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Tusmørke

Hinsides

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Folk; Gothic; Psychedelic; RetroProg
Label: Svart Records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Benediktator Bass, Gesang, Percussion, Glockenspiel
Krizla Flöte, Gesang, Percussion, Elektronik
HlegwagastiR Schlagzeug, Percussion
The Phenomenon Marxo Solinas Keyboards, Klavier
DreymimaðR Drehleier, Flöte, Krummhorn, Gesang

Gastmusiker

Ole Jørgen Benedictow Vorlesung ("Sankt Sebastians Alter")
Morten Øby Congas ("I Feel Like Midnight")

Tracklist

Disc 1
1. Hjemsøkte Hjem 5:24
2. I Feel Like Midnight 5:10
3. En Rykende Ruin 7:09
4. Lyssky Drøm 6:02
5. Sankt Sebastians Alter 23:36
Gesamtlaufzeit47:21


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Im Jahre 1349 (oder bereits ein Jahr zuvor, aber diese Angabe ist bis heute prägend) suchte die Pest Norwegen heim - dieses Ereignis, dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer gefallen sein soll, ist in der norwegischen Kultur bis heute präsent. Wie weit die konkreten Folgen der Epidemie reichen, ist umstritten, recht beliebt ist allerdings das Narrativ, wonach die Pest und ihre Folgen das Land soweit dezimierten, dass Norwegen in politische Abhängigkeit seiner Nachbarländer Dänemark und Schweden geriet und seine kulturelle Eigenständigkeit verlor. Reichlich Stoff für Legenden also, dem sich nun auch Tusmørke angenommen haben. Im Jahr 2015, als sich dies' grausige Ereignis zum 666. Mal jährte, entstand ein Longtrack namens "Sankt Sebastians Alter", der nun, 2017, das Herzstück und den Abschluss eines neuen Studioalbums namens "Hinsides" darstellt.

Natürlich verwundert die Tatsache, dass Tusmørke für den Nachfolger von "Ført Bak Lyset" keine 15 Monate gebraucht haben, und könnte angesichts der vier Stücke vor "Sankt Sebastians Alter" von einem Schnellschuss sprechen. Bei diesen Songs handelt es sich im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben um Songs, die zwar das Idiom der Band pflegen, kompositorisch jedoch vergleichsweise einfach gehalten sind. Entsprechend gibt es mit "Hjemsøkte Hjem" einen flotten Opener mit fröhlich-schaurig pfeifender Flötenmelodie, Kuhglocken-Percussion, einer auf wiederholten Akkordfolgen aufbauenden Strophe und einem eher unvermittelten Refrain. Aus dem Rahmen fallen lediglich die spacigen Synthies zu letzterem und der geradlinige, sich an einer Synth-Melodie orientierende und daher ein bisschen 80er-Goth-artige Instrumentalpart in der zweiten Hälfte. Auch "I Feel Like Midnight" stellt seine Substanz in Form einer einleitenden, in den Strophen nachgesungenen Melodie schon früh komplett ins Schaufenster. Immerhin spitzt der langsamere Refrain mit seinen drängenden Harmonien die Stimmung jeweils hübsch zu, und einen ausgefallenen Latin-artigen Instrumentalpart mit viel Klavier hat es auch noch.

"En Rykende Ruin" wird dann nochmals langsamer, wobei der einmal mehr Gesang zuvor von Flöte und Keyboards vorgegebenen Motiven folgt. Immerhin bringt der sehr ausladende Refrain, dessen Harmonien abwechselnd an Journeys "Wheel In The Sky" oder Sigur Rós' "Dánarfregnir og Jarðarfarir" erinnern, sogar mal den Dümpelrhythmus aus dem Tritt. Auf den zweiten Refrain folgt dann eine treibende Passage mit Wakeman-verdächtigen Keyboards, vielen Ah-ha-ha-Chören und einem harmonischen Ausklang samt anschließender repetetiver Steigerung, was an die langsame Passage im letzten Drittel von Kraftwerks "Autobahn" erinnert - ein netter Abschluss für dieses eher zäh angelaufene Stück. "Lyssky Drøm" schließlich beginnt mit auch später nochmals verwendetem Vogelgezwitscher und fällt entsprechend balladesk-pastoral, mitunter aber auch lau aus - die allenfalls verhalten eingesetzte Dramatik erinnert hier an Landberk. Spannender wird es erst mit einem wehmütigen, auf Flöten, Keyboard und Mellotron-Stricher polyphon aufgeteilten Instrumentalpart zu Trauermarsch-Begleitung nach gut zwei Minuten, danach sind aber noch zwei weitere - insgesamt vier! - Strophen zu erdulden, ehe es einen unterhaltsamen Wobbler-artigen Schlusspart mit Chorgesang und abschließend noch ein stilvolles Krummhorn-Outro gibt.

Wie angedeutet - diese Stücke sind im Vergleich zu denen der Vorgängeralben strukturell und melodisch simpel ausgefallen, zugleich lassen sie abseits der Instrumentalpassagen jenes Gespür für mitreißende Passagen weitestgehend vermissen, das noch auf "Ført Bak Lyset" Songs wie "Spurvehauken" oder "De Reiser Fra Oss" geprägt hatte. Angesichts des erwähnten, aber noch nicht beschriebenen "Sankt Sebastians Alter" verblassen diese Stücke natürlich, denn hiermit haben Tusmørke einen ziemlich starken Longtrack hingelegt, der nicht nur interessant strukturiert, sondern auch sehr gut arrangiert und entsprechend abwechslungsreich ist. Ersteres fußt darauf, dass zwei miteinander verwandte Themen im Mittelpunkt des Stückes stehen und für den nötigen Zusammenhalt sorgen. Konkret sieht das jedenfalls so aus: Das eine Thema wird ganz zu Anfang auf der Flöte vorgestellt, dann von boshaften Synthies überspielt, ehe Strophengesang einsetzt. Dieser steigert sich jeweils zu frenetischem Getrommel (eigentlich spielt man so im Black Metal), das mit bestimmten Fanfaren auf Flöte und Synthesizer endet - und jeweils zum B-Thema überleitet, das einer Drehleier entstammt, später auch von Synthies mitgespielt wird, in jedem Fall aber qua Pause alle Aufmerksamkeit für sich bekommt und melodisch übrigens an Ennio Morricones "Marcia degli accattoni" erinnert.

Nach gut sechs Minuten setzt dagegen über ordentlich reinhauende Klavierakkorde und gesteigerten Gesang eine ruhigere Passage mit Flöte und jazziger Xylofonbegleitung ein. Es folgt religiös anmutender Gesang (auf Latein, versteht sich) mit einer entsprechenden Atmosphäre à la Fabio Frizzi, was schließlich in vollem Retroprog mündet, der schön zwischen optimistischen und mysteriösen Stimmungen changiert. Deklamierender Sprechgesang nach ca. 10 Minuten zu marschierender Trommel führt dann nach gut zweieinhalb Minuten in einen geradlinigen, harten und rockigen Abschnitt mit Flöten-Riffing und boshaften Clavinet-Sounds. Die folgende Entspannung wird über eine Hammondorgel erzeugt, gefolgt von einem Flötensolo zu einem ambivalenten Hintergrund (eigentlich ruhig, aber die Becken sorgen für eine gewisse Rastlosigkeit), was schließlich jazzig ausklingt. Das ist aber eine Finte, denn danach wird erneut mit beschwörendem Gesang gesteigert... und dann tritt wieder dieses Morricone-Thema in seiner ganzen brachialen Pracht auf, gefolgt von leicht chaotischem Jazzrock - eine Wendung, die etwas an das Ende von Kansas' "Magnum Opus" erinnert. Den Abschluss bildet wiederum eine eher freie, teils auch gesangliche Interpretation des A-Themas.

Doch, so ist es: "Sankt Sebastians Alter" ist ein hervorragender Longtrack, der nach alter Schule wohlüberlegt komponiert, zusammengestellt und arrangiert wurde. Alleine das ist schon das Anhören von "Hinsides" wert, auch wenn man eben über die Songs davor geteilter Meinung sein darf. Vielleicht noch folgende Theorie hierzu: Tusmørke waren ja in den Jahren zuvor öfter mal mit kleineren Veröffentlichungen in Form von Singles, EPs oder Split-Veröffentlichungen sehr aktiv. Möglicherweise wurden nun eben solche Beiträge hier einfach gesammelt, was dann mit "Sankt Sebastians Alter" ein "komplettes" Album ergeben sollte. Vielleicht war es ja so - was dann erklären könnte, wieso die Hälfte von "Hinsides" kaum an "Ført Bak Lyset" anknüpfen kann, sondern eher auf dem Niveau von "Underjordisk Tusmørke" anzusiedeln wäre. Wie dem auch sei - "Sankt Sebastians Alter" sollte trotzdem in Erinnerung bleiben.

Anspieltipp(s): Abgesehen vom Longtrack wohl noch am ehesten "I Feel Like Midnight"
Vergleichbar mit: "Underjordisk Tusmørke", zuletzt auch Ennio Morricone, Fabio Frizzi, Gryphon und Kansas
Veröffentlicht am: 27.6.2017
Letzte Änderung: 6.7.2017
Wertung: 10/15
"Sankt Sebastians Alter" verdient eine fette 12-13

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Tusmørke

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2012 Underjordisk Tusmørke 10.00 2
2014 Riset Bak Speilet 12.00 1
2016 Ført Bak Lyset 12.00 2

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