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Kora Winter

Welk

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017 (EP)
Besonderheiten/Stil: Metal; Progmetal; sonstiges
Label: RDS/Rough Trade
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Hakan Halac Gesang
Yuki Sorger Gitarre
Ferhan Sayili Gitarre
Karsten Köberich Bass
Maximilan Zumbansen Schlagzeug

Gastmusiker

Paul Griesbach Saxofon in "bluten"
Lisa Toh Gesang in ∞

Tracklist

Disc 1
1. Bluten 6.19
2. Stiche 5.25
3. 3.56
4. Narben 4.35
Gesamtlaufzeit20:15


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Kora Winter ist eine Band aus Berlin und nicht etwa eine Schlagersängerin, wie es der Name vielleicht vermuten ließe. Auch dann nicht, nachdem sie auf ihrer zweiten EP „Welk“ neben den drei Hardcore-Metal-Prog-Punk-Mathrock-Nummern mit „∞“ ein altes Lied von Alexandra gecovert haben. Das Lied hieß ursprünglich „Es war einmal Fischer“ und wird hier dank Lisa Toh zu einer esoterisch-atmosphärischen a capella-Darbietung umgewandelt.

Aber ansonsten offenbart sich in den Songtexten von Hakan Halac ein derart überwältigendes Ausmaß an street credibility, dass es dem in wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsenen Rezensenten angst und bange wird um den Zustand unserer Gesellschaft. Es ist authentisch, es ist respekteinflößend und es ist erschreckend, wenn Halac darüber berichtet, wie seine Texte zustande kamen: „…im Schreibprozess für „Welk“ wurde ich meinem Leben mit einer Anhäufung solch negativer Erlebnisse konfrontiert, dass ich irgendwann gemerkt habe, dass sich nichts ändern wird, wenn ich nicht anfange, mich dem Scheiss zu widersetzen. Aus Resignation wurde dann bittere Wut“.

In den entweder geschrienen, oder melodisch dargebotenen Texten heißt es dann unter Anderem: „Auf der Spitze des Berges wird man die Augen verbinden und lautlos verschwinden“. „Das Wasser zieht in deine Haut ein und dann friert es zu Eis und du stehst still, bis dich die Sonne küsst. (…) Ich hoff‘ der Sommer kommt nie zurück. Auf ewig Winter.“ „Auf dem Grunde des Meeres werd‘ ich meiner Narben erinnern und schweigen für immer“.

Und das waren nur die gewaltfreien Zitate. Nicht ganz untypisch für Metal könnte man meinen. Diesmal sogar in deutscher Sprache und wie aus dem wahren Leben (des Sängers) gegriffen. Vermutlich nicht so ganz abstrakt für den eigenen Lebenslauf der Musiker, wie beispielsweise von mittelalterlichen Folterinstrumenten zu singen.

Auf der Instagram-Seite der Band kann man kurze Clip-Fragmente sehen, die zeigen, mit welchem Körpereinsatz Kora Winter ihre Auftritte absolvieren. Dabei kommen mir Dillinger Escape Plan in den Sinn, die ihren virtuosen Hardcore-Metal ebenso mit extrem energetischen Konzerten verbanden.

Die Texte sind ein wichtiger Teil von Kora Winter. Entscheidend für mich ist aber die Tatsache, dass die Stücke eine beachtliche Komplexität aufweisen und damit auf unsere Seiten gehören. Denn laut Gitarrist Yuki Sorgler möchte man „eine Band mit experimentellem Ansatz“ sein.

So erklingen in dem Math-Rock-Hardcore-Metal von „Bluten“ überraschenderweise Sax-Solos. Ansonsten stehen in dem Stück virtuose und kreative Gitarrenbeiträge und ständig im Wandel begriffene Rhythmen neben vielseitigem Gesang, der zwischen melodisch klagenden und geschrienen Beiträgen wechselt. Bisweilen verlässt man ganz kurz die metallischen Gefilde, um mal ein melancholisches Zwischenspiel einfließen zu lassen. Die letzten zwei Sätze kann man auch auf die übrigen drei Stücke der EP anwenden. Natürlich mit der Ausnahme von „∞“.

Kora Winter haben schon mit Between Buried and Me, Leprous und The Hirsch Effekt getourt. Damit sei die Empfehlung an die Fans dieser Formationen ausgesprochen, den Berlinern von Kora Winter mal eine Chance zu geben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.5.2017
Letzte Änderung: 29.5.2017
Wertung: 10/15

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