und sich vom “traditionellen“ Retrokrautrock deutlich entfernt (eine Entwicklung, die spätestens mit “Volume 10“ eingesetzt hat). Der Post-Krautrock ist geboren!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.7.2016
Letzte Änderung: 27.7.2016
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 5)


Post-Krautrock, eine schöne Beschreibung für diese Scheibe. Wie man den vorangehenden Rezensionen schon entnehmen kann, hat sich der Stil der Aachener Formation Electric Orange in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Tastendrücker Dirk Jan Müller ist ja seit geraumer Zeit auch solo unter dem Namen cosmic ground unterwegs, und die Musik der bislang zwei unter diesem Namen erschienenen Soloalben hat bei Electric Orange deutliche Spuren hinterlassen.

Ein ruhiger, sphärischer Sound herrscht auf misophonia vor, mir liegt geradezu das Wort „meditativ“ auf der Zunge bzw. in den Fingerspitzen - aber das wird von manchen gleich wieder mit Langeweile gleichgesetzt, ein Wort, das wiederum hier völlig unangebracht ist. Jedenfalls stehen im Mittelpunkt der Musik oft sphärische Orgelklänge, langgezogene Klangschleifen, die eindeutig von der „Kosmischen Musik“ der frühen 70er beeinflusst sind. Dazu flirren immer wieder elektronische Klänge oder auch nur Klangfetzen herum. Dabei klingt die Musik keineswegs retro (gut, ein bisschen schon) oder gar bei alten Meistern abgekupfert; dafür sorgen nicht zuletzt Dirk Jan Müllers Bandkollegen. Man höre etwa das ruhelos wuselnde Schlagzeug im einleitenden organized suffering, das eine gehörige Portion Unruhe in das Stück bringt, ebenso wie die zurückhaltend, aber effektvoll riffende Gitarre, die manchmal ein paar dezente Dissonanzen reinbringt, sowie der rollend-grollende Bass.

Aber auch so legt die Musik immer wieder mal an Dynamik zu, dann schwillt das spacig-psychedelische Klangwabern zu einem mächtigen Klanggebirge an, die Orgel legt mächtig los, und die Band fängt geradezu an zu rocken - immer noch auf seltsam ätherisch-schwebende Weise freilich. Oder es wird leicht angejazzt drauflosgerockt wie in shattered, stets jedoch mit dem bekannten spacig-psychedelischen Unterton in Form der wabernden Orgel. Dafür geht es an anderen Stellen, etwa in der ersten Hälfte von misophonia I, auch mal in Ambient-Bereiche - in dunkle Ambient-Bereiche allerdings, erfüllt von dunklem elektronischem Brummen.

Electric Orange bieten auf misophonia einen wunderbaren Trip in psychedelische Klangwelten, der sich an kosmischen Klänge der frühen 70er orientiert, ohne dabei zu sehr „retro“ zu klingen. Fantastische Musik! Ich freue mich schon auf den Auftritt in Finkenbach (wobei diese Musik nachts besser wirken würde als um 15:00, aber man kann nicht alles haben)!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.8.2016
Letzte Änderung: 6.8.2016
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Christian Rode @ (Rezension 5 von 5)


Und noch eine Besprechung… Ich ergänze einfach mal mit ein wenig anderen Akzenten, denn ganz so hochzufrieden wie die Kollegen bin ich mit dem Album nicht.

„Misophonia“ macht im Ganzen keinen wirklich kohärenten Eindruck auf mich. Da sind die Stücke, die sich aus mal mehr, mal weniger interessanter Klangmalerei und lockerer Rhythmik zusammensetzen (1, 2, 4 und 8), da sind aber auch Stücke, die perkussiv zum Teil eine beachtliche Dynamik entfalten (3, 5 und 7). Letztere gefallen mir besser, erstere wirken z. T. zusammengestückelt, haben aber durchaus ihre Momente, leider aber auch einige Längen, v.a. der extra lange Opener.

Dies ist bedauerlich, denn bei „Organized Suffering“ handelt es sich ja nicht nur um das erste Stück des Albums, sondern auch um das Längste. Die Band tastet sich langsam hinein, nimmt dann mit einer Art Latino-Rhythmus Fahrt auf, dass ich denke, gleich geht es aber los a la Santana. Doch es bricht nach zwei Minuten ab, um dann zehn Minuten lang vor sich hin zu dümpeln und schließlich wieder mit starkem Latinodrive ins Finale zu steuern. Die Zusammenfügung von Teilen, die nicht wirklich zusammen passen wollen, wirkt auf mich etwas unausgegoren in der Komposition (oder vielleicht doch eher Improvisation). „Bottledrone“ entfaltet eine etwas bessere Wirkung, da die Soundspielereien hier lediglich als atmosphärischer Einstieg dienen.

Anders bei „Demented“: mit tribalen Rythmen nimmt Electric Orange hier gleich ordentlich Fahrt auf. Ein bisschen im Stil von „Set the controls for the heart of the sun“ gibt es ein feines Zusammenspiel zwischen tribalem Rhythmus und sphärischen Orgelflächen. Relativ ähnlich geht es bei „Opsis“ mit exotischen Percussionrythmen und mysteriösen, meditativen Klängen zu. Und noch spannungsreicher und mit funkigem groove treibt „Shattered“ voran.

Misophonia in seinen drei Teilen hingegen beginnt erwartungsgemäß ruhig und finster, wird in Teil 1 zunehmend bedrohlicher im Klang, spät erst kommt ein gleichmäßiger pulsierender Rhythmus hinzu. Mit dem Rhythmus verliert das Stück allerdings auch seine Bedrohlichkeit und weicht entspannterer Atmosphäre. Einige Klangspielereien beleben das gleichmäßig dahin gleitende Stück. Der dritte Teil beginnt wieder ruhig und bedrohlich, fährt danach zunächst mit schwer stampfenden Rhythmus fort, ein Teil folgt, in dem Klangtupfer auf düster-sphärischer Fläche ohne Rhythmik gemalt werden. Vor bedeckt infernalischen Hintergrund erhebt sich wiederum leichte Rhythmik auf langer Strecke. Teil drei hätte mir vermutlich gelangt.

Wenn da nicht die in meinen Ohren etwas langwierigen und wenig spannenden ersten 30 Minuten wären und auch sonst bei den Titeltracks etwas gestrafft worden wäre, wäre auch für mich die misophonische Welt voll in Ordnung. So leider nur mit leichten Abstrichen. Vor allem aber die rhythmische Vielfalt ist das große Plus dieser Scheibe, die eine gute Ergänzung der mittlerweile recht umfangreichen Electric-Orange-Discografie darstellt.

Anspieltipp(s): Opsis, Misophonia III, Organized Suffering
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.10.2016
Letzte Änderung: 10.10.2016
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Electric Orange

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1996 Cyberdelic 12.00 1
1996 Orange commutation 10.00 1
1999 Electric Orange (double CD Version) 10.50 2
2001 Abgelaufen 10.00 1
2001 Totales Brummen - 1
2001 Cows don't dream at night 11.00 1
2001 rechnung offen 8.00 1
2001 rote sonne 10.00 1
2001 sessions nebenan 11.00 1
2001 tonbandreste 10.00 1
2002 Unterwasser - Live 2002 12.00 1
2003 Platte 11.33 3
2007 Morbus 12.33 3
2008 fleischwerk 12.00 2
2010 Krautrock from Hell 10.00 3
2011 Netto 11.00 2
2014 Volume 10 12.50 5
2015 Nein! HITS à gogo - Golden Recordings 11.00 2
2017 Würzburg Cairo 2015 12.00 1
2017 Time Machine 1992​-​2017 11.00 2
2017 EOXXV 9.00 5

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum